Beyond Galaxyland REVIEW

Beyond Galaxyland ist bereits das zweite Spiel des US-Indie-Entwicklers Sam Enright. Wie schon bei seinem ersten Spiel „The Greater Good“ handelt es sich auch bei Beyond Galaxyland um ein rundenbasiertes Rollenspiel. Anders als beim letzten mal konnte der Solo-Entwickler Enright dieses mal jedoch einen Publisher finden. Bei letzterem handelt es sich um United Label, welche nicht nur das Marketing übernahmen, sondern auch etwas Unterstützung beim Artwork und dergleichen beisteuerten. Jedenfalls wurde das Spiel am 24. September 2024 für alle gängigen Systeme veröffentlicht. Ich selbst habe mir die Steam-Version gegönnt. Was dieses Science-Fantasy-RPG so alles zu bieten hat, erfahrt ihr im folgendem Review.

Gefangen im kosmischen Schutzreservat

Galaxyland ist ein terraformiertes Sonnensystem welches als Schutzreservat für mehrere Dutzend vom aussterben bedrohte intelligente Spezies dient. Galaxyland wird vom Konzern DreamCore betrieben, welcher von der Spezies Mo Godo geführt wird. Die Mo Godo sind die mit Abstand intelligenteste und fortgeschrittenste Lebensform in unserer Galaxie. Die Notwendigkeit von Galaxyland ergibt sich aus einer mysteriösen Bedrohung in Form eines zerstörerischen Virenschwarm, welcher nur als „Das Ende“ bezeichnet wird. Der Schwarm zieht von Planet zu Planet und konsumiert alles Leben. Das aktuelle Ziel von „Das Ende“ ist die Erde. Aus diesem Grund entführt DreamCore schon seit Jahrhunderten Menschen von der Erde, um diese in Galaxyland anzusiedeln.

Von alledem weiß der jugendliche Doug Dwyer zunächst nichts. Dieser lebt ein einfaches, glückliches Leben bei seinen Eltern. Als er eines abends mit seiner Freundin Rosie nach Hause kommt, möchte er dieser stolz sein Haustier in Form des bissigen Meerschweinchens Bumm Bumm zeigen. Doch als Doug das Elternhaus verlässt ist Rosie verschwunden. Ihr Schuh am Boden lässt schlimmes vermuten. Kurz darauf trifft die Vorhut von „Das Ende“ ein. Ein gruseliges schwebendes Alien beginnt plötzlich eine Hetzjagd auf Doug. Durch Zufall purzelt Doug während der Flucht in ein Loch am Boden. Der einzige Ausweg aus dem Höhlenstollen ist ein mysteriöses Portal. Doug und Bumm Bumm begeben sich durch eben dieses und finden sich kurz darauf in Galaxyland wieder. Einige von DreamCores Roboter-Flugdrohnen klären Doug über den Zweck von Galaxyland und das traurige Schicksal der Erde auf. Doug und Bumm Bumm, welcher von DreamCore einen unfreiwilligen Evolutionsschub verpasst bekommen hat, werden auf den Dschungelplaneten Erros überstellt, wo sie zukünftig ihr Leben verbringen sollen.

Dort haben die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten einige Städte errichtet und leben ihr Leben in Einklang mit der Natur. Letzteres geschieht jedoch nicht ganz freiwillig, da DreamCore den Menschen keine moderne Technologie gestattet. Von daher sind die Bewohner Erros gezwungen in mittelalterlichen Verhältnissen zu leben. Lediglich einige Alien-Schmuggler führen etwas Technik ein. Dies ist jedoch illegal. Wer sich in Besitz von Hochtechnologie befindet muss sogar mit einer Exekution durch DreamCore-Agenten rechnen. Als der ohnehin schon verstörte Doug solch einen Mord mit eigenen Augen miterlebt, wird für ihn endgültig klar, dass man DreamCore nicht trauen kann. Der Jugendliche möchte einfach nur nach Hause zu seinen Eltern auf der Erde. Und da DreamCore nicht vertrauenswürdig ist, könnte ja auch „Das Ende“ nur eine Lüge sein? Um die Wahrheit über den Zustand der Erde herauszufinden muss sich Doug jedoch ein Raumschiff mit Warpantrieb beschaffen. Und um an einen Warpantrieb heranzukommen wird man sich direkt mit DreamCore anlegen müssen.

Wie die Handlung weiter verläuft, müsst ihr jetzt freilich selbst herausfinden. Auf jeden Fall ist die Story eine große Stärke des Spiels. Man weiß halt nicht wo die Reise letztendlich hinführt und welche Wendungen sich als nächstes ergeben. Folglich hat man eine starke Motivation die Geschichte weiterzuverfolgen. Auch die Charaktere sind sehr liebenswürdig, da sie in der Regel auch ein gutes Stück bodenständiger sind als in vergleichbaren Spielen. Doug ist halt wirklich nur ein Jugendlicher, der sich plötzlich in einer irren Situation wiederfindet und jetzt halt gucken muss wie er zurechtkommt. Bei Bumm Bumm spürt man dessen Verwirrung und Qual plötzlich von einem Tier in ein intelligentes anthropomorphes Geschöpf verwandelt worden zu sein. Er kann in seiner neuen Form zunächst noch nicht mal richtig sprechen und muss diese Fähigkeit erst mühselig erlernen. Auch die anderen Team- und Gruppenmitglieder bringen diese sympathische Bodenständigkeit mit sich. Es sind halt Leute, die versuchen sich in einer fremden Galaxie zurechtzufinden und sich an einen Strohhalm namens Hoffnung klammern. Das ist mal was erfrischend anderes als die ganzen unfehlbaren Auserwählten und Superhelden vergleichbarer Spiele.

Zweidimensionales JRPG mit Platforming-Elementen

Bereits zu Spielbeginn legt Beyond Galaxyland einige Eigenheiten fest. So wird das Spiel aus der 2D-Perspektive gespielt, was für das Genre der rundenbasierten JRPGs ja eher unüblich ist. Tatsächlich wird die Perspektive auch dazu genutzt einige simple Platforming-Passagen einzubauen. Deren Komplexität und Anspruch halten sich jedoch in Grenzen, wobei aber auch interessante Situationen eingebaut wurden. So muss man in diesen Passagen auch mal Laserschranken ausweichen während man gehetzt wird, sowie Rätseleinlagen bewältigen, wie etwa Kugelobjekte von Punkt A nach B zu bugsieren oder Schalterrätsel lösen. Es gibt sogar eine zeitkritische Situation. Die Platforming-Passagen funktionieren soweit gut, wobei sie sich aber auch etwas träge und ungelenk anfühlen. Die Qualität eines vollwertigen Jump ’n‘ Runs sollte man also nicht erwarten, dem Abwechslungsreichtum tun sie jedoch sehr gut.

Doch im Kern steht natürlich das JRPG-Gameplay. Während der Erkundung der Spielgalaxie führen Doug und Co. nicht nur Dialoge mit NPCs und öffnen Schatzbehälter, sondern bewältigen auch viele rundenbasierte Kämpfe. Gegner sind übrigens stets sichtbar. Das bedeutet auch, das man versuchen kann Gegnern auszuweichen, indem man über sie hinwegspringt. Alternativ kann man auch einen Präventivschlag landen, um jemandem aus der Gegnergruppe im Vorfeld Schaden zuzufügen. Eine weitere Option ist die Fotografie. Doug kann mithilfe der Flugdrohne MartyBot sämtliche Lebewesen abknipsen, denen er begegnet. Dies ist nicht nur Bestandteil einer Sidequest, sondern hat auch den Vorteil, dass fotografierte Gegner im Vorfeld gescannt sind und man deren Lebensenergie einsehen kann.

Dies ist insbesondere deswegen wichtig, da man die Option hat stark angeschlagene Gegner einzufangen und anschließend auszurüsten, um diese künftig als Zauberwirker einzusetzen. Derart ausgerüstete Gegner können auch Erfahrungspunkte verdienen, damit sie stärkere Zauber und Techniken freischalten. Alternativ kann man die gefangenen Lebewesen auch bei einem speziellen Händler verkaufen. Letzteres ist insbesondere deswegen nötig, da man nur 50 Wesen gefangen halten darf. Jeder Charakter kann übrigens bis zu vier Wesen ausrüsten. Auf jeden Fall ist dieses System der Magieanwendung sehr kreativ und originell. Leider stehen den Charakteren nur relativ wenig BP zur Zauberwirkung zur Verfügung. Aus diesem Grund wird man diese bei weitem nicht so exzessiv nutzen wie man sich erhoffen würde. Verbrauchte BG und GP (Gesundheitspunkte) werden übrigens vollständig an Speicherpunkten regeneriert. Die Phasen zwischen den Speicherpunkten können jedoch dennoch gefährlich werden. Die Gegner sind stark und zwingen den Spieler auch gerne mal dazu seine Ressourcen in Form von Heiltränken einzusetzen. Das ist etwas, was bei weitem nicht jedes JRPG hinbekommt.

Auch der rundenbasierte Kampf bringt einige Besonderheiten mit sich. Standard-Angriffe erlauben mehrere Schläge auf den Gegner. Jeder erfolgreiche Treffer bringt einen Fähigkeitspunkt (FP) in den entsprechend Pool am rechten Bildschirmrand. Zu Beginn hat man ein Maximum an 10 Fähigkeitspunkten, jedoch kann man den Pool durch (Siede)quests auf 15 Punkte hochdrücken. Die FP benötigt man zum Einsatz der Charakter-spezifischen Talente. Neben diversen Kampftechniken gibt es auch speziellere Sachen, wie das bereits genannte Scannen oder einfangen der Gegner. Andere Charaktere können die Gegner auch bestehlen oder die eigenen Gruppenmitglieder heilen usw. Aber wie gesagt kann man diese Fähigkeiten nur nutzen, wenn ausreichend FP zur Verfügung stehen. Da einige Schläge regulärer Angriffe auch öfter mal fehlschlagen, und ein Fehlschlag FP abzieht, kann man einen Charakter auch warten lassen, damit sich dessen Zug in zusätzliche FP umwandelt. Durch dieses System wird der taktische Anspruch der Kämpfe spürbar gesteigert.

Aber auch sonst ist ein recht hoher Anspruch gegeben. Denn vor allem die Bosse und spätere Standardgegner hauen ordentlich rein und ziehen viele GP ab. Man kann feindliche Angriffe abmildern, indem man rechtzeitig den Verteidigungsbutton drückt. Hierfür ist Timing von Nöten. Gelingt der Block reduziert sich der erhaltene Schaden um die Hälfte. Die aktive Kampfgruppe umfasst drei Leute. Insgesamt gibt es sechs spielbare Charakter, einen von denen muss man jedoch durch eine Sidequest freischalten. Es ist übrigens erlaubt den jeweils aktiven Charakter uneingeschränkt gegen einen Inaktiven auszuwechseln, sofern man über mindestens vier Gruppenmitglieder verfügt. Damit ein Charakter Erfahrungspunkte bekommt, muss er im Kampf eine Aktion ausgeführt haben. Spieler von Final Fantasy X sollten mit diesem Konzept vertraut sein.

Wie in den meisten JRPGs kassiert man für bezwungene Gegner Erfahrungspunkte für Level-Ups, Geldeinheiten und Loot. Level-Ups verbessern die Statistikwerte der Spielfiguren, mit Geld kann man sich bei Händlern mit Heilgegenständen und Crafting-Items eindecken, und der Loot dient oftmals zum Crafting oder dem Verkauf.

Crafting ist durchaus nützlich, da man hierdurch günstig an Heilgegenstände und Zubehörteile gelangt. Letztere fungieren als Ausrüstungsstücke. Jeder Charaktere kann neben seiner Waffe noch vier Zubehörteile anlegen. Diese bringen teils sehr nützliche Wirkungen mit sich wie Statusboosts, zusätzliche Angriffsschläge, Resistenzen, Perma-Buffs usw.

Die Erkundung der Spielwelt macht sehr viel Spaß, da es abseits der Hauptquests viele optionale Orte gibt, welche mit interessanten Sidequests aufwarten. Da reicht die Bandbreite von einem Murder Mystery-Szenario über Superbosse bis hin zu Racing-Minigames. Letztere kommen in zwei verschiedenen Variationen daher uns sind simpel und spaßig gehalten. Wer mit den Racing.Minigames Probleme hat, kann auch deren Schwierigkeitsgrad im Optionsmenü drosseln. Sobald man das Spiel nach maximal 20 Stunden Spielzeit (bei gründlicher Spielweise) durchgezockt hat, schaltet man obendrein eine Game+ Option frei.

Im Game+ (bzw. Neues Spiel+) darf man zwei zusätzliche Punkte im Optionsmenü aktivieren, um den neuen Durchgang anspruchsvoller zu gestalten. So kann man stärkere Gegner und den „Echter Blocken-Modus“ aktivieren. Letztere sorgt dafür, dass das Timing beim Blocken erschwert wird und ein gescheiterter Block mit dreifachen Schaden bestraft wird. Jedoch gibt es für diese Extra-Herausforderungen keine zusätzlichen Achievements. Als störend empfand ich übrigens die Begrenzung auf gerade mal fünf Speicherslots. Obendrein wurde Beyond Galaxyland primär auf Controller-Steuerung ausgelegt. Mit Tastatur fühlt sich das Spiel nicht gut an und Maussupport gibt es nicht.

Grafik und Sound

Auf Basis der Unity-Engine setzt Beyond Galaxyland auf einen 2,5D-Grafikstil. Interessanterweise werden selbst die 3D-Elemente der Grafik mit 2D-Texturen belegt, damit die Spielwelt einheitlicher wirkt und einen unverwechselbaren grafischen Stil erhält. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn das Spiel sieht wirklich einmalig aus. Der Entwickler nutzt obendrein seinen eigenen Pixelstil, statt populäre Titel zu emulieren. In Kombination mit einer attraktiven Farbpalette, sehr abwechslungsreichen Ortschaften, gelungenen Animationen und einem sympathischen Artwork für die Textbox-Portraits kann die grafische Gestaltung von Beyond Galaxyland wirklich gefallen und Aufmerksamkeit gewinnen. Tatsächlich war der originelle Grafikstil auch einer der Hauptgründe, warum ich auf das Spiel aufmerksam geworden bin.

Leider hat die Grafik einen großen Schwachpunkt. Das Spiel wirkt oftmals äußerst dunkel. Ein Umstand der auch darin begründet liegt, weil das Spiel einen penetranten Vignette-Filter nutzt. Solange man das Spiel nah am Monitor spielt, ist das auch kein Problem. Sobald ihr euch jedoch etwas weiter weg vom Monitor bzw. TV-Apparat befindet, wird die chronische Dunkelheit zum großen Problem. Und ich will nicht wissen wie sich das Problem auf einem Handheld-Gerät äußert.

Der Soundtrack des Spiels ist äußerst eigensinnig. Die Tracks sind oftmals ziemlich schräg und abgedreht. Definitiv nicht das, was man sonst in diesem Genre geboten bekommt. Ich möchte ehrlich sein: Meinen Geschmack hat der OST nicht getroffen. Die Songs wirkten auf mich einfach zu verspielt, chaotisch und manchmal auch unpassend. Das heißt nicht, dass der OST schlecht ist, er ist halt was eigenes und anderes. Aber wie gesagt: Meinen Geschmack konnte die Musik nicht treffen. Obendrein mangelt es dem Spiel an einer Sprachausgabe. Die Soundeffekte sind jedoch ganz gut und die deutsche Textübersetzung geht trotz kleinerer Fehler auch völlig in Ordnung.

Pro & Kontra

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Pros
  • sehr spannende Story mit angenehmen Charakteren in einem kreativen Setting
  • gutes Rundenkampfsystem mit gelungenen Mechaniken
  • bietet trotz der kurzen Spieldauer überraschend viel zu entdecken
  • unverwechselbarer, charmanter Grafikstil
  • bietet Abwechslung in Form von Jump- und Geschicklichkeitspassagen, Rätseleinlagen und Racing-Minigames

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Cons
  • die Grafik ist zwar charmant, leidet jedoch unter starker Dunkelheit und einem störenden Vignette-Filter
  • keine Sprachausgabe
  • gewöhnungsbedürftiger OST
  • ist etwas kurz geraten, selbst Komplettisten brauchen nur ca. 20 Stunden

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