The Legend of Heroes: Trails from Zero REVIEW

Nachdem Falcom im dritten Ableger ihrer Trails in the Sky-Trilogie viele Anspielungen auf kommende Zyklen und einige offene Mysterien aufbauten, war es wohl nur eine Frage der Zeit, ehe der vierte Ableger der JRPG-Serie „Trails“ bzw. „Kiseki“ das Licht der Welt erblicken sollte. Bei Trails/Kiseki handelt es sich übrigens um eine Abspaltung von Falcoms „The Legend of Heroes“-Reihe. Was aber eigentlich keine große Rolle spielt, da die ersten fünf Spiele dieser Serie in anderen Welten stattfinden die nicht mit der Welt von Trails/Kiseki zusammenhängen.

Jedenfalls bekamen die japanischen Kiseki-Fans am 30. September 2010 das nächste Spiel spendiert, welches in der englischen Übersetzung The Legend of Heroes: Trails from Zero genannt wird. Das rundenbasierte JRPG erschien zunächst exklusiv für die Playstation Portable (PSP), bekam jedoch in den nächsten paar Jahren auch noch Umsetzungen für den PC und die PS Vita.

Die Veröffentlichung in der westlichen Welt ließ hingegen sehr lange auf sich warten. Erst gegen Ende des Septembers 2022 trudelte eine Wiederveröffentlichung mit englischen Texten ein. Diese steht für den PC, die PlayStation 4 und die Switch zur Verfügung. Ich selbst habe mir die PC-Steam-Version zugelegt. Ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat, und die vierte Trails-Auskopplung mit den Vorgängern mithalten kann, erfahrt ihr im folgendem Review.

Polizist sein in einem von Korruption zersetztem Zwergstaat

Die Handlung beginnt zwei Monate nach den Ereignissen des letzten Spiels (Trails in the Sky the 3rd). Der 18-jährige Lloyd Bannings hat vor kurzem seine Ausbildung zum Polizisten abgeschlossen und befindet sich folglich auf dem Heimweg in sein Heimatland Crossbell, um den Dienst anzutreten. Damit versucht er die Fußstapfen seines großen Bruders Guy auszufüllen, welcher im Polizeidienst ermordet wurde. Jedoch erwartet Lloyd vor Ort eine unangenehme Überraschung, denn die Crossbell-Polizei möchte Lloyd in eine neue, experimentelle Abteilung eingliedern, die sogenannte „Special Support Section“ bzw. die „SSS.“ Sinn der SSS ist es der örtlichen Bracer-Gilde Konkurrenz zu machen, und das Vertrauen der Bürger in die Polizei zurückzugewinnen.

Die Notwendigkeit hieraus ergibt sich in der ungewöhnlichen politischen Situation von Crossbell. Crossbell hat nämlich das Pech ein Zwergstaat inmitten zweier rivalisierender Großmächte zu sein. Die da wären das Imperium von Erebonia und die Republik von Calvard. Crossbells geografische Lage hat einerseits den Vorteil, dass sich der Staat ein dickes finanzielles Polster als technologisch fortschrittliche Handelsmetropole aufbauen konnte, aber andererseits erstickt das Land unter den teils böswilligen politischen Einflüssen seiner großen Nachbarländer. Sowohl Erebonia als auch Calvard lassen ihre Mafia-Schergen in Crossbell agieren, um ihren Kuchen vom Reichtum des Zwergstaats abzugreifen und ihre politischen Positionen zu festigen. Dementsprechend ist die schicke, moderne Hauptstadt also auch eine Hochburg der Kriminalität. Dummerweise stecken große Teile der politischen Riege mit den Kriminellen unter einer Decke, was es der örtlichen Polizei sehr schwer macht Recht und Gesetz durchzudrücken. Freilich bekommt das auch der einfache Bürger mit, weswegen die Crossbell-Polizei einen miserablen Ruf intus hat und stattdessen lieber die Bracer-Gilde zu Hilfe gerufen wird.

Doch nun gibt es ja die SSS, welche an dieser Stelle Abhilfe schaffen und sich um die Sorgen und Nöte des kleinen Bürgers kümmern soll. Allerdings wird die neue Abteilung von der Polizei nicht wirklich ernst genommen und bereits im Vorfeld als gescheitertes Experiment betrachtet, welches zeitnah aufgelöst werden soll. Und auch die Presse und Zivilbevölkerung hat für das neue Projekt nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Dennoch gelingt es Sergei Lou, dem Leiter der SSS, mit Lloyd Bannings, der charmanten Bürgermeister-Tochter Elie MacDowell, dem Wunderkind Tio Plato und dem lebenslustigen Soldaten Randy Orlando eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Ob das Quartett der Herausforderung gerecht wird und die Lebensqualität in Crossbell verbessern kann?

Da mit The Legend of Heroes: Trails from Zero ein neuer Zyklus in der umfangreichen Trails/Kiseki-Spielreihe eingeleitet wird, beginnt das Spiel im kleinen, bodenständigen Rahmen. Über weite Strecken führt man halt tatsächlich nur Polizeiarbeit durch. Sei es nun vermisste Personen aufzuspüren, Straßengangs zur Vernunft zu prügeln, den Mafiosos ein Schnippchen zu schlagen oder ein Festival vor Terrorattacken zu schützen – es bleibt über weite Strecken alles sehr greifbar und entspricht dem Polizei-Thema, welches das JRPG anpeilt. Nebenbei erledigt man dann noch die altbekannten, optionale Aufträge, die hier genauso funktionieren wie die Bracer-Quests der Vorgänger und liest sich bei Bedarf durch unzählige Zeilen NPC-Dialog. Erst gegen Ende nimmt die Handlung fahrt auf und schlägt einen Bogen zu einigen offenen Handlungssträngen der Vorgänger. Daher möchte ich auch von einem Quereinstieg abraten und stattdessen empfehlen, erst einmal die Trails in the Sky-Trilogie durchzuspielen. Denn obwohl ein neuer Zyklus beginnt, merkt man, dass vom Spieler einige Vorkenntnisse erwartet werden. Neulinge kapieren halt nicht, warum die Bracer-Gilde so cool ist, oder was es mit einigen der Nebencharaktere auf sich hat.

Die Polizei-Thematik des Spiels dürfte wohl auch der Grund sein, warum das Spiel eine USK-Einstufung ab 16 Jahre erhalten hat, da hier freilich erwachsene Themen wie organisierte Kriminalität, Drogenmissbrauch und dergleichen zu Sprache kommt. Ist also trotz des Looks kein Spiel für kleine Kinder.

Arm an Neuerungen, aber dafür mit zeitsparenden High-Speed Mode



Nachdem die Trails/Kiseki-Reihe im letzten Ableger einen ebenso merkwürdigen wie unerwarteten Abstecher ins Dungeon-Crawler Subgenre gemacht hat, kehrt „Trails from Zero“ wieder zu den alten Tugenden der ersten beiden Teile zurück. Wer einen der ersten beiden „Trails in the Sky“-Teile gespielt hat, weiß also schon ziemlich genau, was ihn in Zero erwartet. Dementsprechend werde ich versuchen mich kurz zu fassen und verweise für tiefer gehende Details zu den grundlegenden Spielmechaniken auf meine Tests zu den Vorgängern.

Das größte Alleinstellungsmerkmal von The Legend of Heroes: Trails from Zero ist die vergleichsweise überschaubare Spielwelt. Das Land Crossbell ist sehr klein und bietet nur eine sehr überschaubare Landmasse. Dementsprechend wird man über das gesamte Spiel hinweg immer wieder die gleichen Umgebungen durchwandern. Zwar kommen mit jedem Kapitel auch ein paar neue Orte in Form von zuvor abgesperrten Ruinen oder einem Abstecher in einen Vergnügungspark hinzu, aber die Kerngebiete bleiben gleich. Hierdurch können mit der Zeit natürlich Abnutzungserscheinungen entstehen, welche man von Weltumspannenden JRPGs eben nicht gewohnt ist.

Das Positive an dieser Ausrichtung ist jedoch, dass man einen engen Bezug zu Crossbell samt Einwohner aufbaut und sogar seine eigene Basis erhält. In Letzterer kann man leider nicht viel machen außer Sidequests entgegen nehmen und abgeben, ein paar Staubfänger-Gegenstände für die Zimmer der Protagonisten erwerben und eine streunende Katze auf dem Dach des Gebäudes füttern, um von dieser Geschenke zu erhalten. Da hätte man mehr draus machen können.

Apropos Nebenaktivitäten: Trails from Zero bietet dieselben Zerstreuungen an wie die Vorgänger. Man kann Mahlzeiten kochen, welche primär als Heilgegenstände fungieren, im örtlichen Casino die gängigen Glücksspiele zocken (Poker, Blackjack, Roulette und Einarmiger Bandit), sowie an spezifischen Stellen der Spielwelt Fische angeln. Und nein, Letzteres ist immer noch nicht an ein Minispiel gekoppelt, sondern erlaubt lediglich die Auswahl von Angelrute und Köder.

Neuerungen muss man mit der Lupe suchen und sind auch nicht immer positiv. So fällt auf, dass die Kamera oftmals recht nah am Geschehen platziert wurde, was es manchmal schwierig macht Gegner von hinten zu überrumpeln, um Präventivangriffe abzustauben. Des Weiteren ist es nicht mehr möglich die Kamera zu drehen. Diese Einschnitte sind eventuell auf die neue Mutterhardware in Form der PSP zurückzuführen. Die Sky-Vorgänger wurden ja primär für den PC kreiert und konnten somit auf mehr Power zurückgreifen. Eine positive Verbesserung ist hingegen der neue High-Speed Mode. Per Knopfdruck kann man die Spielgeschwindigkeit merklich erhöhen, was vor allem dabei hilft die Rundenkämpfe bedeutend schneller abzuwickeln.

Der Kampf selbst funktioniert wie gehabt, allerdings gibt es dieses mal einen neuen Bonus Icon-Zusatzeffekt in Form des „Team Rush.“ Dieser ist ein verheerender Teamangriff der vier Gruppenmitglieder und fügt dem Gegner massiven Schaden zu. Ein erfolgreicher Präventivangriff belohnt mit einem Erstschlag, welcher immer Critical-Icons und oftmals auch den Team Rush einbringt. Hierdurch kann man den Standard-Gegnern sehr gut beikommen, welche auf den Maps ja immer sichtbar sind.

Und damit ist eigentlich auch schon alles zu Trails from Zero gesagt. Weitere Ausführungen wären eigentlich nur kalter Kaffee, die ich bereits in den Tests zu den Vorgängern dargelegt habe.
Erwähnenswert ist jedoch noch das neue Extras-Menüs, welches man nach Abschluss des Spiels freischaltet. Hier kann man diverse Gallerien, die Casino-Minigames und vor allem die Boni für den Game+ Modus freikaufen. Zum Freikaufen benötigt man Punkte, welche man für erlangte Achievements erhält. Somit bekommen letztere auch eine praktische Funktion, was eine feine Sache ist, und vielleicht auch dazu motiviert das Spiel weitere male auf höheren Schwierigkeitsgraden durchzuspielen. Freilich bietet auch dieser Ableger wieder vier Schwierigkeitsgrade.

Grafik und Sound

Tja, was gibt es an dieser Stelle groß zu sagen? Obwohl es sich bereits um den vierten Teil der Reihe handelt, das Spiel primär für die PSP kreiert wurde und ein neuer Zyklus eingeleitet wird, bleibt Falcom dem Grafikstil der Vorgänger treu. Einem Grafikstil der bereits 2003 in Ys VI etabliert wurde und somit schon ordentlich Staub angesetzt hatte. Andererseits bietet der Stil eine zeitlose Schönheit, welcher Fans von JRPGs gut gefallen dürfte.

Die isometrischen 3D-Landschaften, die liebevoll gestalteten Chibi-Charaktermodelle, ein paar nette Lichteffekte für Zauber und Spezialtechniken sowie das ansehnliche Anime-Artwork fügen sich zu einem charmanten Gesamtbild zusammen. Etwas nervig ist jedoch der Wechsel des Künstlers für die Anime-Zeichnungen. Für The Legend of Heroes: Trails from Zero engagierte man einen externen Künstler namens Katsumi Enami, statt den Firmen-eigenen Zeichner zu verwenden, welcher unbenannt bleibt. Das ist aber nur hinsichtlich jener Charaktere problematisch, die man von den Vorgängern kennt. Mir persönlich hat das Artwork der Vorgänger besser gefallen, was aber nicht bedeutet, dass Enamis Leistung schlecht sei. Weiterhin fällt auf, dass die Kamera dieses mal nicht mehr gedreht werden kann und sehr oft ziemlich nah am Geschehen platziert wurde. Diese Einschränkung bzw. Maßnahme ist wahrscheinlich der neuen Mutterhardware in Form der PSP geschuldet, aber wer weiß das schon.

Auch der Soundtrack entspricht dem, was man bislang von der Serie kennengelernt hat. Schöne Melodien, welche die jeweiligen Ortschaften und Situationen unterstützen, jedoch den finalen Schritt zum legendären Ohrwurm verpassen. Eben ein guter OST für ein JRPG, aber leider kein Dauerbrenner. An den Soundeffekten habe ich spontan nichts auszusetzen, und die japanische Sprachausgabe ist gefällig, wenn auch kein Ersatz für eine englische Synchro, welche man sich dieses mal gespart hat. Andererseits ist die Synchronisation dieses mal wesentlich umfangreicher. In den Vorgängern beschränkte sich die Synchro auf die Kämpfe, dieses mal wurden auch endlich viele Zwischensequenzen vertont – aber halt nur auf japanisch. Eine deutsche Textübersetzung sucht man übrigens erneut vergeblich. Englischkenntnisse sind bei einem derart textlastigen Spiel also definitiv von Vorteil.

Pro & Kontra

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Pros
  • wie von der Serie gewohnt gibt es auch hier wieder zahlreiche sympathische Charaktere
  • die Polizei-Thematik ist im JRPG-Bereich frisch und unverbraucht
  • die altbekannten Kampf- und Orbmentsysteme sind immer noch unterhaltsam
  • gewohnt großer Umfang mit vier Schwierigkeitsgraden, vielen Sidequests und haufenweise an Textzeilen
  • neuer High-Speed Mode, welcher es erlaubt die Spielgeschwindigkeit per Knopfdruck zu erhöhen und somit viel Zeit spart

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Cons
  • bietet keine nennenswerten Neuerungen im Vergleich zu den Vorgängern
  • der Crossbell-Zwergstaat ist sehr übersichtlich, weswegen auf Dauer Abnutzungserscheinungen entstehen können
  • ist mit 39,99 € zu teuer für ein über 10 Jahre altes PSP-Spiel
  • keine deutsche Textübersetzung
  • die Sprachausgabe steht nur auf japanisch zur Verfügung
  • es gibt keine drehbare Kamera mehr

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