Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden REVIEW

Videospiele können große Geschichten erzählen, die uns mitreißen, emotional berühren, uns gar Tränen in die Augen treiben. Aber Videospiele mit wirklich guten Humor (wobei gut natürlich Ansichts- und Geschmackssache ist)? Die sind in meiner Wahrnehmung rar gesät. Manch einer mag sicherlich die Albernheiten von Saints Row hervorbringen, die zugegebenermaßen gut geschriebenen Texte eines Day of the Tentacle oder auch Portal mit seinem sehr eigenwilligen Ansatz. Und auch die mittlerweile längst wieder abgeschwächte Welle an Spielen mit bizarren physikalischen Spielereien (Octodad und Co.) scheint ihr Publikum gefunden haben. Ich hingegen stelle für mich fest, dass Videospiele nicht das Medium sind, zu dem ich greife, wenn ich lachen will. Aktuell gibt es allerdings eine Ausnahme: Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden.

Das geht?


Der nunmehr dritte Teil von Nintendos alberner Lebenssimulation hat mir nicht nur ein paar Schmunzler abgewonnen, sondern mich wirklich und herzhaft zum Lachen gebracht. Immer und immer wieder. Ich habe die Reihe immer als verschrobene Antwort auf Die Sims verstanden (ganz falsch ist der Vergleich ja nicht), bin mir aber nicht bewusst gewesen, wie albern und geradezu bizarr es in dieser Reihe zugeht. Und ja, das hat auch damit zu tun, das man bemerkenswert viele Freiheiten geboten bekommt, um Schindluder zu treiben. Unter anderem kann man den als Bewohnerinnen und Bewohner dienenden Miis Wörter in den Mund legen, über welche sie mit anderen sprechen. Dank Text-to-Speech bekommt man hier nicht einfach nur einen Text, sondern die Sätze auch wirklich dargeboten, was auf eine herrliche Art und Weise uncanny ist – nicht nur, weil man die Stimmfarbe der Miis ins absolut Absurde drehen kann.

Ich habe diesen Umstand gleich mal ausgenutzt und das…ähem Bumsen zum Thema Nummer 1 in Konversationen erkoren. Hey, ich habe nie behauptet ein Feingeist zu sein Und so albern, pubertär und doof das auch ist, es funktioniert bei mir. Auch wegen der Inszenierung, denn wenn die Miis sich unterhalten, dann machen sie das oft energisch und mit voller Freude. Ja, ich kann darüber lachen wenn die virtuellen Figuren mit ihren seltsamen Stimmen ständig übers bumsen reden. Wenn sie mir freudig erzählen, wie sich anderen näher gekommen sind durch das Bumsen. Wie das Bumsen der Grund zu einem Zerwürfnis gewesen ist. Oder aber auch der Grund für die große Liebe.

Ich bin wirklich erstaunt, wie filterfrei Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ist und habe – rein aus Testzwecken natürlich – noch ganz andere Begrifflichkeiten in den Raum geworfen, welche als Gesprächsthema dienen können. Und ja, da scheint wirklich fast alles zu gehen – und das bei einem Spiel von Nintendo?!! Und hier hört es noch lange nicht auf. Mittels eines Editors kann man so ziemlich alle möglichen Gegenstände erstellen. In Kyoto hat man sich sicherlich gedacht: Hey, die Leute können so Haustiere oder Essen erstellen. Theoretisch kann ich aber auch Zigaretten machen, oder Pokemon, die sich auch bewegen. Oder ganz, ganz andere Sachen. Der Fantasie sind nahezu keine Schranken gestellt und ich verstehe schon ganz gut, warum Nintendo mit diesem Serienteil unterbindet, dass man selbst erstellte Kreationen nicht mehr online mit anderen Spielerinnen und Spielern teilen kann. Hier würden wahrscheinlich irgendwann wirklich Marken- und Lizenzrechte gebrochen werden – und noch ganz andere. Und Screenshots und Videos werden zwar auf der Konsole im Album, aber in diesem Fall nicht in der Nintendo Switch App gespeichert. Offenbar weiß man ganz genau, welches Monster man hier geschaffen hat.

Editor der unbegrenzten Möglichkeiten


Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ist ein Spiel für diejenigen, die kreativ werden wollen oder Spaß dran haben einem virtuellen Puppenhaus zuzusehen. Der kreative Teil ist cool und dank der Editoren auch wirklich tiefgehend. Voraussetzung sind einigermaßen guten Zeichenkünste. Diese habe ich leider nicht und so sehr ich mich auch bemühe, so richtig zufrieden war ich mit keiner meiner Kreationen. Das Bebauen der Insel mit einem stetig wachsenden Pool an Gegenständen wie Pflanzen, Dekorationsobjekten, verschiedenen Böden und mehr ist einfach gehalten und eher zweckmäßig als ein wirklich motivierendes Features. Zumindest für mich. Mehr Spaß habe ich dann schon am Zugucken, insbesondere die absurden Momente zwischen den Miis ziehen mich immer wieder rein.

Theoretisch kann man auch bei den Miis machen was man will. Man kann Ebenbilder der eigenen Familie und Freunde erstellen oder auch fiktive Figuren und Promis. Oder total am Rad drehen. Auch hier gewähren die Entwickler viele Freiheiten und ich bin absolut fasziniert von dem, was Spielerinnen und Spieler auf Social Media teilen. Ein User hat etwa die Horrorikonen Freddy Krueger, Jason Voorhees und Leatherface nachgebaut, ein anderer den kompletten Cast von Breaking Bad. Ja, all das kann der Editor, sofern man die Geduld und das Talent hat – oder sich an einer Anleitung hält, von der es mittlerweile auch viele online zu finden gibt.

Freunde finden, Partner heiraten, Kinder erziehen


Wie gesagt liegt die Faszination des Spiels für mich vor allem beim zusehen. Entsprechend ist Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden für mich auch kein Titel, den ich Stunden am Stück spiele, sondern für 30, 45 Minuten. Wann es mir eben passt. In dieser Zeit füttere ich meine Miis, gucke im Mode-Laden, welche neuen täglichen Waren es gibt. Ich erfülle Wünsche, richte die Wohnungen mit vorgefertigten Sets ein und versuche den Level für die Zufriedenheit zu steigern.

Wenn sich zwei Miis besonders gut verstehen, kann aus einer Freundschaft auch eine Liebe entstehen und Nachwuchs mit sich bringen. Das Ganze ist allerdings rudimentär gestaltet und kaum der Rede wert. Es sind also weniger die großen Momente, als vielmehr die vielen kleinen zufälligen Albernheiten, die man mitbekommt. Es ist zum Beispiel super putzig wenn ein verliebter Mii seine oder ihre Liebe gestehen will. Oder wenn ein großer Streit entspringt und Chaos ausbricht.

Einzigartiger Stil


Beim Spielen ist mir immer wieder aufgefallen, wie sehr ich das Nintendo der Wii-Ära vermisse. Ich mag die Nintendo Switch und auch die jetzige Switch 2 begeistert mich stetig aufs neue, was Spiele und die Konsole selbst angeht. Aber Nintendo hat in den letzten Jahren auch an eigener Identität eingebüßt und ist etwas glatter geworden, als zuvor. Die Miis sind dafür das beste Beispiel und ich hoffe der offensichtliche Erfolg und Hype um Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ruft diesen Umstand bei Nintendo etwas zurück ins Gedächtnis.

Das Spiel hat viel Herz und Seele und schreit förmlich: ich bin einzigartig. Vor allem in der visuellen Gestaltung, die mit ihrer Mischung aus Comic-Grafik und abfotografierten Fotos für Gegenstände und Hintergründe einen ganz eigenen Vibe hat. Und auch die Musik und vor allem die Soundeffekte unterstreichen den eigensinnigen Charakter des Spiels.

Video zum Spiel

Pro & Kontra

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Pros
  • umfangreicher Mii-Editor, noch umfangreicherer Editor zur Gestaltung eigener Gegenstände
  • im Kern eine schöne Lebens-Simulation
  • einzigartiger visueller Stil
  • sehr eigenwilliger Humor der tatsächlich funktioniert (bei mir)

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Cons
  • eher eingeschränkte Lebens-Simulation-Möglichkeiten
  • einige Features des Vorgängers sind weggefallen

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