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Der Junge und das Biest REZENSION

Der Junge und das Biest - Key-Art
Drei große Filme hat Mamoru Hosoda in den vergangenen zehn Jahren als Regisseur betreut, alle drei gelten gemeinhin mehr oder weniger als Klassiker des modernen Anime-Kinos. Entsprechend groß ist natürlich die Erwartungshaltung an das neueste Werk des Japaners, welches er bereits im vergangenen Jahr in seinem Heimatland veröffentlicht hat. Dort war der Film gar der zweiterfolgreichste des Kinojahres 2015 und spielte 48,6 Millionen US-Dollar ein. Dieser Tage erscheint Der Junge und das Biest auch bei uns auf DVD und Blu-ray und will zumindest auf dem hiesigen Heimkinomarkt an bisherige Erfolge anknüpfen.

 

Ungleiche Freunde


Der Junge und das Biest - Screenshot 1

Nach dem Tod seiner Mutter soll der neunjährige Ren bei Verwandten unterkommen. Der von den jüngsten Ereignissen traumatisierte Junge möchte sich damit aber nicht abfinden und entschließt abzuhauen. So irrt er auf den nächtlichen Straßen Tokyo´s herum, als er plötzlich eine seltsame Gestalt wahrnimmt und dieser in eine abgelegene Gasse folgt. Ehe sich Ren versieht, findet er sich in einer vollkommen anderen Welt wieder, die offenbar von tierähnlichen Wesen bewohnt wird. Bald wird er aufgeklärt, dass er sich im Königreich der Biester befindet, in welchem die übernatürlichen Bakemono leben.

Hier trifft er auch auf den bärenartigen Kumatetsu, jener Gestalt, der in das fantastische Reich nachgelaufen ist. Kumatetsu ist Schwertkämpfer und will Nachfolger des amtierenden Herrschers werden. Dieser hat sich nämlich dazu entschlossen, ein Gott zu werden und will sein Amt ruhen lassen. Doch Kumatetsu ist faul und griesgrämig, von Training hält er sowieso nicht viel. Mit solch einer Einstellung hat er gegen seinen Rivalen und den Favoriten auf den Anwärter des Herrscher-Titels, Iōzen, aber wenig Chancen.

Kumatetsu entschließt Ren bei sich aufzunehmen und ihn zu unterrichten. Dafür tauft er ihn in Kyūta um und beginnt, mehr schlecht als recht, den Jungen zu unterweisen. Zwar zanken sich die beiden häufiger, als es gesund ist. Doch zwischen beiden entsteht gleichzeitig ein enges Band, welches über eine normale Freundschaft hinaus geht. Doch mit den vergehenden Jahren sehnt sich Kyūta auch immer mehr in die menschliche Welt zurück…

 

Toller Anfang, schöner Mittelteil…


Der Junge und das Biest - Screenshot 6

Mit seinem nunmehr vierten großen Originalfilm vermischt Hosoda einmal mehr reale und fantastische Elemente. Und so fantastisch die Welt der Biester auch ist, so simpel ist im Grunde der Plot, welcher heruntergebrochen nicht sehr viel mehr als die Geschichte von Meister und Schüler ist, in welche später auch noch ein bisschen Romanze und der Wille nach Rache hineingelegt wird. Ich bin mir bewusst, dass direkte Vergleiche immer etwas unfair sind, aber sie sind in diesem Falle durchaus angebracht. Denn auch die Vorgängerfilme von Der Junge und das Biest hatten im Kern einfache Storys, waren in ihrer Umsetzung dann aber doch um einige Stufen geschlossener.

Mein großes Problem mit Der Junge und das Biest ist das letzte Drittel. Bis dahin ist der Film auf einem guten Niveau angesiedelt und erzählt eine emotionale Geschichte, die mich auch mitgenommen hat. Im letzten Akt wird schließlich die große Action-Keule geschwungen, man legt gar Teile des Tokyoter Viertels Shibuya in Schutt und Asche und geizt auch ansonsten nicht mit bombastischen Szenen. Das ist per se ja nichts Verwerfliches, im vorliegenden Fall fühlt es sich aber einfach unnatürlich an und gibt der Handlung einen geistlosen Beigeschmack.

 

…aber das Ende?


Der Junge und das Biest - Screenshot 7

Ich will an dieser Stelle aufgrund von möglichen Spoilern nicht zu sehr in die Tiefe gehen, allerdings findet im Film plötzlich eine starke Charakterentwicklung statt, die sich zwar untergründig angekündigt hat, aber einen Nebencharakter betrifft, der zuvor eine vollkommen untergeordnete Rolle gespielt hat. Besagter Charakter entschließt sich plötzlich die Sau rauszulassen und sich an Kyūta und Kumatetsu zu rächen.

Das wirkt auf mich einfach zu konstruiert und der Film hätte eine solche drastische Wendung in keinen Fall benötigt. Denn die Stärken liegen wo ganz anders, nämlich bei der feinfühligen Zeichnung der Figuren und der faszinierenden Welt der Biester. Vor allem die zaghafte Liebesgeschichte von Kyūta, der zwischenzeitlich zwischen den Welten wandert und ein Mädchen kennenlernt, und der dadurch entstehende Konflikt zu Kumatetsu, der seinen Ziehsohn nicht verlieren will, ist um Längen interessanter, als das aufgesetzte, wenn auch visuell eindrucksvolle Action-Gewitter gen Ende.

 

Ein Augenschmaus


2D_Packshot_DerJungeunddasBiest_BD

Warum Hosoda seinen Film so hat enden lassen, ist mir nicht ganz bewusst. Denn normalerweise hat der Japaner ein sehr gutes Händchen Filme auf den Punkt und mit einer Pointe enden zu lassen, die auch im Gedächtnis bleibt. Der Junge und das Biest hat mich hingegen mit einem leeren Gefühl zurückgelassen. Damit will ich nicht sagen, dass der Film schlecht ist. Das ist er auf keinen Fall, doch meine eigene Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt.

Dennoch bleibt mir der Film im Nachhinein positiv in Erinnerung. Denn die Figuren haben mir Spaß gemacht, die Dialoge sind witzig und es gibt viele gute Szenen. Und vor allem in visueller Hinsicht wurden einmal mehr alle Register und Möglichkeiten gezogen, die einem hoch budgetierten Animefilm heute zur Verfügung stehen. Das verantwortliche Studio Chizu hat hier definitiv sein bisheriges Meisterstück vorgelegt und sich im Vergleich zum ersten Film des Unternehmens, Ame & Yuki – Die Wolfskinder, noch einmal gesteigert.

Die hiesige Heimkinoveröffentlichung (mir liegt die Blu-ray Fassung vor) steht dem im Nichts nach und punktet mit einem fantastischen Bild-Output (16:9 – 1.77:1 Format) und klaren Sound (DTS-HD 5.1). Neben dem originalen japanischen Ton kann man natürlich auch auf die deutsche Lokalisation zugreifen. Diese hat mir unterm Strich sehr gut gefallen und steht dem etwas energischeren Original Sprechercast in kaum etwas nach. Wie immer entscheidet hier der eigene Geschmack über die favorisierte Tonspur. Der Film wird hierzulande auf DVD und Blu-ra veröffentlicht. Zusätzlich zu den beiden 1-Disc Fassungen gibt es außerdem eine limitierte Edition, die mit einer zusätzlichen Blu-ray ausgestattet ist. Dies ist auch die einzige Fassung, bei der man in den Genuss von zusätzlichen Extras kommen kann. Darüber hinaus erhalten Käufer der Limited Edition noch ein Filmguide- und Novel-Booklet.

 

Fazit

Irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Der Junge und das Biest hat definitiv seine Stärken, sowohl in visueller, wie auch in narrativer Hinsicht. Die Figuren sind sympathisch und wachsen ans Herz, die Welt der Biester ist faszinierend gestaltet und von vielen unterschiedlichen Wesen bewohnt, die tricktechnisch ebenso toll umgesetzt sind, wie der ganze Rest des Filmes. Und auch die Handlung ist zunächst interessant und fesselt, doch das nimmt mit zunehmender Spielzeit immer weiter ab und mündet schließlich in einem letzten Drittel, welches sich für mich sehr unnatürlich und aufgesetzt anfühlt. Hier hätte Hosoda seinen Film locker um 30 Minuten kürzen und ein anderes Ende wählen können, das Ergebnis wäre wohl zufriedenstellender. Trotzdem will ich eine Sehempfehlung aussprechen, denn aus objektiver Sicht ist Der Junge und das Biest nach wie vor ein guter, wenn eben auch nicht perfekter Film.

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2 Responses to Der Junge und das Biest REZENSION

  1. Politischandersdenkender sagt:

    Welche Extras befinden sich auf der Bonus Disk?

    • Adrian sagt:

      Das kann ich dir leider nicht beantworten, da unsere Rezensions Blu-ray die Einzeldisc Version war und die Boni nur auf der limitierten Fassung mit zwei Discs drauf sind.

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