Cryogear REVIEW
Zu Beginn dieses Reviews möchte ich einen kleinen Einblick in die Arbeit als Spieletester gewĂ€hren – zumindest in die Art, wie ich fĂŒr gewöhnlich Videospiele auf Herz und Nieren ĂŒberprĂŒfe. Zuerst wĂ€re da natĂŒrlich das ausgiebige Zocken des Titels, der mir auf dem Seziertisch prĂ€sentiert wird, und zwar so lange, bis ich mich imstande sehe, eine begrĂŒndete Wertung abgeben zu können. Kommt es dann zur eigentlichen Niederschrift des Reviews, werden die selbst gewonnenen EindrĂŒcke der Zocksessions durch Recherchen zu Titel und dessen Hintergrund ergĂ€nzt. Das soll insbesondere dabei helfen, in der Einleitung sinnvoll auf die eigentlichen Kernbereiche des Spiels hinzufĂŒhren und mit Fakten zu untermauern. (Und unter uns gesagt: Die Einleitung ist auch das, was sich am zĂ€hesten schreibt)
Bei Cryogear, was heute unter die Lupe genommen wird, war das Ergebnis dieser Recherche recht dĂŒnn. Klar: Die Software stand mir schon vor dem eigentlichen Release zur VerfĂŒgung – ausgiebige Abhandlungen darĂŒber wird es im Netz also kaum geben, und wie sich in diesem Anfangsstadium zeigte, war das Spiel auch noch mit einigen Bugs behaftet. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, als wĂŒrde sich dieses Spiel eher unbemerkt auf den Markt schleichen wollen. Immerhin: Anlehnungen im Spielsystem an Klassiker wie Metroid und Castlevania werden immer wieder genannt, dazu ein RPG-artiges Levelsystem, das euren Protagonisten verstĂ€rkt, und das alles in futuristischer Aufmachung in stylischem Pixellook. Die Ausweitung der Recherche auf den Schöpfer Adrian Zingg lohnte sich derweil ĂŒberhaupt nicht, da nicht anzunehmen ist, dass der schweizerische Kupferstecher aus dem 18. Jahrhundert, der euch nach Suchmaschineneingabe angezeigt wird, an der Entwicklung dieses Spiels beteiligt war. Lassen wir das. Schauen wir mal, womit wir es hier zu tun haben.
Hallo Zukunft

Ihr schlĂŒpft in die Rolle von G.3.4.R, einem neu programmierten Klon, der zu Beginn des Spiels in einem mit FlĂŒssigkeit gefĂŒllten BehĂ€ltnis erwacht und schon kurz darauf angeleitet wird, wie er sich durch die Welt bewegen kann. Eure Mission ist euch zunĂ€chst nicht wirklich klar – wie sich bald jedoch herausstellt, mĂŒsst ihr das Mysterium um die so genannte Imperator-K.I. lösen. Wie in der Einleitung bereits erwĂ€hnt, geschieht dies in der Praxis in erster Linie in einem Gameplay, das Parallelen zu Metroid und Castlevania zeigt – soll heiĂen, ihr springt, kĂ€mpft und ballert euch gröĂtenteils durch die recht offen gestaltete Welt von Cryogear.
So weit, so einfach. Eine besonders packende Inszenierung dĂŒrft ihr nicht erwarten, und wer jemals auch nur irgendein futuristisch gestaltetes Videospiel gezockt hat, dĂŒrfte angesichts der hier gebotenen Story nur mĂŒde lĂ€cheln. Ein dramaturgisches Meisterwerk ist Cryogear nun wirklich nicht – aber das muss es ja auch nicht sein. Immerhin bewegen wir uns hier in einem eher mittelklassigen Preissegment, das weit entfernt ist von Vollpreistiteln, unter den reinen Download-Spielen aber durchaus nach einigen Talern fragt.
Sinn und Unsinn von Levelsystemen

Kommen wir also lieber wieder zum Gameplay. Besonders stolz, so scheint es, ist Cryogear auf sein Levelsystem – soll heiĂen: Wie in RPGs oft ĂŒblich, gewinnt ihr mit fortschreitender Spieldauer und ins Jenseits beförderten Gegnern an Erfahrungspunkten, die schlieĂlich zu einem Stufenaufstieg fĂŒhren und G.3.4.R pimpen. Welche FĂ€higkeiten ihr ihm dabei zukommen lasst und welche Eigenschaften ihr fĂŒr besonders förderungswĂŒrdig erachtet, bleibt euch ĂŒberlassen.
Das Problem nur: Die ersten Stufenaufstiege gibt es bereits frĂŒh im Spiel und anhand eines kurzen Hinweises wisst ihr diesbezĂŒglich auch Bescheid – aber was genau es mit welchen Eigenschaften denn nun auf sich hat, wird dabei nicht wirklich erklĂ€rt. Das ist ungĂŒnstig, denn nicht jede aufzulevelnde Eigenschaft macht alleine anhand ihrer Bezeichnung deutlich, welchen Effekt sie auf euren Protagonisten und das weitere Spielgeschehen haben wird. Mangels Spielanleitung im MenĂŒ werdet ihr hier auch anderweitig keine Hilfe finden. Leider muss festgehalten werden, dass nicht nur bei diesem Beispiel ein wirklich schlechter Einstieg ins Gameplay geboten wird. Solche Beobachtungen sind keine EinzelfĂ€lle und können wiederholt gemacht werden.
Diese Aussetzer im Einstieg erwecken zusammen mit anderen Fehlern und Kinderkrankheiten – seltene Clipping-Fehler, nicht vollstĂ€ndig angezeigte Textboxen, Rechtschreibfehler etc. – den Eindruck, als wĂ€re Cryogear im Grunde genommen noch gar nicht richtig fertig. Das ist schlecht, denn eigentlich sollte es das zum offiziellen Erscheinungstermin sein. Bedarf zur Nachbesserung ist hier in jedem Fall.
Technik und PrÀsentation

AbschlieĂend in Bezug auf das Gameplay muss noch ein Wort ĂŒber die Steuerung verloren werden – und auch hier ist leider Kritik fĂ€llig. G.3.4.R steuert sich ĂŒberwiegend schwammig und teils unprĂ€zise, und spĂ€testens, wenn ihr euren Schild einsetzen, kĂ€mpfen, springen und laufen gleichzeitig mĂŒsst, wird die ganze Angelegenheit doch sehr hakelig und fummelig. Hier haben wir es immerhin nicht mit einem solchen Totalaussetzer wie dem Spieleinstieg zu tun – ĂŒberwiegend werdet ihr hier schon klarkommen – aber unter den Teppich lĂ€sst sich auch dieser Aspekt leider nicht kehren.
Was die PrĂ€sentation angeht, bleibt das Gesamtbild allenfalls neutral. Was die Mode gewordene Retro-Optik angeht, wird jeder fĂŒr sich selbst entscheiden mĂŒssen, ob er Freund oder Feind dieses Stils ist – mir persönlich sagt dieser Look im Allgemeinen sehr zu. Allerdings entbindet dieser Stil alleine nicht davon, Animationen und abwechslungsreichem Design Aufmerksamkeit zu widmen. Animiert wurde Cryogear oftmals im unterdurchschnittlichen Bereich und davon abgesehen wirkt die gesamte Gestaltung ĂŒberwiegend uninspiriert und blutleer. Das komplette Setting inklusive grafischer und akustischer AusfĂŒhrung ist nichts weiter als Science Fiction-Einheitsbrei.
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- Recht offenes Leveldesign
- Prinzip des Auflevelns von FĂ€higkeiten
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- Schlechter Zugang zum Spiel
- Bisweilen unprÀzise und fummelige Steuerung
- Blutleere PrÀsentation
- Kinderkrankheiten an einigen Stellen
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Pro & Kontra
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Ich kann die Kritikpunkte zwar alle verstehen, aber ich muss hier doch msl etwas anmerken bzw. fragen: Wie kann mein ein Spiel testen, dass man gar nicht spielen kann? Zum Zeitpunkt des Revies dĂŒrfte sich das Spiel noch in Version 1.0.1. befunden haben. Diese hat einen bug und man kommt am dritten Bildschirm nicht weiter! Man kann keine Eaffe fertigen!
Das wĂ€re also so, als wĂŒrde man ein neues Mario Spiel nach Level 1-3 bewerten. Das finde ich doch etwas fragwĂŒrdig…
Hallo Torsten,
da hast du Recht: An dieser Stelle bin ich tatsĂ€chlich nicht weitergekommen. Dein Kommentar erklĂ€rt hier einiges, vielen Dank dafĂŒr. Lass mich die HintergrĂŒnde erklĂ€ren, warum es dennoch zu einer Veröffentlichung dieses Reviews kam.
Zwei Faktoren sind hier relevant, um diesen Sachverhalt zu erklĂ€ren. Erstens wĂ€re da der Fakt, dass mir als Tester fĂŒr jeden Titel, den ich erhalte, ein bestimmtes Zeitfenster zur VerfĂŒgung steht, innerhalb dessen ich das Spiel testen kann und an dessen Ende ein Review angefertigt sein muss – schlieĂlich erhalten wir zu genau diesem Zweck die Software direkt vom Publisher. Zweitens habe ich keinen Hinweis vom Publisher erhalten, dass ich hier offenbar ein verbuggtes und unspielbares Spiel teste. Zusammen mit den im Review genannten schlechten ErklĂ€rungen im Spielverlauf musste ich hier abwĂ€gen: WeiĂ ich einfach nicht, wie es hier weitergeht, oder handelt es sich um einen Bug? In diesem Fall hielt ich die Variante, dass es nur ich persönlich bin, der hier nicht weiterkommt, fĂŒr die wahrscheinlichere.
Wie man es auch dreht und wendet: FĂŒr das Verfassen eines Reviews ist das selbstverstĂ€ndlich ein groĂes Problem – allerdings keines, das mich von meiner Abgabefrist entbindet. In einem solchen Fall bleibt mir aus den genannten GrĂŒnden kaum etwas anderes ĂŒbrig, als die Software auf Grundlage meiner Spielerfahrung bis zu diesem Zeitpunkt sowie langjĂ€hriger Erfahrung als Spieletester so gut es mir möglich ist zu bewerten. Die im Review genannten Kritikpunkte werden hierdurch schlieĂlich nicht weniger valide – es ist etwa kaum anzunehmen, dass die Steuerung in der zweiten SpielhĂ€lfte plötzlich prĂ€ziser wird. Bis zur genannten Stelle hatte ich zudem ein authentisches Spielerlebnis, das durch den Hinweis auf den möglichen Bug (was mir wie Insider-Wissen erscheint – auch jetzt habe ich anderweitig im Netz keinen anderen Hinweis hierauf gefunden) selbstverstĂ€ndlich in einem völlig anderen Licht erscheint. Ohne Frage muss dieser Hinweis nun auch berĂŒcksichtigt und validiert werden, um ggf. eine Anpassung von Review und vor allem Wertung vornehmen zu können. Auch ungeachtet meiner Verpflichtung, nach einer bestimmten Zeit ein Review abzugeben, bin ich der Ansicht, dass auch ein Spiel mit einem solchen Bug ein Review erhalten soll – schlieĂlich teste ich Spiele so, wie sie mir vorgesetzt werden, und wer einen Gebrauchtwagen kauft, der schon beim Verlassen des AutohĂ€ndlers den Geist aufgibt, muss auch das Recht haben, daran Kritik zu Ă€uĂern, ohne darauf hingewiesen zu werden, dass das Auto wirklich super wĂ€re, wenn es denn fahren wĂŒrde. Im Nachhinein mutet es fast ironisch an, dass die Aussage „Diese Aussetzer […] erwecken […] den Eindruck, als wĂ€re Cryogear im Grunde genommen noch gar nicht richtig fertig“ in dem zurecht hinterfragten Review den Nagel sogar ziemlich genau auf den Kopf trifft, wenngleich sie im Falle eines unspielbar machenden Bugs stark untertrieben wĂ€re.
Wie gesagt: Deine Aussage zu dem Bug muss validiert und in einer ĂŒberarbeiteten Version des Reviews berĂŒcksichtigt werden. Bis dahin bleibt mir nichts anderes ĂŒbrig, als eine erste Anpassung vorzunehmen, in der ich auf diesen Bug mit einem Fragezeichen hinweise. Sollte sich der Hinweis bewahrheiten und der Publisher dann in der Zukunft bei mir mit dem Anliegen melden, er hĂ€tte sein Spiel nun fertiggestellt und bittet mich um einen zweiten Blick darauf, wird das Review abermals angepasst. Da sehe ich mich nicht in der Holschuld.
Zwecks Validierung deines Hinweises: Sofern ich hier dein EinverstÀndnis erhalte, melde ich mich gerne per Mail bei dir. WÀre das in Ordnung?
Hallo Roman,
klar wÀre das in Ordnung.
Ich habe den Hinweis auf den bug auf der Internetseite ders Spieles gefunden. Dort sagen sie, dass es mit Version 1.0.2. behoben wird. Aber vorher habe ich mich auch fĂŒr zu doof gehalten. Nebenbei: Ich finde den Soundtrack des Spieles grandios… weiĂ auch nicht warum!
Bin halt ein Fan der Sience Fiction Filme der 80er!
Torsten
Das Problem ist allgemein, dass Reviews Meinungen sind, die zu einem bestimmten Datum geĂ€uĂert wurden. Zu Zeiten des NES, SNES usw. war ein Review einfach fix und auch ĂŒber Jahre aussagekrĂ€ftig. Es gab keine Patches und Updates. Heutzutage mĂŒsste man jedes Spiel nach einem Patch neu bewerten, was natĂŒrlich nicht geht.
Liebe Leser,Patch 1.0.2 wurde gestern veröffentlicht. Wir entschuldigen uns fĂŒr die Verzögerung und wĂŒnschen Euch viel Spass mit Cryogear. Bei Fragen oder Feedback stehe ich gerne zur VerfĂŒgung.
Hallo, habe mir das Spiel Cryogear heute gekauft. WeiĂ nicht genau was es fĂŒr Probleme gab vor dem 1.0.2 Patch, aber ich konnte heute bis zum 5,6 Level Spielen ohne Probleme. Das Setting gefĂ€llt mir sehr mit der 80er Mukke. Ăber die Grafik kann man streiten, aber es ist halt ein Indie Game, aber ich stehe total auf diese Cyberpunk games. Das review liest sich aber jetzt so, also ob man nicht weiter als bis zum 1. Level gespielt hat. Ich finds aufjedenfall klasse bisher und wĂŒrde es mit 75% Bewerten. Ein Koop Modus wĂ€re noch geil gewesen, aber man kann nicht alles haben đ
Liebe Leser,
die ĂŒberarbeitete Version wurde nun nochmals zum Test herangezogen, sodass Review und Wertung an den erforderlichen Stellen nochmals angepasst werden konnten.
Viele GrĂŒĂe,
Roman