Ace Combat 8: Wings of Theve REVIEW
Ace Combat ist eine dieser Jahrzehnte alten Reihen, die in der 8. Konsolengeneration plötzlich aus der Nische in den Massenmarkt hervorgedrungen ist und zum finanziellen Erfolg wurde. Satte sieben Millionen Einheiten soll Ace Combat 7: Skies Unknown seit der Veröffentlichung 2019 verkauft haben und ist damit der mit weitem Abstand am erfolgreichste Teil der 1995 auf der PlayStation als Air Combat gestarteten Reihe. Ganz schön viel Druck, der da auf den Schultern der Entwickler gelegen haben dürfte. Das verantwortliche Team Bandai Namco Aces hat beim Mutterkonzern offenbar (und zum Glück) mit dem Erfolg aber ein derart gutes Standing, dass das Team weiter machen durfte, wie es wollte, und sich dabei ordentlich Zeit lassen konnte. Das Ergebnis in Form des jüngst veröffentlichten Ace Combat 8: Wings of Theve ist die lange Wartezeit vollkommen wert gewesen und trotz des bereits hervorragenden Vorgängers noch einmal eine fette Positivüberraschung dieses Spielejahres.
Gänsehautmomente
Der direkte Vorgänger war bereits eine audiovisuelle Meisterleistung, welche die PlayStation 4 und Xbox One ganz schön gefordert und ein eindrucksvolles Spektakel für Augen und Ohren geboten hat. Angetrieben von der Unreal Engine 5 übertrifft Ace Combat 8: Wings of Theve all das noch einmal und liefert selbst auf der normalen PlayStation 5 ein fulminantes Gesamtbild ab. Ohne die üblichen Nickligkeiten, welche die Engine von Epic Games mitunter und vor allem auf den Konsolen mit sich bringt, und einem – man kann es nicht anders sagen – meisterhaften Technikverständnis seitens der Programmierer, liefert der achte Hauptteil der Reihe eines der am bestaussehenden und bestklingendsten Spiele der aktuellen Generation.
Qua seines Settings hat das Spiel natürlich die Möglichkeit sich auf vergleichsweise wenige Aspekte in der grafischen Darstellung zu konzentrieren. Denn viel mehr als Flugzeuge, Wolken, Wettereffekte, Wasser und eine gelungene Mischung aus urbanen und natürlichen Landschaften müssen schließlich nicht dargestellt werden. Dafür wurde bei all diesen Komponenten aber richtig die Grafikschraube aufgedreht und eine bemerkenswert abwechslungsreiche wie stimmige Präsentation geschaffen, die mit sauberen 60 Frames über den Fernseher flimmert. Abgerundet wird das Ganze von der Klangkulisse, die mit zum eindrucksvollsten gehört, was ich jemals in einem Spiel auf die Ohren gedrückt bekommen habe. Es sind nicht nur einfach die wuchtigen Klänge der Jets und Feuergefechte, sondern auch der stetige Funkverkehr während laufender Missionen, die für eine nicht abreißende Dynamik sorgt. In Verbindung mit der hervorragenden englischen Sprachausgabe und der vor Epos und Pathos nur so triefenden Musik werden am laufenden Band Gänsehautmomente geschaffen, dass sogar Hollywood vor Neid erblasst.
Auch, weil die Auseinandersetzungen im Luftraum dieser fiktionalisierten Version unserer Welt so unfassbar intensiv sind – sowohl audiovisuell als eben auch spielerisch. Auch in diesem Aspekt kann ich mich wirklich nicht an viele Beispiele erinnern, bei denen Videospiele in den letzten Jahren bei mir ein derartiges Gefühl von Ehrfurcht und „Oh mein Gott“ Geschrei angesichts dessen, was gerade passiert ist, ausgelöst haben. Am ehesten fällt mir da noch Elden Ring ein – und das ist ja mittlerweile auch schon wieder vier Jahre alt…
Kommerzialisierter Angriffskrieg
Worum aber geht es überhaupt? Also…ja…ähm…hmmm…stellt euch vor Hideo Kojima hat letztes Wochenende Top Gun Maverick gesehen, sich inspiriert gefühlt, eine eigene Version zu schreiben und noch ein biiiisschen Metal Gear Solid 2 reingeworfen, sich aber nicht ganz so viel Mühe gegeben. Bei diesem Unterfangen könnte Ace Combat 8: Wings of Theve rauskommen.
Oder um es mal im Sinne einer einfachen Beschreibung zu versuchen: Die Föderation von Zentral-Usea (die Guten, also wir) wurde von der Republik Sotoa (die Bösen, also nicht wir) überrannt und besetzt. Lediglich eine kleine Gruppe bestehend aus Militärs und Zivilisten konnte fliehen und sich auf dem Flugzeugträger Endurance retten. Von dort aus starten zu Spielbeginn viele der Missionen zur Rückeroberung der Heimat und damit eine mitunter unnötig verschachtelt erzählte Handlung, die auch viele aktuelle Themen wie Angriffskriege, Fake News und die Rolle von zu reichen Techmagnaten aufgreift.
Zu Anfang stellten sich mir aufgrund der serientypisch eigenwilligen Inszenierung ziemlich viele Fragen und am Ende waren es – und das hat mich am meisten überrascht – vor allem die persönlichen Beziehungen zur eigenen Crew, mit der ich Seite an Seite meine Einsätze geflogen bin, die mich emotional investiert hat. Das es vor Übertreibungen und Überzeichnungen nur so vom Himmel regnet, hat sich nicht negativ auf ausgewirkt – aber ich mag diesen überzogenen Quatsch, wie ihn vor allem japanische Storyschreiber fabrizieren, nun einmal auch sehr gerne. Und obwohl ich Teil 7 seinerzeit gespielt und sehr gemocht habe, so habe ich erst jetzt richtig Lust bekommen mich mit der Franchise einmal tiefgehender zu beschäftigen. Denn da steckt durchaus viel Lore drin, die ich gar nicht so richtig greifen kann. Zumindest auf Reddit und anderen Online-Communitys gehen viele langjährige Fans ziemlich steil auf die Geschichte und ihre verschiedenen Aspekte. Also muss wohl wirklich was dahinterstecken. Ach und übrigens: viel langjährige Fans bezeichnen Ace Combat 8 schon jetzt als den womöglich besten Teil der Reihe.
Langeweile: Fehlanzeige
Diese Aussage kann ich aufgrund mangelnden Wissens um alle Spiele der nunmehr über 30. Jahre andauernden Seriengeschichte nicht treffen. Von den Spielen, die ich kenne (Ace Combat Squadron Leader auf der PS2 und den bereits erwähnten siebten Teil) kann ich zumindest sagen: Hauptteil Nummero Acht fetzt, dass es nur so kracht.
Die Kampagne dauert satte 30 Missionen lang, die mitunter durchaus an die 30 bis 45 Minuten gehen können. Wird einem da nicht spätestens ab der Hälfte langweilig? Wie spannend kann ein Game mit Jets schon sein? Diese Fragen sind auch für mich nachvollziehbar, doch nach der Beendigung der Story fühle ich mich, als hätte mich der Heilland ins gelobte Land geführt. Ja, so gut ist Ace Combat 8!
Irgendwie haben es die Entwickler geschafft, dass sich jede Mission ein bisschen anders spielt. In einer recht frühen Mission führt man einen Angriff auf eine von den Feinden besetzte Metropole und muss ein überdimensionales Landschiff aufhalten. Dieses bohrt sich nicht nur mit zerstörerischer Gleichgültigkeit und auf Kettenrädern (!!!) durch die Innenstadt, sondern ballert mit einer Railgun auf alles, was sich am Himmel bewegt. In einer anderen Mission muss ich Zivilisten schützen und zu einem Extraktionspunkt begleiten, während die feindliche Seite natürlich etwas dagegen hat. Mal muss ich mit einem in die Jahre gekommenen Jet geradezu schleichend am Boden entlangfliegen, um einem breit gefächerten Radarsystem aus dem Weg zu gehen. Einige Einsätze später fliege ich durch eine Schar an Transportschiffen und suche unter Zeitdruck nach einem bestimmten Emblem, welches auf feindliche Schiffe samt Drohnen an Bord schließen lässt.
Fordernde Arcade-Gefechte
Spielerisch ist man dabei zu 85 Prozent auf der Arcade-Schiene unterwegs, die restlichen 15 Prozent sind ein bisschen dem Realismus und der Simulation zugesprochen. Jeder der Jets, die man nach und nach freischalten und mit neuen Systemen ausrüsten und bewaffnen kann, fliegt sich ein bisschen anders. Bomber etwa, die vor allem bei Einsätzen eine gute Wahl sind, bei denen man Ziele am Boden angreifen muss, lenken sich behäbig, richten dafür aber enormen Schaden an. Flinke Jets hingegen sind vor allem für die wuchtigen Dogfights gegen andere Fighter die ideale Wahl. Prinzipiell ist der Umgang mit den Flugzeugen schnell gelernt, auch da die Steuerung nicht allzu überfrachtet ist.
Je nach Steuerungsschema kann man sich einige Funktionen erleichtern, wer das ultimative Ace Combat Erlebnis haben will, kann es sich natürlich aber auch schwerer machen als nötig. Und wer will, kann sogar Landeanflüge und das Tanken in der Luft komplett selbst spielen – alle anderen freuen sich über die Funktion, diese Abschnitte zu überspringen.
Video zum Spiel
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