Call of Duty: Modern Warfare 4 REVIEW
Der Herbst 2026 ist da und damit steht uns auch der neueste Teil von Call of Duty ins Haus. Nachdem wirklich missglückten Black Ops 7 aus dem Vorjahr geht es jetzt wieder zurück zu Modern Warfare und den vierten Teil der Reihe seit der Neuauflage. Und eines vorweg: das Debakel von 2025 wird nicht wiederholt. Ganz im Gegenteil. Vor allem die Kampagne hat es faustdick hinter den Ohren und bietet eine der vielleicht besten Erlebnisse in der gesamten Geschichte der Franchise.
Captain Price wechselt die Seiten
Für die Verhältnisse der Reihe macht Modern Warfare 4 im Rahmen der Kampagne einige interessante Dinge. Zum einen wäre da die Aufspaltung in zwei Zeitlinien und zwei zunächst getrennt voneinander stattfindenden Ereignissen. Die Handlung beginnt in Südkorea mit einem Trupp Soldaten, der gut gelaunt durch ein nächtliches Ambiente marschiert und sich in einem Supermarkt mit Instant-Ramen und Snacks eindeckt. Als plötzlich der Strom in der kompletten Stadt ausfällt und es Angriffe vom Himmel regnet, münzt die ausgelassene Stimmung in komplettes Chaos um und schnell steht fest: Nordkorea greift den Erzfeind im Süden an.
Wie es dazu gekommen ist, wird in spielbaren Rückgriffen deutlich. In diesen schlüpfen wir mal in die Rolle eines nordkoreanischen Soldaten, der gemeinsam mit seinem Platoon in einem Dorf einen Verräter aufspüren soll. Dabei obliegt es bei uns, wie hart wir durchgreifen. Diese Einstreuung von moralischer Entscheidungsfreiheit hat im großen Kontext von Modern Warfare 4 keine Auswirkung, gibt mir aber zumindest ein bisschen das Gefühl von Entscheidungsfreiheit. Der überwiegende Teil der Rückblenden wird aber aus der Sicht von Captain Price gespielt.
Hollywood hilft nicht immer
Der wiederkehrende Held (jetzt eher Anti-Held) scheint mittlerweile komplett seinen moralischen Kompass eingebüßt zu haben und geht auf seiner Jagd nach Bösewicht Makarov über die sprichwörtlichen Leichen. Mit den von Mads Mikkelsen gespielten Archer gibt es einen weiteren Bösewicht, der diesmal zentral für die Handlung ist. Der Russe plant die komplette Destabilisierung der Weltordnung und hat auch seine Hände im nordkoreanischen Angriff auf den Nachbarn im Süden. Mikkelsen bleibt in seiner Rolle leider hinter meinen Erwartungen zurück, was weniger an seinem gewohnt guten Schauspiel liegt, als vielmehr am Umstand das er viel zu selten auftaucht und seine Integration in die Handlung auch kaum nachvollziehbar ist. Der Check war wohl nicht so groß und auch ein Hideo Kojima war hier nicht vorhanden, der dem Schauspieler mehr abverlangt hat. Schade, aber das ist fast auch schon die größte Kritik, die ich an der narrativen Gestaltung habe – abgesehen vom üblichen Pathos der Reihe, der diesmal aber etwas zurückgenommen scheint. Die politische Situation in der amerikanischen Heimat der Hauptentwickler scheint wohl endlich mal für etwas Rückhaltung zu sorgen…
Bitte nicht falsch verstehen: die Story ist der nichts Besonderes und wechselt tonal zwischen den modernen Bond-Adaptionen und südkoreanischen Kriegsfilmen. Aber eben dieses stetige Hin und Her zwischen den Settings und das gewohnt eingängige Gameplay sorgen für die rund sieben bis acht Stunden Spielzeit für eine unterhaltsame Kampagne.
Kurzweilige Kampagne ohne Längen
Nicht zuletzt, da es durchweg gute Missionen und sogar einige richtige Highlights in petto hat. Meine Lieblingsmissionen: eine Verfolgung zu Fuß durch das verschneite New York, eine Verfolgungsjagd im Auto durch Paris sowie ein Gegenangriff von Südkorea samt Alliierter an den Strand der fiktiven Hajin City, die bewusst an die Stürmung der Normandie erinnert und hier auch ebenso inszeniert wird. Spielerisch macht man hier in der Regel das immer das gleiche (schießen, Deckung suchen, schießen, Deckung suchen) und abseits von einigen Schleichabschnitten hinkt die Kampagne spielmechanisch hinter den von mir nach wie vor sehr geschätzten Black Ops Cold War hinterher. Aber durch das zackige Pacing und der gewohnten Krach-Boom-Bang-Formel kommt dennoch keine Langeweile auf.
Und auch den seit einigen Spielen immer mal bemühten Level mit Open World Ansatz hat man wieder hervorgeholt. Diesmal muss man sich nach einem Absturz hinter feindlichen Linien um das Besorgen von Ressourcen und Informationen bemühen und kann dabei zu Fuß und mit Fahrzeugen ein offenes Areal erkunden, feindliche Stellungen einnehmen und besondere Vorräte finden. Wer darauf gar keine Lust hat nimmt die Abkürzung via Schnellreise zu den handlungsrelevanten Orten, erledigt die drei Aufgaben und geht weiter.
Wuchtige Klänge und C.R.E.A.M.
In der von mir getesteten PlayStation 5 Version läuft Modern Warfare 4 wie von der Serie gewohnt flüssig mit 60 Frames und sieht auch zu großen Teilen gut aus. Der Wow-Effekt beim Einstand in der aktuellen Generation ist mittlerweile zwar verflogen, aber die Entwickler verstehen nach wie vor ihr Handwerk und zaubern stimmige Kulissen auf den Bildschirm.
Vor allem angetan hat es mir in diesem Jahr die Sounduntermalung. Während man beim Soundtrack interessante Wege geht und unter anderen den Wu Tang Clan einspielt, gibt es vor allem bei der erwähnten Strandlandung ein Gewitter an Klängen, welches in dieser Intensität selbst für Call of Duty Verhältnisse spektakulär ist. Und sowohl im Englischen als auch im Deutschen werden die Figuren wie gehabt toll vertont, wobei ich die englische Tonspur bevorzugen würde.
Und der Multiplayer?
Ein kurzer Hinweis: aus zeitlichen Gründen habe ich es nicht geschafft mich intensiv mit dem Multiplayer von Modern Warfare 4 auseinanderzusetzen. Daher verweise ich an dieser Stelle auf das Test-Video von Kollege Gerrit, der sich für Gamecontrast die Umsetzung der Nintendo Switch 2 Version vorgenommen hat und sich auch intensiv mit dem Mehrspieler auseinandergesetzt hat. Meine Bewertung gilt daher auch nur für den Einzelspieler-Part und klammert die anderen Bestandteile des Gesamtpakets aus.
Video zum Spiel
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