Shantae: Half-Genie Hero REVIEW

Mit Shantae: Half-Genie Hero liefert der US-Entwickler WayForward Technologies bereits den vierten Teil der Shantae-Reihe ab. Anders als seine drei Vorgänger, wurde dieser Ableger jedoch über die Spendenplatform Kickstarter finanziert. Dort konnte der Action-Plattformer mit Metroidvania-Elementen insgesamt 776.084 $ einheimsen und den Mindestbetrag von 400.000 $ locker übertreffen.

Shantae: Half-Genie Hero wurde ursprünglich am 20. Dezember 2016 veröffentlicht, bekam am 08. Mai 2018 aber noch eine „Ultimate Edition,“ welche auch die drei DLCs und weiteren Kleinkram beinhaltet. Zwar habe ich die Ultimate Edition, jedoch bezieht sich dieser Test nur auf das Hauptspiel. Die DLC-Kampagnen erhalten eventuell später eigene Tests. Na dann wollen wir mal mit Shantae zum vierten mal die Hüften schwingen.

Ziellose Handlung und kein Bezug zum Vorgänger

Das Spiel beginnt mit einer Traumsequenz von Shantae: Unser Halb-Djinn-Mädchen entdeckt eine geheime Grotte unter der Werkstatt ihres Onkels Mimic. Dort begegnet sie einer Entität, welche sich als Bote aus dem Djinni-Reich zu erkennen gibt. Das Wesen warnt Shantae davor, dass sowohl die Welt der Menschen, als auch die der Djinns von einer dunklen Macht bedroht wird. Und selbstverständlich ist Shantae dazu bestimmt das Unheil abzuwenden.

Wieder erwacht stattet sie ihrem Onkel einen Besuch ab. Dieser arbeitet an einem Dynamo, also einer Maschine, welche Scuttle Town auch bei Nacht erhellen kann. Dies soll die Sicherheit der Hafenstadt erhöhen und somit Shantae mehr Freizeit zum ausruhen beschaffen. Dummerweise wird der Bauplan der Maschine von einem Tinkerbat gestohlen, welcher in Risky Boots Auftrag handelt. Zeitgleich startet die Piratenbraut einen Großangriff auf die Hauptstraße Scuttle Towns. Natürlich gelingt es Shantae ihre alte Rivalin zurückzuschlagen und den Bauplan zurückzuerobern, aber der Schaden ist angerichtet.

Aufgrund dessen wird Shantae, wieder einmal, von Bürgermeister Scuttlebutt gefeuert. Doch dieses mal geht er noch einen Schritt weiter und engagiert ein anderes Halb-Djinn-Mädchen namens Holly Lingerbean. Diese hat nicht nur Hohn und Spott in Petto, sondern auch ein dunkles Geheimnis. Doch bevor Shantae eben diesem auf den Grund gehen kann, beschließt sie ihren Wert als Heldin zu beweisen, indem sie diverse Aufträge von hilfesuchenden Besuchern annimmt. Und die Bauteile für Onkel Mimics Dynamo müssen ja auch noch beschafft werden.

Soweit ist die Handlung ganz passabel, zumindest für Hüpfspiel-Verhältnisse. Das was in Half-Genie Hero jedoch schmerzlich vermisst wird, ist der Zusammenhang zu den Geschehnissen der Vorgänger. Eigentlich möchte man meinen, dass sich das Verhältnis zwischen Shantae und Risky seit dem letzten Teil gebessert hat. Leider tut dieser vierte Teil so, als ob die Ereignisse des dritten Spiels nie geschehen wären. Sehr enttäuschend.

Unabhängig davon fühlt sich die Handlung auch bemerkenswert ziellos an. Shantae wickelt hier diverse Aufträge ab, die nicht wirklich zusammenhängen. Zwischendrin wird dann noch nebenbei Holly abserviert, so dass man sich fragt, warum dieser Charakter überhaupt eingeführt wird, wenn man nichts interessantes mit ihr anfängt. Und auf den letzten Metern muss, wieder einmal, Risky Boots als Oberschurkin herhalten, was sich nach den Geschehnissen des dritten Teils jedoch nicht mehr richtig anfühlt.

Wahrscheinlich mache ich mir hier zu viele Gedanken über die Story eines kleinen Hüpfspiels. Jedoch hat mich dieser Aspekt des Spiels sehr genervt. Immerhin ist der krude Cartoon-Humor der Serie erhalten geblieben.

Shantae’s Welt wird erstmals in konkrete Level gebunden

Wie schon die Vorgänger, so gehört auch Half-Genie Hero in die Subkategorie der sogenannten Metroidvania-Spiele. Das bedeutet im Kern, dass man einen Action-Plattformer mit zusätzlichen Spielelementen aus den Kategorien Adventure, Erforschung und Rollenspiel angereichert hat. In Half-Genie Hero äußert sich dies in erster Linie darin, dass man manchmal in alte Level zurückkehren muss, um wichtige Gegenstände einzusammeln, an die man vorher eben noch nicht herankam. Nach jedem abgeschlossenen Level bekommt Shantae nämlich eine neue Verwandlung spendiert. Und jede Verwandlung bringt selbstverständlich neue Fähigkeiten und Möglichkeiten mit sich.

In den ersten beiden Teilen war Shantae noch auf drei Verwandlungen beschränkt. Half-Genie Hero drückt die Anzahl hingegen auf 12 Stück hoch. Acht Hauptverwandlungen (Affe, Elefant, Meerjungfrau, Krabbe, Fledermaus, Spinne, Maus und Harpyie) und vier Gimmick-Verwandlungen (Dryade, Blobfish, Edelsteinkrug, Panzer). Das ist natürlich eine ganze Menge, vor allem wenn man bedenkt, dass das Spiel nur einen Hub-Level und sechs reguläre Level bietet und somit selbst bei übergründlicher Spielweise in ca. 7 Stunden durchgespielt ist. Und ja, Shantae verabschiedet sich hier vollends von einer Semi-2D-Open World und strukturiert sich in reine Level. Ein Level ist hierbei in 2-3 Abschnitte plus Bossgegner eingeteilt.

Die Level werden in linearer Reihenfolge freigeschaltet. Man darf jedoch über die Weltkarte jederzeit alte Level anwählen, um dort nach Schätzen zu suchen, die man zuvor nicht erlangen konnten. Außerdem bieten die Level beim zweiten Besuch oftmals kleinere Änderungen, die den zweiten Besuch weniger ausgelutscht wirken lassen. Die Schatztruhen beinhalten Schlüsselgegenstände, Upgrades für die Verwandlungen, Lebensenergie-Erweiterungen und Schlüssel für die Artwork-Gallerie (letztere befindet sich im Hub-Level).

Beseitigte Gegner und zerdepperte Krüge hinterlassen manchmal Heilgegenstände und Edelsteine. Letztere dienen als Zahlungsmittel für die beiden Händler im Spiel. Die neue Händlerin ist eine Naga, die in einem Korb an manchen Stellen einiger Level schlummert. Bei ihr bekommt man die optionalen Verwandlungen und einige besonders starke Zauber.

Der altbekannte Händler in Scuttle Town verkauft hingegen die altbekannten Heilitems, reguläre Zaubersprüche (die, die man schon aus Teil 2 kennt), Upgrades für Shantaes Haarpeitsche und ein paar weitere Ausrüstungsstücke. Von jedem Heilgegenstand darf man 9 Einheiten bunkern, was bedeutet, dass man alleine durch diese Hilfe leichtes Spiel mit Half-Genie Hero haben wird. Gepaart mit den Lebensenergie-Erweiterungen wird das Spiel dann wirklich zum Spaziergang. So wirklich knifflig ist dann nur der auf die Harpyien-Verwandlung zugeschnittene Flugabschnitt im letzten Level, welcher stark an Flappy Bird erinnert. Abgesehen davon braucht man hier aber nichts zu fürchten. Als Ausgleich kann man auch einen Hardcore-Modus anwählen, aber den habe ich nicht ausprobiert. Einen Hero Mode gibt es auch noch. In diesem startet man ein neues Spiel, wo viele der Verwandlungen von Beginn an zur Verfügung stehen – ist wahrscheinlich für Speedruns gedacht.

Netterweise darf man einen Level jederzeit verlassen. Man darf auch einen Teleport-Zauber erwerben, mit dem man bequem zum nächsten Levelabschnitt eines bereits abgeschlossenen Levels springen darf. Das spart Zeit bei der Suche nach Schatztruhen. Trotzdem wirkt Half-Genie Hero etwas träge, denn bei der häufig erforderlichen Verwandlung dauert es immer eine kleine Weile, bis man zwischen den bis zu 12 Varianten die Richtige herausgepickt hat.

Ärgerlich ist auch, dass selbst unter den acht Hauptverwandlungen einige dabei sind, welche etwas überflüssig wirken und kaum einen Mehrwert einbringen. Ich mein, wieso brauche ich die Fledermaus-Verwandlung, die es mir nur erlaubt in gerader Linie von links nach rechts zu fliegen, wenn ich mit der Harpyie freie Flatterbahn habe? Wozu der Krebs, wenn später die altbekannte Meerjungfrau kommt? Vieles hierbei wirkt nicht gut durchdacht und sehr Gimmick-lastig. Masse statt Klasse heißt hier die Devise bei den Verwandlungen.

Dabei sorgt Shantae: Half-Genie Hero ja ohnehin schon an anderen Stellen für Abwechslungsreichtum. So muss man zwischen den Levels kleinere Adventure-Fetch-Quests für NPCs absolvieren, um ein weiteres Bauteil für Mimics Dynamo zu beschaffen. Auch innerhalb der Level gibt es spezielle Situationen. Den Flappy-Bird-artigen Abschnitt hab ich ja schon erwähnt. Und es ist Ehrensache, dass auch hier wieder ein Shmup-Abschnitt für die Meerjungfrau-Verwandlung dabei ist. Es gibt einen Turmabschnitt, wo man sich unter Druck emporkämpfen muss, oder einen Abschnitt, wo man eine heikle Rampenrutschbahn überleben soll. Man hat sich also viel Mühe gegeben das Game interessant zu halten, auch wenn nichts davon wirklich neu im Genre ist.

Grafik und Sound

Grafisch ist Shantae: Half-Genie Hero ein zweischneidiges Schwert. Die Charaktere werden in liebevoll animierten Artworks dargestellt, welche sehr viel Charme versprühen. Aber dieser Charme wird wieder von der eher langweiligen 3D- bzw. 2,5D-Grafik heruntergezogen, in der die Spielumgebung dargestellt wird. Meines Erachtens ist der Umstieg von 2D-Pixel auf 2,5-Schmonz nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Umgebungen sehen einfach zu sehr nach billiger Unity-Engine aus. Und selbst die wirklich toll gelungenen Charaktermodelle, welche wie lebendig gewordene Artworks wirken, können nicht darüber hinwegtäuschen.

Am Soundtrack gibt es hingegen nichts zu meckern. Er verbreitet auch hier wieder den Flair eines arabisch angehauchten Fantasy-Settings, unterstützt das Spielgeschehen und macht einfach Laune. Eine englische Sprachausgabe ist zwar vorhanden, beschränkt sich jedoch auf einzelne Sätze und Wörter. Ehrlich gesagt finde ich es ein bisschen peinlich, dass WayForward immer noch nicht willens ist eine komplette Sprachausgabe bereitzustellen. Bei dem Tempo müssen wir wohl bis Shantae 8 warten, ehe hier zumindest die Cutscene-Dialoge vollständig vertont werden.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • kreative und niedlich-sexy Protagonistin
  • sympathische Charaktere
  • breite Movepalette und viele Gegenstände sowie Verwandlungen
  • schöner Soundtrack mit Gute Laune-Faktor
  • die Ultimate Edition bietet sämtlichen DLC-Inhalt

thumbs-up-icon

Cons
  • ignoriert die Beziehung die Shantae und Risky im Vorgänger aufgebaut haben
  • kürzere Spieldauer als im Vorgänger (ca. 7 Stunden für das Hauptspiel)
  • 2,5D-Hintergrundgrafik im Unity-Engine-Stil
  • immer noch keine Sprachausgabe (nur einzelne Wörter und Sätze wurden synchronisiert)

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Spiel Bewertung
Singleplayer
76
76
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Auch mit dem vierten Shantae-Teil liefert WayForward wieder gehobene Hüpfspielkost mit Metroidvania-Garnierung ab. Dieses mal stört mich jedoch ein Teil des neuen Grafikstils, denn die Umgebungsgrafiken müffeln mir zu sehr nach seelenlosen Unity-Kram. Zumindest sehen jedoch die Charatermodelle super aus. Eine derartige Ehrenrettung gibt es bei der Handlung leider nicht. Es gibt keinen vernünftigen Bezug zu den Ereignissen des Vorgängers und auch sonst merkt man, dass man nicht so recht wusste, was man jetzt eigentlich für eine Story erzählen möchte. Zugegebenermaßen ist das bei einem Platformer jetzt aber auch kein Drama. Shantae: Half-Genie Hero ist ein gutes Spiel dem es leider an einer festen Linie fehlt. Zwölf Verwandlungsformen, von denen man die Hälfte eigentlich in die Tonne kloppen kann, sind ein weiteres Indiz dieser Problematik. Aber wie gesagt: Unterm Strich immer noch ein gutes Spiel, welches man sich als Genre- und/oder Shantae-Fan bedenkenlos zulegen kann.

- Von  Volker

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