Pocky & Rocky Reshrined REVIEW

Seit einigen Jahren hat sich ein kleines japanisches Studio namens Tengo Project gemeinsam mit den Publishern Taito und Natsume daran gemacht, Spiele aus der 16-Bit-Ära neu aufzulegen. Sowohl Wild Guns Reloaded (2016) als auch The Ninja Saviors: Return of the Warriors (2019) sind Paradebeispiele für sorgfältig restaurierte Spiele. Der grafische Look der Originale wurde beibehalten, aber mit den technischen Möglichkeiten von heute redigiert. Die Ergebnisse in beiden Fällen lassen sich sowohl sehen als auch spielen, was sicherlich auch der Tatsache geschuldet ist, das sich Tengo Project aus ehemaligen Entwicklern der vorherigen Veröffentlichungen zusammensetzt. Mit Pocky & Rocky Reshrined folgt nun die Veröffentlichung des dritten Spiels von Tengo Project und einer erneuten Sternstunde in Sachen Remakes.

Ein Klassiker, neu interpretiert


In Japan begann die als Kiki Kaikai bekannte Reihe 1986 in den Arcades und fand schließlich als Portierung und in Form von Nachfolgern den Weg auf Heimkonsolen. Unter den Titel Pocky & Rocky erschien die Reihe 1992 erstmals auch auf dem Super Nintendo im Westen. 30 Jahre später haben sich Tengo Project dem Spiel angenommen und mit Reshrined ein lose auf der SNES-Veröffentlichung basierendes Remake geschaffen. Wobei der Begriff Remake hier vielleicht nur zum Teil richtig ist, denn eigentlich handelt es sich eher um eine Neuinterpretation. Aber was das für eine ist!

Ich kann mich nicht genau erinnern, wann ich den ersten Trailer zum Spiel gesehen habe, aber ich weiß noch ziemlich genau meine Reaktion: „Fuck, sieht das gut aus!“. Und genau dieses Gefühl hatte ich nun auch beim Spielen des finalen Produkts. Tengo Project bleibt auch hier dem originalen Stil treu und liefert auf dem Papier ein 16-Bit-Spiel ab – nur das man eben nicht mehr an die Limitierungen der Hardware von vor dreißig Jahren gebunden ist, sondern vollkommen frei drehen kann. Auf Basis der Unity-Engine haben die Entwickler ein Spiel geschaffen, welches dem Begriff der Pixel-Kunst vollkommen gerecht wird.

Sieht. Das. Gut. Aus!


Schon der erste Level ist diesbezüglich ein echter Augenöffner. Herbstlich gefärbte Blätter bewegen sich, sobald man über sie läuft, besiegt man Gegner, so fallen Dutzende Goldmünzen als einzelne Objekte aus ihnen heraus, Sträucher und Bäume tänzeln im Wind, jede Gegnerklasse hat individuelle Animationsphasen, die ihnen Charakter verleiht, Wettereffekte wie Regen und Blitze werden grandios zur Setzung der Stimmung eingesetzt und, und, und. Ich könnte wahrscheinlich mehrere Seiten nur mit Schwärmerei über die grafische Leistung füllen und hätte noch immer nicht alle Details erwähnt. Also mache ich es an dieser Stelle kurz und behaupte tollkühn: Pocky & Rocky Reshrined ist in visuellen Belangen eines der besten HD-2D-Spiele, die es aktuell gibt.

Vor allem erstaunt war ich, wie gut das Spiel auf der Nintendo Switch läuft, gerade in Hinblick auf die verwendete Unity-Engine, die auf Konsolen gerne mal für Ärgernisse in puncto Performance sorgt. Nicht nur versteht man bei Tengo Project die Handhabung mit der Engine offenbar ziemlich gut, auch nutzt man die Möglichkeiten des technischen Gerüsts geschickt aus und liefert ein unfassbar gut poliertes Spiel ab. Keine Abstürze, keine Bugs, keine grafischen Artefakte. Und da ich es noch nicht erwähnt habe: der überarbeitete Soundtrack ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Die originalen Stücke wurden neu eingespielt und erweitert und schmeicheln die Ohren mit grandiosen Melodien.

Bullet-Hell zu Fuß


Wer Pocky & Rocky gar nicht kennt, mag sich nun sicherlich fragen, worum es in dem Spiel geht und vor allem, was man überhaupt macht. Man wechselt immer wieder zwischen dem Schreinmädchen Pocky und ihrem Freund Rocky, einem Tanuki, hin und her und nimmt es mit allerhand Gestalten aus der japanischen Folklore auf. Die eigentlich friedlichen Dämonen wurden von einer bösen Macht korrumpiert und drehen jetzt durch und müssen fortan mit allerlei Projektilen zur Besinnung geschossen werden. Für die Projektile gibt es in den Leveln natürlich auch allerhand Upgrades, die mehr Wucht und andere Boni verleihen.

Im Vergleich zum Original hat man es jetzt mit wesentlich mehr Gegnern gleichzeitig zu tun. Stellenweise wird der Bildschirm so stark von Gegnern und den eigenen Projektilen gefüllt, man könnte meinen man habe es mit einem Bullet-Hell-Shooter zu tun. Das Design der eigenen Figur und er Gegner ist dabei aber jederzeit so klar und ausdrucksstark, dass man selbst im gröbsten Effektgewitter niemals die Übersicht verliert. Neben den Schüssen hat man außerdem noch eine Nahkampfattacke. Mit dieser kann man Gegner direkt angreifen, sondern auch gegnerische Projektile abwehren und zurück zum Absender schicken. Neu ist außerdem der Dash-Move, mit welchem man Angriffen schnell ausweichen kann.

Neue Mechaniken, überarbeitete Story, mehr Umfang


Spannend: während die Mechanik angenehm modernisiert wurde, haben sich die Entwickler auch in Hinblick auf die Story und die Level neues ausgedacht und gehen teilweise komplett andere Wege wie im Original. Endbosse besitzen etwa neue Phasen oder wurden komplett überarbeitet und wirken nicht zuletzt aufgrund der wesentlich größeren Spritemodelle geradezu beeindruckend, auch gibt es komplett neue Level-Areale. Überhaupt sind die Level nun ein gutes Stück länger, ohne dabei aber gestreckt zu wirken.

Je nachdem, wie gut man durchkommt, ist man mit dem Story-Modus zwischen einer und zwei Stunden beschäftigt. Schön: nach einem Game Over muss man nicht komplett von vorne starten, sondern kann beim letzten Checkpoint im aktuellen Level weitermachen. Allerdings wird das Punktekonto wieder auf null gestellt, sobald man ein Game Over hat. Wem Punkte wichtig sind, kann den eigenen Highscore mit anderen Spielerinnen und Spielern online teilen. Nach dem erstmaligen Durchspielen der Story kann man in einem freien Modus auch zu zweit spielen und hat freie Auswahl bei den Spielfiguren, die allesamt noch einmal individuelle Fähigkeiten und Attacken haben.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • betörend schöne Pixelgrafik
  • das Originalprinzip wurde mit neuen Mechaniken sinnig erweitert
  • grandiose Musik
  • unverbrauchtes Setting
  • wunderschöne Sprites

thumbs-up-icon

Cons
  • fällt bei Pocky & Rocky Reshrined weg

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Spiel Bewertung
Singleplayer
87
87
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

Ich bin absolut begeistert von Pocky & Rocky Reshrined. Die Entwickler haben das sehr gute Spiel von einst mit viel Liebe zum Detail neu aufgezogen und einen echten Klassiker abgeliefert. Insbesondere die audiovisuelle Ausgestaltung sucht ihresgleichen und gehört im Sektor der HD-2D-Spiele zum besten, was es gibt. Ich kann mich nach wie vor nicht an den vielen Details satt sehen, welche die Entwickler auf den Bildschirm zaubern. Und auch inhaltlich schafft Tengo Project wunderbar den Spagat zwischen alt und neu. Das ursprüngliche Gerüst wurde mit neuen Mechaniken angereichert, wer das Original kennt freut sich über einen neuen Verlauf der Story sowie neue Level-Abschnitte. Und wer nun zum ersten Mal in Berührung mit dem Franchise kommt, wird dieses dank Pocky & Rocky Reshrined lieben lernen. Im Vornherein hätte ich es nicht gedacht, aber dieses kleine Projekt hat mein Herz in Sturm erobert und wird ohne große Probleme eines meiner Lieblingsspiele des Jahres 2022.

- Von  Adrian

Playstation 4
Nintendo Switch

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USK 0 PEGI 3

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