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Pendula Swing – The Complete Journey REVIEW

Pendula Swing ist der Debuttitel der schwedischen Indie-Entwicklerin Anna Högberg Jenelius (Valiant Game Studio AB). Es handelt sich hierbei um ein narrativ geprägtes Adventure mit Augenmerk auf Diversität, welches interessanterweise auf der Engine von Harebrained Schemes Shadowrun-Spielen basiert.

Ursprünglich wurde das Adventure als siebenteiliges Episodenspiel vermarktet. Besagte Episoden erschienen im Zeitrahmen des 15. August 2018 bis zum 14. November 2019. Am 08. März 2020 hat man die Episoden schlussendlich zu einem einzelnen Spiel namens „Pendula Swing – The Complete Journey“ zusammengeschnürt. Dieses wird derzeit auf Steam für 10,79 € angeboten, während die Einzel-Episoden nicht mehr als solche erworben werden können. Was das Spiel zu bieten hat erfahrt ihr im folgendem Test.

Schöne neue Welt?

350 Jahre vor Spielbeginn machte es sich der Fiesling Nakirik zur Aufgabe seine Heimatwelt Pendula zu unterjochen. Jedoch machte sich eine vierköpfige Heldengruppe auf den Weg, den Widerling zu stoppen. Das Quartett, bestehend aus dem Menschen-Schurken Redeus, dem Elfen-Bogenschützen Lenorian, der Menschen-Weißmagierin Taheena und der Zwergen-Kriegerin Brialynne, war erfolgreich. Und so gingen sie als Helden in die Geschichte ein. Taheena und Brialynne heirateten und zogen sich auf eine eigene Insel samt gemütlichen Wohnhaus zurück. Ende gut, alles gut? Mitnichten, denn 50 Jahre später starb Taheena an Altersschwäche, was die langlebige Zwergenfrau Brialynne in einen Zustand der Lethargie versetzte. Und so zogen 300 Jahre ins Land, in denen Brialynnes einziger Kontakt aus dem benachbarten Zwergenpaar, sowie ihren Tieren bestand.

Doch jetzt ist es mit dem selbstgewählten Exil erst einmal vorbei, denn ein Goblin-Dieb ist eingebrochen und hat Brialynnes magische Axt mitgehen lassen. Jene Axt, die seinerzeit Nakirik den Todesstoß verpasst hat. Die Zwergin ist wenig begeistert über den Diebstahl und beginnt Nachforschungen anzustellen. Die Spur führt in die nahegelegene Stadt Duberdon. Dort erlebt unsere Zwergin erst einmal einen Kulturschock, denn sowohl technologisch als auch soziologisch hat sich die Welt spürbar weiterentwickelt. Die Fantasiewelt hat sich in eine industrialisierte Welt gewandelt, die Menschen sind jetzt die dominante Spezies, während Orks und Goblins seit der Niederlage Nakiriks große Teile ihre Kultur einbüßten und jetzt versuchen müssen im Schatten der Menschenzivilisation zu überleben. Auch die Zwerge haben in dieser Welt nicht mehr viel zu lachen und werden in die Arbeiterklasse geschoben. Die Menschen und Elfen hingegen genießen die aktuelle Epoche, welche den „Goldenen Zwanzigern“ nachempfunden ist.

Brialynne muss sich nun in einer Welt orientieren, welche für sie fremd geworden ist. Ob sie der Herausforderung gewachsen ist und immer noch das Abenteurerblut in ihren Adern fließt, müsst ihr jetzt aber selbst herausfinden.

Die Handlung um die gestohlene Axt dient also eher dazu die Protagonistin in die weite Welt zurückzubringen und das originelle Setting zu erleben. Besagtes Setting erinnert ein wenig an das gute alte Arcanum, zeigt sich jedoch weitaus weniger düster als Troikas CRPG-Klassiker. Trotzdem werden auch hier fleißig soziale Missstände angeprangert. Der erhobene Zeigefinger bleibt dabei zunächst größtenteils stecken. Lediglich der große Enddialog mit dem Drahtzieher des Diebstahls schlägt dann über die Stränge, und versucht der guten Brialynne regelrecht die Augen mit dem erhobenen Zeigefinger auszustechen. Dementsprechend dürfte der Showdown-Dialog dann auch auf wenig Gegenliebe von Seiten des Spielers stoßen. Niemand mag den erhobenen Zeigefinger. Trotzdem bleibt das Grundkonzept des Settings und der Handlung interessant und unverbraucht.

Substanzloses Laberabenteuer

Was das Gameplay anbelangt, ist Pendula Swing leider nicht so interessant wie die Story. Im Kern handelt es sich um eine Schnipseljagd, die in erster Linie in Form von Dialogen und einigen Hol- und Bring-Quests abgewickelt wird. Die Spielwelt setzt sich, neben Brialynnes Heimatinsel, in erster Linie aus den Stadtteilen und Gebäuden der Stadt Duberdon zusammen. Wer versucht jede Nebenquest zu lösen und das daraus resultierende Backtracking in Kauf nimmt, wird ca. 10 Stunden mit dem Spiel verbringen.

Ihr erkundet die Spielwelt aus isometrischer Perspektive, untersucht Hotspots (Hotspotanzeige ist vorhanden), sammelt hier und da Gegenstände ein und quatscht euch fleißig durch die NPC-Massen der Spielwelt. All das kann man bequem mit Mausklicks abwickeln. Rätsel sollte man nicht erwarten. Gegenstände dienen entweder der Übergabe an NPCs, dem Verkauf oder als Körperschmuck für Brialynne. Sollte man mal nicht wissen, wo ein NPC oder Gegenstand zu finden ist, lohnt ein Blick ins Questlog oder ein Telefonzellen-Anruf beim Zwergen-Detektiv Aidan Barnes, welcher nach dem zweiten Spielkapitel zur Verfügung steht.

Somit verkommt das Spiel zum Selbstläufer, denn auch das Geldsystem wird ad absurdum geführt, da Brialynne eine dicke Schatztruhe zu Hause stehen hat, aus derer der Spieler im Notfall immer 500 Geldeinheiten ziehen kann. Das wird aber kaum nötig sein, da gelöste Quests mit Belohnungen aufwarten und nur optionale Bekleidungs- und Schmuckgegenstände wirklich ins Geld gehen.

Abgesehen davon gibt es noch die „Analyse“-Rätsel. Hier soll man an zwei Stellen im Spiel entweder einen Tathergang rekonstruieren oder einen Witz erzählen, indem man eine Abfolge von Multiple-Choice-Texten richtig zusammensetzt. Aber wie gesagt taucht diese Aufgabe gerade einmal zwei mal im Spiel auf – lächerlich!

Und damit wäre dann auch schon alles relevante zum Gameplay gesagt. Okay, es gibt noch optionale Spielereien wie Angeln (leider ohne spaßiges Minigame), oberflächliches Choice & Consequence-Gedöhns (Vorsicht, das Spiel bietet nur einen einzigen, automatisch speichernden Saveslot), Haustiere als Companions (die aber nichts bringen und nur die Laufrouten des Spielers blockieren) oder ein paar NPCs die sich Daten lassen. Doch nichts davon gibt Pendula Swing echte Substanz mit auf den Weg. Lediglich die Achievements motivieren dazu sich enger mit dem Spiel zu beschäftigen.

Grafik und Sound

Wie bereits in der Einleitung klargestellt, nutzt das Spiel die Engine von Harebrained Schemes Shadowrun-Spielen. Das bringt bereits ein großes Problem mit sich, denn die Charaktermodelle dieser Engine sind einfach hässlich und obendrein klobig animiert! Das ändert sich auch nicht in Pendula Swing – ganz im Gegenteil. In den Shadowrun-Spielen kaschiert man das Problem mit schicken Portrait-Artworks in den Textboxen. Leider konnte oder wollte unsere schwedische Indie-Entwicklerin keinen Künstler engagieren, der diese Aufgabe übernommen hätte. Und somit ist der Spieler dazu gezwungen in jedem Dialog die potthässlichen 3D-Visagen in Nahaufnahme(!) zu erdulden. Das schlägt auf Dauer ordentlich auf den Magen.

Im krassen Gegensatz zu diesem Problem steht jedoch das tolle Mapping. Die Maps sind einfach super gelungen und strotzen vor liebevollen Details. Die Stadtteile von Duberdon haben alle ihren eigenen individuellen Charme, so dass trotz des Stadt-Setting für Abwechslung gesorgt ist. Ich finde es beeindruckend, dass die Maps von Pendula Swing – The Complete Journey mit jenen der Shadowrun-Spiele den Boden aufwischen. Hierfür ein großes Kompliment an die Entwicklerin! Auch das Intro-Filmchen im Stil eines alten 20er-Jahre-Cartoons ist sehr sympathisch.

Leider zahlt man dafür jedoch auch einen hohen Preis, denn Pendula Swing scheint Harebrained Schemes Engine ziemlich derbe in die Ecke zu treiben. Die Ladezeiten die vom Spiel beansprucht werden sind jedenfalls ziemlich heftig. Zumindest jene Ladezeiten beim Spielstart und dem erstem Ladeprozess des angelegten Speicherstands sind inakzeptabel lang. Hinzu kommen lästige Bugs wie respawnende Gegenstände innerhalb einiger Maps, oder das Problem, das gesammelte Schlüssel nicht dauerhaft gespeichert werden und verloren gehen, wenn man das Spiel verlässt und neu lädt. Zwar konnten mich diese Macken nicht davon abhalten das Spiel durchzuspielen, aber das der Spielspaß spürbar darunter leidet dürfte klar sein.

Wesentlich kompetenter ist da der Soundtrack ausgefallen. Wie der Spieltitel suggeriert, setzt dieser in erster Linie auf Swing, was natürlich auch dem spezifischen Setting des Spiels zu Gute kommt. Jeder Stadtteil bekam einen passenden Track spendiert und auch sonst verbreitet der OST viel Charme und geht gut ins Ohr. Für eine Sprachausgabe hat es leider nicht gereicht. Wenn die Charaktere Gespräche führen geben sie nur unverständliches Gebrabbel von sich. Ob es dieses Gimmick als Sprachausgabe-Ersatz gebraucht hätte oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Meines Erachtens kann man so etwas in einem kinderfreundlichen Platformer á la Rayman bringen, zu einem Spiel wie Pendula Swing passt es jedoch nicht.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • interessantes Grundkonzept (Die Goldenen Zwanziger in einer klassischen Fantasywelt)
  • Hotspotanzeige und geschickt eingebaute Hilfefunktion
  • hübsche Maps

thumbs-up-icon

Cons
  • das „Gameplay“ besteht zu 95 % aus Dialog
  • derbe Ladezeiten
  • lästige Bugs
  • potthässliche Charaktermodelle
  • bietet nur einen automatisch speichernden Saveslot

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Spiel Bewertung
Singleplayer
62
62
-
Multiplayer

FAZIT

Ein isometrisches Abenteuer welches zum Großteil aus Dialog besteht kann durchaus begeistern. Dies wurde bereits Ende 1999 vom Klassiker Planescape: Torment bewiesen und 20 Jahre später von Disco Elysium bestätigt. Mit derartigen Hochkarätern kann die kleine schwedische Indie-Produktion Pendula Swing leider nicht mithalten. Einerseits wird bei weitem nicht die Komplexität der Story oder die Qualität des Schrifttexts besagter Hits erreicht, und andererseits mangelt es einfach am Spielinhalt. Selbst ein Planescape bietet ein gewisses Maß an Gameplay welches dabei hilft Story und Dialoge zusammenzuhalten. Die uninspirierten Hol- und Bring-Aufgaben von Pendula Swing wirken hingegen eher lustlos. Darüber hinaus merkt man, dass eine fremde Grafikengine gemodded wurde. Die derben Ladezeiten und ärgerliche Bugs, unter denen Pendula Swing leidet, kann man jedenfalls nicht den Codern von Harebrained Schemes zur Last legen. Zumindest hatte ich in deren Shadowrun-Spielen nicht mit derartigen Mängeln zu kämpfen. Was bleibt ist eine schöne Setting-Idee und bemerkenswert liebevoll gestaltete Maps. Das reicht aber leider nicht aus, um ein gutes Spiel zu schöpfen. Auch das Moral-Gedöhns gegen Ende fand ich ein wenig zu plump vorgetragen. Wer unbedingt jedes Iso-Abenteuer in seiner Steam-Sammlung braucht, kann durchaus zugreifen. Etwas wirklich Überzeugendes sollte man jedoch nicht erwarten.

- Von  Volker

MS Windows
Nintendo Switch

Pendula Swing – The Complete Journey REVIEW

USK 12 PEGI 12

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