Outrage REVIEW

Wer mit meinen bisherigen Tests zu RPG-Maker-Spielen vertraut ist, dem sollte Astronomic Games ja inzwischen ein Begriff sein. Die bisherigen Spiele dieses Indie-Entwicklers boten bislang immer genügend Eigenständigkeit und Innovationen, um aus der großen Masse von RPG-Maker-Titeln herauszustechen. Und auch Outrage bildet da keine Ausnahme. Outrage spielt in der selben Cyberpunk-Welt wie schon City of Chains. Tatsächlich ist Outrage, laut Aussage des Entwicklers, als kleines Nebenprodukt zur Arbeit an City of Chains entstanden. Umso überraschender also, dass auch dieses Spiel, welches am 06.04.2016 auf Steam veröffentlicht wurde, viele frische Impulse ins ausgelutschte Subgenre der Maker-Rollenspiele einbringt. Doch alles weitere könnt ihr im folgenden Review nachlesen.

Der endlose Kampf gegen das Verbrechen

Auf den Straßen der Stadt regieren schon längst Kriminalität und Korruption. Lediglich die Vigilantes (Leute die auf Selbstjustiz abfahren) nehmen den Kampf gegen grausame Straßengangs und andere Miesepeter auf. Während einer ihrer unzähligen Patrouillen durch die finsteren Ecken der namenlosen Stadt, beobachten zwei Vigilantes, wie der zwielichtige Fabrikbesitzer Mr. Garner von dem berüchtigten Gangführer Reinhard erpresst wird. Und so beschließen die Vigilantes sich in Reinhards und Garners Angelegenheiten einzumischen, nicht wissend, dass sie damit einer weitaus größeren Sache auf der Spur sind, als sie ursprünglich dachten.

Tja, und mehr gibt es zur Handlung auch nicht zu erzählen, da diese in Outrage bewusst minimalistisch gehalten wird. Selbst die sechs Vigilantes, von denen man sich zwei zu Beginn des Spiels aussuchen darf, bringen keinen weiteren Tiefgang mit ein. Man kann sich zwar deren übersichtliche Biographien durchlesen, doch hat dies innerhalb des Spiels keine große Bedeutung, da sich Outrage aufs Gameplay konzentriert. Schade ist das aber schon irgendwie, denn die sechs Streiter wirken durchaus interessant. Da reicht die Palette vom Ex-Soldaten Centurion bis hin zum Vergewaltigungsopfer Mercury. Jeder von ihnen hat seine eigene Motivation sich der Selbstjustiz hinzugeben, doch holt Outrage null aus seinen Charakteren heraus – eine Verschwendung. Wenigstens die Handlung selbst gipfelt in einer angenehmen Ironie und wartet sogar mit drei verschiedenen Endings auf. Komplexitätswunder sollte man aber auch hier nicht erwarten.

In der Kürze liegt die Würze

Zunächst steht die Auswahl aus drei Schwierigkeitsgraden an. Die da wären Casual, Normal und Tough. Das Einzige was sich durch die Grade ändert, sind die HP- (Lebenspunkte) und Angriffkraft-Werte der Gegner (80 % auf Casual, 100 % auf Normal und 125 % auf Tough). Da Outrage jetzt nicht übermäßig schwierig ist, wenn man sich etwas auskennt und das Spiel mit knappen 2-3 Stündchen Spielzeit ohnehin verdammt kurz ist, sollte man übrigens ruhig die höheren Schwierigkeitsgrade angehen.

Danach muss man noch zwei von sechs zur Auswahl stehende Vigilantes auswählen, freilich verfügt jeder Vigilante über eigene Vor- und Nachteile. Der starke aber langsame Soldat, die agile Möchtegern-Kunoichi, der Computerhacker, der verruchte Schurke … Da ist für jeden etwas dabei. Im Verlauf des Spiels erhält man übrigens die Möglichkeit auch die anderen vier Vigilantes zu rekrutieren, welche man zu Beginn nicht ausgewählt hat. Zum großen Finale kann man also mit allen sechs Leuten auf der Matte stehen, auch wenn man nur vier von denen in die Kämpfe hineinnehmen darf.

Die Kämpfe selbst sind im Kern typische JRPG-Rundengefechte, bieten jedoch auch einige Besonderheiten. Da hätten wir zum Beispiel das Moral-Punkt-System, welches ja bereits aus City of Chains bekannt sein dürfte. Jeder Charakter verfügt über eine gewisse Anzahl von Moral-Punkten, welche durch bestimmte feindliche Angriffe und die Kampfunfähigkeit (Verlust aller HP) eines Vigilantes sinken. Je niedriger der Punktewert, desto geringer die Leistung der eigenen Leute im Kampf. Freilich gibt es Heilmittel und Skills mit denen sich die Moralpunkte auch wieder regenerieren lassen. Apropos Skills: Viele Skills beanspruchen Cooldown-Phasen, bevor sie wieder eingesetzt werden dürfen. Darüber hinaus hängt ein Großteil der zur Verfügung stehenden Skills von der Ausrüstung ab. Jeder der sechs Vigilantes verfügt zwar über einen Standard-Angriff und zwei individuelle Skills, doch die relevanten Kampf-Skills hängen etwa von der ausgerüsteten Waffe ab.

Zur Verfügung stehen sechs verschiedene Waffengattungen wie Rifles, Cannons, Shockwaves oder Flamers. Jede Waffengattung schaltet andere Skills frei, die von der Effektivität und den Nebenwirkungen in Form von Zustandsveränderungen natürlich stark schwanken. Freilich sollte man versuchen herauszufinden, welche Gegnertypen, gegen welche Waffengattungen besonders verwundbar sind. Unabhängig davon, sind allerdings einige Waffengattungen eindeutig nützlicher und effektiver als andere. Outrage ist also nicht unbedingt hervorragend ausbalanciert oder so. Man sollte das Spiel aber generell nicht auf die allzu leichteste Schulter nehmen, denn die Waffen verbrauchen zum Beispiel Munition, die man regelmäßig nachkaufen muss um wehrhaft zu bleiben. Außerdem verzichtet das Spiel auf Erfahrungspunkte und Level-Ups. Die Leistung im Kampf hängt also ausschließlich von der eigenen Ausrüstung und den Ressourcen ab. Als Belohnung für die Kämpfe winken lediglich Geldeinheiten und etwas Ausrüstung in Form von Munition und Medikamenten.

Zwischen den storyrelevanten Hauptmissionen, gibt einem das Spiel immer einige Ingame-Tage „Vorbereitungszeit.“ Pro Tag, darf ein Auftrag absolviert werden. Man muss sich also entscheiden, welche Aufträge/Belohnungen Priorität genießen, denn bis zur nächsten Hauptmission dauert es immer nur 2-4 Tage. Oftmals hat man jedoch die doppelte Anzahl an Nebenaufträgen zur Verfügung. Zwischen den Aufträgen kehrt man immer in die eigene Hauptbasis zurück. Dort kann man in erster Linie Einkäufe an einem Terminal tätigen, dessen Angebot mit fortschreitenden Spiel erweitert wird. Mithilfe eines Stadtplans gilt es dann die sechs verschiedenen Stadtgebiete anzuwählen, wo meistens diverse Aufträge absolviert werden möchten, die mit variierenden Belohnungen locken. So bringen einige Nebenaufträge ein neues Teammitglied in die Gruppe, entfalten wertvolle Informationen zur nächsten Story-Mission, oder lassen Ausrüstungsstücke als Belohnung springen. Einige Aufträge haben auch einen Einfluss auf den Ruf in der Stadt. Bei guten Ruf begegnet uns die Unterwelt mit Misstrauen, so dass es komplizierter wird Gangmitglieder oder Scharfschützen anzuheuern. Bei einem schlechten Ruf, kann es hingegen passieren, dass die Polizei unser Hauptquartier stürmt. Dies alles zieht nicht nur einige zusätzliche Kämpfe nach sich, sondern beeinflusst auch, welches der drei Endings man letztendlich erhält.

Innerhalb der Aufträge findet man sich immer in einem überschaubaren Gebiet wieder, welches in Karorastern strukturiert wird. Eine Minimap zeigt das Raster des Gebietes, sowie den Start- und Zielpunkt an, damit man sich entsprechend orientieren kann. Zur Navigation kann man lediglich entscheiden, in welche Himmelsrichtung die Gruppe gehen soll, eine direkte Kontrolle über die Vigilantes gibt es hier nicht. Innerhalb der meisten Kartenpunkte werden gescriptete Events getriggert. Dies kann z.B. ein Kampf sein, oder auch eine Schatztruhe, oder ein wichtiger Schalter, oder ein Minenfeld oder eben irgend was anderes. Freilich muss man nicht zwingend jeden Kartenpunkt bzw. jeden Raum oder Straßenzug betreten, um den Auftrag abzuwickeln. Man muss lediglich zum markierten Zielpunkt vordringen und dort eventuell einen Bosskampf bestreiten, um erfolgreich zu sein.

Und damit wären dann auch die Grundlagen zu Outrage abgewickelt. Freilich gilt es noch schnell ein paar wichtige Details abzuwickeln bevor ich zum Ende komme. Details wie die altbekannte freie Speicherung in bis zu 15 Saveslots oder der umfassende Controller-Support bei einer ohnehin gewohnt unkomplizierten RPG-Maker-Steuerung. Das habe ich hiermit erledigt, also schnell zum nächsten Testsegment.;)

 

Grafik und Sound

Seit Atonement: Scourge of Time setzt Astronimic Games auf bestimmte Erweiterungspacks des RPG-Makers, welche den Spielen einen westlichen Anstrich verpassen. Der Vorteil davon ist, dass es nicht allzu viele Maker-Spiele gibt, die diese Erweiterungspacks nutzen, weswegen Outrage auch nicht so verbraucht aussieht wie die ganzen anderen Titel im typischen Anime/Manga-Stil. Auf der Kontra-Seite ist jedoch zu sagen, dass die Grafikbausätze dieser Erweiterungspacks einfach nicht so schick aussehen, wodurch es mich auch nicht verwundert, dass diese kaum verwendet werden. Die Grafik wirkt halt verdammt billig und trashig. Damit wird freilich nicht jeder klarkommen, aber Leute, die sich daran allzu sehr stören, sind in der Regel ohnehin nicht an RPG-Maker-Titeln interessiert.

Auch der Soundtrack wirkt dieses mal eher trashig. Die elektronischen Tracks biedern sich dem zugrunde liegenden Cyberpunk-Setting an, bieten aber nichts, was einem im Kopf hängenbleiben möchte. City of Chains hat da doch wesentlich mehr geboten als Outrage.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
70
70
-
Multiplayer

FAZIT

Nach City of Chains bleibt Astronomic Games/Matthew Ashworth seinem Motto treu Innovationen ins Genre zu bringen, statt einfach nur altbekannte JRPG-Schemata zu emulieren. Outrage ist ein sehr experimentelles Spiel, welches obendrein verdammt kurz ausfällt und auf eine spannende Story und erinnerungswürdige Charaktere verzichtet. Was bleibt ist ein interessantes Spiel, welches durch seine originellen Mechaniken lange genug das Interesse aufrecht erhält, um zum Abspann zu gelangen und dabei sogar Spaß bereitet. Wer sich nicht zu sehr an den Mängeln stört und etwas innovatives im RPG-Maker-Sektor spielen möchte, kann hier gerne zugreifen.

- Von  Volker

MS Windows

Outrage REVIEW

USK 12 PEGI 12

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