Lenrual REVIEW

Das kreative Adventure Lenrual ist zwar nicht das erste Spiel, welches vom Indie-Entwickler Jonathan Guite geschaffen wurde, jedoch ist es das Erste, dass er als kommerzielles Produkt verkauft. Lenrual steht seit dem 20. November 2025 auf Steam für 4,99 € zum Verkauf, womit der Entwickler auch erstmals Valves Platform nutzt. Zuvor veröffentlichte Guite seine bis dato kostenlose Spiele nämlich auf itch.io.

Ich selbst habe durch einen befreundeten Youtuber einen kostenlosen Key für Testzwecke erhalten. Doch was Lenrual nun im Detail zu bieten hat, und ob die Kommerzialität gerechtfertigt war, wollen wir im folgenden Review herausfinden.

Auch in der Geisterwelt gibt es Sozialversager

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Laut Lenrual schon, denn wir übernehmen die Rolle eines namenlosen Geist, welcher in einer ebenso namenlosen Stadt des Totenreichs ein eher einsames Dasein fristet. Doch eines Tages beschließt der Geist seiner misslichen Lage zu entfliehen und mit den Bewohnern seiner Heimatstadt in Kontakt zu treten. Doch das ist freilich wesentlich leichter gesagt als getan, denn unser Geist leidet nicht nur unter Kommunikationsschwierigkeiten, sondern kennt sich noch nicht mal mit den Gepflogenheiten seiner eigenen Heimatstadt aus. Nun liegt es am Spieler Unterstützungsarbeit zu leisten.

Wohin die Ausflüge führen, und was sich daraus ergibt, müsst ihr jetzt freilich selbst herausfinden. Nur soviel: Das Spiel ist sehr abstrakt gehalten. Ausschweifende Erklärungen und Händchenhalten sucht man hier vergebens. Tatsächlich verzichtet das Spiel sogar auf Bildschirmtexte. Hierdurch fühlt man sich tatsächlich, als ob man in einer völlig fremden Welt gelandet ist, in der man selbst gucken muss, wie man zurechtkommt. Das ist natürlich einerseits sehr reizvoll, kann aber auch für Frust sorgen. Dies überträgt sich dann auch auf das Gameplay.

Fremd im eigenen Stadtbezirk

Lenrual bietet drei verschiedene Spielvarianten. Im Löwenteil des Spiels steuert ihr den Geist aus der Egoperspektive mit altbewährter WASD-Steuerung, linker Maustaste für die Interaktion und Leertaste, um einen kurzen Sprint durchzuführen. In einer weiteren Spielvariante steuert ihr eine immer weiter anwachsende Geistergruppe aus der Third-Person-Perspektive und später dann auch aus der Vogelperspektive. Im finalen Gruppenabschnitt ist der Pulk dann jedoch so massiv, dass er nur noch schwammig zu kontrollieren ist, was diesen Abschnitt etwas frustrierend machen kann. In der dritten Spielvariante findet sich der Geist in einer Art Traumebene wieder, wo er fliegen kann. Hier steuert man ihn, indem man die linke Maustaste gedrückt hält, um ihn fortzubewegen.

Im allgemeinen ist die Handhabung der Spielvarianten sehr einfach gehalten und leicht umzusetzen. Außerdem gibt einem das Spiel vor jeder Variante ein kleines Tutorial, in welchem Tasteneinblendungen verdeutlichen, was man alles machen kann.

Im Kern geht es in Lenrual darum in Kontakt mit den anderen Einwohnern des Stadtteils zu treten. Die Kommunikation erfolgt hier jedoch nicht durch Text, sondern durch ein 5×5 großes Knotenpunktraster. Zunächst scheint es, dass man einfach nur die Knotenpunktverbindungen der Gesprächspartner nachahmen muss, jedoch treten schon recht bald Probleme auf. Außerdem werden später komplexere Anforderungen gestellt, um den Dialog erfolgreich durchzuführen. Weitere Erklärungen würden jetzt zu weit führen, da es hier ja darum geht sich eigenständig zurechtzufinden. Lenrual wurde nämlich bewusst mit einem absoluten Minimum an Händchenhalten konzipiert.

Um erfolgreich durchs Spiel zu gelangen, gilt es auch den Stadtteil zu erkunden. Dieser ist zwar sehr klein gehalten, bietet aber dennoch Raum für Entdeckungen. Um das Spiel zu gewinnen, müssen übrigens auch nicht alle Rätsel gelöst werden. Ein paar von denen darf man auslassen. Letztere Designentscheidung hat mich positiv überrascht, da dem Spieler somit zu einem geringen Grad individuelle Wege ermöglicht werden. Leider ist Lenrual ein sehr kurzes Spiel. Ich bin komplett blind ins Spiel gegangen und habe nur etwas länger als 2 Stunden für meinen Spieldurchlauf benötigt. Die Kürze des Spiels wird vom Entwickler jedoch offen auf der Steam-Storepage kommuniziert, weswegen man diesen Punkt nicht zu stark kritisieren muss.

Ursprünglich war Lenrual dazu konzipiert, in einer einzigen Sitzung durchgespielt zu werden (was ich persönlich auch getan habe). Doch da nicht jeder Spieler damit zurechtkam, hat der Entwickler inzwischen ein Autosave-System integriert. Jedes gelöste Rätsel wird nun vom Spiel festgehalten.

Grafik und Sound

Auf Basis der Unity-Engine setzt Lenrual auf 3D-Grafik im Low-Poly-Stil. Die Geisterstadt nutzt dunkle Farbtöne, welche mit Neon garniert wurden. Auch die Charaktermodelle sind abstrakt gehalten und weisen einen verspielten Cartoon-Stil auf. Hier geht es also keineswegs darum den Spieler zu ängstigen, sondern ihn auf charmante Art und Weise in eine fremde Welt zu versetzen. Wer sich auf den abstrakten Stil einlassen kann, bekommt ein surreales, künstlerisch wertvolles Totenwelt-Setting präsentiert.

Der Soundtrack passt zum Spiel und bietet launige Stücke, welche die surreale Situationen unterstreichen. Trotz des unverständlichen Hintergrund-Geplappers im Stadtbezirk, gibt es keinerlei Sprachausgabe im Spiel. Diese würde aber auch gar nicht zum Spielprinzip passen. Ansonsten hält sich das Spiel bei sonstigen Soundeffekten auch eher zurück, was dem Spiel eine überraschend gemütliche Atmosphäre verleiht.

Bildschirmtexte gibt es hier übrigens auch nicht, weswegen etwaige Sprachkenntnisse nicht erforderlich sind.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • sehr kreative Rätsel-Ideen ohne jegliches Händchenhalten
  • abstraktes, surreales Setting mit entsprechendem Artstil
  • einfache, leicht zu handhabende Steuerung

thumbs-up-icon

Cons
  • wackliges Preis- Leistungsverhältnis (4,99 € für ca. 2 Stunden Spielzeit)
  • die Kontrolle über die Geister-Gruppe wird im letzten Gruppen-Abschnitt zu fummelig
  • sowohl Gameplay als auch Story könnten für manche Spieler zu kryptisch sein

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