Wolfenstein: The Old Blood REVIEW

Mit Wolfenstein: The New Order gelang es Bethesda und Machine Games im vergangenen Jahr einen der ganz alten Hasen der klassischen Shooter-Zunft eine fulminante Rückkehr auf die große Bühne verhelfen. Die Mischung aus alternativen 1960er Jahre Setting, gelungener Gratwanderung zwischen ernst genommenen Charakteren und Pulp-Geschichte sowie einer rundum gelungenen Shooter-Mechanik beförderten das Spiel gar auf meiner persönlichen Liste der Lieblingsspiele 2014 ganz nach oben. Umso erfreuter war ich natürlich, als die Verantwortlichen vor wenigen Wochen ganz überraschend Wolfenstein: The Old Blood ankündigten. Kein Nachfolger sondern eine eigenständige Erweiterung, welche die Vorgeschichte zum Hauptspiel erzählt. Warum mich der rund sechsstündige Nostalgie-Trip allerdings sehr ernüchtert zurückgelassen hat, soll der Test beantworten.

1946, Paderborn in den bayerischen Alpen

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Ach ja, Bayern. Welch ein schönes Fleckchen Erde!!! Strahlend blauer Himmel, majestätische Berge, abgelegene kleine Orte. Irgendwo hier, nahe Paderborn, steht die Burg Wolfenstein. Und zu eben…Moment mal, Paderborn in den Alpen? Und warum überhaupt sind die Nazis hier im Jahre 1946 noch da? Waren nicht genügend Persilscheine nach dem Sieg der Alliierten vorhanden, sodass sich ein paar versprengte Nationalsozialisten noch immer in den ihren Festungen verstecken?

Natürlich nimmt es Wolfenstein: The Old Blood nicht sehr genau mit historischen Fakten. Oder Geografischen. Soll es ja auch nicht, schließlich wird hier eine alternative Geschichte erzählt, in welcher Nazi-Deutschland im Jahre 1946 eben noch nicht besiegt ist, sondern stattdessen kurz vor dem Endsieg steht. Eben dies soll B.J Blazkowicz verhindern, weshalb er sich gemeinsam mit einem weiteren Spion auf zur Burg Wolfenstein macht, um geheime Dokumente zu beschaffen. Dort angekommen, geht aber sehr schnell so ziemlich alles schief, was auf einer geheimen Spionagemission nur schief gehen kann. Vielleicht hätte der muskelbepackte B.J. vorher doch einmal sein Deutsch ein wenig akzentfreier üben sollen. Wie dem auch sei, bricht auf der Burg Wolfenstein ziemlich schnell das Chaos aus, sodass die bekannte Formel der Reihe einmal mehr ausgepackt und eingesetzt wird.

Während vor allem das Shooter-Gameplay erneut mit mächtig Wumms und einem sehr flüssigen Spielgefühl punkten kann, macht Wolfenstein: The Old Blood im Vergleich zum Hauptspiel an anderer Stelle leider einen gehörigen Schritt rückwärts. Dies zählt vor allem für die Handlung, welche hier in wenigen Zwischensequenzen abgefrühstückt wird. Wo sind die tragischen Zwischentöne, die mich in The New Order so überrascht haben. Wo die gut ausgearbeiteten Figuren? Wo der mir tatsächlich ans Herz gewachsene Protagonist? All diese Punkte werden diesmal sträflich vernachlässigt.

It´s raining Nazis“

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Stattdessen wirkt die Erweiterung sehr schnell wie seelenloser Fan-Service, bedient es doch vor allem jene Elemente, welche die Reihe mit dem nach wie vor in Deutschland indizierten und beschlagnahmten Ableger von 2001 übergestülpt bekommen hat. Denn sehr schnell spielt in Wolfenstein: The Old Blood die okkulte Sinnsuche der Nazis eine Rolle. Dadurch setzt sich die Erweiterung eigentlich angenehm vom Hauptspiel ab und bekommt noch einmal eine große Ladung Nostalgie verpasst. Allerdings vermag es das für PlayStation 4, Xbox One und PC veröffentlichte Spiel nur in sehr wenigen Momenten über die Anbiederung an alteingesessene Serien-Freunde hinaus zukommen.

Denn obwohl ich von Nazi-Zombies, feschen Sprüchen und jeder Menge B-Movie Blödsinn alles geboten bekomme, was ich auf eine Checkliste meiner Wünsche für ein perfektes Wolfenstein vermerken würde, so hat sich in den knapp sechs Stunden Spielzeit nie ein zufriedenstellendes Gefühl breitgemacht. Woran dies nun genau liegt, kann ich kaum ausmachen. Bin ich tatsächlich zu verwöhnt vom Hauptspiel, sodass die nicht vorhandene Story mich nur enttäuschen konnte? Liegt es an mangelnden Ideen, welche das Gameplay hier und da ein wenig auffrischen? Oder sind es zum Teil auch die schlicht und ergreifend lieblos aneinandergeklatscht wirkenden Referenzen, die mich kalt lassen?

Objektiv betrachtet ist Wolfenstein: The Old Blood sicherlich kein schlechtes Spiel. Die bereits erwähnte Shooter-Mechanik ist nach wie vor grandios, der Spielfluss angenehm und die insgesamt acht Kapitel logisch miteinander verbunden. Viel Neues gibt es aber leider nicht, abgesehen von ein paar neuen Waffen und Gegnertypen. Und eben die Rückkehr der Nazi-Zombies, die sich aber genauso wenig anstrengen dem Spieler das Leben schwer zu machen, wie auch die normalen Soldaten. Die Gefechte selbst machen trotzdem noch Spaß und haben durchaus ihren taktischen Reiz, sofern man sich dazu entscheidet, nicht komplett den Rambo zu markieren und Deckungen und Stealth-System zu nutzen.

Exklusivität ohne Vorzüge

Während The New Order auch noch für die alte Konsolen-Generation von Sony und Microsoft veröffentlicht wurde, ist Wolfenstein: The Old Blood Current-Gen. exklusiv. Technische Vorzüge bringt dies aber keine mit sich, denn im Vergleich zur PlayStation 4 Version vom Hauptspiel hat sich in der selbigen Fassung von „The Old Blood“ grafisch nichts getan. Zumindest ist mir beim Spielen eine entsprechende Verbesserung hinsichtlich Grafik oder Effekte nicht aufgefallen. Insofern besticht das Spiel nach wie vor mit vielen Matschtexturen, sobald man nah an Objekte oder Wände herangeht. Auch Schriften und Gemälde sind oftmals vollkommen verwaschen, was für ein modernes Spiel der aktuellen Konsolen eigentlich ein No-Go ist.

Wer sich zum Kauf der deutschen Version entschließt, der muss neben verfassungswidriger Symbole und der Erwähnung von Nazi, Führer und ähnlichem Vokabular auch auf die originale Tonspur verzichten. Das ist insofern schade, da es der sowieso nicht mehr so dichten Atmosphäre einen weiteren Dämpfer verpasst. Denn wenn in den wenigen guten Dialog-Szenen Amerikaner und Briten Deutsch sprechen, aber eigentlich Englisch denken, und ihre deutschen Gegenüber mit Wortspielen agieren, dann geht das in der hiesigen Fassung natürlich komplett unter. Böse Buben und Mädels haben natürlich immer noch die Wahl zum Import bzw. Download der ungekürzten Fassungen. Aber das habt ihr jetzt nicht von mir, okay?

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Spiel Bewertung
Singleplayer
60
60
-
Multiplayer

FAZIT

In seiner gesamten Spielzeit hat es Wolfenstein: The Old Blood nicht geschafft, mich vom Hocker zu reißen. Eben dies ist dem Hauptspiel im letzten Jahr immer und immer wieder gelungen. Zwar ist auch die Erweiterung düster, verfügt über eine tolle Mechanik und der bewährten Wolfenstein Rezeptur. Trotzdem war mein Spielspaß stets gedrosselt, obwohl eigentlich kaum etwas falsch gemacht wird. Während ich beim Abspann von The New Order das nächste Abenteuer von B.J. Blazkowicz förmlich herbeigesehnt habe, fühle ich nach dem Ende von The Old Blood vor allem Ernüchterung.

- Von  Adrian

Playstation 4
Xbox One
MS Windows

Wolfenstein: The Old Blood REVIEW

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