Scarlet Nexus REVIEW

Bandai Namco kennt man vor allem für ihre Videospiel-Adaptionen von populären Anime-Franchises. Abseits von Dragon Ball, One Piece und Co. versuchen sich die Japaner aber alle Jubeljahre auch an einer neuen IP ohne existierender Vorlage. Hier greift man dann zwar gerne populäre Spieldesigns auf, wie etwa die Jagd auf große Monster (God Eater) und Souls-like (Code Vein), verpackt das Ganze aber meist mit genügend Eigenständigkeit. Mit dem neuesten Projekt Scarlet Nexus orientiert man sich nun an flotter Action a la PlatinumGames. Bekommen Bayonetta und Nier Automata ernstzunehmende Konkurrenz?

Große Vorbilder


Die Geschichte ist einige Tausend Jahre in der Zukunft angesiedelt. Da die Erde nahezu komplett in Trümmern liegt, haben sich die Menschen in die wenigen, aber dafür umso gigantischeren Metropolen zurückgezogen. New Himuka ist eine davon und erinnert mit ihren alten japanischen Bauten zwischen neuen Hochhäusern und Reklamen auf LED-Tafeln an die großen Vorbilder des Cyberpunk-Genres, wobei New Himuka zunächst einen Tick sauberer und freundlicher wirkt, als beispielsweise das Los Angeles aus Blade Runner.

Das Leben der Menschen ist eigentlich recht friedlich, wären da nicht die Anderen. So werden die boshaften Kreaturen genannt, die regelmäßig die Städte und ihre Bewohnerinnen und Bewohner angreifen. Gegen die übrigens ziemlich einfallsreich gestalteten Monster tritt die Anderen-Abwehrstreitkraft, kurz AAS, an. Diese besteht vor allem aus Personen mit übernatürlichen Kräften. Und zu diesen gehören natürlich auch die beiden Protagonisten des Spiels.

Zwei Gesichter, eine Geschichte


Beim Spielstart entscheidet man sich zwischen Yuito Sumeragi und Kasane Randall. Die Wege der beiden kreuzen sich im Laufe der Geschichte immer wieder, denn ihre Schicksale sind eng miteinander verknüpft. Im Grund ist es egal, für welche Figur man sich zunächst entscheidet, abgesehen von minimalen Abweichungen erlebt man in beiden Kampagnen die selbe Geschichte. Dennoch bleiben hier und da Lücken, welche durch das Spielen der anderen Storyline aufgefüllt werden. Dadurch ergibt sich durch das Erleben beider Stränge das gesamte Bild, wobei man aber auch mit einem Durchlauf recht gut bedient ist. Wer dennoch auch den zweiten Storyverlauf angehen will, kann sich über die ziemlich umfangreiche Übernahme von erspielten Level, Items, Fähigkeiten usw. freuen. Das bringt das Balancing zwar etwas durcheinander, steigert aber die Motivation für einen zweiten Run.

Das große Problem ist da eher die Geschichte selbst. Das die Storyschreiber jetzt nicht das Rad der Erzählkunst neu erzählen, ist ja noch geschenkt. Allerdings erzählen sie ihren Plot auf eine stellenweise erdrückend zähe Art und Weise und durchsetzen die Narration auch noch mit jeder Menge Exposition nach dem Muster „Oh, du weißt doch…Wie du ja weißt…“. Das die Figuren oft elendig lange um den heißen Brei reden, obwohl sie mit zwei Sätzen auf den Punkt kommen könnten und nahezu jedes Mitglied der AAS mindestens einmal Yuito bzw. Kasane verrät, nur um kurz darauf wieder auf deren Seite zu stehen, macht das Ertragen der Geschichte nicht einfacher. Dabei stecken durchaus coole Ansätze und Ideen in Scarlet Nexus, vor allem im letzten Drittel wird es stellenweise tatsächlich auch mal spannend. Bis dahin hat das Spiel seine Spielzeit aber bereits um vier, fünf Stunden zu lang gestreckt.

Cooles Artdesign, öde Spielwelt


Übrigens merkt man die Spielzeitstreckung teilweise auch abseits der langen Dialogszenen, die selten voll animiert und meistens mit immerhin dynamisch inszenierten Standbildern erzählt wird. Geradezu wütend wurde ich in einem verschneiten Areal im zweiten Drittel, bei dem mir die Leveldesigner alle paar Meter den Weg mit Eis versperren, welches ich kaputt schlagen muss. Ein weiteres Beispiel, welches sogar innerhalb der Spielwelt eigentlich keinen Sinn ergibt, ist ein geheimes Labor, in welchem meine Kollegen stationiert sind und Experimente durchführen, ich aber dennoch Monster bekämpfen und Keycards aufsammeln muss.

Ohnehin ist die Gestaltung der Welt, mit Ausnahme von New Himuka, keine Stärke des Spiels. Egal ob Baustelle, verwaister Highway oder zerstörte Stadtruinen: alles sieht karg und langweilig aus. Hier merkt man dem Spiel sowohl das wohl nicht ganz so üppige Budget als auch die Herkunft von PlayStation 4 und Xbox One an. Auf den neuen Konsolen von Sony und Microsoft sowie dem PC gibt es aber immerhin saubere 60 Frames und eine 4k Auflösung, wobei vor allem die hohe Bildrate dem Actionspiel gut zu Gesicht steht.

Scarlet Nexus hat übrigens durchaus coole Designs, vor allem das der Gegner ist erfrischend bizarr. Die Anderen sind organische Wesen, die sich aus zumeist tierischen, manchmal auch menschlichen Teilen sowie Alltagsobjekten zusammensetzen. Eine Gegnerform etwa stolziert auf langen Beinen in High-Heels, der Oberkörper ist jedoch eine Vase inklusive Blumen. Gerade in den Artworks, die Käuferinnen und Käufer der Deluxe Variante in Form des digitalen Artbooks einsehen können, sieht das unglaublich toll aus und hebt sich aus der Masse hervor.

Auf den Spuren von PlatinumGames


Auch das Kampfsystem weist einige Alleinstellungsmerkmale auf. Yuito, Kassane und die restlichen Mitglieder des AAS sind Psioniker, besitzen also übernatürliche Kräfte. Zwar kann man abseits der beiden Protagonisten keine anderen Figuren steuern, allerdings auf deren individuelle Fähigkeiten für kurze Zeit zugreifen. So kann man sich etwa für kurze Zeit unsichtbar machen, um unentdeckt an Feinden vorbeizulaufen oder diese aus dem Hinterhalt mit einem mächtigen Schlag anzugreifen. Man kann Angriffe elektrisch oder mit Feuer aufladen oder auch die Zeit verlangsamen. Zusätzlich können die beiden Protagonisten Objekte auf die Gegner schleudern und so etwa Bruchstücke aus Wänden, Autos und sogar Züge durch die Gegend schmeißen. Dadurch entsteht ein dynamischer Spielfluss, der gerade mit neu freigeschalteten Kombos und Angriffsmöglichkeiten seine Stärken gekonnt ausspielt.

Leider spielt Scarlet Nexus seine Möglichkeiten noch nicht ganz aus, denn die Kämpfe gegen Standardgegner sind selten anspruchsvoll oder fordernd, selbst auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade. In der Theorie besitzen zwar alle Gegnertypen individuelle Schwachpunkte, viel zu häufig hilft aber ein einfaches Hämmern auf die Tasten aus. Lediglich die Bosse sind mitunter fordernd und wollen, dass man das Kampfsystem verinnerlicht hat. Hier wird es dann auch wichtig die „Hülle“ der Gegner zu durchbrechen. Ist dies geschafft, kann man zu einem mächtigen Spezialangriff ansetzen. Ebenfalls mächtig sind die auch visuell sehr cool dargestellten Brainfield-Momente. Ist die entsprechende Leiste aufgeladen, kann man das Brainfield aktivieren und wechselt für kurze Zeit in einen Modus, in welchen man enorm viel Schaden macht und mit allen auf die Gegner eindrischt, was der Level hergibt.

Wenig Nebenbeschäftigung


Abseits der Kämpfe gibt es wenig zu tun. Zwar kann man Nebenmissionen angehen, allerdings sind diese selten spannend und auch die Belohnungen lohnen meistens nicht. Das gilt auch für die Erkundung der Level, denn außer Heilmittel und Ressourcen, die man entweder verkaufen oder zum Herstellen von Gegenständen benutzen kann, gibt es nichts zu finden. Einzig das Aufbauen von Bindung zu den anderen Figuren in der Gruppe lohnt sich aus spielerischer Sicht noch, da man auf diese Weise neue Perks und teilweise auch Angriffsmöglichkeiten freischaltet.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • flottes Kampfsystem mit vielen Möglichkeiten
  • bizarres Art-Design der Gegner
  • zum Ende hin wird die Geschichte spannend
  • 60 Frames und 4k auf Next-Gen & PC

thumbs-up-icon

Contra
  • Story hat gerade in der ersten Spielhälfte viel Leerlauf
  • Kampfsystem nutzt sich nach einer Weile ab
  • unnötige Spielzeitstreckung in Dialogen und im Leveldesign
  • keine nennenswerte Nebenbeschäftigungen

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Spiel Bewertung
Singleplayer
79
79
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Nein, der ganz große Wurf ist Scarlet Nexus nicht geworden. Dafür aber jede Menge Potenzial und gute Ansätze, auf die sich in Zukunft aufbauen lässt. Vor allem in narrativer Hinsicht würde ich mir etwas mehr Fokus und weniger Leerlauf wünschen. Was die Story ab der zweiten Hälfte etabliert, ist nämlich durchaus spannend und auch die beiden Protagonisten wie einige Nebenfiguren sagen mir sehr zu, auch wenn mal wieder viele bekannte Klischees abgefeuert werden und charakterlicher Tiefgang Mangelware ist. Gerade beim Kampfsystem spielt Scarlet Nexus seine Stärken aber bereits bravourös aus. Der Wechsel zwischen schnellen Nahkampfangriffen in Verbindung mit den unterschiedlichen Fähigkeiten bildet einen spaßigen Flow. Zwar nutzt sich der Wow-Effekt ab, nachdem man zum x-ten Mal einen Kleinwagen auf die Gegner geschleudert hat, dennoch bleiben die Kämpfe bis zum Schluss eine der großen Stärken in diesem ansonsten vor allem wegen seinem Art-Design erinnerungswürdigen Titel.

- Von  Adrian

Playstation 4
Xbox One
MS Windows
Xbox Series X
PlayStation 5

Scarlet Nexus REVIEW

USK 16 PEGI 16

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