Root Letter REVIEW

Herbst und Winter, die kalten, dunklen Jahreszeiten. Was gibt es Schöneres, als, eingekuschelt in eine warme Decke, vor dem Kamin zu liegen, das Knistern des Feuers zu hören und dabei ein spannendes Buch zu lesen? Alle diejenigen, die keine Bücher mögen, aber dennoch Fans von Mystery und Gruselgeschichten sind, sollten sich den Namen des Studios Kodakawa Games merken! Unter dem Titel „Game Mystery Brand“ wird das Studio eine Reihe von Visual Novels veröffentlichen. Jedes der Spiele erzählt dabei eine eigene Story aus dem Bereich Thriller und Mystery. Den Anfang macht Root Letter, das in Japan bereits im Juni 2016 veröffentlicht wurde und nun auch den Weg nach Europa gefunden hat. Sowohl Playstation 4- als auch PS Vita-Besitzer kommen in den Genuss des Games. Oder ist das gute alte Buch am Ende doch die bessere Alternative?

Ein Brief aus der Vergangenheit

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Root Letter erzählt die Geschichte des jungen Mannes Max aus Tokyo. Der Anfang-Dreißiger findet nach dem Umzug zwischen seinen alten Sachen einige Briefe. Unser Protagonist erinnert sich an das Abschlussjahr seiner Schulzeit. 15 Jahre ist es her. In dieser Zeit schrieb Max mit einer Brieffreundin aus der im Süden Japans gelegenen Shimane-Region. Aya Fumino ist ihr Name, aus der Stadt Matsue. Nur zehn Briefe tauschte der Junge mit Aya aus. Sie berichtete über das Leben in Matsue, über das Erwachsenwerden und am liebsten über ihre sieben Freunde und Klassenkameraden. Es waren nur zehn Briefe, doch sie genügten, um das Mädchen aus Matsue nie zu vergessen. Nach ihrem letzten Brief schien Aya sich aus ungeklärten Gründen nicht mehr zu melden.

Im Stress der Schulabschlussprüfungen geriet die Brieffreundschaft dann in Vergessenheit. Nun aber entdeckt Max, in dessen Rolle der Spieler schlüpft, einen 11. Brief. Ihm völlig unbekannt, ungeöffnet und paradoxerweise nicht mit einem Poststempel versehen, liegt er zwischen den anderen Briefen von Aya. Verängstigt schreibt sie, sie habe jemanden getötet und es wäre das letzte Mal, dass sie sich meldet. Getrieben von dem Willen, die Fragen um den mysteriösen, 11. Brief und um Ayas Verbleib zur klären, führt Root Letter den Spieler auf eine ungewisse Reise nach Matsue.

Wenn es Max gelingt, Ayas sieben Klassenkameraden zu finden, kann der Spieler rekonstruieren, was vor 15 Jahren wirklich geschehen ist. Doch Menschen ändern sich. Mit nichts als ihren Spitznamen macht Ihr Euch in der Rolle des Protagonisten auf die Suche nach Ayas Freunden. Diese zeigen sich wenig kooperativ und es scheint, als wollten sie die Ereignisse von damals leugnen und vergessen. Auf dem Weg zur Wahrheit verfolgt die Geschichte auch übernatürliche Ansätze. Ihr werdet mit Geistergeschichten konfrontiert, ebenso, wie mit Berichten von außerirdischem Einwirken. Man hat nie das Gefühl, den Verlauf der Story vorhersagen zu können. Was ist mit Aya geschehen? Hat das Mädchen wirklich einen Mord begangen? Wird Max sie finden?

Manga zum Mitspielen

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Eine Visual Novel ist ein textbasiertes Videospiel. Meist hat der Spieler durch seine Entscheidungen im Verlauf von Gesprächen einen Einfluss auf den Ausgang der Geschichte. Root Letter zeigt sich als ein äußerst linearer Vertreter seiner Zunft. Es bietet lediglich rudimentär Spielmechaniken. In erster Linie liest sich der Spieler durch das Geschehen und verfolgt alles recht passiv. In Gesprächen wählt ihr die Themen, zu denen Ihr Euer Gegenüber befragen möchtet. Dabei gibt es keine vorgegebene Reihenfolge, kein Richtig und kein Falsch. In einigen Situationen ist es auch nötig, Gesprächspartnern einen Gegenstand zu zeigen, um an mehr Informationen zu kommen. Dies kann etwa das Foto von Aya sein. Auch ist es hin und wieder an der Zeit, die Umgebung nach Besonderheiten zu erkunden. Wie in einem Wimmelbild-Spiel durchsucht Ihr ein Standbild dabei nach Hinweisen.

Im Zentrum der spielerischen Erfahrung stehen bei dieser Visaul Novel die sogenannten „Investigation“-Sequenzen. Dabei nehmt ihr Ayas frühere Klassenkameraden ins Kreuzfeuer. Um zu erfahren, was sie über das Verschwinden des Mädchens wissen, müsst Ihr ihre Fassade niederbrechen und ihr wahres Gesicht enttarnen. Zu diesem Zweck sammelt Ihr im Vorfeld Beweise und schmutzige Details, um sie in der Investigation damit unter Druck zu setzen. Nur in diesen Sequenzen ist es möglich, etwas falsch zu machen. Welche Frage muss wann gestellt werden? Wann wird welcher Gegenstand als Beweis präsentiert. Nur wer den Verlauf des Gespräches zu seinen Gunsten zu manipulieren weiß, bringt Ayas Schulfreunde dazu, ihre Maske fallenzulassen. Wer sechs Fehler macht, muss die ganze Sequenz von vorn beginnen.

An kritischen Kernpunkten des Gespräches kommt der „Max-Mode“ zum Einsatz. Eine kreisförmige Anzeige auf dem Bildschirm füllt sich dabei in unregelmäßigem Tempo. Damit wird symbolisiert, in welchem Maße die Aussage, die Max daraufhin tätigen wird, provokativ ist. Bei kaum gefüllter Anzeige schmeichelt der Protagonist seinem Gegenüber, währen eine volle Anzeige einer Beleidigung gleichkommt. Eure Aufgabe als Spieler ist es, die Anzeige im richtigen Moment zu stoppen, um das Gespräch in eine produktive Richtung zu lenken. Leider ist genauso wenig vorhersehbar, wie schnell sich die Anzeige füllt, wie auch, welchen Einfluss die einzelnen Aussagen auf den Gesprächsverlauf haben. Da es irrelevant ist, wie oft man im Max-Mode einen Fehler macht, artet er in reinem Trial an Error aus. Die durchaus gute Idee geht somit nicht auf.

Trotz, oder gerade wegen dieser Mechaniken wird Root Letter nie einen Award für sein Gameplay abstauben. Es ist und bleibt eine Visual Novel, ein Buch zum Spielen. Als solche geht es den zu erwartenden Weg im Puncto Spielemechanik.

Schummrige Geschichte liebevoll präsentiert

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Die Geschichte um das mysteriöse Verschwinden von Aya Fumino erzählt das Team des Studios Kodakawa Games anhand von absolut hochwertigen Zeichnungen im Anime-Stil. Die offensichtlich mit Muse gezeichneten Grafiken hauchen allen Charakteren Leben ein. Ihre Seele erhalten sie durch die japanischen Synchronsprecher. Man kann in Matsue versinken. Der angenehm unaufdringliche Soundtrack tut sein Übriges. Es ist ein Leichtes, sich in die warmen Sommertage im Süden Japans hineinzuversetzen, aber auch in die kalten Nächte, in Max´ Unsicherheit wie auch in die anderen Charaktere.

Der fehlenden Hingabe bei der Lokalisation ist es geschuldet, dass Root Letter deutliche Schwächen hat. So bietet der Titel ausschließlich englischen Bildschirmtext und japanische Sprachausgabe. Dieses Phänomen zeigt sich auch bei anderen Vertretern des Genres, etwa beim aktuellen Ableger der Ace Attorney-Reihe „Spirit of Justice“ von Capcom. Kodakawas Root Letter leidet zudem darunter, dass die Story abschnittsweise zäh in die Länge gezogen wird.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
73
73
-
Multiplayer

FAZIT

Wenn der Regen an mein Fenster prasselt und ich mich unter meiner Decke verkrieche, dann gibt es für mich nichts Schöneres, als eine Visual Novel. Root Letter vertritt sein Genre standesgemäß und macht beinahe alles richtig. Es ist, als würde man ein wirklich gutes Buch lesen. Definitiv das Richtige, um durch die dunkle Zeit des Jahres zu kommen. Ich, für meinen Teil, wollte definitiv hinter das Geheimnis um Ayas Verschwinden kommen. Es ist schade, dass man nur in diesen Genuss kommen kann, wenn man bei der englischen Sprache fest im Sattel sitzt. Wer zugreift, sollte im Vorfeld genau wissen, was er kauft. Erwartet keine Action und keine Explosionen! Doch ihr dürft Euch auf eine Geschichte voller Spannung und unvorhersehbarer Wendungen freuen. Nur wem es gelingt, alle fünf Enden von Root Letter offenzulegen, dem offenbart sich das Geheimnis hinter Ayas 11. Brief an Max.

- Von  Johannes

Playstation 4
PlayStation Vita

Root Letter REVIEW

USK 12 PEGI 12

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