Paratopic REVIEW

Der am 06. September 2018 veröffentlichte Horror-Walking-Simulator Paratopic ist der Debuttitel des Indie-Entwicklers Arbitrary Metric. Auf den ersten Blick fällt das Spiel durch seinen Grafikstil auf, welcher versucht den optischen Stil alter PSX-Spiele zu emulieren. Was das Spiel abseits davon sonst noch so zu bieten hat, soll folgender Test klären.

Eine Videokassette, sie zu knechten

Paratopic dreht sich um das Mysterium illegaler Videokassetten. In diesem Spiel übernimmt man die Rollen von drei verschiedenen Charakteren. Da haben wir den Schmuggler, welcher damit beauftragt wird besagte Videokassetten über die Grenze zu schmuggeln. Dann wäre da die Auftragskillerin, welche den Boss des Schmugglers beseitigen soll und somit dem Geheimnis der VHS-Tapes auf die Schliche kommt. Zu Guter Letzt wäre da die Ornithologin, welche versucht einen Schnappschuss von einem seltenen Vogel anzufertigen. Pech für sie, dass sie in den tiefen des Waldes über den furchtbaren Ursprung des Inhalts der VHS-Kassetten stolpert.

Wenn ihr jetzt wissen wollt, was es mit den Tapes auf sich hat, müsst ihr das Spiel schon selbst spielen. Doch Vorsicht, denn das Spiel springt zwischen den drei Charakteren wild hin und her. Darüber hinaus gibt es einen feuchten Furz auf chronologische Reihenfolge, gutes Pacing und andere Dinge, die man normalerweise als selbstverständlich ansieht. So bleiben einem die drei Charaktere absolut fremd. Man erfährt weder deren Namen, noch deren tiefere Motivation. Es sind einfach nur drei Fremde, die wir kurzfristig steuern. Und „kurzfristig“ bedeutet hier übrigens auch, dass das Spiel in 45-60 Minuten durchgezockt ist.

Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn

Wie von einer Walking-Sim gewohnt bekommt man hier nicht sonderlich viel zu tun. Ihr lauft oder fahrt mit euren drei Spielfiguren gemächlich von A nach B, führt ein paar NPC-Gespräche mit ein wenig Multiple Choice-Geplänkel und interagiert hier und da mit Umgebungsobjekten. Letztere werden durch einen weißen Umriss gekennzeichnet. Die Auftragskillerin darf jemanden mit ihrer Knarre umlegen und die Ornithologin hat eine Kamera mit Zoom-Funktion für Schnappschüsse zur Verfügung. Im späteren Spielverlauf wartet auch ein Jumpscare auf den Spieler und ein wenig Raum zur Erkundung gibt es hier und da auch.

Da das Spiel so verdammt kurz ist, ist es nicht gestattet zu speichern. Man muss das Spiel in einem Rutsch durchspielen, was aber kein Problem darstellt. Der Wiederspielwert ist eher gering. Ihr könnt hier und da andere Dialog-Entscheidungen treffen und Achievements verdienen. Eventuell reicht das aus, um einen zweiten Spieldurchlauf herauszuquetschen.

Das Spiel hat übrigens die Neigung den Spielfluss komplett auszubremsen. So gibt es eine Szene, in der man nichts anderes tut, als eins, zwei Minuten auf einen Fahrstuhl zu warten. Auch die Autofahrt-Abschnitte fallen bemerkenswert zäh aus. Es wäre auch nicht verkehrt gewesen der Ornithologin in den Waldabschnitten eine schnellere Laufgeschwindigkeit zu verpassen. Allzu ungeduldige Spieler bleiben Paratopic also besser fern.

Grafik und Sound

Wie bereits in der Einleiung erwähnt, setzt Paratopic auf einen Grafikstil, der an alte Playstation-Spiele erinnert. Hundertprozentige Authenzität wird hier natürlich nicht erreicht, aber das Game erzeugt dennoch einen nostalgischen Charme. Obendrein trägt der Grafikstil durchaus viel zur beunruhigenden, surrealen Atmosphäre des Spiels bei. So ziemlich alles in der Spielwelt wirkt heruntergekommen und verlassen. Das Ding könnte glatt als postapokalyptischer Titel durchgehen.

Untermauert wird das Spielgeschehen durch einen sehr düsteren OST, welcher viel zur oben genannten beunruhigenden Stimmung beiträgt. Der Soundtrack ist nichts was man sich außerhalb des Spiels anhören mag, aber im Kontext des Spielgeschehens ist er hervorragend gelungen. Die englische Sprachausgabe ist äußerst bizarr. Diese wurde derart verzerrt, dass man die gesprochenen Worte oftmals nur teilweise heraushören kann. Häufig wird auch reines Kauderwelsch gesprochen, was natürlich zum bizarr-surrealen Stil von Paratopic beiträgt. Jedenfalls bietet das Spiel eine einmalige Gruselatmosphäre, die man schwerlich ein zweites mal finden dürfte.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • coole und atmosphärische audiovisuelle Präsentation
  • regt dazu an sich über die Handlung Gedanken zu machen (teilweise aus den falschen Gründen)
  • angenehme, einer Walking-Sim würdige Steuerung

thumbs-up-icon

Cons
  • sehr kurzes Spiel, durchschnittliche Spieldauer 45 Minuten (offizielle Entwicklerangabe)
  • zu wenig Erklärungen, zu viele offene Fragen, löchrige Handlung
  • extrem mieses Pacing

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Spiel Bewertung
Singleplayer
60
60
-
Multiplayer

FAZIT

Paratopic ist definitiv eines der seltsamsten Spiele, die ich seit langem gespielt habe. Sowohl die gelungene audiovisuelle Präsentation, als auch die surreal-bizarre Atmosphäre sind wirklich einmalig und erzeugen einen überraschend starken Gruselfaktor. Leider ist die dazugehörige Story dieser Walking-Sim reichlich wirr und löchrig. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die so etwas mögen, aber es gibt eben auch genauso viele Leute, die keinen Bock auf eine Handlung haben, die löchriger ist als ein schweizer Käse. Das Gameplay reißt auch nichts rum. Es ist eben eine Walking-Sim mit ein paar optionalen Entdeckungen und ein paar Dialogbäumchen. Wirklich bemerkenswert sind nur das hundsmiserable Pacing, eine sehr kurze Spieldauer und zähe Autofahrt-Abschnitte, die wohl zu sehr am Auspuffrohr von Desert Bus geschnüffelt haben. Und das ist nunmal nicht der Stoff aus dem Hits geschmiedet werden.

- Von  Volker

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