Octopath Traveler REVIEW

Mit der Ankündigung von Octopath Traveler, konnte man die Euphorie der Rollenspielfans nahezu spüren. Mit der Bekanntgabe weiterer Details, stieg bei vielen die Vorfreude ins Unermessliche. Und dies war nicht einmal nur dem Gameplay geschuldet, welches wieder rundenbasierte Kämpfe salonfähig machen wollte, sondern der außergewöhnlichen Optik. Ein moderner Mix aus 2,5D Pixelart, kombiniert mit schönen HD Effekten, Lichtreflexen und Portraitoptiken, die mit der Unschärfe von Hintergründen spielen, ist Augenmerk des Titels. Doch reicht das schon um zu begeistern? Dem gehe ich natürlich mit den nachfolgenden Zeilen auf den Grund.

Acht Charaktere, acht Geschichten, acht Talente

In Octopath Traveler können Spieler innerhalb einer großen Welt aus acht verschiedenen Charakteren wählen, die alle unterschiedliche Geschichten erleben, unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen und an unterschiedlichen Orten auf der entsprechenden Karte leben. Mit welchem der acht Spielfiguren eure Reise beginnt, obliegt euer Entscheidung.

Da hätten wir beispielsweise Alfyn, der Apotheker. Nachdem er als kleiner Junge von einem ihm unbekannten Mann zu der Zeit als die Pest ausbrach geheilt wurde, obwohl weder er noch seine Familie über Geld verfügten, hat ihm das so imponiert, dass er jetzt ebenfalls als Apotheker den Menschen im Land helfen möchte. So kann Alfyn in Kämpfen sich zum Beispiel mit seinen Fähigkeiten selbst heilen und damit Angriffen gegenüber beständig bleiben. Des Weiteren hätten Spieler H’aanit zur Auswahl! Eine Jägerin, die von ihrem Meister Z’aanta ausgebildet wurde. Nachdem dieser nach über einem Jahr von seiner Reise noch immer nicht zurückgekehrt ist, begibt sie sich nun auf seine Spuren. Und da er eine Bestie jagen wollte, wird das Abenteuer nicht uninteressanter. Zur weiteren Auswahl steht Primrose! Eine Tänzerin, die als kleines Mädchen mit ansehen musste, wie ihr Vater von drei dunklen Gestalten ermordet wurde. Sie alle trugen eine Krähe als Zeichen auf ihrer Haut. Sie wird nicht ruhen, bis sie ihren Vater gerecht hat. Tressa, eine junge Händlerin, die von großen Abenteuern träumt, findet ein anonymes Tagebuch und wird neugierig auf die Welt. Sie verlässt den Laden ihrer Familie, um den Spuren des Autors zu folgen und die leeren Seiten zu füllen. Die Geschichte von Olberic, einem einstigen Ritter, der nach dem Verlust seines Königs und Königreichs sein Schwert ablegt und sich in einem Dorf niederlässt, will ebenfalls erzählt werden. Als Banditen einen Junge aus jenem Dorf entführen, das unter seinem Schutz steht, findet der Krieger wieder einen Beweggrund, den Kampf für Gerechtigkeit fortzuführen.

Natürlich bringen auch die verbleibenden Figuren ihre ganz eigenen Beweggründe mit, auf Reisen zu gehen. Doch neben den eigentlichen Geschichten, sind die jeweiligen Talente noch interessanter. H’aanit, die Jägerin kann zum Beispiel in der Wildnis Tiere in Gefangenschaft nehmen, um sie später wiederum im Kampf herbeizurufen. So stehen ihr die Bewohner des Waldes für einige Runden bei, um mit ihr zusammen die Kontrahenten vom Platz zu fegen. Dem Dieb Therion obliegt die Gabe, Bewohnern in der Außenwelt und Gegnern im Kampf wertvolle Items streitig zu machen. Je höher der Prozentsatz ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Diebstahl gelingt. Doch Obacht, werdet ihr in Dörfern oder Städten beim Klauen erwischt, kann dies euren Ruf schädigen. Ophilia, die Klerikerin kann Bewohner der hiesigen Welt davon überzeugen, ihrer Reise und ihren Schlachten beizuwohnen. Über eine gewisse Anzahl von Runden, erfährt die Party damit weitere Unterstützung. Tressa, die Händlerin ist vom Glück geküsst und findet auf den Wegen durch die Landschaften und Städte verlorenes Geld, welches in Windeseile im Gepäck der Gruppe landet.

Acht Charaktere, acht Geschichten, eine Reise

Die Idee hinter Octopath Traveler ist aber noch weitaus größer. Zwar wählt ihr zu Beginn einen der Helden aus, trefft im Verlaufe der Geschichte aber auf die anderen Figuren. Auf dem Weg ins 2. Kapitel eurer auserwählten Figur, kommt ihr in jenen Städten vorbei, in denen die sieben weitere Protagonisten leben. Mit der Ansprache der Charaktere liegt es nun an euch, eine weitere Story zu aktivieren, oder diese später zu beginnen und ohne Unterstützer weiterzuziehen. Entscheidet ihr euch dafür, eine neue Geschichte anzufangen, werdet ihr bis zum Abschluss des 1. Kapitels an jenem Ort gebunden sein. Ist das Kapitel beendet, dürft ihr nicht nur weiterziehen, sondern den neuen Kameraden mitnehmen, der unterstützend agiert.

Eure Party umfasst maximal vier Helden gleichzeitig. Selbst wenn ihr bereits alle acht Protagonisten getroffen habt und sie eure Reise begleiten, dürfen immer nur vier der Recken am aktiven Geschehen teilnehmen. Selbstverständlich darf das Quartett aber untereinander ausgetauscht werden, sofern storyabhängig nichts anderes vorgegeben ist.

Alte Schule mit frischem Mix

Die Kämpfe, die per Zufall generiert werden, fallen rundenbasiert aus. Das heißt, abwechselnd mit dem Gegner, wählt ihr euren Spielzug und entscheidet, ob ihr aktiv oder passiv agieren möchtet. Wie in den meisten Rollenspielen, dürft ihr zwischen Nah- und Fernwaffen entscheiden. Octopath Traveler belässt es aber nicht dabei, nur eine Waffe zur Verfügung zu stellen. Einigen Charakteren wird es stattdessen ermöglicht, im aktiven Kampf das Arsenal zu wechseln und statt auf eine Axt, auf einen Bogen zu setzen. Gleichzeitig können so die Schwachstellen der Gegner schneller ausgelotet werden. Entdeckt ihr eine der Attacken, auf die die Gegner allergisch reagieren, könnt ihr viel gezielter vorgehen. Zudem steigert es die Chancen, einen Bruch beim Feind zu verursachen, der dafür sorgt, dass dieser für einige Runden ohne Gegenwehr ist.

Da die Kämpfe aber nicht unbedingt leicht ausfallen, sollte es nie bei einem stupiden Wechsel der obligatorischen Angriffe bleiben. Entsprechend dessen ist es sinnvoll, die individuellen Talente der Spielfiguren mit einzubringen. H’aanit schickt ihre tierischen Begleiter in die Spur und Alfyn mischt Tränke zusammen, die beim Gegner beispielsweise für Giftschaden sorgen. Steht es schlecht um die Gesundheit des Quartetts, heilt Ophilia die Gruppe mit ihrer speziellen Gabe. Tressa knüpft den Kontrahenten hingegen Goldmünzen während des Kampfes ab, sofern ihr Talent angewählt wird. Mit gewonnener Erfahrung dürfen die acht Charaktere neue Fähigkeiten erlernen, die den zumeist ausbalancierten Kämpfen schnell zugute kommen. Ferner kann dies aber dafür sorgen, dass sich Talente unter den Protagonisten doppeln, was aber wiederum die taktische Ausgestaltung steigert.

Des Weiteren greifen die typischen Naturgesetze in Rollenspielen. Wer zum Beispiel Feuer bei Eismonstern anwendet, wird schneller einen Sieg verbuchen, als bei der Verwendung von neutralen Elementen. Das heißt zugleich, es dürfen wieder Zauber verwendet werden. Selbst Items, die Elementarschaden verursachen, können in eurem Gepäck Platz finden.

Mithilfe der Boost Mode werden dem JRPG noch weitere Facetten im Kampfsystem zuteil. Solange die Helden nur auf normale Aktionen zurückgreifen, wird je Runde ein Boost-Punkt gutgeschrieben. Bis zu 5 Punkte können gesammelt werden. Ist jener Boost aktiviert, erhalten Aktionen doppelte, dreifache oder gar vierfache Wirkung. Dies greift optional auf die normalen Kampfmechaniken oder den speziellen Talenten der jeweiligen Spielfiguren. Gerade bei tückischen Bossgegnern kann der richtige Einsatz über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Starke Recken braucht das Land

Was sich wie ein roter Faden durch die Landschaft der Rollenspiele zieht ist wohl das Level-Up System. Octopath Traveler macht in dem Falle ebenso wenig eine Ausnahme. Wer die rundenbasierten Kämpfe erfolgreich beendet, bekommt Expertenpunkte gutgeschrieben. Ist eine vorgegebene Anzahl erreicht, steigt die jeweilige Spielfigur im Rang auf und verstärkt damit seine Attribute. Da bereits die zweiten Kapitel einen erhöhten Charakter-Level abverlangen, ist es nicht unbedingt sinnvoll, das Aufeinandertreffen mit Gegnern zu vermeiden. Zudem kommt ihr bei eurer Wanderung schnell in Gebiete, die besonders starke Gegner beherbergen.

Um in den gut fordernden Kämpfen gewappnet zu sein, kann mit der entsprechenden Schutzausrüstung Abwehr gewonnen werden. Ein paar Teile auf Brust und Kopf verteilt und schon ist die Verteidigung angepasst. Das nötige Entgelt erhalten eure tapferen Recken nach Kämpfen, durch Tressas Glückssträhne, oder in Truhen verborgen. Wem das Kleingeld dennoch fehlt, kann darauf hoffen, dass Therion beim Diebstahl eine ruhige Hand bewahrt.

Die Interaktionen

Bis dahin klingt alles mehr als durchdacht. Leider senken die Geschichten wieder die Euphorie. Zwar gibt es acht Storyparts, die jeweils noch in Kapiteln unterteilt sind, Spannung möchte aber bei keiner der Erzählungen aufkommen. Stattdessen gibt es immer einfache aber schnell eingängige Kost. Dies ändert sich leider auch nicht mit dem Heranwachsen der Party. Die Interaktionen untereinander sind sehr schmal gehalten und versprühen nicht das Gefühl einer Gruppendynamik.

Gerade an dieser Stelle verspielt Octopath Traveler sehr viel Potenzial. Das Zusammenspiel mit den Dorf und Stadtbewohnern wirkt da schon etwas durchdachter. Gerade durch die verschiedenen Talente eurer Truppe macht es Spaß, jeden der NPCs anzusprechen. Ob ihr sie umgarnt, beklaut oder provoziert, die Möglichkeiten segnen die Taten.

Technik und Umfang

Verziert ist das Spiel mit einem extravaganten Look, der seinesgleichen sucht. Ein moderner Mix aus 2,5D Pixel Optik kombiniert mit schönen HD Effekten zeichnen Octopath Traveler in all seinen Facetten aus. Square Enix schafft es in Perfektion, die Mitte aus Retro und Moderne zu finden, die eine glaubhafte Welt erschafft. In einem Moment umgibt mich das Gefühlt, alte Super Nintendo JRPGs zu spielen, im nächsten Augenblick befördern mich die optischen Gegebenheiten wieder in die Gegenwart zurück. Gleichzeitig erinnern mich die Charaktere an Helden alter Spiele wie Secret of Mana, Terranigma sowie Lufia II.

Der Sound ist harmonisch zum gesamten Spiel, zumeist aber dem Geschehen untergeordnet. Damit bleibt die wunderschöne Optik weiterhin im Fokus. Trotz des Looks vergangener Zeiten, hat Square Enix eine Sprachausgabe integriert. Diese ist in englisch gehalten und greift nur anteilig. Die gesamten Dialoge sind nur in Textform zu erhaschen. Dazu sei gleich gesagt, es gibt einiges zu lesen, denn Octopath Traveler ist sehr dialoglastig. Und so erwische ich mich des öfteren, dass ich zu gerne ganze Textpassagen überspringen möchte, da sie sich unnötig in die Länge ziehen. Wem dasselbe Gefühl ereilt, der darf gerne mit dem Halten der B-Taste die Story-Passagen frühzeitig abbrechen und ins aktive Spiel übergehen. Wer gerne alle Einzelheiten aufsaugen möchte, darf sich auf eine deutsche Übersetzung der Schriftform freuen.

Die Steuerung ist sehr einfach gehalten und damit schnell verinnerlicht. Tretet ihr einem Dorf oder Stadtbewohner gegenüber, wird euch angezeigt, mit welcher Taste ihr welche Aktivität auslöst. In den Kämpfen wird dies sogar auf einen Feuerbutton beschränkt. Stattdessen arbeitet ihr euch durch ein übersichtliches Menü und wählt mit Bedacht euren nächsten Zug.

Nun bleibt vielleicht noch die Frage nach der Spielzeit. Leider muss ich euch die Antwort in dem Falle schuldig bleiben. Jeder wählt seinen ganz eigenen Weg, begibt sich auf eine selbst auserkorene Route und entscheidet, wann er welche Geschichte starten möchte. Geht es zu Fuß durch die Landstriche, oder wird die Schnellreisefunktion angewendet? Reicht die Hauptquest, oder sind die Nebenaufgaben spannend genug, um sie erfüllen zu wollen. Letztlich kann ich sagen, mit Octopath Traveler ist eine Spielzeit im dreistelligen Bereich alles andere als unmöglich!

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Spiel Bewertung
Singleplayer
90
90
Super
-
Multiplayer

FAZIT

Ich habe große Hoffnungen in Octopath Traveler gesteckt und ich wurde nicht enttäuscht. Nun gut, vielleicht hätte die Interaktion unter den acht Hauptprotagonisten besser sein können, doch damit ist die Kritik bereits beendet. Ich mag die Idee, die Optik und das Kampfsystem, welches beweist, das rundenbasierte Rollenspiele nicht totzukriegen sind. Die etwas maue Lokalisation empfinde ich ebenso wenig als störend, denn der Look alter Zeiten, in denen Textfenster ganz normal waren, wird damit sogar gestützt. Und so bleibt mir nur eines noch zu sagen - bitte mehr davon!

- Von  Rena

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