Enter the Gungeon REVIEW

Was kommt raus, wenn die beiden Indie-Titel The Binding of Isaac und Nuclear Throne aufeinandertreffen? Diese Frage stellte sich wohl auch der amerikanische Entwickler Dodge Roll und schickt den brandneuen, etwas anderen Dungeon Crawler Enter the Gungeon ins Rennen. Der verspricht jede Menge Indie-Charme, einfach zu erlernendes Gameplay, unzählige verrückte Waffen und Gegner sowie einen Schwierigkeitsgrad, der es mit der Dark Souls Reihe aufnehmen kann. Dazu kommt ein lokaler Koop-Modus für zwei Spieler. Wir haben uns Enter the Gungeon geschnappt und zeigen euch, wie sich der actionreiche Dungeon Crawler auf PC spielt.

Der Gungeon erwartet euch

Enter the Gungeon Screenshot1

Im weiten Universum kursiert die Legende über einen Dungeon, in dem sich neben äußerst wertvollen Schätzen eine einzigartige Waffe befinden soll. Diese Waffe soll in der Lage sein, die Zeit zu manipulieren, ja sogar die Vergangenheit auszulöschen. Für diverse Persönlichkeiten dieser Welt wäre das natürlich die perfekte Chance, mit der Vergangenheit abzuschließen und einen Neuanfang zu wagen. Der besagte Dungoen, genannt „Der Gungeon“ wurde gefunden und lockt jede Menge Schatzsuche an, auf der Suche nach der Lösung ihrer vergangenen Tage. Wie im Film beginnt auch dieses Abenteuer mit einer kleinen Entdeckergruppe, die nichts ahnend am Eingang einer Festung befindet, die sich noch als regelrechte Hölle entpuppen soll.

Als Teils dieser Entdeckergruppe beginnt ihr eure Reise in der Eingangshalle des sagenumwobenen Gungeon. Nach einer kurzen Eröffnungssequenz beginnt hier der aktive Part als Spieler. Ihr könnt euch dabei für einen von vier unterschiedlichen Charakteren entscheiden. Zur Auswahl stehen, der Pilot, die Jägerin, der Marine und die Strafgefangene. Alle verfügen über einzigartige aktive wie passive Fähigkeiten und ein unterschiedliches Waffenarsenal. Ist die passende Spielfigur gefunden, geht es zu aller erst auf in die Hallen des Wissens, einer kurzen Tutorialsequenz, in der euch alle grundlegenden Spielmechaniken nähergebracht werden.

Nach der sehr unterhaltsamen Einführung und einem ersten Kampf gegen den Lehrmeister höchstpersönlich, werdet ihr in die erste Ebene des Gungeon entlassen, um euch dem Kult der Geschosslinge, einer unerbittlichen Horde an Widersachern, zu stellen. Jede Etage des Gungeon besteht aus zahlreichen Räumen, die bei jedem neuen Durchlauf neu zusammengewürfelt werden. Dabei befinden sich auf jedem Stockwerk mindestens eine Schatztruhe, ein Händler und ein Bossgegner. Ist ein Raum gesäubert, wird er auf der Karte verzeichnet und es geht auf zum nächsten. So klappert ihr einen Raum nach dem anderen ab, immer auf der Suche nach wertvollem Loot und schlussendlich dem Ende des Gungoen.

Sehr knackiger Schwierigkeitsgrad und humorvolle Knarren

Enter the Gungeon Screenshot3

In guter Twinstick-Shooter-Manier ballert ihr euch durch den Gungeon, zu Beginn mit den Starterwaffen und dem einen oder anderen aktiven bzw. passiven Skill. Je weiter ihr voranschreitet, desto wertvollere Ausrüstung landet ihn eurem Inventar. Auf eurer Reise findet ihr neben ernst zu nehmenden Waffen wie einen mächtigen Raketenwerfer oder einer klassischen AK-47, sehr viele Gegenstände, die euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wie etwa die Unicorn Gun, die einen Regenbogen verschießt oder den Bienenstock, der Bienen auf eure Feinde loslässt. Die Entwickler scheinen dem Namen ihres Entwicklerstudios alle Ehre zu machen, denn neben dem Gebrauch zahlreicher Schießeisen ist die Dodge Roll (Ausweichrolle) eines der wichtigsten Gameplay-Elemente, denn die macht euren Charakter während der Rolle für etwa eine halbe Sekunden unverwundbar. Weiters erhaltet ihr zu Spielbeginn drei sogenannte Blanks, die bei Aktivierung sämtliche Projektive, die über euren Monitor huschen wegfegt.

Für manch einen hört sich Enter the Gungeon nun an wie ein Kindergeburtstag, doch der Dungeon Crawler ist mehr als nur knackig. Die knuffige Pixeloptik und der übertriebene Humor trügen, denn bereits nach den ersten Spielminuten zieht der Schwierigkeitsgrad extrem an. In jedem Raum könnte der Tod auf euch warten. Jeder Treffer, den euer Abenteurer einsteckt, kostet einen Teil der wertvollen Gesundheit, die äußerst rar ist. Sinkt die Lebensenergie einmal auf null, war’s das, bis auf die Credits, die Bossgegner fallen lassen, verliert ihr alles, alle gesammelten Waffen und Skills, einfach alles. Zudem heißt es nach dem Ableben wieder zurück auf Anfang, also den ersten Raum der ersten Etage. Spieler, die an solche frustrierenden Momente nicht gewöhnt sind, erwartet eine regelrechte Frustspirale. Auf den ersten Tod folgen hunderte weitere, bis man schlussendlich am Ende der ankommt. Welche Ausrüstung und Skills Truhen oder Gegner fallen lassen hängt zudem vom Zufall ab, was zwar die Spannung anhebt, jedoch auch dazu führt, dass man unter Umständen mehrere Anläufe benötigt, um auch nur annähernd brauchbare Ausrüstung zu finden. Gerade deshalb solltet ihr euch nicht auf das Equipment, sondern auf euer Können verlassen.

Enter the Gungeon ist also definitiv nichts für Casualspieler, die nicht über eine gewisse Frusttoleranz verfügen, Dark Souls lässt grüßen. Auch wenn es oft nicht so aussieht, ist das Gameplay fast nie ungerecht, nahezu in jeder Situation ist es möglich, mit sehr viel Geschick zu bestehen. Die Steuerung präsentiert sich dabei recht simpel, ist überraschend leicht zu erlernen, aber nur sehr schwer zu meistern. Dazu sollte gesagt sein, wir haben nach gut 10 Stunden Spielzeit gerade einmal die dritte Etage erreicht und sind damit nicht einmal annähernd in die Nähe des finalen Bossgegners gekommen. Laut einem der Entwickler erwartet euch zudem mit jedem spielbaren Charakter ein anderer Endboss. Für Langzeitmotivation sollte also gesorgt sein.

Wer genügend Ausdauer aufbringt, erhält nach jedem Sieg über einen Bossgegner Hegemony Credits, die ihr bei entsprechenden Händlern gegen kleine Vorteile wie Abkürzungen in tiefere Etagen oder häufigere Dropraten seltener Items eintauschen könnt. Einzige Voraussetzung ist, dass ihr die Händler zuvor im Gungeon finden und befreien konntet. Der Waffenhändler muss etwa aus einer Zelle befreit werden, deren Schlüssel zufällig auf der zweiten Etage erscheint. Nach einem großen Zeitaufwand ist dieses Feature zumindest ein kleiner Trostpreis für die vielen Tode, die ihr durchleben musstet.

Multiplayer

Wer keine Lust hat, den endlos wirkenden Gungeon alleine zu bezwingen, kann den Titel auch gemeinsam auf der Couch im Koop-Modus genießen. Schleißt einfach einen zweiten Controller an und der Spaß kann beginnen. Hat der zweite Spieler das Spiel betreten, steht euch sogar ein fünfter Charakter, der Cultist zur Verfügung, der zu Beginn jedoch lediglich über eine Nerf Gun verfügt. Ein kleines Trostpflaster gibt es zumindest, denn Friendly Fire existiert glücklicherweise nicht. Zu zweit macht die Ballerorgie dann doch mehr Spaß als alleine, auch wenn das Abenteuer dabei nicht sonderlich einfacher wird. Es sind noch immer jede Menge Zeit und Training nötig, um das Ende des Gungeons zu erreichen. Einen Online-Koop-Modus scheint es leider nicht zu geben, doch möglicherweise wird dieser ja irgendwann nachgereicht.

Technik

Enter the Gungeon basiert wie viele aktuelle Indie-Titel auf der recht entwicklerfreundlichen Unity Engine. Für ein, gerade einmal vier Mann starkes Entwicklerteam und ein recht simpel gestaltetes Spiel ist diese Engine natürlich genau das Richtige. Die bereits mehrfach angesprochene Pixeloptik versprüht einen klassischen Retro-Charme und trifft damit genau den Zeitgeist. Alle Levelbauteile sowie Modelle der NPCs und spielbaren Charaktere wurden liebevoll von Hand gezeichnet. Das farbenfrohe Treiben, das über den Bildschirm läuft, ist wirklich schön anzusehen. Jedoch könnte es während den rasanten Gefechten bei dafür anfälligen Spielern zu einem Anflug Motion Sickness kommen.

Auch in puncto Sound macht Enter the Gungeon vieles richtig. Feuergefechte knallen, der Soundtrack ist durchaus stimmig, aber nicht zu aufdringlich, als dass er vom Gameplay ablenkt. Eine Sprachausgabe wurde nicht integriert, die wenigen die euch zugetragen werden, laufen in Textform ab. Die Texte wiederum wurden aus dem Englischen sinngemäß übersetzt, auch wenn sich hin und wieder einige Fehler in der Formulierung eingeschlichen haben, die aber nicht stören.

Als Steuerungsmethode lässt sich entweder ein Controller (Xbox oder PlayStation 4) oder Tastatur und Maus nutzen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Mit den Analogsticks des Controllers klappen Ausweichmanöver flüssiger, zudem wird das Rumble-Feature des Controllers unterstützt. Andererseits lassen sich Feinde mit der Maus wesentlich einfacher anvisieren. Für welche Methode ihr euch schlussendlich entscheidet, muss jeder Spieler individuell entscheiden, der Wechsel verläuft übrigens fliegend.

Insgesamt lief Enter the Gungeon während unseres Tests recht stabil, stürzte nicht einmal ab und auch Ruckler waren sehr selten zu sehen. Dank der recht simplen Technik hinter dem Titel, läuft der Dungeon Crawler auch auf älteren Systemen flüssig. Für einen Indie-Titel ist die Vielfalt an Grafikeinstellungen zudem relativ hoch, Auflösung, Beleuchtungs- und Shaderqualiät lassen sich stufenweise anpassen. Die optimale Auflösung liegt laut Optionsmenü bei Full HD, wird eine andere Auflösung verwendet, werden Texturen lediglich gestreckt, also solltet ihr wenn möglich den vorgeschlagenen Wert verwenden.

Sollte euch nach unzähligen Spielstunden und über 200 Waffen, die sich im Gungeon verstecken, der Sammelspaß noch immer nicht vergangen sein, warten ganze 49 Trophäen bzw. Steam-Errungenschaften darauf, gesammelt zu werden. Wer tatsächlich alle Waffen, aktive sowie passive Fähigkeiten und alle Bossgegner im Spiel sehen möchte und weiters auf der Jagd nach der Platin-Trophäe ist, verbringt hunderte Stunden im Gungeon.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
82
82
Gut
82
Multiplayer

FAZIT

Vier motivierte Entwickler von Dodge Roll haben mit Enter the Gungeon einen Dungeon Crawler für hartgesottene Spieler mit einer großen Frusttoleranz geschaffen. Spieler, die sich schon lange ein The Binding of Isaac mit einem Schwierigkeitsgrad eines Dark Souls und mehr Action wünschen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Die gesamte Spielwelt wurde liebevoll gestaltet, die Levelabschnitte werden bei jedem Durchlauf neu zusammengewürfelt und bieten dadurch ausreichend Abwechslung, damit keine Langeweile aufkommt. Die Kernmechaniken der Steuerung sind äußerst schnell erlernt, benötigen jedoch Wochen, um gemeistert zu werden. Das Gameplay ist mehr als nur fordernd, teilweise sogar überfordern, lässt euch aber jederzeit eine reelle Chance zu bestehen. Casualspieler stoßen hier bald an ihre Grenzen, doch für echte Enthusiasten bietet Enter The Gungeon Unterhaltung für Monate, ob alleine oder im lokalen Koop-Modus. Der Indie-Titel hätte sogar das Zeug dazu, zu einem der besten Formate auf Videoportalen wie Youtube oder Twitch zu werden.

- Von  Fabian

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