Murder by Numbers REVIEW

Das Anfang März 2020 veröffentlichte Murder by Numbers ist ein Mix aus Nonogramm-Puzzlespiel und Visual Novel. Das Spiel stammt vom langjährigem UK-Entwickler Mediatonic (Fall Guys) und wurde in Zusammenarbeit mit japanischen Künstlern wie z.B. dem Komponisten Masakazu Sugimori (Phoenix Wright) erstellt. Ob das Spiel die großen Fußstapfen eines Mario’s Picross oder eben Phoenix Wright ausfüllen kann oder nicht, wollen wir uns im folgenden Test anschauen.

Ein ungleiches Duo als angehende Hobby-Detektive

Wir befinden uns in Los Angeles des Jahres 1996. Der schwebende Aufklärungsroboter SCOUT erwacht eines Tages auf einem Schrottplatz. Sein Gedächtnisspeicher wurde gelöscht. Um seine Identität und Herkunft aufzudecken, sucht er die Hilfe von Detektiven. Jedoch verwechselt der Robo die aktuell schwer angesagte TV-Serie „Murder Miss Terri“ mit einer echten Detektei und findet sich daher plötzlich im entsprechenden Filmstudio wieder. Dort begegnet er der Schauspielerin Honor Mizrahi. Eigentlich ist Honor der Sidekick-Charakter eben genannter TV-Serie, jedoch wurde sie vor wenigen Minuten unter mysteriösen Umständen gefeuert. Doch bevor sich Honor und SCOUT intensiver miteinander beschäftigen können, ertönt ein Schrei aus dem Filmstudio. Honor’s Ex-Chef Blake wurde ermordet, womit jeder anwesende Mitarbeiter der Filmcrew zum Verdächtigenkreis gehört. Dies schließt freilich auch Honor ein. Um ihre Unschuld zu beweisen akzeptiert Honor die Hilfe des Roboters. Die Zusammenarbeit gelingt und Honor wird dank Alibi umgehend freigesetzt, doch die Schauspielerin ist noch nicht zufrieden. Sie will herausfinden wer ihren Ex-Chef und Freund Blake ermordet hat. Und so zwängen sich Honor und SCOUT in die Ermittlungen des Polizeiermittlers Cross hinein.

Die beiden Möchtegern-Ermittler hätten nicht ahnen können, dass ihre Spurensuche Indizien zu Tage fördert, die darauf hindeuten, dass die Bluttat mit ihrer eigenen Vergangenheit in Verbindung steht. Ferner findet Honor für sich selbst heraus, dass ihr die Arbeit als Ermittlerin wesentlich mehr Freude bereit als jene als Schauspielerin. Was mag die Zukunft für unser ungleiches Duo bereithalten?

Und so begleiten wir Honor und SCOUT durch insgesamt vier Kapiteln, lernen Honor’s oftmals schrillen Familien- und Bekanntenkreis näher kennen, entdecken langsam aber sich mehr über SCOUTS Herkunft und lösen dabei diverse Mordfälle. Das Ganze wird dann in Form einer Visual Novel präsentiert, welche immer wieder durch Nonogramm-Puzzle unterbrochen wird.

Die Handlung ist dabei eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits möchte man schon wissen wie es weitergeht. Dies liegt aber eher am sympathischen Heldenduo, sowie den sehr abwechslungsreichen und schrägen Nebenfiguren. Die Story an sich ist hingegen viel zu konstruiert und unlogisch, um überzeugen zu können. Ich mein, wie kann es sein, dass sich niemand für einen schwebenden Roboter mit menschlicher Intelligenz und Empathie interessiert? So etwas ist reinste Science-Fiction und hätte im echten Leben wohl sehr schnell den Besuch von Regierungstruppen zur Folge. Weiterhin unglaubwürdig ist die Duldsamkeit von Detective Cross, welcher die beiden Hobbydetektive immer stärker in seine Arbeit mit einbezieht (inklusive Hacking der Polizeidatenbank). Also wenn ihr zu jenen Leuten gehört, die ein gewisses Maß an Logik erwarten, dann wird euch Murder by Numbers keine Freude bereiten. Wer sich mehr für bunte Charaktere interessiert, dürfte hier hingegen auf seine Kosten kommen.

Visual Novel und Nonogramm-Puzzle verschmelzen zu einer Einheit


Das Gameplay gliedert sich in zwei Bereiche, die Visual Novel-Abschnitte und die Nonogramm-Puzzle. Zwar geht es in einer Visual Novel in erster Linie darum Texte zu lesen, jedoch wurde dieser Aspekt in Murder by Numbers dann doch etwas interaktiver eingebaut. Ihr habt i.d.R. Zugriff auf eine Gebiets- oder sogar Stadtkarte, über die ihr die relevanten Orte anwählen könnt. Innerhalb der Orte treiben sich dann meistens eins, zwei NPCs zum quatschen herum. Natürlich sollte man sämtliche Dialogthemen mit den Leuten abarbeiten, um neue Hinweise und dergleichen zu erhalten. Neben den allgemeinen Gesprächsthemen kann man den NPCs auch seine bis dato gesammelten Gegenstände zeigen, um mehr Infos aus den NPCs herauszuquetschen und die Handlung voranzutreiben.

Besagte Gegenstände erhaltet ihr, indem ihr die jeweilige Ortschaft abscannt. Dies geschieht indem ihr das jeweilige Artwork der Ortschaft in Nahaufnahme mit SCOUTs Kamera absucht. Visuelle und akustische Indikatoren lotsen euch zu den Gegenständen, und sobald ihr einen gefunden hat, startet ein Nonogramm-Puzzle. Und mehr gibt es zum Visual-Novel-Gameplay auch nicht zu sagen. Na gut, es gibt noch ein paar Multiple-Choice-Dialogoptionen, welche wohl überprüfen sollen, ob ihr bei der Ermittlungsarbeit aufgepasst habt. Ich kann jedoch nicht sagen, ob es relevant ist, wenn man bei diesen mal falsch antwortet. Ich selbst hatte nicht das Gefühl bei einer von denen falsch geantwortet zu haben und das Spiel hat mich auch nie korrigiert oder gar gestoppt.

Aber gehen wir nun zum Puzzle-Gameplay über. Nonogramme (auch als Picross bekannt) basieren auf einem Karoraster-Gitternetz, welche in Falle von Murder by Numbers in den Formaten 5×5, 10×10, 10×15, 15×15 und 15×20 daherkommen (Nonogramme können freilich auch andere Formate aufweisen, aber das sind die, welche in diesem Spiel verwendet werden). Neben bzw. über jeder horizontalen und vertikalen Kästchenreihe dieses Gitternetzes findet sich eine Zahl oder Zahlenreihe, die dem Spieler Informationen darüber liefern soll, welche Kästchen des Gitternetzes ausgemalt werden müssen, und welche nicht.

Bei einer Zahlenreihe sollte man darauf achten, das zwischen zwei angegebenen Zahlen immer mindestens ein unberührtes Kästchen liegen muss. Bei einer Gitterlinie von 10 Kästchen und einer vorgegebenen Zahlenreihe von 1 / 8 kann man die Linie nun leicht lösen, indem man das erste Kästchen freilegt, das zweite unberührt lässt und die Übrigen acht freilegt. Wenn die Zahlenreihe hingegen aus 15 Kästchen besteht, und man auch hier die Vorgabe 1 / 8 erhält, wird es natürlich schon deutlich schwerer, da man nicht hundertprozentig weiß wie die entsprechenden Flächen angeordnet sind.

Netterweise bietet Murder by Numbers ein kurzes und angenehm effektives Tutorial, um dem Neuling zu verdeutlichen, wie Nonogramm-Puzzle funktionieren und mit welchen grundlegenden Maßnahmen man diese knacken kann. Darüber hinaus verzichtet das Spiel auf Zeitlimits und lässt den Spieler alle Zeit der Welt die Puzzle zu knacken. Einzige Ausnahem sind einige Hacking-Puzzle, in denen ihr innerhalb eines sehr straffen Zeitlimits drei bis fünf 5×5-Nonogramme lösen sollt. Da ein Scheitern bei einem Hacking-Puzzle jedoch keine negativen Konsequenzen hat und man diese so oft wie nötig angehen darf, ist das nicht so schlimm.

Da der Schwierigkeitsgrad der Puzzle ab dem zweiten der vier Kapitel (werden hier „Case“ genannt) spürbar anzieht und gegen Ende hin sogar richtig knifflig wird, bietet das Spiel drei verschiedene Hint-Funktionen. Die erste ist relativ subtil und markiert jene Zahlenreihen in blauer Farbe, welche sich der Spieler genauer anschauen sollte. Dies ist die einzige Hint-Funktion, die ich ca. 4-5 mal im Spiel anwenden musste, um durchzukommen. Die anderen beiden Hint-Funktion sind da schon konkreter. So kann man sich z.B. 5 zufällig ausgewählte Kästchen korrekt ausfüllen lassen, oder sogar eine Fehleranzeige aktivieren.

Jedoch werden die beiden konkreteren Hint-Funktionen mit Punktabzug bestraft. Gelöste Nonogramme werden nämlich mit Punkten belohnt, welche ab einer bestimmten Summe den „Detective Rank“ für das jeweilige Kapitel von US-Note „F“ bis auf US-Note „S“ hochlevelt. Je höher die Note, desto mehr Bonus-Puzzle werden im Spielmodus „SCOUT’s Memories“ freigeschaltet. Wer den S-Rang in einem Kapitel erlangen will, sollte nicht nur auf die höheren Hilfefunktionen verzichten, sondern auch zusehen alle optionalen Gegenstände einzusacken.

Der „SCOUT’s Memories“-Modus bietet dann insgesamt 69 zusätzliche Nonogramm-Puzzle. Hat man alle Bonus-Puzzle in einem Kapitel-Segment freigeschaltet und geknackt, schaltet man zur Belohnung eine kurze VN-Sequenz aus SCOUTs Vergangenheit frei. Diese sind den Aufwand eigentlich nicht wert, zumal man für diesen Spielmodus keine Achievements integriert hat. Aber wer einfach noch mehr Nonogramm-Puzzle lösen will, der wird hier fündig. Wer alles vom Spiel sehen will, kann sich übrigens auf eine lange Spielzeit einstellen. Ich selbst habe jedenfalls ca. 40 Stunden mit Murder by Numbers verbracht. Ihr bekommt also viel Spiel für euer Geld.

Grafik und Sound

In grafischer Hinsicht setzt sich das Spiel aus Artwork-Zeichnungen zusammen, welche von Hato Moa (Hatoful Boyfriend) stammen und von hochwertiger Qualität sind. Wie von vielen Visual Novels gewohnt gestalten sich die Charakterzeichnungen als detailliert und liebevoll, während die Ortschaften, welche als Hintergrundtapete fungieren, zwar solide aber auch relativ zweckmäßig daherkommen. Als Entschädigung bieten die Charakterartworks jedoch viele Varianten, um die Gemütslagen der Akteure zu portraitieren. Die Nonogramm-Karoraster sind freilich zweckmäßig gehalten, was aber niemanden verwundern sollte. Schön ist, dass Murder by Numbers ein Anime-Intro bietet. Dessen Zeichenqualität ist zwar nicht überragend, aber gut genug um zu gefallen und einen klaren Mehrwert darzustellen.

Besagtes Intro kommt auch mit einem tollen Ohrwurm-Themesong daher, den man sich gerne öfter anhört. Auch der Ingame-OST ist sehr gediegen und kreiert ein wunderbar entspanntes Feeling, welches bei einem derartigen Puzzlegame genau das Richtige ist. Die Tracks bieten darüber hinaus auch einen guten Erinnerungswert und gehen einem selbst nach langer Zeit nicht auf die Nerven. Der Komponist Masakazu Sugimori hat hier definitv ganze Arbeit geleistet!

Leider bietet Murder by Numbers keinerlei Sprachausgabe an. Hier hätte man mehr bieten können, zumal das Spiel ja von einem handfesten Entwicklerstudio stammt und eben kein Indie-Titel ist. Dementsprechend irritiert auch die Abstinenz deutscher Bildschirmtexte. Gerade bei einem textlastigen Spiel wie Murder by Numbers ist dies kein kleiner Kritikpunkt.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • gelungenes Artwork und toller Soundtrack
  • abwechslungsreiche, kunterbunte Charaktere
  • gutes Tutorial und nützliche Hint-Funktionen für Einsteiger
  • großer Umfang von bis zu 40 Stunden Spielzeit

thumbs-up-icon

Cons
  • keine Sprachausgabe
  • keine deutschen Bildschirmtexte
  • die Handlung ist recht unlogisch
  • der Schwierigkeitsgrad steigt zu schnell an

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Spiel Bewertung
Singleplayer
84
84
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

Murder by Numbers beweist, dass der Mix aus Nonogramm-Puzzlespiel und Visual Novel sehr gut funktioniert und für langanhaltenden Spielspaß sorgt. Der VN-Aspekt überzeugt mit einer, fürs Genre, hohen audiovisuellen Qualität, was natürlich in erster Linie den beiden japanischen Künstlern Hato Moa und Masakazu Sugimori zu verdanken ist. Die Nonogramm-Puzzle machen Spaß und führen Neulinge mit einem kurzen, guten Tutorial an die Materie heran. Zwar steigt der Schwierigkeitsgrad der Puzzle ab Kapitel 2 spürbar an, jedoch bewahren Hilfefunktionen vor der Sackgasse. Minuspunkte gibt es für die fehlende Sprachausgabe, die Versäumnis deutsche Bildschirmtexte zu integrieren und einer Handlung, welche zwar mit sympathischen Charakteren aufwartet, jedoch arg konstruiert und abstrus wirkt. Letztendlich überwiegen jedoch die positiven Aspekte, außerdem bekommt man hier viel Spiel fürs Geld.

- Von  Volker

MS Windows
Nintendo Switch
Google Stadia

Murder by Numbers REVIEW

USK 12 PEGI 12

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