Space Legends: At the Edge of the Universe REVIEW

Lange habe ich es vor mir hergeschoben mal eines dieser Wimmelbild-Spiele auszuprobieren. Ich kann mich noch gut an jene Zeit erinnern, als die Dinger auf einmal wie Pilze aus den Boden schossen und respektable Teile der Computerspiel-Verkaufsregale der Elektrofachmärkte besetzten

Mit der Zeit sammelten sich die Wimmelbild-Spiele auch in meiner Steam-Bibliothek an – Bundle Sites machten es möglich. Und nun ist es soweit: Ich habe meinen inneren Schweinehund überwunden und mal eines der Dinger ausprobiert. Als Sci-fi-Freund fiel meine Wahl auf das am 25. Juli 2014 veröffentlichte Space Legends: At the Edge of the Universe.

Zum verantwortlichen Entwickler „Red Hedgehog“ konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Nach dem kurzen Abspann des Spiels erfolgt jedoch eine Posthum-Widmung für einen jungen Mann mit russischem Namen. Es könnte sich also um einen russischen Entwickler handeln. Mehr als „Space Legends“ hat Red Hedgehog jedoch ohenhin nicht hervorgebracht, daher ist es müßig über derlei Dinge nachzudenken. Also auf zum Test.

Pech, Pannen und unrealistische Zufälle

Ihr übernehmt die Rolle der Astrobotanikerin Elisabeth. Zusammen mit ihrem Arbeitskollegen Steve geht sie ihrem Handwerk derzeit auf einem unerforschten Planeten in den Tiefen des Alls nach. Der Ärger beginnt, als plötzlich ein heftiger Sturm losbricht, der sogar die Forschungsstation zerlegen könnte, die von unseren beiden Wissenschaftlern bewohnt wird. Die Tatsache, dass Steve von den Kräften des Sturms schwer verwundet wurde, macht die Sache freilich auch nicht besser. Um das Überleben ihres Kollegen zu gewährleisten, muss Elisabeth nun die Flucht organisieren. Durch Zufall entdeckt sie, dass sich ein Komet auf Kollisionskurs mit einem anderen Planeten befindet. Um Steve und die eventuellen Bewohner des fremden Planeten zu retten, muss Elisabeth nun schleunigst zur Erde gelangen. Doch daraus wird erst mal nichts, denn ihr Raumschiff streift einen Gesteinsbrocken im All und schmiert Star Ocean-like auf einen Planeten mit unterentwickelter Mittelalter-Bevölkerung ab. Was nun?

Die Handlung von Space Legends: At the Edge of the Universe kann nicht so recht überzeugen. Die Ausgangslage ist noch recht interessant, aber sobald man auf dem unterentwickelten Planeten notlandet wird es dusselig. Ich denke es ist kein allzu großer Spoiler, wenn ich verrate, dass es sich hier um jenen Planeten handelt, der von oben erwähnten Kometen bedroht wird – Zufälle gibt es, die gibt es gar nicht. Oder wie wärs mit Anastasia, jener Leidensgenossin der Elisabeth im Kerker begegnet. Selbst nachdem Elisabeth die Probleme mit den Einheimischen klärt, wird Anastasia von der Handlung komplett vergessen und wird nie wieder zur Sprache gebracht. Und dann ist da noch das Ending, welches derart kurz und unspektakulär ausfällt, dass die Entwickler auch gleich den berüchtigten „Conglaturation !!!“-Blackscreen seliger NES-Tage hätten verwenden können.

Generell wirkt die Handlung von Space Legends unangenehm konstruiert und tollpatschig. So möchte keine vernünftige Abenteuer- oder Sci-fi-Atmosphäre aufkommen. Etwaigen Tiefgang bei den Charakteren sollte man übrigens auch nicht erwarten. Alles bleibt sehr oberflächlich, damit der Casual-Spieler auch ja nicht überfordert wird. Wirklich positiv ist nur das liebevoll gestaltete Tagebuch, welches von Elisabeth geführt wird und den Handlungsfortschritt festhält.

Brauchbares Adventure-Gameplay, welches von lästigen Wimmelbildern unterbrochen wird

Wie sich schnell herausstellte, handelt es sich bei Space Legends: At the Edge of the Universe gar nicht um ein reinrassiges Wimmelbildspiel. Stattdessen ist das Game ein Mischmasch aus Point & Click-Adventure, Puzzles und Wimmelbildabschnitten. Zu Beginn müsst ihr ein Profil anlegen, welches als automatisch speichernder Spielstand fungiert. Manuelle Speicherungen in verschiedenen Slots sind nicht möglich, man darf jedoch verschiedene Profile anlegen, damit sich zumindest nicht mehrere Nutzer in die Quere kommen. Danach erfolgt die Wahl zwischen den beiden Schwierigkeitsgraden „Anfänger“ und „Experte.“ Abgesehen davon, dass auf „Anfänger“ ein paar Hotspots mit einem weißen Funkeln gekennzeichnet werden, sind mir da aber keine Unterschiede zwischen den beiden Graden aufgefallen. Im Endeffekt habe ich es dann auf „Experte“ durchgespielt.

Der Point & Click-Adventure-Anteil verwendet die altbewährten Gameplay-Bausteine. Man untersucht die Screens nach Hotspots, sammelt Gegenstände ein, welche in einer Inventarleiste am unteren Bildschirmrand gelagert werden, kombiniert die Items gegebenenfalls untereinander und nutzt sie letztendlich, um Problemstellungen zu lösen. Zwischendrin gilt es regelmäßig variable Puzzle-Screens zu knacken. Die Puzzles rangieren von Rätselheft-Aufgaben wie Sudoku, Picross oder Wörtersuche im Buchstabensalat, bis hin zu Memory-Spielchen, Knöpfchen-Rätseln oder eben dem ganz klassischen Legespiel-Puzzle. Anspruch und Abwechslung in diesem Bereich sind vorbildlich und kein einziges Puzzle wird zweimal verwendet. Falls mal ein unbeliebtes Puzzle auftaucht, erlaubt es das Spiel jedes Puzzle per Knopfdruck zu überspringen. Somit kann man die Denknüsse auch ohne jeglichen Druck angehen.

Und dann sind da noch die Wimmelbild-Segmente, welche ironischerweise das spielerische Schlusslicht darstellen, dafür aber auch nur ca. ein Fünftel des Spielinhalts ausmachen. Hier bekommt man eine Liste an Gegenständen, die man dann halt per Mausklick einsammeln soll. Damit es nicht zu leicht wird, sind die jeweiligen Screens mit Krimskrams vollgestopft. Des Weiteren muss man in diesen Wimmelbild-Screens auch mal Gegenstände untereinander kombinieren, um den tatsächlich benötigten Gegenstand freizulegen oder herzustellen. Einige der Wimmelbilder gingen mir gehörig auf den Keks und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie so etwas ernsthaft Spaß machen kann. Immerhin gibt es aber auch hier eine Hilfefunktion, welche per Anwendung jeweils einen gesuchten Gegenstand hervorhebt. Diese Hilfe steht auch innerhalb der Adventure-Segmente zur Verfügung. Damit diese Hilfefunktion nicht allzu stark vom Spieler verwendet wird, ist sie übrigens an einen Cooldown gekoppelt. Eine reguläre Hotspotanzeige gibt es hingegen nicht.

Für zusätzlichen Komfort gibt es eine Arretierungsfunktion für die Inventarleiste und eine Schnellreisefunktion via Ortschaftskarte. Letztere ist auch notwendig, da Space Legends viel Backtracking erfordert. Dennoch pendelt die Spieldauer lediglich zwischen 3-5 Stunden, je nachdem wie viel Gebrauch man von den Hilfefunktionen macht.

Grafik und Sound

Grafisch gestaltet sich Space Legends wie ein typisches Wimmelbildspiel. Die Screens sind recht hübsch gezeichnete Artworks mit netten Hintergrundanimationen wie drehenden Ventilatoren oder blinkenden Lampen. Dennoch wirkt die Spielwelt oftmals zu konstruiert, steril und leblos. Daher kommt nur wenig Atmosphäre auf. Dies ist ein Aspekt, wo ein typisches Wimmelbildgame nicht mit einem gescheiten Point & Click-Adventure mithalten kann, welche wesentlich mehr Finesse in die Gestaltung ihrer Spielwelten fließen lassen.

Charaktere tauchen nur selten auf und werden dann in Form einer nur minimal animierten Artwork-Zeichnung dargestellt. Elisabeth selbst begleitet man aus der Egoperspektive, weswegen diese nur in den abgehackt präsentierten Zwischensequenzen zu sehen ist. Die seltenen Rendersequenzen sind ganz nett gelungen, bewegen sich aber auch nur im Rahmen niedriger Wimmelbild-Budgets.

Der OST düdelt eher dezent im Hintergrund vor sich hin, leistet aber einen soliden Job die Atmosphäre der jeweiligen Szenerie einzufangen und dient somit als solider Mehrwert zum Spielablauf. Die Soundeffekte sind ebenfalls befriedigend, eine Sprachausgabe sucht man jedoch vergebens.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • abwechslungsreiche und mitunter angenehm knifflige Puzzle-Aufgaben
  • relativ solider Adventure-Überbau
  • nützliche Hilfefunktionen

thumbs-up-icon

Cons
  • schwache, arg konstruierte Handlung mit sehr oberflächlichen Charakteren
  • lästige Wimmelbildsegmente (die machen ca. ein Fünftel des Spiels aus)
  • keine Sprachausgabe und sehr sterile Gesamtpräsentation

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Spiel Bewertung
Singleplayer
62
62
-
Multiplayer

FAZIT

Das war dann also meine erste Begegnung mit einem Wimmelbildspiel. Ironischerweise nahm der Wimmelbildaspekt aber nur einen überschaubaren Teil des Gesamtpakets ein, da Space Legends einen größeren Fokus auf handfeste Puzzles legt. Ein Point & Click-Adventure-Überbau hilft wiederum dabei, die eben genannten Bestandteile zusammenzuhalten. Die Mischung funktioniert ganz gut, wobei mir die Wimmelbilder jedoch keine Freude bereiten konnten. Dieses Gameplay-Konzept erscheint mir nicht gerade unterhaltsam. Weiterhin störend ist die schwach konstruierte Handlung und die recht seelenlose Gesamtpräsentation. Space Legends war keine schlechte Spielerfahrung für mich, jedoch ist für mich nun klargestellt, dass vollwertige Point & Click-Adventures vorzuziehen sind.

- Von  Volker

MS Windows

Space Legends: At the Edge of the Universe REVIEW

USK 6 PEGI 7

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