P.A.M.E.L.A. PREVIEW

Knapp zwei Jahre sind vergangen, seit das Indie-Studio NVYVE Studios den brandneuen Survival-Shocker P.A.M.E.L.A. im Rahmen der GDC 2015 ankündigte. Nach einer gefühlt unendlichen Wartezeit startet der potenzielle Indie-Hit endlich in die Early Access-Phase bei Steam. Wir durften uns für euch bereits ein Bild von P.A.M.E.L.A. machen und möchten euch in unserer Vorschau zeigen, ob unsere Erwartungen bereits jetzt erfüllt werden, welches Potenzial in dem Projekt steckt und ob sich ein Kauf der schon lohnt.

Die idyllische Stadt Eden

Als Hommage an Klassiker wie Bioshock oder System Shock verspricht P.A.M.E.L.A. Horror-Elemente mit den Survival-Aspekten eines The Forest zu kombinieren. Was dabei herauskommt, ist ein guter Genre-Mix aus SchFi-Horror und Survival in einer dynamischen, immersiven Open World. Der Indie-Titel besticht vor allem durch seine ganz eigene Atmosphäre. Einerseits ein Gefühl der Freiheit und damit jeden Winkel frei erkunden zu können. Andererseits die Angst, dass hinter jeder Ecke die nächste Gefahr und der Tod warten könnten.

Nach einem langen Schlaf erwacht man als sogenannter „Sleeper“ inmitten der verwahrlosten Stadt Eden in einer Kryokammer. Der Krankentrakt, in dem der Spieler erwacht scheint, verlassen zu sein. Die gesamte Anlage wurde scheinbar stark verwüstet, vielleicht sogar geplündert. Es scheint, als wäre eine Seuche, Krankheit oder dergleichen ausgebrochen, doch wie lange dies schon zurückliegt, bleibt weiterhin ein Rätsel. Nun liegt es am Spieler, Eden zu erkunden und herauszufinden, was hier während der letzten Tage, Wochen oder sogar Monate geschehen ist.

Des Rätsels Lösung könnte die namensgebende künstliche Intelligenz P.A.M.E.L.A. sein, die wie ein stummer Geist über ganz Eden wacht. Das einzige Problem dabei ist, dass die KI scheinbar nicht mit dem Spieler kommunizieren kann oder möchte. Einzig Audio-Logs und quer verstreute Dokumente geben euch Aufschluss über den Werdegang der Stadt. So muss man sich ganz alleine einen Weg durch die Krankenstation von Eden freikämpfen, denn die Bewohner der futuristischen Metropole scheinen doch nicht so nett zu sein wie angenommen.

Alleine in einer großen, einsamen Stadt

Ohne Ausrüstung, lediglich mit einem AARM-Survival-Anzug bekleidet steigt ihr also aus der Kryo-Röhre, um euch in die tiefen Korridore von Eden zu wagen. Als Ausgangspunkt dient entweder die Krankenstation der einstigen Metropole, oder ein anderer gewählter Einstiegspunkt, die anfangs jedoch noch nicht zur Verfügung stehen. Doch der idyllische Schein trügt, aus den hintersten Winkeln der Stadt kriechen die seltsamsten Wesen hervor. Aus den einst so vorbildlichen Bewohner wurden körperlich furchtbar entstellte Mutanten, die allesamt ein Rädchen locker haben.

Um gegen diese Monster bestehen zu können, muss anständige Ausrüstung her und die liegt in ganz Eden verstreut. In beinahe jedem Schrank, Mülleimer oder Behälter lassen sich Verpflegung sowie Waffen und Rüstungsteile finden. Ein wahres Fest für alle Sammler, die jeden Stein zweimal umdrehen. Das Loot spawnt in der ganzen Stadt zufällig, was die Suche nach der perfekten Ausrüstung zu einer zeitintensiven Aufgabe anwachsen lässt. Immerhin ist an einigen, schwer zugänglichen Stellen die Wahrscheinlichkeit auf seltene Beute größer. Zumal jeder Behälter vor dem Öffnen gescannt und gegebenenfalls gehackt werden muss. Dies geht dank dem top ausgestatteten AARM-Anzug zwar fix von der Hand, wir auf Dauer aber ganz schön eintönig.

Ist die passende Ausrüstung gefunden, steht auf der Suche nach der Wahrheit, einem Abstecher in einen der anderen Distrikte von Eden nichts mehr im Weg. Ihr werdet erstaunt sein, was es hier alles zu entdecken gibt. Von verlassenen Bars, über gigantischen Hallen der Sicherheitsabteilung, bis hin zu einem zentralen, grünen Park. Es gilt dabei so viele Dokumente und P.A.M.E.L.A’s Audio-Logs wie möglich zu finden, die erklären was während dem Kryoschlaf in Eden geschehen ist. Gesamt liegen über 150 Fundstücke über alle Stadtteile verteilt und warten darauf, gefunden zu werden.

Eden ist größer als erwartet

Der Umfang der Spielwelt ist dabei weitaus größer als erwartet. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um ein Indie-Projekt handelt. Alleine um alle Gänge und Räume abzulaufen, ohne dabei auf Feinde oder Loot zu achten, sind dutzende Stunden nötig. Und wo wir schon beim Thema Feinde sind, die weisen zwar noch einige Schwächen in puncto KI auf, sollten aber keineswegs unterschätzt werden. Was ihnen an Intelligenz fehlt, machen die verrückten Zeitgenossen durch Muskelkraft und Überzahl wieder wett.

Glücklicherweise lässt sich der eigene AARM-Anzug auf jede erdenkliche Weise erweitern und damit die eigene Kampfkraft stark erhöhen. Gadgets wie Körperpanzerungen, erweiterte Speicherzellen und mächtige Waffen lassen sich am Anzug anbringen. Doch sollte man sich selbst nicht überschätzen, denn dann könnte das Abenteuer schneller vorbei sein als erwartet. Solltet ihr nämlich einmal ins Gras beißen, folgt die bittere Wahrheit. P.A.M.E.L.A. verfügt über ein Permadeath-System, was bedeutet, dass man im Fall des Todes jegliche gesammelte Ausrüstung und jedes erworbene Upgrade verliert und keine Chance hat, seine alten Überreste zu plündern. Allgemein fällt der Schwierigkeitsgrad recht hoch aus, also sollte ihr eine gewisse Frustresistenz mitbringen.

Und wer sich jetzt panisch in seinem selbst gebauten Unterschlupf verstecken möchte, guckt leider auch in die Röhre. Crafting wurde derzeit nur in rudimentärer Form umgesetzt. Zwar lassen sich Anlagen zur Pflanzenzucht oder einfache Betten herstellen, doch auf Elemente wie Barrieren oder Türen muss man aktuell noch verzichten. Zumal jedes Element, inklusive AARM-Anzug und Waffen, Energie verbraucht. Diese muss in regelmäßigen Abständen per Energiezellen wieder aufgeladen werden. Als kleine Draufgabe muss man sich zudem um das Energiemanagement der Stadt kümmern, um schlussendlich nicht im Dunkeln zu stehen.

Technik

P.A.M.E.L.A.

Neben dem schon jetzt überzeugenden Gameplay stellt aktuell vor allem die Technik eine große Hürde für viele Spieler dar. Entsprechend geteilt ist die Community. Haben einige Spieler nahezu keine Probleme, ist der Titel bei anderen geradezu unspielbar. Auch wir hatten während unserer Testphase ab dem ersten Tag mit diversen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Angefangen bei den unendlich erscheinenden Ladezeiten nach dem ersten Spielstart, die gerne an die 10 bis 15 Minuten in Anspruch nehmen. Weiter ging es mit einer schlechten allgemeinen Performance, die der eher mäßigen Optimierung anzukreiden ist. Schlussendlich waren da noch zahllose unregelmäßige Abstürze, die allesamt elendslange Fehlerberichte produzierten und wieder zu ewigen Ladezeiten führten. Es würde uns nicht wundern, wenn P.A.M.E.L.A. in den nächsten Wochen und Monaten in den Reihen der Community inoffiziell zum „Loading-Screen Simulator“ erklärt wird.

Dazu sei aber gesagt, dass die Abstürze sowie Performance-Probleme von Update zu Update weniger werden und das bereits in den ersten zwei Wochen nach Early Access-Start. Somit rechnen wir damit, dass P.A.M.E.L.A. in der finalen Version technisch zufriedenstellend wird. Umsetzungen für andere Plattformen sind laut Angaben der Entwickler aktuell ebenso wenig geplant wie ein Mehrspieler-Modus, bei großem Interesse der Community jedoch möglich.

Doch genug mit den technischen Problemen. Wenn der Titel dann einmal einwandfrei läuft, zaubert einem die Spielwelt an einigen Stellen ein Lächeln ins Gesicht. Die düstere, detailreiche Spielwelt weiß mit seiner Atmosphäre zu überzeugen. Hinter jeder Ecke könnte der Feind lauern und selbst bei voller Innenraumbeleuchtung ist man stellenweise auf seine Taschenlampe angewiesen. Allgemein lebt P.A.M.E.L.A. neben der großen Spielwelt, in Verbindung mit dem Entdeckerdrang des Spielers, von seiner eindrucksvollen Atmosphäre. Den größten Teil der Spielzeit bewegt man sich dabei durch äußerst dunkle Areale, was einigen Spielern mangels Abwechslung sauer aufstoßen wird. Zwar gibt es einen Tag-/Nachtwechsel, doch spielt der in den meisten Fällen, die man in Innenräumen verbringt, keine Rollen.

Einher mit der großartigen Atmosphäre geht die gelungene Geräuschkulisse, die eher zurückhaltend wirkt und dann zur richtigen Zeit einsetzt. Bis zu den vereinzelten Kampfszenen, in denen ein actionreicher Soundtrack auffährt, beschränkt sich Soundkulisse auf statisches Brummen, das Zischen von Türen oder die entfernten Schreie böser Monster, die dem Spieler an die Wäsche wollen. In Sachen Lokalisierung beschränkt sich P.A.M.E.L.A. aktuell auf Englisch, sowohl in gesprochener als auch in schriftlicher Form. Gewisse Sprachkenntnisse werden also vorausgesetzt. Bei entsprechendem Bedarf bzw. kommerziellen Erfolg sind die Entwickler laut eigenen Angaben natürlich offen für weitere Sprachumsetzungen.

Was die Steuerung angeht, präsentiert sich P.A.M.E.L.A. ganz klassisch. Bis auf einige Ausnahmen setzt man hier auf die Standardbelegung bei Ego-Shootern bzw. Survival-Spielen. Wer bereits über Vorkenntnisse aus anderen Genre-Vertretern verfügt, sollte sich auch hier schnell zurechtfinden. Leider gehen die Bedienung des Inventars sowie die Zusatzfunktionen des AARM-Anzugs momentan noch etwas träge von der Hand. Es sind oftmals einige Zwischenschritte nötig, um etwa Items aufzunehmen oder zu benutzen. Sogar eine Umsetzung für den allseits beliebten Xbox Controller gibt es schon, jedoch noch nicht in optimierter Form. Deshalb raten wir aktuell zur Steuerung per Maus und Tastatur.

Early Access, was steckt drin

Derzeit scheinen Indie-Titel den Early Access-Markt geradezu zu überfluten. Über das Vermarktungssystem an sich lässt sich streiten. Viele Titel bleiben wohl auf ewig in der „Entwicklungsphase“ stecken, andere wären ohne Early Access nie so erfolgreich geworden, wie sie es heute sind. In jedem Fall erkauft man sich einen Closed Beta Zugang inklusive dem fertigen Spiel. NVYVE Studios erhofft sich dadurch zum einen eine zusätzliche Einnahmequelle und vor allem die Möglichkeit, während der Entwicklung näher mit den Spielern zusammenzuarbeiten. Und das scheinen die Entwickler durchaus ernst zu nehmen, Sie bitten die Spieler regelmäßig um Feedback, bedanken sich sogar bei einigen persönlich und veröffentlichen im Schnitt alle drei Tagen Updates, die das Spielerlebnis verbessern.

Guten Fan-Support hin oder her, was bekommt man nun als zahlender Beta-Spieler. In erster Linie eine Menge Bugs und Fehler, manche machen das Spiel sogar unspielbar. Daneben eine spannende, atmosphärische Spielwelt im Stil der Unterwasserstadt Rapture aus Bioshock, jede Menge Loot und forderndes Gameplay inklusive Permadeath. Für aktuell gerade einmal 23 Euro bekommt man eine unbekannte Welt, die zum Erkunden einlädt und dem Spieler dabei zahlreiche Gefahren vor die Füße wirft. Obendrauf eine mysteriöse, nicht lineare Geschichte, die ausschließlich über Notizen oder Audio-Logs erzählt wird und viel Platz für Spekulationen lässt.

Aus unserer Sicht lohnt sich P.A.M.E.L.A. aktuell nur bedingt. Wer großen Wert auf eine unkomplizierte Spielerfahrung und hohe Stabilität legt, sollte sich vorerst aufgrund der technischen Probleme von dem Indie-Titel fernhalten. Wer hingegen vom Spielkonzept überzeugt ist, sich nicht an Ungereimtheiten stört, über eine gewisse Frustresistenz und über potente Hardware verfügt, der kann hier durchaus zugreifen. Es kann schließlich unglaublich spannend sein, den Weg eines Rohdiamanten bis hin zu einem Schmuckstück der Indie-Ecke miterleben zu dürfen. Denn P.A.M.E.L.A. verfügt über sehr viel Potenzial, das die Entwickler nur richtig umsetzen müssen.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
71
71
-
Multiplayer

FAZIT

P.A.M.E.L.A. verpackt viele Survival-Elemente, die man bereits aus anderen Titeln kennt in ein düsteres SciFi-Szenario, und rundet das Gesamtpaket mit einer Brise Horror ab. Mit dieser Kombination sollen vor allem Fans des Genres Open World Survival angesprochen werden, die es etwas düsterer mögen. Es macht großen Spaß die verwüstete Stadt Eden zu erkunden und mehr über die vergangenen Ereignisse herauszufinden. Leider leidet der Indie-Titel aktuell noch unter zahlreichen technischen Problemen wie Abstürze oder extrem lange Landezeiten. Gesamt befindet sich das Projekt aber auf einem guten Weg, zu einem potenziellen Hit zu werden. Aktuell eine exakte Prognose über den künftigen Erfolg zu stellen ist aufgrund der sehr frühen Entwicklungsphase kaum möglich. Deshalb beruht unsere Wertung auf der Version, die uns derzeit vorliegt, auch wenn in der Arbeit des kleinen Entwicklerteams von NVYVE Studios mehr als genug Potenzial steckt.

- Von  Fabian

MS Windows

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