NashBored REVIEW

Wie aus dem Nichts wurde am 02.01.2019 mit NashBored ein Prequel zu einem meiner Lieblings-RPG-Maker-Games veröffentlicht. Mit „Lieblings-RPG-Maker-Game“ meine ich natürlich „DashBored“, ein absoluter Geheimtipp aus der Maker-Nische, den ich immer noch wärmstens empfehlen kann. Als ich ein paar Wochen nach dem Release durch Zufall auf die Existenz von NashBored aufmerksam geworden bin, war für mich klar, dass ich das Ding spielen musste. Obendrein ist der Preis von schlappen 0,79 € überaus einladend.

Am 27.01.2025, also über sechs Jahre nach der Veröffentlichung, hat das Spiel auch ein Content-Update erhalten, welches „NashBored: Revisited“ genannt wird. Dieses war durchaus nötig, da die Originalversion doch unter einigen derben Macken leidet. Ob sich das Prequel für einen DashBored-Fan lohnt oder nicht, will ich euch im folgenden Review verraten.

Sie war nicht immer bösartig

In NashBored übernimmt man die Rolle der Wissenschaftlerin Nash Grenich. Diese lebt mit ihrem Kindheitsfreund Alex Asboth zusammen und arbeitet derzeit an einer brandneuen Robotertechnologie, welche es erlauben soll ein menschliches Bewusstsein in einen Roboter zu speisen, um somit eine Art der Unsterblichkeit für das menschliche Bewusstsein zu schaffen. Spieler von DashBored wissen ja bereits, dass Nashs Projekt von Erfolg gekrönt sein wird. Und sie wissen auch, dass Nash eine der Schurkencharaktere war, welche es aufzuhalten galt. NashBored will einen tieferen Einblick in Nashs Psyche gewähren und somit darstellen, wie sich die aufstrebende junge Frau in diese widerwärtige Person wandeln konnte, mit der man sich in DashBored herumschlagen muss.

Der Bösewicht in NashBored ist allerdings nicht Nash, sondern eine Kreatur namens Jimmy TV. Jimmy ist eine Art Fernsehapparat welcher die Mordlust intelligenter Lebensformen repräsentiert. Er ist Moderator seiner eigenen Gameshow „Humind Paradigm“, für derer er einen Sterblichen per Zufallsprinzip auswählt, um diesen in deren eigenen Unterbewusstsein vor lebensgefährliche Herausforderungen zu stellen. Das wahre Ziel dabei ist jedoch den Kandidaten auf möglichst grausame Weise zu töten, um somit die Einschaltquoten zu steigern. Es versteht sich von selbst, dass Jimmys Show auf seiner Existenzebene extrem angesagt ist, und bislang noch kein Kandidat mit dem Leben davongekommen ist. Selbstverständlich handelt es sich bei Jimmys neuester Kandidatin um Nash, welche drei Abschnitte ihres Unterbewusstseins überleben muss, um als Siegerin aus dieser Tortur hervorzugehen. Innerhalb dieser Abschnitte erwarten den Spieler einige Schlüsselereignisse aus Nashs bisherigen Leben. Der erste Abschnitt erzählt zum Beispiel, wie sie Alex kennengelernt hat. Spätere Abschnitte machen uns hingegen mit ihren dunklen Seiten vertraut.

Nash hat jedoch nicht allzu viel Zeit, um ihre Alptraumwelten zu meistern, denn während sie in ihrem Unterbewusstsein herumgurkt, fällt sie in der realen Welt in ein gefährliches Koma. Ein Umstand welcher Alex langsam zur Verzweiflung treibt. Wohin diese bizarre Reise letztendlich hinführen wird, müsst ihr freilich selbst herausfinden.
Die Handlung von NashBored kann man wohl in die Kategorie Psycho-Horror einordnen. Damit hat NashBored einen ganz anderen Flair als das Hauptspiel DashBored. Außerdem wird hier kein wirklich fließender Handlungsübergang zwischen diesem Prequel und DashBored angeboten, was ich doch sehr enttäuschend fand. Dafür gibt es jedoch Andeutungen, die Hoffnung auf eine spannende Story für eine eventuelle Fortsetzung von DashBored machen. Nichtsdestotrotz sollte man wissen, dass NashBored ein ganz eigenes Süppchen kocht als das Mutterspiel, und man hier besser nicht mit falschen Erwartungen herangeht. Ich spreche hierbei übrigens aus eigener Erfahrung, denn als großer Fan von DashBored, hat mich dieses Prequel enttäuscht. Dies liegt aber nicht nur an der Handlung, sondern auch am Gameplay.

 

08/15 JRPG-Gameplay und fiese Geschicklichkeitspassagen

Obwohl sich NashBored bezüglich der Handlung eher der Ecke der RPG-Maker-Horror-Spiele anbiedert, hat der Entwickler versäumt das Gameplay entsprechend anzupassen. Wo die Horror-Maker-Spielchen ja eher auf Erkundungs- und Adventure-Elemente setzen und der Kampf, wenn es denn überhaupt Kämpfe gibt, nur in Echtzeit stattfindet, spult NashBored nach wie vor typische JRPG-Formeln ab. Das heißt, dass man sich auch hier mit rundenbasierten Gefechten auseinandersetzen muss, für die man mit Exp für Level-Ups und Geldeinheiten für neue Ausrüstung und Heilgegenstände belohnt wird. Das Kampfsystem läuft genauso ab wie in DashBored. Es gibt die selben Tricks und Kniffe. Einige Spezialangriffe basieren auf einem simplen Timing-Tastendruck, was bei Erfolg die Effektivität des Angriffs steigert. Gegen Ende kann man sich auch Gegenstände kaufen, mit denen man die Gegner vergiften kann, was primär bei Bossgegnern enorm effektiv ist. Und seit dem letzten Update hat man auch die Möglichkeit einen Roboter-Gefährten im Kampf zu beschwören, der unter anderem die Fähigkeit hat die Gegner zu analysieren, was sogar interessante Erklärungen zu den Feinden einbringt. Dennoch bietet der Kampf nicht mehr als typisches Standard-Prozedere des Genres.

Das ist insbesondere deswegen problematisch, da das Game viel zu klein ist, um etwas als klassisches JRPG taugen zu können. Fast das gesamte Spiel ist man ausschließlich mit Nash unterwegs. Nur für den letzten Spielabschnitt bekommt man noch nen Healbot als optionales zweites Gruppenmitglied. NashBored kann man in ca. 2-3 Stunden durchspielen (wenn nicht sogar noch schneller). Angesichts dessen wirkt der Rundenkampf eher wie ein obsoletes Spielelement, was partout nicht zum Spiel passen möchte. Als kleine Ehrenrettung wurden aber immerhin die Zufallskämpfe über Bord geworfen. Die Feinde sieht man nun direkt innerhalb der Maps und kann sie oftmals sehr gut umgehen. Man kann sogar den Gegnertypus erkennen. Leider ist das Gegnerdesign dieses mal etwas langweilig und witzlos. Immer nur ähnlich geartete schwarze Eldritch-Schleim-Monster werden auf Dauer überraschend eintönig. Die Viecher werden in späteren Abschnitten sogar noch recycelt – was soll das? Aber auch hier gibt es die Ehrenrettung in Form riesiger Bossgegner, welche jetzt sogar noch imposanter ausfallen als in DashBored.

Tja, und abgesehen davon bietet das Spiel nur noch einige Geschicklichkeitsabschnitte zur Auflockerung. Hier soll man entweder Energiekugeln oder Wandpressen ausweichen, um entweder Schaden oder sogar den sofortigen Tod zu vermeiden. In der Originalversion waren diese Geschicklichkeitspassagen teilweise richtig fies und unfair. Das Revisited-Update hat diese Passagen jedoch tüchtig überarbeitet, wodurch sie kein Ärgernis mehr darstellen.
Darüber hinaus integriert das Update auch eine neue Sidequest. Diese wird dazu genutzt die unterschiedlichen Spiele des Entwicklers enger miteinander zu verbinden.

Und damit wäre auch schon alles zu NashBored gesagt. Die Steuerung arbeitet nach bewährten JRPG-Muster und bietet neben der Tastatursteuerung auch Controller-Support. Das Spiel stellt genügend Speicherplätze zur Verfügung und läuft fehlerfrei.
Es wäre jedoch schön gewesen, wenn man auf der Steam-Storepage klar kommuniziert, dass es sich hierbei um ein Prequel handelt. Etwas mehr Klarheit diesbezüglich wäre wirklich wünschenswert gewesen.

 

Grafik und Sound

Wie schon DashBored, so überzeugt auch NashBored mit guten selbsterstellten Grafiken und einem unverwechselbaren, individuellen Artdesign. Dies ist vor allem im Sektor der RPG-Maker-Games keine Selbstverständlichkeit, und stellt immer ein großes Plus dar. Der Kenner wird natürlich sofort erkennen, dass sich der Entwickler sehr stark von Earthbound bzw. Earthbound-like Spielen hat inspirieren lassen. Im Vergleich zum Hauptspiel, mit dem letzten Revisited-Update wurde der Grafikstil nochmals deutlich verbessert und macht NashBored zu einem der hübschesten RPG-Maker-Games. Auch die Anzahl der Artwork-Zwischensequenzen wurde stark erhöht. Leider mangelt es NashBored jedoch an den abwechslungsreichen Locations, welche man von DashBored gewohnt ist. Aber das liegt auch daran, da dieses Prequel so verdammt kurz ist.

Auch der Soundtrack wurde vom Entwickler selbst kreiert, und weist den selben unverwechselbaren Stil auf, den man schon von DashBored gewohnt ist. Allerdings klingen die neuen Melodien nun depressiver und ruhiger als gewohnt, was aber auch gut zum Setting und der Handlung passt. Leider kann der neue OST bei weitem nicht den selben Charme und Ohrwurm-Charakter aufbauen wie jener von DashBored. Freilich wurde auch der OST mit dem Revisited-Update gehörig aufpoliert.

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