Jurassic World Evolution 2 REVIEW

Drei große Filmreihen haben in meiner Kindheit meinen Mediumkonsum enorm stark geprägt. Während Star Wars und Indiana Jones auch abseits der Filme in anderen Medien sehr präsent waren – nicht zuletzt in Form von Videospielen – gab es zu Jurassic Park eigentlich nie viel mehr. Natürlich gab es auch hier Spielzeug und ein paar ganz nette Adaptionen für frühe Konsolen, aber so richtig hervorstechen konnte kein auf der Lizenz basierendes Spiel. Erst mit Jurassic Park: Operation Genesis (2003) wurde eine Versoftung der Vorlage in meinen Augen gerecht. Ich habe das Aufbauspiel von Entwickler Blue Tongue Entertainment geliebt und für Monate förmlich verschlungen. Als 2018 mit Jurassic World Evolution von Frontier Developments ein zwar nicht offizieller, aber doch geistiger Nachfolger erschien, war meine Begeisterung und Faszination nicht mehr ganz so groß. Dennoch hatte ich erneut meine Freude an der Erstellung und Verwaltung meines eigenen Dino Parks.

Dieser Tage haben die in Cambridge, England ansässigen Genre-Fachleute von Frontier Developments den Nachfolger veröffentlicht. Meine Vorfreude war durchaus groß, denn das vor rund drei Jahren gelegte Fundament ist gut genug, um darauf aufzubauen. Und eines Vorweg: Jurassic World Evolution 2 macht seinen Vorgänger nahezu obsolet. Aber die Möglichkeiten wurden erneut nicht ausgeschöpft. Es kommt letztlich auf die Erwartungshaltung an. Wer eine komplexe und in die Tiefe gehende Simulation erwartet, wird vermutlich früh und enttäuscht das Handtuch werfen. Wer ein einigermaßen entspanntes Erlebnis sucht und sich daran erfreut, die wirklich fantastisch inszenierten Tiere aus der Urzeit aufziehen, zu hegen und zu pflegen, wird hingegen eine gute Zeit haben.

What if…



Jurassic World Evolution 2 ist erneut ein komplett auf Solisten ausgelegtes Spiel. Einen Mehrspieler-Part gibt es also nicht. Aus dem Vorgänger bekannt sind die Kampagne, die Herausforderungen und der Sandbox-Modus. Neu ist der Modus Chaostheorie. Hierhinter verbirgt sich quasi ein „Was wäre wenn…?“ Szenario, wobei alle fünf Jurassic Filme je einzelnen aufgegriffen werden. Beispielsweise kann man im Szenario zum ersten Film den Traum von John Hammond wahr werden lassen und den Jurassic Park erfolgreich und ganz ohne Katastrophe eröffnen. Im Szenario zum zweiten Film befindet man sich vor der Kulisse von San Diego und kann den T-Rex im Amphitheater ausstellen. Ähnlich verhält es sich auch mit den drei weiteren Szenarien. Die jeweiligen Gedankengänge mit ihren alternativen Ausgängen sind nett, aber eben auch nicht viel mehr. Selbst einen Fan der Vorlagen wie mich hat das im Grunde dann doch eher kalt gelassen. Denn im Grunde macht man ja auch hier nicht viel mehr, als einen Dino Park aufzubauen.

Modi mit verpassten Chancen


Auch die Kampagne ist nicht viel mehr als okay. Dabei macht das Spiel hier ein durchaus spannendes Fass auf, knüpft es doch an die Geschehnisse von Jurassic World: Das gefallene Königreich an und dient ein bisschen als Puffer zwischen diesen und den kommenden Film Ein neues Zeitalter. Mittlerweile befinden sich auf dem gesamten amerikanischen Kontinent freilebende Saurier. Die US-Naturschutzbehörde will für Ordnung sorgen und die Tiere in geregelten Reservaten halten, wobei der Spieler bzw. die Spielerin die Aufgabe übernimmt und das ganze Unterfangen regelt. Die Kampagne wird wieder von aus den Filmen bekannten Figuren begleitet, wobei neben Claire Dearing (gesprochen von Bryce Dallas Howard) auch Jeff Goldblum an Bord ist und seinen Dr. Ian Malcolm vertont. Und ja, dieser Fanservice funktioniert schon ganz gut. Die Story der Kampagne selbst? Nicht so sehr. Wäre ich ganz böse, würde ich die Kampagne als erweitertes Tutorial bezeichnen. Lohnenswert ist sie dennoch, da sie mit den Grundmechaniken vertraut macht und es ein richtiges Tutorial ohnehin nicht gibt.

Der Herausforderungs-Modus ist genau das, was der Name sagt (man muss vorgegebene Ziele meistern) und der Sandbox-Modus ebenso. Dieser ist diesmal auch von Start aus spielbar, hat aber erneut einen großen Krux. Denn man hat nicht sofort Zugriff auf alle Umgebungen, Dinos und Baumöglichkeiten, sondern muss diese erst einmal in den anderen Modi freischalten. Diese Entscheidung kann ich nicht nachvollziehen und halte sie schlicht für unsinnig. Man kann ja gerne ein paar Boni zum Freischalten gewähren und die entsprechenden Bedingungen spannend gestalten. Aber hier mehr als die Hälfte der Möglichkeiten abzusperren und Spielerinnen und Spieler in die anderen Modi zu drängen, ist frustrierend.

Die Stärke von Jurassic World Evolution 2 liegt nun einmal im entspannten Aufbau des eigenen Dino Parks ohne strenge Zielvorgabe. In den anderen Modi wird man nahezu immer vor die nächste Mission gesetzt, sobald alle Aufgaben erfüllt sind, kann also den Park nur bis zu einer bestimmten Stufe entwickeln. Im Sandkasten sind (im Rahmen der Möglichkeiten) hingegen nur wenig Grenzen gesetzt. Wenn man ganz ohne Einschränkungen spielen will, kann man sich sogar einen unerschöpflichen Kontostand geben.

Wünsche und Wehwehchen


Im Grunde übernimmt das Spiel sämtliche Systeme des Vorgängers und bessert hier und da etwas nach. Insgesamt liegt etwas mehr Fokus auf die Verwaltung der einzelnen Teilbereiche. Ranger und Mediziner kann man nach wie vor automatisch anweisen oder auch manuell in die Gehege schicken, damit sie nach dem Wohl der Saurier schauen. Was den Gästen des Freizeitparks in den Restaurants aufgetischt wird und wie viel das und auch die Übernachtungen im Hotel kosten sollen, kann man ebenfalls festlegen.

Und natürlich muss man auch schauen, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse der Dinos befriedigt werden. Insgesamt unterscheidet man in vier Typen, wobei diese untereinander nicht immer harmonisieren. Das man Raptoren nicht in ein Gehege mit kleinen Pflanzenfressern steckt, sollte ohnehin klar sein, außer man hat eine Freude daran zuzuschauen, wie die Raubtiere auf Jagd gehen. Aber selbst manche eigentlich friedlichen Urechsen harmonisieren mit anderen Spezies nicht allzu gut. Es gibt unterschiedliche Nahrungsvorstellungen, immer wieder brechen Krankheiten aus, die einen mögen viel Auslauf, die anderen brauchen mehr Wasser etc.

Huch, wer hat den Strom ausgestellt?


Besonders wichtig sind diesmal außerdem die Wissenschaftler. Diese übernehmen eine Reihe von Aufgaben. Man schickt sie zu Expeditionen, damit sie neue DNS von Ausgrabungen mitbringen, die wiederum in den Laboren extrahiert werden, damit selbige Wissenschaftler (und ich) Gott spielen können. Außerdem betraut man die Fachleute mit dem Ausbrüten der Echsen sowie deren Heilung, aber auch die Forschung neuer Gebäude, Wissenschaftsoptionen und Attraktionen muss zugeteilt werden. Man kann übrigens selbst bestimmen, welche Wissenschaftler man einstellt. Gerade zu Anfang kann man nicht unbedingt auf die fähigsten Köpfe ihres Fachs setzen, da diese natürlich mehr kosten. Und auch wenn man erschöpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den bezahlten Urlaub schickt oder sie an Fortbildungen teilnehmen lässt, um ihre Talente zu verbessern, kostet das natürlich Geld. Übertreibt man es mal mit der Arbeitslast einzelner Personen, braucht man sich übrigens auch nicht wundern, wenn urplötzlich mal die Tore zum T-Rex-Gehege offen sind oder im Park der Strom ausfällt.

Der Erfolg liegt in einem gesunden Wirtschaftskreislauf. Klein anfangen und sich nach und nach steigern heißt die Devise. Übrigens sind nicht nur rachsüchtige (Ex)Mitarbeiter ein Problem, sondern auch Umwelteinflüsse, wie Stürme, oder ausbrechende Saurier. Fühlen diese sich unwohl oder haben schlicht Hunger, aber nicht genügend Nahrung, dann greifen sie auch gerne mal die Zäune an und machen Jagd auf Gäste. Das ist – selbstredend – ganz schlecht für das Image und den Zufluss an Geld.

Überzeugende Pseudoauthentizität


Der grafische Sprung zwischen Vorgänger und Nachfolger wirkt auf mich klein. Ich müsste mir noch einmal im Detail den ersten Teil ansehen, aber abseits der neuen Assets und flotteren Ladezeiten auf der PlayStation 5, habe ich keinen allzu großen Unterschied in Hinblick auf die Grafik zwischen beiden Spielen festgestellt. Das man selbst auf der aktuellen Konsolengeneration von Sony noch aufploppende Objekte (hauptsächlich Vegetation) hat, sobald man rein- und rauszoomt, ist ebenso ernüchternd wie das langsame Laden von Texturen sowie das gerade in der Kampagne starke Frame Pacing.

Im wichtigsten Aspekt wird man aber nicht enttäuscht. Die Simulation der 84 unterschiedlichen Dinos ist ganz hervorragend. Natürlich kann niemand mit wirklicher Gewissheit sagen, wie die Tiere wirklich einmal ausgesehen und wie sie sich wirklich verhalten haben. Aber die Illusion, die Jurassic World Evolution 2 erzeugt, wirkt authentisch genug und ist schlicht wunderbar anzusehen. Vor allem, da sich jede Spezies auf wirklich anders verhält und ganz andere Abläufe aufweist.

Pro & Kontra

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Pro
  • eine Vielzahl an Dinos (über 80)
  • die Dinos, ihre Animationen und Verhaltensweisen wirken "authentisch"
  • mehr Möglichkeiten, den Manager zu spielen
  • verbesserte Mechaniken

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Contra
  • Kampagne und andere Modi bleiben hinter den Möglichkeiten zurück
  • technische Performance auf der PS5 ungenügend
  • man kann nach wie vor nicht wirklich "schön bauen"
  • man muss erst viele Objekte & Features für den Sandkasten in anderen Modi freispielen

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Spiel Bewertung
Singleplayer
79
79
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Jurassic World Evolution 2 ist eine durch und durch gelungene Fortsetzung. Dabei wird das Spiel seinem Namen gerecht und ist mehr Evolution als Revolution. Die bekannten und funktionierenden Mechaniken sind zurück und wurden etwas aufpoliert und angepasst. Es gibt mehr Umgebungen, mehr Dinos und ein paar mehr Möglichkeiten, den Park zu managen. Das man erneut beim Sandkasten-Modus ausgesperrt wird und erst einmal die anderen Modi durchspielen muss, um auf Gebäude, Dinos und andere Features zugreifen zu können, ist allerdings frustrierend. Und auch die Performance könnte auf den aktuellen Konsolen besser laufen. Aber zumindest bei letzteren Punkt besteht die berechtigte Hoffnung, dass noch nachgebessert wird. Immerhin haben die Entwickler den Vorgänger auch nach der Veröffentlichung noch reichlich und lange unterstützt.

- Von  Adrian

Playstation 4
Xbox One
MS Windows
Xbox Series X
PlayStation 5

Jurassic World Evolution 2 REVIEW

USK 0 PEGI 3

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