The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel 2 REVIEW

Tokyo Mirage Sessions #FE, Final Fantasy XV, Star Ocean: Integrity And Faithlessness, Shin Megami Tensei IV: Apocalypse, Persona 5 – 2016 war für Freunde japanischer Rollenspiele pickepackevoll und bescherte dem Genre so viele gute Spiele wie schon lange nicht mehr. Selbst als exzessiver Vielspieler und Genrekenner konnte man da leicht den Überblick verlieren, sodass einige Titel unter dem Radar verschwunden sind. Das mag vor allem dann der Fall gewesen sein, wenn ein Spiel – wie im Falle von The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel – lediglich für PlayStation 3 und PS Vita, anstatt für die aktuelle Konsolengeneration erschienen, ist. Warum man dennoch den ersten Teil nicht missen sollte, habe ich bereits im entsprechenden Test geklärt. Und warum auch The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel 2 ein Muss für JRPG-Fans ist, erfahrt ihr nun.

 

Ein Epos, das seinen Namen verdient


cold steel cutscene

JRPGs brüsten sich gerne mit einer voluminösen Erzählung, die in einer entsprechend langen Spielzeit resultiert. Doch was Entwickler Nihon Falcom mit The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel und seiner Fortsetzung macht, ist noch einmal eine ganz andere Liga. Selten habe ich ein Spiel mit solch einer fantastisch etablierten Welt gespielt, in der wirklich jede (Neben-)Figur ein Charakter mit eigenständiger Geschichte ist, in der Dialog-Sequenzen mitunter eine Laufzeit von 45 Minuten aufweisen und bei dessen Ende ich so große Lust auf den Nachfolger verspürt habe, das ich die Monate bis zu dessen Release kaum abwarten konnte. Wer das im November 2016 erschienene Trails of Cold Steel 2 spielen und auch verstehen will, der kommt nicht um den Vorgänger herum.

Entsprechend schwierig ist es natürlich, die Rahmenhandlung des zweiten Parts dieses als Trilogie angelehnten Epos zusammenzufassen. Denn um die wichtigsten Details nennen zu können, müsste ich eigentlich die Geschehnisse der ersten 20 Spielstunden (!!!) von Trails of Cold Steel 2 anreißen und vorher noch intensiv auf den Vorgänger eingehen. Keine leichte Angelegenheit.

 

Ein Kontinent im Krieg


cold steel kampf

Protagonist beider Spiele ist Rean Schwarzer, ein junger Teenager, der im ersten Teil die Militärakademie Thors besucht hat. In dieser wird die Elite des Reiches Erebonia herangezüchtet. Und ebenso wie in der Gesellschaft des feudalistisch regierten Staates, so wird auch in der Schule ein striktes Kastensystem geführt, welches die Schüler ihrer Herkunft nach in unterschiedliche Klassen einteilt. Rean und einige andere Schüler bilden jedoch die Ausnahme und werden unabhängig ihrer sozialen Herkunft in die Klasse VII gesteckt. Obwohl das unter den Schülern gerade zu Beginn zu allerhand Komplikationen und Streitereien führt, so finden die Teenager mit der Zeit zueinander und erleben einige Abenteuer. Dabei kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Erebonia am Rande eines Bürgerkrieges steht – welcher mit dem Anschlag auf den Premierminister und dem daraufhin folgenden Putsch am Ende von Teil 1 schließlich ausbricht.

Trails of Cold Steel 2 setzt einige Wochen nach dem fulminanten Finale des Erstlings an. Rean wacht in den Bergen unlängst seines Heimatortes Ymir auf und beginnt die Suche nach seinen Freunden. Diese sind mittlerweile über ganz Erebonia verteilt und versuchen ihren Beitrag im Kampf gegen die Repressoren zu leisten. Eine Rückkehr zur Thors Akademie scheint aussichtslos, stattdessen müssen Rean und seine Freunde trotz ihres jungen Alters in die Irrungen und Wirrungen des Konfliktes eingreifen und sich für eine Seite entscheiden.

Nachdem Rean einige Spielstunden nach Start die bekannte Truppe wieder zusammengeführt hat, beginnt das eigentliche Abenteuer. Das zeigt, das Nihon Falcom auch mit dem zweiten Teil Großes vorgehabt hat und erneut einen enormen Umfang darbietet. Und sofern man sich auf die komplexe Handlung mit ihren unzähligen Nebenschauplätzen, den politischen Intrigen und dem langsamen, aber stetige Aufbau einlassen kann, so erhält man ein Spielerlebnis, das in dieser Art und Weise seinesgleichen sucht.

 

Sieht aus wie Fanservice-Blödsinn, ist es aber nicht


cold steel

Aber Moment! Politische Intrigen? Eine komplexe Rahmenhandlung? Charaktere, die lebendig wirken und mehr als digitale Worthülsen sind? Trails of Cold Steel 2 mag gerade auf Screenshots und in den Zwischensequenzen nicht den Eindruck eines ernsten Spiels vermitteln. Einige Designs von gerade weiblichen Figuren schreien förmlich nach Fanservice und auch bei den Dialogen geben sich die Schreiber manchmal etwas infantil. Und so ganz ist der Vorwurf der stellenweise seichten Unterhaltung auch nicht von der Hand zuweisen, wobei zur Wahrheit aber auch gehört, das die Storyschreiber mit dem Thema selbstironisch umgehen und sich selbst nicht immer ganz ernst nehmen.

Humor und leichtfüßige Dialoge sind für das Spiel daher ebenso selbstverständlich, wie seine erstaunlich ernste Herangehensweise an das Thema Rassismus, Unterdrückung und Krieg. Trails of Cold Steel 2 unterteilt die Konfliktparteien nicht in ein simples Gut/Böse Schema, sondern zeigt, das es oftmals nicht die eine Wahrheit und die eine Lösung gibt. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Weltgeschehens interessant, zumal sich einige universale Analogien ziehen lassen.

 

Vertrautes trifft auf Neues


cold steel II

Auch abseits der Handlung bauen die Entwickler auf die im Vorgänger etablierten Stärken auf, bringen aber auch ein bisschen frischen Wind ins Spielgeschehen. Zu den Neuerungen gehört etwa ein Luftschiff, welches es Rean und seinen Freunden erlaubt sich in der nun etwas offener gestalteten Welt zu bewegen. Die Schulbank von Thors müssen die Teenager nicht mehr drücken, allerdings gibt es wieder ein dem Vorgänger ähnlich gestaltetes Perk-System, welches diverse Boni durch die erfolgreiche Absolvierung von Aufträgen ausschüttet. Und auch die Social-Links sind wieder dabei und erlauben es abseits von Missionen mit den Freunden zu interagieren und diese etwas besser kennenzulernen. Je mehr sich die Beziehung zu Rean und seinen Freunden intensiviert, desto besser interagieren die Figuren im Kampf miteinander.

Apropos Kamp: das geniale Kampfsystem des Erstlings wurde natürlich ebenfalls übernommen. Erneut kämpft man mit vier Charakteren (wobei diese sich im laufenden Geschehen auch mit anderen Partie-Mitgleidern austauschen lassen) und hat neben normalen Angriffen auch die Möglichkeit diverse Zauber und Spezialangriffe auszuführen. Gerade bei den Magie- und Spezialaktionen gibt es wieder eine enorme Vielfalt, die von Angriffen mit unterschiedlichen Statuseffekten, hin zu diversen Buffs und Heilzaubern reichen. Je höher die Figuren im Level steigen, desto mehr Spezialaktionen werden freigeschaltet. Und durch das Quartz-System, mit welchen man seiner Truppe quasi Magiekräfte implementieren kann, kann man ebenfalls neue und mächtigere Zauber freischalten. Das ist wie gehabt ungemein motivierend und komplex.

Gerade die Kämpfe sind nach wie vor ein echtes Highlight und machen auch nach dutzenden Spielstunden noch immer gehörigen Spaß. Der taktische Tiefgang ist enorm, die verschiedenen Möglichkeiten ebenso. Durch das neue Overdrive-System erhält das Kampfsystem sogar noch ein bisschen mehr Möglichkeiten. Ist die entsprechende Leiste aufgeladen können zwei miteinander verlinkte Charaktere die Overdrive-Funktion aktivieren und erhalten neben aufgefrischten Statuswerten außerdem die Möglichkeit drei Mal hintereinander eine Aktion auszuführen. Die normalerweise übliche Wartezeit bei Zauberaktionen wird gar übersprungen.

 

Ein Hauch Neon Genesis Evangelion


cold steel mecha

Waren sie im Finale des Erstlings noch eine echte Überraschung, wurden sie nun zum erweiterten Feature ausgebaut. Die Rede ist von den Divine Knights, eine Art Mech-Roboter, die in dem Konflikt von Erebonia eine tragende Rolle einnehmen. Auch Rean kann einen solchen Mech befehligen und im Kampf steuern, wobei dies zunächst nur am vom Spiel vorgesehenen Stellen möglich ist. Später kann man durch eine Fähigkeit seinen Mech aber auch in regulären Kämpfen einsetzen – wenn auch zum Preis eines hohen EP-Verbrauchs. Das dynamische Kampfsystem wurde auf die Roboter-Kämpfe übertragen, kommt aber nicht ganz an die Vielfalt der üblichen Auseinandersetzungen heran. Spaß macht es trotzdem den mächtigen Stahlkoloss zu befehligen.

Für reichlich Abwechslung haben die Macher übrigens wieder gesorgt. Erneut kann man sich in unzähligen Büchern in die Geschichte und Lore von Erebonia hineinlesen, es gibt zig Nebenaufgaben, die sich tatsächlich wertig anfühlen und den Eindruck vermitteln, das sie etwas in der Spielwelt auslösen. Man kann erneut Angeln gehen und nun sogar mit einem Snowboard die Berge von Ymir herunterbrettern. Und für Komplettisten und Spieler mit Sammelfetisch gibt es sowieso enorm viel zu tun, sei es alle Waffen samt Upgrades, alle Magie-Quartze oder Ausrüstungsgegenstände zu sammeln.

 

Technik von Vorgestern


trails

Die einzige Schwäche ist wie gehabt die technische Seite. Selbst für PlayStation 3 Verhältnisse ist Trails of Cold Steel 2 kein Glanztitel. Verwaschene Texturen, fehlende Details in der Spielwelt und gelegentliche Ruckler: Grafikfans werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Allerdings besitzt der Anime-Stil einen eigene Charme, gerade die Charakter-Designs gefallen mir sehr und wirken weitaus weniger austauschbar, als in vergleichbaren Titeln. Und auch bei der Gestaltung der unterschiedlichen Regionen von Erebonia haben sich die Entwickler sichtlich Mühe gegeben und zaubern abwechslungsreiche Settings auf den Bildschirm.

Ein kleiner Wermutstropfen ist hingegen die erneut fehlende japanische Tonspur. Allzu schmerzlich vermisse ich sie allerdings nicht, denn die englischen Sprecher machen einen wirklich fantastischen Job und geben ihren Figuren viel Eigenleben. Die Texte liegen übrigens in Englisch vor, eine deutsche Lokalisation gibt es nicht.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
83
83
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel 2 führt die Stärken des Vorgängers nahtlos fort und erweitert das Spielerlebnis gar um weitere Aspekte. Vor allem Fans klassischer Japano-Rollenspiele kommen hier voll auf ihre Kosten. Das rundenbasierte Kampfsystem ist meiner Meinung nach eines der besten seiner Art, die wahnsinnig gut etablierte Welt inklusive der spannenden Handlung und toll ausgearbeiteten Figuren sucht ebenfalls seinesgleichen. Das der Titel technisch alles andere als überzeugend ist? Gegessen. Schade nur, das viele Spieler dieses Abenteuer aufgrund der veralteten Hardware wohl leider verpassen werden. Immerhin hat Nihon Falcom den dritten Teil jüngst für die PlayStation 4 angekündigt. Vielleicht wird dieser der Reihe ja endlich den verdienten Ruhm einbringen.

- Von  Adrian

Playstation 3
PlayStation Vita

The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel 2 REVIEW

USK 12 PEGI 12

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