8-Bit Adventures: The Forgotten Journey Remastered Edition REVIEW

Eine Huldigung an alte NES-Rollenspiele: Wie am Namenszusatz „Remastered Edition“ zu erkennen, handelt es sich hierbei nicht um die Original-Version von 8-Bit Adventures, sondern um ein runderneuertes, tüchtig verbessertes Remake. Wirklich relevant ist dieser Wissensbrocken aber sowieso nicht mehr, denn der australische Indie-Entwickler Joshua Hallaran (Critical Games) hat die im Jahr 2013 veröffentlichte Original-Version schon längst aus dem Netz genommen. Das Remake hingegen hat es sogar bis auf Steam geschafft, wo es seit dem 31.03.2015 für 9,99 € zu haben ist. Nicht unbedingt der niedrigste Preis für ein RPG-Maker-Spiel. Allerdings muss man auch eingestehen, dass 8-Bit Adventures gar nicht wie ein RPG-Maker-Produkt aussieht. Stattdessen erinnert das Spiel sofort an alte NES-JRPG-Klassiker wie Final Fantasy oder Dragon Quest. Ob das Spiel jedoch mehr zu bieten hat, als nur an nostalgischen Erinnerungen zu zupfen oder nicht, will ich euch im folgendem Review verraten.

 

Mal kräftig den Staub aus dem Modulschacht pusten

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Es beginnt wie eine uninspirierte 08/15 JRPG-Story aus seligen NES-Tagen. Eine unbekannte Macht stiehlt der Fantasywelt ihre Farbe und hinterlässt nichts als triste Grautöne. Schlimmer noch, werden die Bewohner der Welt durch diesen Prozess eingefroren. Drei Individuen bleiben jedoch verschont. Der blaue Krieger, die grüne Diebin und der rote Magier müssen nun die drei magischen Orbs bergen, um der Welt die Farbe zurückzugeben und somit zu erlösen. Doch es stellt sich recht bald heraus, dass dies nur ein kleiner Test ihrer Fähigkeiten war, denn der mysteriöse Computer, Herrscher über die Spielwelt, benötigt fähige Streiter im Kampf gegen den furchtbaren Dust (Staub). Dieser droht die Welt zu verschlingen und auf ewig mit Programmfehlern zu verseuchen. Doch kann man es wirklich mit solch einer furchtbaren Macht aufnehmen. Einer Macht die in die kleinsten Ritzen eindringt, alles verdreckt und technische Gerätschaften mit der Zeit unbrauchbar werden lässt?

Was sich jetzt völlig bekloppt und witzig liest, wird im Spiel auf eine überraschend dramatische und ernsthafte Art und Weise erzählt. Es ist natürlich offensichtlich, dass der Staub im Spiel eine Metapher auf echten Hausstaub ist, der mit der Zeit alte Spielmodule unbrauchbar werden lässt. Und auch sonst treten im Spiel immer wieder schräge Ideen auf. So wird z.B. auf clevere Weise die vierte Wand durchbrochen und man bereist ein Gameboy-Spiel, welches kurz davor steht vom Staub zerstört zu werden. Aaaber 8-Bit Adventures gelingt das Kunststück derlei Dinge dermaßen geschickt und charmant zu integrieren, dass sie keinesfalls aufgesetzt oder doof wirken. Eine Hürde, an der viele andere Spiele die diesen Weg einschlagen gnadenlos scheitern. Und abseits aller Metaphern, Anspielungen und durchbrochener vierter Wände bleibt die Handlung an sich stets ein vollwertiges Abenteuer. Die drei Hauptcharaktere zum Beispiel verfügen alle über eine eigene Vergangenheit und individuelle Persönlichkeiten, die sich im Spielverlauf auch glaubhaft weiterentwickeln. Es gibt tragische und traurige Momente und man fühlt sich im Endeffekt eben wieder wie der Held, der versucht die Welt zu retten. Die oben genannten Aspekte, die auf nostalgisches Videospiel-Kulturgut abzielen, drängen sich halt nie in den Vordergrund, sondern sind lediglich ein Teil des Gesamterlebnisses. Und genau diese Erkenntnis des Entwicklers sorgt dafür, dass die Story von 8-Bit Adventures ein großer Spaß für jeden Freund von alten Retro-Rollenspielen sein wird – und zwar auf vielfältige Art und Weise.

 

Blau, Grün und Rot ist das neue Schere, Stein und Papier

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Der Grundaufbau von 8-Bit Adventures folgt, wenig überraschend, den traditionellen Genre-Normen. Man erkundet die Spielwelt aus der Vogelperspektive und besucht via Weltkarte diverse Siedlungen und Dungeons. In Dörfern und Städten wird mit NPCs, geredet und in Dungeons gilt es freilich rundenbasierte Zufallskämpfe zu bestreiten und knifflige Bossgegner zu bezwingen. Durch erledige Gegner erwirbt man Erfahrungspunkte zum aufleveln, sowie Gold zum Erwerb neuer Ausrüstung bei Händlern. Nebenbei werden natürlich diverse Haupt- und Nebenquests gelöst, um entweder die Handlung voranzutreiben oder nette Belohnungen zu kassieren. Wer einmal ein Retro-JRPG gespielt hat, weiß was ihn hier erwartet. Und gerade bei einem Nostalgietrip wie 8-Bit Adventures sollte das auch wirklich nicht verwundern. Ehrensache, dass die Steuerung via Tastatur oder Controller gewohnt unkompliziert arbeitet. Bis zu einem gewissen Grad, kann man sogar mit der Maus steuern. Allerdings ist die direkte Fortbewegung der Spielfigur mit dieser nicht möglich.

Im Gegensatz zu den großen Vorbildern aus den 80ern, gestaltet sich der Schwierigkeitsgrad in 8-Bit Adventures wesentlich freundlicher. Die Dungeons sind nie zu lang oder zu kurz, die Zufallskampfrate fällt sehr vernünftig aus, neue Skills werden sehr schnell freigeschaltet, man darf überall speichern und der allgemeine Schwierigkeitsgrad der Kämpfe ist ziemlich gut ausbalanciert. In den frühen Spielphasen muss man vielleicht ein paar Level grinden, um den nächsten Boss schlagen zu können, aber das ist in diesem Spiel bloß eine Sache von ein paar Minuten. Abgesehen von der Anfangsphase, kann man das ca. 10-stündige Abenteuer also ohne lästige Trainings-Sitzungen spielen. Ein großer Unterschied zu den alten NES-Klassikern, welche oftmals harte Grinding-Arbeit erforderten.

Abseits davon gibt es aber im Grunde genommen nur eine Sache, die 8-Bit Adventures von einem generischen JPRG unterscheidet. Nämlich ein interessantes Schere, Stein, Papier-System, welches im Kampf zum tragen kommt. Abgesehen von Schwarz, Weiß und Grautönen weist jedes Lebewesen in der Spielwelt eine dominierende Farbe auf. Diese ist entweder Blau, Grün oder Rot. Und je nachdem welcher Farbe man angehört, verfügt man eine gewisse Dominanz oder eben Schwäche gegenüber den anderen beiden Farben. Blau dominiert, Rot, Rot schlägt Grün und Grün ist wiederum Blau überlegen. Dieses System sollte man freilich im Hinterkopf behalten, um die Gegner effektiv bekämpfen zu können. Glücklicherweise sind unsere drei Helden flexibel. Jeder verfügt mit der Zeit über genügend Skills, um alle Farbklassen abzudecken. Damit verfügt man als Spieler über einen angenehmen Vorteil gegenüber den Gegnern.

Tja, und damit wäre auch schon alles erklärt. Zwei kleine Kritikpunkte möchte ich aber noch nennen. Leider hat sich der Entwickler bewusst dazu entschlossen, auf eine Renn-Funktion zu verzichten, damit die Zufallskampfrate nicht zu sehr in die Höhe gedrückt wird. Wesentlich nerviger als das ist jedoch die Begrenzung auf läppische vier Saveslots. Auch wenn 10 Stunden Spielzeit jetzt nicht übermäßig lange für ein JRPG sind, so ist das Spiel dennoch umfangreich genug, dass ausreichend Speicherplätze zur Verfügung gestellt werden sollten. Aber wie gesagt, dass sind jetzt nur kleinere Kritikpunkte, die nicht zu stark ins Gewicht fallen.

 

Grafik und Sound

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8-Bit Adventures basiert zwar auf dem RPG-Maker XP, sieht aber aus wie ein altes NES-JRPG aus den 80ern. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man nie auf die Idee kommen, dass es sich hierbei um ein RPG-Maker-Spiel handelt. Das einzige was den RPG-Maker entlarvt, ist der Ausrüstungsslot „Accessory“, der im Spiel jedoch nicht benötigt wird. Eine ärgerliche Schlamperei, die nicht hätte sein müssen. Ansonsten wirken die Sprites im 8-Bit-Stil leider nicht immer 100 %ig homogen zueinander. Da merkt man dem Titel seine Indie-Herkunft schon an. Man gewöhnt sich aber daran.

Highlights sind hingegen die sehr seltenen aber atmosphärischen 2D-Passagen, welche eine schöne Abwechslung zur typischen Top-Down-Perspektive darstellen. Am prägnantesten sind jedoch die bewusst spartanisch gehaltenen Sprites im Kampf. Die Pixel der Kampfteilnehmer werden in völlig ungewohnter Übergröße dargestellt. Darüber hinaus sind einige Monstersprites sehr clever gestaltet. Manche von denen bilden einen geschickten Übergang zum schwarzen Hintergrund. Ach, man muss es schon selbst gesehen haben, um es nachvollziehen zu können. Das Spiel gewinnt alleine durch diese kreativen Sprite-Grafiken sehr viel Charme.

Genauso charmant ist der tolle Soundtrack, welcher gekonnt den Retro-Flair der NES-Vorbilder einfängt. Aber Vorsicht! Die Titelmelodie ist ein ganz besonders schlimmer Ohrwurm, der euch eine ganze Weile heimsuchen wird!

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Spiel Bewertung
Singleplayer
80
80
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

8-Bit Adventures hat mich echt positiv überrascht! Der Handlung gelingt das Kunststück sowohl ein spannendes Abenteuer zu erzählen, als auch nostalgische Anspielungen zu zücken, ohne diese plump in den Vordergrund drängen zu lassen. Das Spiel an sich bietet grundsolide Genrekost mit einem gut integrierten Schere, Stein, Papier-Spielelement sowie zeitgemäßen Komfort und gelungener Schwierigkeitsgrad-Balance. Des Weiteren gelingt es dem Titel wirklich gut das audiovisuelle Feeling eines alten NES-JRPGs aufleben zu lassen. Perfekt ist 8-Bit Adventures aber leider nicht. Die Retro-Grafik hätte schon etwas homogener wirken dürfen und einige unnötige Komfortmängel wie die Beschränkung auf vier Speicherplätze sind einfach ärgerlich. Außerdem hätte der Spaß für aufgerundet 10 Euro ruhig etwas länger anhalten dürfen als sie 10-11 Stunden, die Steam als meine Spielzeit angibt. Nichtsdestotrotz ist 8-Bit Adventures Remastered Edition ohne weiteres eines der besten RPG-Maker-Spiele die derzeit auf Steam zu haben sind.

- Von  Volker

8-Bit Adventures: The Forgotten Journey Remastered Edition REVIEW

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