Obliteracers (XBox One) REVIEW

Aliens mit ordentlich Benzin im Blut laden ein zum intergalaktischen Rennspektakel. Doch jeder Fun-Racer muss sich zwangsläufig den Vergleich mit Mario Kart gefallen lassen. Die meisten können da nicht mithalten und bleiben, wenn überhaupt, als zweitklassiger Abklatsch vom Original im Gedächtnis. Obliteracers fährt auf eigenen Wegen und ist alles andere als eine Kopie. Ob das Konzept aufgeht?

 

Den Fuß auf dem Gas, der Finger am Abzug

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Was als erstes ins Auge sticht, wenn der Startschuss zur ersten Runde gefallen ist: Niemand muss bei diesen Rennen als Erster ins Ziel kommen. Genau genommen muss bei Obliteracers niemand ins Ziel kommen. Es gibt auch gar kein Ziel. Es dreht sich alles nur um Punkte. Und um diese zu ergattern, müsst Ihr Euch die Finger schmutzig machen. Bewaffnet mit Raketen, Flammenwerfer, Minen und allerlei anderer fieser Pickups stürzen sich die 16 verschiedenen Fahrer in waghalsige Rennschlachten. Nur die zähesten stehen diese Gefechte durch.

Anders als bei herkömmlichen Racern behält die Kamera immer das ganze Feld im Blick. Es gibt keinen geteilten Bildschirm, sondern alle Spieler teilen sich ein Bild. Da sechzehn Fahrer zur selben Zeit im Rennen sein können, ist das schon manchmal ein echtes Gewusel. Es ist schwer, den eigenen Boliden im Blick zu behalten. Wer zu weit zurückfällt, ist raus. Dasselbe gilt für diejenigen, die sich zu oft von Raketen und co. eine Breitseite verpassen lassen und in Flammen aufgehen. Selbstredend sind auch die „Experten“ weg vom Fenster, die von der Strecke abkommen.

Wer nun aber die Punkte für das Ausscheiden der Konkurrenz kassiert, hängt in erster Linie vom derzeitigen Modus ab. In einem „Knock-Out“ bekommt Ihr für jeden Rivalen einen Punkt, den ihr von der Strecke pustet. Segnet ihr selbst das Zeitliche, erscheint Euer Fahrer schon wenige Sekunden später wieder mitten im Feld und die Schlacht kann weitergehen. Aber Vorsicht! Auch alle anderen Teilnehmer kehren so lange wieder ins Rennen zurück, bis jemand die nötige Mindestpunktzahl zum Sieg knackt.

Bei „Anführer“ kann es nur einen geben! Nur derjenige, der sich an die Spitze des Feldes setzen kann, kassiert Punkte für pulverisierte Gegner. Und zwar jeden einzelnen Punkt! Völlig unabhängig davon, wer denn die Konkurrenz über den Jordan geschickt hat. Der einzige Modus, in dem tatsächlich das fahrerische Können im Vordergrund steht. Hier erfolgt immer dann ein neuer Start, wenn bis auf einen alle Fahrer ausgeschieden sind.

Alles oder Nichts“ ist genau das, was man von diesen Worten erwartet. Um den einen Punkt zu ergattern, müsst Ihr der Letzte sein, der noch steht. Es gilt, dem gesamten Fahrerfeld den Garaus zu machen.

 

Modifizierter Spielspaß

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Damit der Spaß nicht schon nach wenigen Runden vorbei ist, hat das Team von Varkian Empire jede Menge Modifikatoren integriert. Etwa lässt sich die Stärke der Waffen verdoppeln, der Einsatz des Schutzschildes lässt sich limitieren und schon ein leichter Zusammenstoß mit einem anderen Fahrer kann zu einer verheerenden Explosion umgewandelt werden. Wem das noch nicht heiß genug ist, der kann den Boden der Rennstreck noch zu Lava umwandeln, was jedem der putzigen Aliens früher oder später den Rennwagen unter dem Hintern wegbrennt. Natürlich ist auch die Spielgeschwindigkeit variabel und das ist längst nicht alles. Die Möglichkeiten der kreativen Renngestaltung sind schier unendlich.

Bei der Auswahl der Strecken selbst halten sich die Möglichkeiten dann allerdings in Grenzen. Streng genommen gibt es lediglich vier unterschiedliche Kurse. Allerdings werden von jeder Strecke mehrere Versionen geboten. Dieses Konzept wurde sehr kreativ umgesetzt. Bei der Strecke „Transporter“ handelt es sich etwa um einen Flugzeugträger, der sich einmal durch einen Sturm auf hoher See kämpft und es im anderen Setting mit dem Eis der Antarktis aufnimmt. „Clawtopia“ hingegen ist ein Inselparadies, das Ihr mal bei tropischer Hitze erlebt, bei Mondlicht oder in einem Monsunsturm.

 

Punkteschlacht hoch acht!

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Obliteracers bietet eine Singleplayer-Karriere von mittlerem Schwierigkeitsgrad, bestehend aus diversen, modifizierten Rennen. Das Herzstück des Games ist aber ganz sicher der Multiplayer-Part. Hier entfaltet das Gameplay sein volles Potenzial. Bis zu acht Controller könne zeitgleich mit der Xbox One verbunden sein. Davon macht Obliteracers auch Gebrauch. Wer nicht acht menschliche Spieler zusammenbekommt, kann die restlichen Fahrer durch Bots ersetzen.

Dasselbe gilt für den Online-Modus. Hostet ein Spiel, bei dem Ihr alle Modifikatoren selbst gewählt habt, oder tretet einem öffentlichen Spiel bei. Schon könnt Ihr Euch die Minen und Stromschläge um die Ohren hauen. Und das nicht nur auf der XBox One (Review zur PlayStation 4  Version).

 

Was hat der so unter der Haube?

Rein optisch macht der Fun-Racer erstmal einen sehr guten Eindruck. Gerade die Wettereffekte sind gut gelungen. Auch die Modelle der Fahrer haben ihren Charme. Leider bricht manchmal die Framerate etwas ein, was den Spielfluss aber nicht behindert. Stimmungsvoll ist auch der Soundtrack aus der Feder von The Otherworld Agency.

Jetzt kommen wir allerdings zum ganz großen Knackpunkt: Obliteracers basiert auf der Unreal Engine und die scheint sich in diesem Fall mit der Fahrphysik zu beißen. Völlig egal, auf welchem Untergrund Ihr in welcher Geschwindigkeit unterwegs seid, das Fahrgefühl ist einfach immer schwammig. Mit zunehmender Spielgeschwindigkeit und bei eventuellem Auftreten von vereisten oder nassen Untergründen wird das selbstverständlich nur noch schlimmer. Dabei reagiert die Lenkung alles andere als langsam. Ich sage Euch, spart Euch alle Drifts! Früher oder später kommt Ihr dahinter, dass man jede Kurve am besten nimmt, indem man einfach so scharf es geht das Lenkrad rumreißt, auch wenn einem die Vernunft sagen will, es sei unmöglich.

Die Steuerung ist klassisch gehalten. Mit dem rechten Trigger gebt Ihr Gas, der linke ist für den Rückwärtsgang. Nutzlos, aber mit der A-Taste kann man driften. Die X-Taste feuert das aktuelle Item ab und mit der Y-Taste nutzt Ihr den Schild. Selbstredend dient der linke Stick, um zu steuern.

Trotz, oder gerade wegen der eigenwilligen Physik, spielt sich Obliteracers letzten Endes nach einiger Übung recht gut. Zum Glück unterscheiden sich die 16 Fahrer nicht in ihrem Fahrverhalten. So reicht es, sich einmal daran zu gewöhnen. Man muss eben bedenken, es handelt sich nicht um ein Rennspiel. Der Kampf um Punkte steht im Vordergrund.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
65
68
70
Multiplayer

FAZIT

Die Antwort lautet also: Ja, das Konzept geht auf. Mit 16 Fahrern, 13 Strecken, diversen Waffen und einer unendlichen Kombinationsvielfalt der Modifikatoren wird Obliteracers Euch viele Stunden Mehrspielerspaß schenken. Wer mit der gewöhnungsbedürftigen Fahrphysik leben kann und akzeptiert, dass oft nicht das fahrerische Können sondern häufig schlicht das Glück über die Verteilung des einen oder anderen Punktes entscheidet, wird mit diesem Fun-Racer seine wahre Freude haben. Erwartet keinen Mario Kart-Klon, denn das ist Obliteracer nicht, und will es auch gar nicht sein. Für die paar Euro erhaltet Ihr einen ambitionierten Indie-Titel, der sein Geld wert ist.

- Von  Johannes

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Obliteracers (XBox One) REVIEW

USK 6 PEGI 7

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