Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice REVIEW
Bei Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice handelt es sich um den zweiten Teil einer JRPG-Serie des US-Indie-Entwicklers Muteki.
Ursprünglich wurde das Spiel am 10. September 2013 unter dem Namen „Dragon Fantasy: Book II“ für die PlayStation 3 und PS Vita veröffentlicht. Ca. 2 Jahre später gab es dann die ersten Ports für iPhone und iPad. Diese und alle weiteren Ports erschienen dann unter dem Namen Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice da es sich um eine verbesserte und erweiterte Variante von „Book II“ handeln soll. Jedenfalls erschien das Spiel am 26. Mai 2016 auch auf Steam. Diese Version liegt auch diesem Test zugrunde. Den ersten Dragon Fantasy-Teil „The Volumes of Westeria“ mochte ich recht gerne. Immerhin konnte er bei mir 70 % verdienen. Ob es dem zweiten Teil gelingt auf dem grundsoliden Fundament des Vorgängers aufzubauen oder nicht, erfahrt ihr im folgendem Test.
Zwischen Klamauk und Cliffhangern ist die eigentliche Handlung nur schwer auszumachen

Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice ist eine reine Fortsetzungsstory und fängt ziemlich genau da an, wo der erste Teil aufhörte. Der Voidstone, welcher als Gefängnis für einen mächtigen Dämonenlord dient, wurde aus Westeria gestohlen. Also begeben sich Westerias Ritterkommandant Ogden Thomas, Prinz Anders und der magisch begabte Einsiedler Woodsman auf die Reise, um den Voidstone zurückzuerobern, ehe der fiese Dämon erneut entfesselt werden kann. Die Spur führt nach Tundaria, einem Königreich auf dem südlichen Kontinent. Dummerweise wird Tundaria dieser Tage von der tyrannischen Black Queen of Ice regiert, welche direkte Schiffspassagen zum Königreich unterbindet. Von daher sehen sich unsere Helden gezwungen mit einer Piratencrew zusammenzuarbeiten, welche das Trio irgendwie nach Tundaria schmuggeln soll. Unbemerkt gelingt es der Diebin Ramona Southwind als blinde Passagierin an Bord zu schleichen. Letztere ist aus ihrem tyrannischen Heimatland Sandheim geflohen, um auf dem südlichen Kontinent nach ihrer Mutter zu suchen. Natürlich stößt Ramona letztendlich zu Ogdens Team hinzu, doch es dauert nicht lange, ehe die Party durch widrige Umstände in drei Teile aufgesplittet wird. Ob die Vier ihre Ziele erreichen werden oder nicht, müsst ihr schon selbst herausfinden.
Wie schon der erste Teil, nimmt sich auch die Handlung der Fortsetzung nicht wirklich ernst. Die Story ist durchtränkt von Klamauk und zahlreichen Anspielungen auf Klischees und Inspirationsquellen. Im Gegensatz zum ersten Teil gerät mir hier jedoch die Handlung zu sehr aus dem Fokus. Den Großteil des Spiels hat man das Gefühl, dass die Helden planlos über die südlichen Kontinente und Inseln trippeln, sowie von einer Deus ex machina in die andere stolpern. Spannung oder Freude an der Handlung wird so jedenfalls nicht erzeugt, zumal auch die Charaktere nicht unbedingt als ausgefeilt oder interessant porträtiert werden.
Obendrein schließt auch dieser Teil wieder mit einem Cliffhanger ab, welcher dieses mal sogar weitaus größer ausfällt als beim letzten mal. Dummerweise hat es nie für einen dritten Teil gereicht, welcher hier und da im Spiel angeteasert wird. Somit bleibt man mit einer unvollständigen Story zurück. Aber da hier der Klamauk-Faktor derart stark ausgeprägt ist, würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich unbedingt wissen müsse wie es weitergeht.
Standard JRPG-Gameplay mit seichtem Pokémon-Einschlag und schlechtem Mikromanagement

Als Hommage an alte JRPG-Klassiker verwendet auch Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice die altbekannten Bausteine. Die Spielwelt setzt sich aus einer Weltkarte, Siedlungen und Dungeons zusammen. Man betrachtet das Geschehen aus der Vogelperspektive und muss sich innerhalb der Dungeons mit Rundenkämpfen auseinandersetzen, um Erfahrungspunkte für Level-Ups und Geld für bessere Ausrüstung einzuheimsen. Level-Ups bringen dabei nicht nur Statusboosts, sondern manchmal auch neue Zauber- oder Kampffähigkeiten ein. Die Verbesserung der Charaktere ist auch bitter nötig, um an den immer stärker werdenden (Boss)Gegnern vorbeizukommen. Im allgemeinen ist der Schwierigkeitsgrad aber eher niedrig angesetzt. Selbst wenn man den entsprechenden Regler im Optionsmenü auf den höchsten der drei enthaltenen Grade schiebt, sollte man nach etwas Grinding in der Anfangsphase keine Schwierigkeiten mehr haben.
Zufallskämpfe wurden nun komplett abgeschafft. Auf der Weltkarte gibt es gar keine Kämpfe mehr, und Gegner innerhalb der Dungeon-Areale sind stets sichtbar, weswegen man versuchen kann an ihnen vorbeizumanövrieren. Vorsicht ist jedoch geboten, da es auch passieren kann, dass sich mehrere Gegnergruppen zusammenschließen und man dann einen größeren Pulk bekämpfen muss. Die Option Zufallskämpfe für Dungeons zu aktivieren, wie im Vorgänger, gibt es nicht mehr.
Abgesehen von Monstern gibt es in Dungeons auch Schatztruhen zum plündern. Auch in den Siedlungen kann man einige Schätze abgreifen, indem man in Krüge und sonstiges Haushaltsmobiliar späht. Primär dienen die Städte jedoch zum quatschen mit NPCs zwecks Informationsbeschaffung und Handlungsfortschritt, sowie zum Speichern in Kirchen und Shopping für bessere Rüstungsteile und Heilgegenstände. Im Gegensatz zum Vorgänger versucht man bei Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice mehr Substanz beizufügen. Teil 1 war noch sehr geradlinig und verzichtete auf Dinge wie Minigames, Crafting-Systeme und Sidequests. Die Fortsetzung hingegen fügt diese Dinge nun bei.
So gibt es nun eine rudimentäre Kampfarena und zwei Schiffskämpfe. Bei Letzteren muss man unter Zeitdruck Kanonenkugeln beschaffen. Bei manchen Fundsachen und Itemdrops handelt es sich um Materialien, welche man an einer Werkbank in Itemshops in Heilgegenstände und Ausrüstung zusammensetzen darf – sofern man die entsprechenden Baupläne erworben hat.
Viele NPCs der Spielwelt bietet nun kleinere Nebenaufträge an, welche man in drei Kategorien einteilen kann: Suche Gegenstand A in Gebiet B, töte Gegner XYZ oder fange Gegner XYZ. Netterweise gibt es in den größeren Städten Diebesgilden, welche abgeschlossene Nebenaufträge einlösen. Hierdurch kann man lästige Rückwege zu den Auftrags-NPCs vermeiden.
Und ja, wie schon im Vorgänger, gibt es auch hier wieder die „Monster fangen“-Mechanik. Mithilfe von Fangnetzen kann man die Monster der Spielwelt einfangen und somit in die eigene Gruppe integrieren. Anders als im ersten Teil kassieren die gefangenen Monster Erfahrungspunkte für Level-Ups und können sogar mit speziellen Rüstungsteilen ausgerüstet werden.
Dieses System wirkt jedoch etwas unnötig, da die Monster nicht die Kampfkraft der Menschen-Protagonisten erreichen. Sie dienen also höchstens als Lückenfüller, um eine vierköpfige Gruppe im Mittelteil des Spiels voll zu bekommen. Erst gegen Ende des Spiels bekommt man die volle Kontrolle über die Gruppenkonstellation. Bis dahin darf man die insgesamt sechs Protagonisten nicht aus dem aktiven Team werfen.
Wie schon der erste Teil, ist „The Black Tome of Ice“ ein eher kurzes Vergnügen. Ich selbst habe für meinen Spieldurchlauf ca. 13 Stunden benötigt. Das Spiel bietet 15 Speicherslots sowie Listen für Sidequests und Monster. Die Dungeons sind zumeist geradlinig und bieten nur selten Abwechslung in Form von simplen Schalterrätseln und Mimik-Truhen.
Ein negativer Punkt ist das schlechte Mikromanagement. Die Listen für Items, Zauber und Kampftechniken erfordern lästiges scrolling. Zumal stärkere Zauber/Techs, die erst später freigeschaltet werden, immer ganz unten gelistet werden. Sortierfunktionen gibt es nicht. Bei den Items erhält man zumindest verschiedene Kategorien, aber auch das ist nur eine kleine Hilfe. Das Mikromanagement ist leider sehr unbequem.
Grafik und Sound

Im Gegensatz zum ersten Teil gibt es in Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice keine Auswahl zwischen 8- und 16-bit Grafik- und Soundmodus. Man orientiert sich hier vollends auf die 16-bit-Generation. Vor allem Squaresofts Meisterwerke standen Pate für den grafischen Stil, wobei man jedoch zu keiner Sekunde an die Brillianz der großen Vorbilder anschließen kann. Vor allem einige der Charaktermodelle und deren eingeschränkte Animationspalette zeigen sehr schnell auf, dass Amateure am Werk waren. Zugegebenermaßen sieht das Spiel auf Screenshots ganz hübsch aus. Auf den ersten Blick wirkt der Retro-Pixellook gut eingefangen und einige Sprites der Bossgegner sind groß und imposant gestaltet.
Im eigentlichen Spiel sieht die Sache aber etwas anders aus. Am schlimmsten ist das ständige Tearing, welches angesichts der Retro-Optik völlig absurd erscheint. Dann gibt es noch kleinere Grafik-Glitches wie Sprite-Overlaps, oder Gegner die im Kampf außerhalb des sichtbaren Screens positioniert sind.
Wirklich schlimm wird es aber, wenn man handfesten Bugs begegnet, welche das Spiel zum Absturz bringen. Bestimmte Scripts sind einfach kaputt. Wenn man versucht das falsche Monster am falschen Ort einzufangen oder zu beseitigen, kommt es zum Crash. Andere Spieler sind sogar auf einen Gamebreaker-Bug gestoßen. Vor diesem blieb ich glücklicherweise verschont. Sicherheitshalber sollte man jedoch mehrere Saveslots nutzen. Leider sind die Entwickler seit der Veröffentlichung auf Steam inaktiv und haben niemals auf die Bugreports der Nutzer reagiert. All dem sollte man sich bewusst sein, wenn man in dieses Spiel einsteigen möchte.
Der Soundtrack schneidet da schon bedeutend besser ab. Die Tracks sind offensichtliche Hommagen an Stücke aus den großen Klassikern. Das ist zwar wenig kreativ, aber zumindest hat Komponist Dale North kompetente Arbeit geleistet, was man von den Programmierern des Spiels nun nicht behaupten kann.
Die Soundeffekte von Dragon Fantasy: The Black Tome of Ice sind in Ordnung, lassen es jedoch an Quantität vermissen. Ich vermisse z.B. Sounds für Textbox-Dialoge und spezielle Kampffähigkeiten. Das Spiel steht übrigens nur in englischer Sprache zur Verfügung.
Pro & Kontra
- klassischer, unkomplizierter Retro-JRPG-Spaß
- Teil 2 bietet einige neue Features wie Sidequests und Crafting
- gibt ein paar nette, große Boss-Sprites
- zahlreiche Bugs und Glitches hinterlassen einen sehr bitteren Nachgeschmack
- Spieldauer von ca. 13 Stunden ist etwas dünn für das Genre
- schwache Story mit zu viel Klamauk und Cliffhanger
- arg niedriger Schwierigkeitsgrad
- unbequemes Mikromanagement
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