Saints Row 4 Re-elected & Gat Out Of Hell REVIEW
Die Saints Row-Serie hat sich seit dem Erstling bis hin zum vierten Ableger von einem GTA-Klon zu etwas ganz Eigenem entwickelt. Mit wenigen Worten lässt sich kaum erklären, was genau die Entwickler sich über die Jahre geschaffen haben und ob es letztendlich als Spiel zu begeistern weiß. Daher hier die ausführliche Version unseres Reviews.
Aus dem Weißen Haus auf die Straße
Auf dem Datenträger finden sich zwei eigenständige Games. Da es sich bei Saints Row Reelected um das ursprüngliche Saints Row 4 mit allen DLCs handelt, kann man das zweite Spiel auf der CD, Saints Row: Gat Out Of Hell, getrost als eigenständige Erweiterung bezeichnen.
Saints Row ist ein Open World Action-Game und erinnert auf den ersten flüchtigen Blick wie ein Ableger der GTA-Serie. Saints Row hat aber über die Jahre eine deutliche Metamorphose von der kleinen GTA-Klon-Raupe zum eigenständigen Schmetterling des Wahnsinns vollzogen. Einfach alles ist ungewöhnlich. Da hätten wir die Story. In Reelected wird Euer frei editierbarer Alter-Ego zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, nachdem Ihr im Alleingang den Unterschlupf einer Terrorzelle gestürmt und somit einen atomaren Terroranschlag verhindert habt. Doch schon kurz nachdem Ihr das Weiße Haus zur weltweiten Nummer Eins-Location für obszöner Partys gewandelt habt, greifen skrupellos plündernde Aliens, die Zin und ihr psychopatischer Anführer Zinyak die Erde an. Trotz massiver Gegenwehr unter Gebrauch eines beeindruckenden Waffenarsenals nimmt Zinyak Euch, den Präsidenten von Amerika, in Gefangenschaft. Um Euren Willen zu brechen, sperrt Euch der Alien-Gauner in die „Simulation 31“, eine verdrehte virtuelle Kopie Eurer Heimatstatt Steel Port. Als Rache für die Zerstörung der Erde plant Ihr und Euer Team, Zinyaks Simulation von innen heraus zu zerstören, indem Ihr möglichst viel Chaos stiftet, mit dem finalen Ziel, Zinyak zu vernichten.
Die Stand-Allone-Erweiterung Gat Out Of Hell spielt ebenfalls in Steel-Port, jedoch getaucht in ein Höllen-Setting. Die Hauptrolle spielt hier Jonny Gat, bekannt aus den Vorgängertiteln der Saints Row-Serie. Beeindruckt von Jonnys Taten in Saints Row Eins bis Drei, die ihm den Titel des gefährlichsten Mannes auf Gottes grüner Erde sicherten, beeindruckten Satan persönlich so sehr, dass er den Mann kurzer zu sich in die Kelleretage, seinen Hades, holte. Der Plan: Jonny Gat soll die Tochter des Teufels heiraten. Wenig begeistert von der geplanten Zwangsverheiratung, fasst Jonny den Plan, den Teufel zu töten und die Hölle zu verlassen.
Da kann Marvel einpacken!

Wenn man sich den Plot vor Augen führt, fällt es schwer zu glauben, dass ein Paar Gangster im Stil von GTA ausreichen, um Aliens und Höllenbrut Einhalt zu gebieten. Doch zu Glück sind die Protagonisten von Saints Row 4 mit mehr ausgestattet, als nur mit einem Riesigen Waffenarsenal. Die Rede ist von Superkräften. So kann Mr. President mit einem Satz auf mehrstöckige Gebäude springen, schneller sprinten als ein Auto, Energiestrahlen aus den Händen feuern und diverse telekinetische Kräfte einsetzen. Der Mix aus Gangster-Geballer und epischen Superheldenkräften ist gewöhnungsbedürftig, bildet aber im Zusammenspiel mit dem völlig abgedrehten Humor der Games ein stimmiges Gesamtbild. In der Konsequenz aus diesen Möglichkeiten bedeutet eine jede der Auseinandersetzungen mit der Schar der Zin oder den Höllen-Heeren ein wahres Explosionsgewitter.Freunde von Action kommen auf ihre Kosten.
Wie in Open World-Games üblich, kann man sich auch in Saints Row 4 abseits der Hauptstory ausgiebig mit Side-Quests bespielen. Doch auch die Sidequests sind alles andere als typisch. Ein Beispiel sind die „Türme“. Diese gigantischen Alien-Bauwerke sind über den gesamten Stadtplan des Steelport aus Reelected verteilt. Es gilt, die Spitze zu erreichen, wobei die diversen Superkräfte unerlässlich sind. Das ganze spielt sich beinahe wie ein Jump & Run. Ein weiteres Beispiel für die Sidequests sind die Kampfarenen. Zunächst müssen Massenhaft Angreifer der Kategorie Normalo ausgeschaltet werden, bevor ihr Euch in einer epischen Schlacht einem ebenfalls mit Superkräften ausgestatteten Herausvorderer stellen müsst. Gewaltfrei, dafür aber umso akrobatischer geht es bei den „Chaos-Rennen“ zur Sache. Unter Einsatz der Superkräfte legt ihr Sprints quer durch Steel Port und über dessen Dächer hin. Mit Zeitlimit versteht sich. Die Sidequests sind abwechslungsreich. Wer sich jedoch zum Ziel nimmt, alle Quests zu erledigen, dem kommt es schnell so vor, er würde immer wieder dasselbe tun.
Was das Missionsdesign von Reelected angeht, wird in jedem Fall mehr Abwechslung geboten, als bei den Nebenmissionen. Von Motoradrennen im futuristischen Cyperspace-Design über klassische Gangster-Schießereien bis hin zur Stürmung des Alienschiffes mithilfe eines Roboter-Kampanzuges ist alles mit dabei. Hier hat man sich an wirklich vielen Genres versucht. Und es muss bemerkt werden, dass die unterschiedlichen Konzepte meist recht gut aufgehen, wenn man bedenkt, dass die Engine des Spiels für eine Open World-Game gedacht ist. Eine reife Leistung! Die Qualität ist zu Beginn des Spiels deutlich besser und nimmt am Ende der ca. 15-20-stündigen Kampagne doch noch wieder Fahrt auf.
Gat Out Of Hell bekleckert sich in Sachen Abwechslung nicht gerade mit Ruhm. Die Kampagne besteht aus einer Aneinanderreihung von Sidequests und ist in unter fünf Stunden zu schaffen. Schnell hat man alles gesehen.
Kein Spiel mit offener Welt ohne Sammelgegenstände. Im Fall von Saints Row 4 muss man dutzende und aberdutzende „Datensammlungen“ aufpicken. Diese verdammt verführerisch blau schimmernden Leuchterscheinungen dienen zum aufwerten Eurer Super-Fähigkeiten. Man nimmt zwangsläufig dauernd Umwege in den Missionen in Kauf, um noch schnell die eine oder andere Datensammlung einzusacken.
Auch abseits der Story präsentieren sich beide Saints Row 4-Titel famos durch ihren eigenen Humor. Vorausgesetzt, man kann was damit anfangen. Denn es steht mal fest, dass mit Gewaltverherrlichung und Sexismus nicht gegeizt wird. So wird auch das in der Saints Row-Serie dargestellte Frauenbild oft diskutiert. Wer auf derben Humor und Witze weit unterhalb der Gürtellinie steht, der kommt in jedem Fall auf seine Kosten. Ach ja, volljährig sollte man natürlich auch sein…Was haben die Technik von Saints Row 4 und Satans Hades gemein?
Technik

…Beide liegen unterirdisch. Okay, ganz so schlimm ist es wirklich nicht! Aber man merkt dem Titel deutlich an, dass er für die Konsolen der letzten Generation, Playstation 3 und Xbox 360, geschrieben wurde. In klaren Worten: Die Grafik ist angestaubt. Es wirkt ein wenig, als hätte Zinyak bei der Erschaffung seiner virtuellen Realität auf Masse statt Klasse gesetzt. Denn trotz der aus heutiger Sicht etwas antiquierten Optik muss doch bemerkt werden, dass das Spiel zu jeder Zeit flüssig läuft, da können noch so viele bildschirmfüllende Explosionen zugleich vonstattengehen.
Der Sound kann überzeugen. In jedem Fall ist die Playlist abwechslungsreich wie des Teufels Folterkammer. Jederzeit könnt Ihr im Radio den Musikstil wählen, nach dem Euch grad die Laune steht. Die Titel wiederholen sich nicht häufig. Die Qualität der Soundeffekte wie Explosionen und Gewehrfeuer ist nicht herausragend aber in jedem Fall ausreichend, um die Anlage auch mal lauter zu drehen. Die Synchronsprecher, die ihre Arbeit an sich gut gemacht haben, führen uns zu einer Schwäche von Saints Row 4. Der Titel wurde nur notdürftig lokalisiert. Die Sprecher quasseln als munter und wirklich außergewöhnlich schnell Englisch. Die deutschen Untertitel sind genauso schnell wieder verschwunden, wie der Schall der Worte im Raum verfliegt. Wer wirklich jeden Joke mitbekommen will muss schon entweder absolut fließend Englisch sprechen oder beeindruckend schnell lesen. Ein technisches Bonbon hat abgedrehte Straßenschlacht aber doch im Petto. Der Koop-Modus via XBOX-Live lädt zum gemeinsamen Cruisen durch Steelport ein und bietet jede Menge Freiheit und Action für Multiplayer. Schade, dass der Modus nicht lokal umgesetzt wurde.
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