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Miss Hokusai REZENSION


Vor allem aufgrund seiner aufwendigen Farbholzschnitte gilt Katsushika Hokusai als einer der wichtigsten Künstler Japans. Der bis heute von seinen Landsleuten verehrte Japaner inspirierte auch europäische Künstler wie Monet, van Gogh und andere nachträglich. Während das Leben und Schaffen von Hokusai selbst schon häufig Gegenstand verschiedenster Abhandlungen war, so ist über seine Tochter O-Ei nur wenig bekannt. Dabei war sie nicht nur die Assistentin ihres Vaters, sondern schuf viele seiner berühmten Werke mit ihm gemeinsam. Der Film Miss Hokusai will O-Ei nun die verdiente Anerkennung zuteilwerden lassen.

Im ewigen Schatten des Vaters

Miss Hokusai erzählt eine anrührende Geschichte im alten Edo (dem heutigen Tokyo).

Bevor er als Hokusai landes- und weltweiten Ruhm erfahren soll, verdingt sich Tetsuzo als Auftragskünstler seinen Lebensunterhalt. Doch obwohl bereits Auftraggeber aus dem ganzen Land zu dem in Edo (dem heutigen Tokyo) lebenden Künstler kommen um ihn zu beauftragen, so hat Hokusai neben seiner Kunst oftmals nur Frauen und feuchtfröhliche Abende im Kopf. Dies führt dazu, das er ein aufs andere Mal seine Arbeiten nicht zur gesetzten Frist fertigstellen kann. Dies ist auch einer der vielen Gründe, warum er immer wieder mit seiner Tochter und Assistentin O-Ei aneinandergerät. Nicht selten muss diese ausbaden, was ihr Vater den beiden eingebrockt hat und Werke in dessen Namen vollenden oder gar ganz malen. Es ist aber vor allem Hokusai´s Ablehnung gegenüber seiner jüngsten und erblindeten Tochter O-Nao, die O-Ei immer wieder zur Weißglut treibt.

In erster Linie ist Miss Hokusai ein Film über ein schwieriges Vater/Tochter Verhältnis, weniger ein Porträt im herkömmlichen Sinne. Vor allem die oftmals Episoden ähnliche Struktur der Erzählung mag vor allem dem Umstand geschuldet sein, dass über O-Ei vergleichsweise wenig bekannt ist und man sich daher auf wenige Fakten beschränken und diese weiter ausschmücken musste. Glücklicherweise hat das aber keine negativen Auswirkungen auf die erzählerischen Qualitäten, denn obwohl der Film manchmal etwas sprunghaft wirkt, so erzählt er seine Handlung dennoch spannend und mit roten Faden.

Eine Frau bricht mit den Rollenbildern

O-Ei ist eine selbstbewusste und gerne freche Frau. Das führt immer wieder zu Auseinandersetzungen mit ihrem Vater.

Dabei ist Miss Hokusai vor allem auch ein Film über starke Frauen. Das gesellschaftliche Korsett der Edo-Periode war natürlich nicht nur auf Frauen beschränkt, gab ihnen dennoch weniger Freiheiten als Männern. Auf O-Ei scheint dies aber nicht zuzutreffen. Sie wird als selbstbewusste und gerne mal freche Frau mit durchsetzungsfähigen Willen dargestellt, die ihren Vater zwar schätzt und sich dessen Genie bewusst ist, die aber auch weiß, wann sie den Mund aufmachen muss um Kontra zu geben und ihren Standpunkt klar zu machen. Ganz nebenbei gibt der Film Einblicke in eine uns eher fremde Welt, wobei dieser Aspekt gerade für die heutige japanische Gesellschaft interessant sein dürfte, in der Frauen nach wie vor noch in traditionelle Rollenbilder gezwängt werden.

Gleichzeitig enthält der Film viele anrührende und intime Momente, die uns näher an die Charaktere binden und an ihrem Schicksal teilhaben lassen. Vor allem O-Ei´s liebevoller Umgang mit ihrer jüngeren Schwester rührt und in einer Szene sogar so sehr, das bei vielen Zuschauern die Tränen aus den Augen kullern dürften. Miss Hokusai schafft dies auf ganz einfache Weise, jenseits vom großen Pathos und Kitsch vieler anderen Animewerke.

Selbst ein Kunstwerk

Audiovisuell ist Miss Hokusai eine Pracht.

Lässt man einmal alle inhaltlichen und narrativen Aspekte beiseite, so hat Regisseur Keiichi Hara aber auch einen vor allem visuell eindrucksvollen Film geschaffen. Gemeinsam mit seinem Team lässt der Regisseur die vergangenen Edo-Tage wieder aufleben und zeigt eine sich im Wandel befindende Stadt, die noch der Tradition verhaftet ist, sich aber allmählich daran macht in die Moderne aufzubrechen und mit Jahrhunderte alten Regeln und Ansichten zu brechen. Immer wieder verfällt der Film dabei in einen Rausch, wechselt verschiedene Zeichenstile und verlässt die Realität, um in fantasievolle und nahezu fantastische Sphären zu gleiten. Hierzu sei etwa ein Bootsausflug von O-Ei und O-Nao genannt, welcher alsbald in einer Hommage an Hokusais „Die große Welle vor Kanagawa“ endet.

Der visuelle Stil ist selbst dann atemberaubend, wenn die Zeichner ganz einfache, fast schon belanglose Szenen zeigen. Der Detailgrad ist enorm hoch und vor allem das angenehm geerdete Charakterdesign fällt positiv ins Auge, bedenkt man, das Anime sehr gerne dahingehen und unrealistische Proportionen für ihre Figuren schaffen.

Der deutsche Verleih KAZÉ hat sich hier aber auch ein akustisch herausragendes Werk gesichert. Die oftmals ruhige Musik hängt den tollen Bildern in nichts nach und verleiht ihnen oftmals fast schon unscheinbar, aber eben auch unverzichtbar die richtige Note. Die tollen Synchronfassungen (das gilt für das japanische Original, wie auch die gelungene deutsche Lokalisation) stehen dem im Nichts nach.

Verfügbar ist Miss Hokusai auf DVD und Blu-ray, wobei es von letzterer noch eine limitierte Sonderausgabe gibt. In dieser findet sich ein umfangreiches Booklet, Postkarten und ein fast zweistündiges Making of. Den Standart-Fassungen fehlen leider jegliche Boni auf Disc.

Fazit

Miss Hokusai fällt aus dem gängigen Rahmen vieler Biopics heraus und geht einen eigenen Weg. Dies macht der Film aber herausragend gut. Obwohl Regisseur Keiichi Hara die Geschichte in Episoden unterteilt, fühlt sich der Film wie ein solcher an und erzählt eine anrührende Geschichte um eine junge Frau, die dem Zeitgeist entgegen ihr Leben gestaltet. Nicht nur Geschichte, auch die Bilder und Musik haben mich sehr bewegt und nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die deutsche Heimkinoauswertung aus dem Hause KAZÉ lässt außerdem keine Wünsche offen und sorgt für ein visuell, wie akustisch stimmiges Gesamtbild.

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