Crisis Core -Final Fantasy VII- Reunion REVIEW

Das im Jahr 1997 veröffentlichte JRPG „Final Fantasy VII“ gehört zu den wichtigsten und erfolgreichsten Rollenspielen aller Zeiten. Die Popularität war derart stark, dass der Wunsch nach weiteren Spielen, welche auf der Welt von FFVII stattfinden, immer wieder geäußert wurde. Letztendlich lenkte Square Enix ein und präsentierte 2004 die ersten Ableger der sogenannten „Compilation of Final Fantasy VII.“ Darunter verbergen sich mehrere Produkte, welche auf Final Fantasy VII basieren und die Geschichte des JRPGs um Prequel- und Sequel-Stories erweitern. Bei den Produkten handelt es sich auch nicht zwangsläufig um Videospiele. So umfasst die Compilation auch animierte Filme und Bücher.

Doch weitere Videospiele wurden freilich ebenfalls nachgeschoben. Nachdem bereits das Japan-exklusive Mobile-Game „Before Crisis“ und der Third-Person-Shooter „Dirge of Cerberus“ das Licht der Welt erblickten, wurde ursprünglich am 13. September 2007 „Crisis Core: Final Fantasy VII“ für die PSP veröffentlicht.

Gut 15 Jahre sollte das Action-RPG, welches die Prequel-Ereignisse rund um Zack Fair schildert, ein PSP-Exklusivtitel bleiben. Doch am 13. Dezember 2022 präsentierte Square Enix ein Remake des Spiels für alle gängigen Systeme. Das Remake trägt den Titel Crisis Core -Final Fantasy VII- Reunion. Und die PS4-Version des Spiels ist Gegenstand dieses Reviews. Da ich die originale PSP-Version nie gespielt habe, werde ich hier keine Vergleiche aufzeigen. Ob das Game jedoch einen Liebhaber des ursprünglichen FFVII überzeugen kann, erfahrt ihr im folgendem Review.

Clouds unbeschwertes Gegenstück

Der junge, lebenslustige Schwertkämpfer Zack Fair verfolgt einen Traum: Er möchte ein großer Held werden und seine Fähigkeiten dazu nutzen den Menschen Frieden und Wohlstand zu bringen. Das Sprungbrett für diese hochtrabenden Ziele sieht er in der Shinra Electric Power Company (kurz: Shin-Ra). Shin-Ra hat entdeckt, dass man die flüssige Mako-Substanz im inneren des Planeten anzapfen und zur Energiegewinnung nutzen kann – diese gravierende Entdeckung sollte sich recht schnell als wahre Gelddruckmaschine herausstellen.
Mittlerweile ist der Konzern derart groß und mächtig, dass er bereits große Teile des Planeten Gaia mit Strom versorgt und sogar seine eigene Privatarmee unterhält. Unter vorgehaltener Hand wird Shin-Ra sogar die Weltherrschaft zugesprochen.

Die Kampfkraft des talentierten Zack blieb Shin-Ra nicht unbemerkt. Tatsächlich hat ihn der Konzern in seine SOLDAT-Einheit rekrutiert. SOLDAT besteht aus ausgewählten Kämpfern, welche via Operation mit Mako-Energie aufgewertet werden, um deren Kampfleistung ins übermenschliche zu verbessern. Die SOLDAT-Kämpfer werden in drei Ränge unterteilt. 3 ist der niedrigste Rang und 1 der Beste. Bislang soll es nur drei Individuen geben, welche den ersten Rang bekleiden: Sephiroth, Genesis und Angeal. Letzterer ist Zacks wohlmeinender Mentor, welcher in diesem das Potential für einen neuen Rang 1 sieht.

Aufgrund der überirdisch hohen Kampfkraft der hochrangigen SOLDATs, fragt sich manch einer, ob diese Kämpfer überhaupt noch als Menschen betrachtet werden können, oder ob sie nicht eher jenen blutrünstigen Monstern gleichen, welche sich ungeniert auf Gaia tummeln.
Derartige Überlegungen sind es, welche den Verstand von Genesis vergiftet haben. Genesis seilt sich von Shin-Ra ab und schließt sich mit dem rachsüchtigen Wissenschaftler Hollander zusammen. Letzterer nutzt Genesis‘ DNS, um Klone und Monster zu schöpfen, welche fortan als Stoßtruppen gegen Shin-Ra genutzt werden. Schlimmer noch gelingt es Genesis Angeal zu beschwatzen und auf seine Seite zu ziehen.

Das ist freilich ein derber Tiefschlag für Zack, doch dabei soll es nicht bleiben. Mit der Zeit muss Zack immer mehr erkennen, dass bei Shin-Ra nicht alles eitel Sonnenschein ist. Der Konzern hat eine Menge Dreck am Stecken und unterhält skrupellose Wissenschaftler, die ihre kranken Experimente mit Mako-Energie und Monstern ungeniert verfolgen dürfen. Welche Konsequenzen wird Zack ziehen? Und wird es ihm irgendwie gelingen seinen Traum zu erfüllen?

Obwohl ich das Originalspiel „Final Fantasy VII“ sehr gerne habe, konnte mich die Handlung dieses Prequels nicht so recht mitreißen. Als Kenner weiß ich halt schon, wohin Zacks Reise führen wird. Obendrein war mir Zacks Art etwas zu fröhlich, aufgedreht und aufdringlich, da ist mir der ernsthafte Cloud Strife wesentlich lieber. Es ist schon ganz nett zu erfahren, wo das Masterschwert herstammt, wie Zack in dessen Besitz gekommen ist, oder wie er Aerith und Cloud kennengelernt hat. Ist halt solider Fanservice. Weniger überzeugend ist hingegen die Implementation der neuen Charaktere. Manche von denen wie Angeal oder der SOLDAT-Leiter Lazard wurden ganz gut integriert. Aber andere Charaktere wie die Turk-Agentin Cissnei oder Hollander wirken reichlich überflüssig. Und ich frage mich immer noch, was genau man sich beim neuen Oberschurken Genesis gedacht hat, bzw. welchen Plan Square mit diesem nervigen Schönling verfolgt.

Jedenfalls konnte mich das Gesamtpaket der Story nicht überzeugen und ich bin mir nicht sicher, ob jemand, der das Hauptspiel nicht kennt überhaupt etwas aus Crisis Core ziehen kann. Das Spiel macht sich nämlich wenig Mühe die Spielwelt zu erklären oder zu vertiefen. Die Macher gingen wohl davon aus, dass man schon mit dem Hauptspiel vertraut ist. Von einem Quereinstieg muss ich daher abraten.

Kampflastiges Action-RPG mit wirrem Glücksspielaspekt

Vor Spielbeginn steht erst einmal die Auswahl aus den zwei Schwierigkeitsgraden Normal und Schwer. Ich habe beide Grade ausprobiert und entschied mich für „Normal,“ da „Schwer“ seinen Namen tatsächlich gerecht wird und die Gegner bedeutend stärker macht.
Die Hauptquest setzt sich aus einen Prolog und 10 Kapiteln zusammen. Darüber hinaus kann man aber auch noch an bis zu 300 Nebenmissionen teilnehmen. Diese kann man bequem über jeden Speicherpunkt anwählen und werden nach und nach freigeschaltet. Letzteres geschieht durch Fortschritt in der Hauptquest, erfolgreiches Abschließen von Nebenmissionen oder durch NPC-Dialoge. Wer alle Missionen knacken will, kann gut und gerne 50 Stunden Spielzeit einplanen.

Außerhalb der Aufträge darf man freilich auch etwas Erkundung betreiben. Innerhalb des Shin-Ra-Firmengebäudes, in einigen Abschnitten Midgars und später auch Nibelheim darf man mit einigen NPCs tratschen, um eventuell kleinere Nebenquests und Minigames für die Einwohner zu erfüllen. Doch die Erkundungsmöglichkeiten in Crisis Core sind sehr eingeschränkt. Die Stadtareale sind sehr klein und so etwas wie eine Weltkarte gibt es nicht. Selbst die Shops werden hier ins Charaktermenü gelegt. Der Kern des Spiels sind ganz klar die kampflastigen Aufträge.

Besagte Aufträge schicken euch durch zumeist überschaubare und lineare Gebiete. Damit es nicht zu langweilig wird, streut das Spiel immer wieder Minigames und Bonusaufgaben ein. So gibt es Zeitdruck-Passagen, Timing-Spielchen, einen Stealth-Abschnitt oder sogar ein Sniper-Minigame. Die Qualität dieser Spielereien schwankt leider sehr stark. Manche sind ganz spaßig, aber andere wirken lästig und aufgesetzt. Besonders das Sniper-Minigame war ziemlich ätzend. Glücklicherweise wird man nicht gezwungen derartige Aufgaben zu meistern, um voranzukommen.

Die zahlreichen Nebenmissionen lassen leider jegliche Substanz vermissen und reduzieren sich auf Kämpfe in überschaubaren Arealen. Die Ortschaften der Nebenmissionen kann man an maximal zwei Händen abzählen und wiederholen sich ständig. Selbst das Kern-Layout der jeweiligen Ortschaft-Map bleibt gleich. Wer also wirklich alle 300 Nebenmissionen spielen möchte, muss sich auf jede Menge Recycling gefasst machen. Zumindest werden hier jedoch einige sehr anspruchsvolle Gegner geboten, die eure Fähigkeiten auf eine ernsthafte Probe stellen.

Innerhalb der Aufträge und Nebenmissionen gaukelt Crisis Core Zufallskämpfe vor. Tatsächlich spawnen die Gegner jedoch nur an bestimmten Punkten. Wer clever ist, kann einige Kämpfe sogar umgehen, indem er versucht um den unsichtbaren Spawn-Punkt herumzulaufen. Alternativ darf man aber auch aus Kämpfen flüchten, indem man eine Zeit lang zum Rand des Kampfareals läuft.

Im Gegensatz zum rundenbasierten Hauptspiel verwendet Crisis Core ein reines Echtzeit-Action-Kampfsystem. Zack prügelt munter mit seinem Schwert auf die Gegner ein und kann feindlichen Angriffen durch eine Ausweichrolle entgehen oder alternativ abblocken, um den Schaden zu mindern. Komplexitätswunder sollte man dabei nicht erwarten, jedoch bietet Crisis Core das aus dem Hauptspiel bekannte Materia-System. Zack kann als Rang 2-SOLDAT zunächst vier Materias ausrüsten. Sobald er zum Rang 1-SOLDAT befördert wird, darf er sogar sechs Materias anlegen. Hierbei handelt es sich um kugelförmige kristallisierte Mako-Energie, welche ihrem Träger erlaubt Zauber oder spezielle Kampffertigkeiten einzusetzen. Dies setzt freilich entsprechende MP (für Zauber) oder FT (für Fertigkeiten) voraus.

Es gibt auch Materias, die dazu dienen Zacks Statistika zu verbessern oder passive Auswirkungen entfalten. Die aus dem Hauptspiel bekannte Komplexität des Materia-Systems mit seinen zahlreichen Möglichkeiten wird also auch in Crisis Core geboten. Tatsächlich wurde das System sogar etwas erweitert, da es hier später gestattet ist zwei Materias miteinander zu verschmelzen, um eine Neue zu erhalten, welche sogar bessere Statusboost-Werte mit sich bringt, als jene, welche eingeschmolzen wurden. Tatsächlich sind derartige Statusverbesserungen wichtiger als Level-Ups, es lohnt sich also sich mit dem Verschmelzungsprozess und dessen Feinheiten vertraut zu machen. Der Verschmelzungsprozess kostet jedoch SP-Punkte, welche man als Belohnung für besiegte Gegner erhält. Außerdem setzt eine effektive Verschmelzung voraus, dass man zumindest eine der beiden Materias aufgelevelt hat. Man kann jede Materia bis auf Stufe 5 aufleveln.

Freilich kann Zack auch Ausrüstung in Form von Accessoires anlegen. Zu Beginn stehen hierfür zwei Slots zur Verfügung. Hat man jedoch die entsprechenden Nebenmissionen geknackt, kann man noch einen dritten und vierten Slot freischalten. Die Accessoires können enorm hilfreich sein, da sie Immunitäten gegen negative Zustände geben, massive Statusboosts einbringen oder sogar permanente Buffs aktivieren. Mit der richtigen Accessoire-Kombination kann man selbst übermächtige Gegner in die Knie zwingen.
Jedenfalls sollte man sich bewusst sein, dass eine kompetente Belegung der Materia- und Accessoire-Slots einen immens hohen Stellenwert genießt.

Ein eher zwiespältiges Feature der Kämpfe sind die sogenannten „Digitalen Bewusstseinswellen“ (kurz DBW). Hierbei handelt es sich um Glücksspielräder á la Einarmiger Bandit, welche während des Kampfes konstant abgespult werden, sofern man über eine geringe Menge von SP verfügt. Je nachdem ob man eine entsprechende Zahlenkombination erhält, bekommt man einen Bonus in Form von Buffs oder einem Level-Up für Materia oder Zack. Und ja, dies ist die Form in der man in Crisis Core auflevelt. Typische Erfahrungspunkte gibt es nicht. Wobei aber auch dazu gesagt werden muss, dass die drei 777er, die für einen Level-Up für Zack benötigt werden, sehr inkonsistent vergeben werden und scheinbar doch irgendwie an ein unsichtbares Exp-System gekoppelt sind. Jedenfalls ist die Art und Weise wie Level-Ups in diesem Spiel behandelt werden sehr unbefriedigend. Abgesehen von Zahlen umfassen die DBW-Walzen auch Bilder von wichtigen NPC-Charakteren und Beschwörungen. Hat man drei einheitliche Bilder, darf man via Buttonkombo einen mächtigen Limit-Angriff oder eine Beschwörung lostreten.

Unterm Strich ist das Kampfsystem in Kombination mit dem Materia- und Ausrüstungssystem schon spaßig. Leider ist der Kontext in dem die Kämpfe stattfinden oftmals zu öde. Die Story-Missionen sind noch ganz in Ordnung, aber die Nebenmissionen hätte man nicht langweiliger umsetzen können. Da merkt man die technischen Limitierungen der PSP sehr deutlich.

Grafik und Sound

Wie schon das „Final Fantasy VII: Remake“ wurde auch Crisis Core -Final Fantasy VII- Reunion mit der Unreal Engine 4 erstellt. Dementsprechend kann sich das Spiel wirklich sehen lassen. Sicherlich reicht das Spiel bei weitem nicht an die bombastische Finesse des Remakes heran, aber angesichts des klapprigen PSP-Knochengerüsts der Originalversion braucht sich die Reunion-Version nicht zu verstecken. Die NPCs in den Stadtgebieten wirken zu steif und leblos, und wer sich ausgiebig mit den Nebenmissionen beschäftigt, wird schon recht bald an den recycelten Ortschaften verzweifeln. Aber das sind Probleme, die halt auch in Zusammenhang mit der ursprünglichen Hardware des Spiels begründet liegen. Ingame-Cutscenes und Rendersequenzen sehen dafür richtig klasse aus. Ein kleines Pfui gibt es dafür, dass Square hier und da Rendercutscenes verwendet, die offensichtlich noch aus dem PSP-Original stammen. Da hat man meines Erachtens an der falschen Stelle gespart.

Der Soundtrack ist objektiv gesehen ebenfalls gelungen. Es gibt eine gesunde Mischung aus altbekannten Tracks, welche natürlich abgeändert wurden, und neuen Stücken. Mit persönlich haben die Neuinterpretationen der altbekannten Stücke nicht gefallen. Diese wirken zu schnell und gehetzt auf mich und lassen somit die Brillanz der Originale vermissen. Und den neuen Tracks mangelt es einfach an erinnerungswürdigen Melodien. An der englische Sprachausgabe habe ich hingegen nichts zu kritisieren. Die Stimmen der Synchronsprecher passen zu ihren Charakteren und sie liefern eine gute Leistung ab. Die Soundeffekte gefallen ebenso. Die Action klirrender Schwerter, abgefeuerter Gewehrsalven und der Zaubereinschläge wird gut vermittelt. Auch an der sauberen deutschen Textübersetzung habe ich nichts auszusetzen.

Pro & Kontra

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Pros
  • gewohnt hochwertige audiovisuelle Präsentation
  • gute Spielbarkeit mit flotten Kämpfen
  • die Materia- und Ausrüstungssystem funktionieren sehr gut und geben dem Spieler ein hohes Maß an Einfluss

thumbs-up-icon

Cons
  • ist zu kampflastig und bietet zu wenig Erkundungsmöglichkeiten
  • die Nebenmissionen wirken billig, monoton und zerschießen das Balancing des Spiels
  • die neuen Charaktere wirken mitunter aufgesetzt
  • einige Minispiele sind eher schlecht und störend (z.B. das Sniper-Minigame)

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