Riff Racer REVIEW

Riff Racer ist ein am 12.05.2016 veröffentlichter Casual-Arcade-Racer von UK-Indie-Entwickler FOAM Entertainment. Das Rennspiel basiert auf der Idee, dass die Rennstrecken auf der Struktur der Hintergrundmusik zusammengesetzt werden. Der wahre Clou bei Riff Racer ist jedoch, dass man jeden x-beliebigen Soundtrack verwenden kann, solange man diesen nur im MP3-Format auf der Festplatte gespeichert hat. Und da man Musik-CDs über den Windows Media Player relativ einfach ins MP3 Format umwandeln kann, hat man höchstwahrscheinlich einen großen Vorrat an Spielcontent im Schrank stehen. Alternativ stellt das Spiel jedoch auch von sich aus 25 lizenzierte Songs zur Verfügung.

„Das kenn ich doch schon von irgendwoher“, mag jetzt vielleicht der ein oder andere Denken. Tatsächlich ist diese Grundidee nicht wirklich neu. Bereits 2008 wurde dieses Konzept in dem Puzzle-Rennspiel „AudioSurf“ verwendet. Auch dort konnte man mit eigener MP3-Mucke neue Level bzw. Strecken kreieren. Und in „Beat Hazard“ wird die Idee sogar für ein Shoot’em Up verwendet. Im Gegensatz zu Audiosurf, ist Riff Racer jedoch ein echter Racer und kein als Rennspiel getarntes Puzzle-Geschicklichkeitsspiel. Da Riff Racer ohne jegliche Story auskommt (und sei es auch nur eine Alibi-Handlung wie z.B. in OutDrive), können wir uns auch direkt näher mit dem Gameplay befassen.

 

Wer erreicht die höchste Punktzahl?

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Abgesehen vom eben erläuterten MP3-Aspekt, ist Riff Racer ein äußerst simples Rennspiel. Es gibt kein Zeitlimit, keine gegnerischen Fahrer und auch keine Game Overs oder dergleichen. Es geht einfach nur darum den ausgewählten Song abzufahren und dabei möglichst viele Punkte zu verdienen, wobei der Highscore-Faktor rein theoretisch auch ignoriert werden kann. Wer nach etwas Langzeitmotivation abseits des musikalischen Aspektes sucht, sollte sich aber schon damit beschäftigen, wie man den eigenen Punktestand in die Höhe drückt, damit man seine Position auf der Rangliste festigen kann – doch dazu später mehr.

Wenn ihr das Spiel startet, geht’s erst einmal darum sich einen Song auszusuchen. Wie bereits gesagt, stellt das Spiel von sich aus 25 Songs zur Verfügung. Reizvoller ist es jedoch eigene MP3-Songtracks aus der Festplatte hochzuladen. Jeder einzelne Song bietet übrigens seine eigene Online-Bestenliste. Außerdem wird der Spieler, der als erstes den jeweiligen Song hochgeladen hat, als „Ersteller“ dieser Rennstrecke festgehalten, was schon irgendwie cool ist (gibt auch ein paar Achievements, die hieran gebunden sind). Wichtiger dürfte jedoch die Schwierigkeitsgrad-Anzeige sein. Diese wird in Form von fünf Sternen dargestellt, je mehr Sterne, desto kniffliger die Rennstrecke.

Als nächstes gilt es sich einen Rennwagen auszusuchen, wobei zu Beginn aber ohnehin nur ein Wagen freigeschaltet ist. Weitere lassen sich jedoch mittels Münzpunkten freikaufen. Insgesamt stehen 13 verschiedene Autos zur Verfügung, die zudem jeweils über 9 verschiedene Lackierungen verfügen, welche aber ebenfalls erst einmal freigekauft werden müssen. Da sich jedes Fahrzeug jedoch absolut identisch spielt, handelt es sich hierbei lediglich um ein optisches Gimmick, welches man theoretisch ignorieren kann (aber auch hieran sind Achievements gekoppelt). Wer darauf hofft mit lizenzierten Autos über die musikalisch generierten Strecken zu heizen, wird jedoch enttäuscht. Die Fahrzeuge sind lediglich cartoonhaft-verzerrte Vehikel, welche aber realen Autos, wie z.B. dem DeLorean oder Lamborghini, nachempfunden sind.

Zum Schluss steht dann noch die Wahl, ob man sich einen Geisterfahrer hinzuschalten möchte oder nicht. Diese basieren immer auf dem Highscore eines anderen Spielers. Hierbei kann man entweder den Erstplatzierten der Weltrangliste, einen Steam-Freund oder einen vom Programm empfohlenen Spieler auswählen. Der „Herausgeforderte“ nimmt dann als Geisterfahrer am Rennen teil, fungiert aber lediglich als Punktevergleich innerhalb des Rennens, da er als Geist ja keinen echten Kontrahenten auf der Rennstrecke darstellt. Gelingt es den Geist Punkte-mäßig zu schlagen, gibt es ein paar Münzpunkte als Belohnung.

Aber genug mit dem Vorspiel! Wie fährt sich dieses Rennspiel nun? Nun, dank der bequemen Tastatursteuerung ziemlich angenehm. Die Vorkonfiguration der Tasten ist zwar nicht unbedingt optimal, aber da man die Tastenbelegung ohnehin selbst konfigurieren darf, stellt das kein ernsthaftes Problem dar. Wer das Spiel hingegen unbedingt mit Controller spielen will, schaut in die Röhre, denn Controller-Support gibt es nicht. Im allgemeinen ist die Steuerung sehr schnell begriffen: Beschleunigen, Bremsen, Lenken, Driften und Turboboost aktivieren ist alles was man zu beachten hat, wobei einige Dinge wie Driften und Turboboost nur relevant sind, wenn man für hohe Punktzahlen fährt.

Das Besondere an den Rennen in Riff Racer ist, dass das Tempo weniger von der eigenen Beschleunigung und Bremsung reguliert, sondern eher von der „Synchronisation“ vorbestimmt wird. Ziel ist es immer im vorderen Abschnitt der drei Synchronzonen zu bleiben, damit man einen hohen Punktemultiplikator genießt. In der vorderen Zone beträgt der Multiplikator x4, in den hinteren Zonen rutscht er freilich auf x3 oder x2 herunter. Fällt man für einige Sekunden komplett aus der Zone raus, wird man zwar wieder in die mittlere Zone zurückgebeamt, verliert dabei aber freilich wertvolle Sekunden, in denen man keine Punkte kassiert. Im Grunde fährt der Wagen aber immer in einer Geschwindigkeit, die ihn in der vorderen Synchronzone hält. Gelingt es mittels Turboboosts aus der vorderen Synchronisationszone auszubrechen, erhält man sogar einen Multiplikator von x10! Das ist dann der Zeitpunkt, wo man durch coole Kunststücke wie Rampensprünge oder elegante Drifts richtig viele Bonuspunkte scheffeln kann, um sich einen Platz in den Bestenlisten zu erkämpfen.

Dies ist freilich leichter gesagt als getan, denn Turboboosts stehen nicht endlos zur Verfügung und die Strecken selbst warten freilich mit zahlreichen Hindernissen und Gefahren auf. So gibt es Straßensperren, die einen in die hinteren Synchronzonen zurück drücken, wenn man in sie hinein crasht. Rampen helfen oftmals dabei, diese Gefahren zu umgehen. Der Sprung sollte jedoch geschickt angesetzt werden, denn ansonsten springt der Wagen über die Leitplanke ins bodenlose (die Strecken wurden hoch im Himmel einer futuristischen Stadt erbaut), was freilich wertvolle Sekunden kostet und somit Punkteverlust verursacht. Im Gegenzug gibt es auf den Strecken aber auch diverse Gegenstände einzusammeln. Würfel erhöhen Stück für Stück den Turboboost des Wagens, der bei voller Aufladung auf Knopfdruck aktiviert werden darf. Freilich gibt es auch ein Pick-up für einen sofortigen Turboboost und sogar Boostfelder auf der Rennstrecke an sich, die meistens vor einem Looping oder dergleichen platziert liegen. Münzen dienen hingegen dazu, den Kontostand aufzubessern, damit man sich neue Wagen und Lackierungen freikaufen darf.

Tja, und damit wäre eigentlich auch schon alles wesentliche besprochen. Riff Racer ist ein reines Arcade-Spiel, bei dem es in erster Linie darum geht, den Highscore zu knacken und die eigenen Leistungen immer weiter zu steigern. Hierzu muss man sich freilich mit den Feinheiten vertraut machen. Wer weiß, wie man Driftings, Rampen und Turboboosts geschickt ausnutzt, wird freilich höhere Punktzahlen kassieren, als ein Casual-Spieler, der nur gemütlich die Strecke abfährt. Das schöne an Riff Racer ist jedoch, dass Dinge wie der Highscore, freischaltbare Wagen und Achievements allesamt rein optional sind. Wer nur ein bisschen Spaß mit einem musikalischen Spiel sucht, kommt hier genauso auf seine Kosten, wie der Hardcore-Highscore-Jäger.

 

Grafik, Sound und weiteres:

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Riff Racer wurde ursprünglich mit der Unity-Engine kreiert. Da diese aber keine gute Basis für ein Rennspiel bot, hat man sich eine Rennspiel-Engine von einer anderen Firma gekauft. Nichtsdestotrotz, sieht Riff Racer immer noch wie ein typisches Unity-Engine-Spiel aus. Dies bedeutet, dass man keine herausragende Grafik erwarten sollte. Oberflächlich betrachtet, bekommt man den Eindruck, man würde ein altes PS2-Spiel zocken. Glücklicherweise werden jedoch alle gängigen Auflösungsstufen unterstützt.;)
Wo Riff Racer wirklich punkten kann, ist der retro-futuristische Synthwave-Stil. Die grellen Neonfarben und die abgedrehte Idee die Rennstrecken auf gigantischen Stützpfeilern im Himmel zu errichten, sorgen für einen ganz besonderen, unverwechselbaren Flair. Leider mangelt es jedoch an Abwechslung, denn jede Strecke nutzt dasselbe Setting, welches mit der Zeit freilich mächtig eintönig wird, so cool es auch sein mag. Lediglich die dominierenden Himmels- und Beleuchtungsfarben, ändern sich, je nach Song-Genre. Metal-Songs ziehen blutrote Himmel und Lichter nach sich, während Hip-Hop-Tracks bläuliche Farben hervorrufen usw. Aber auch dieses Farbenspiel rettet nicht vor der optischen Eintönigkeit, die früher oder später auftritt.

Über den Soundtrack muss ich wohl nicht mehr viel erzählen, schließlich basiert das bloße Grundkonzept des Spiels darauf, dass dieser in der Hand des Spielers liegt.;)
Unabhängig davon, bieten die 25 enthaltenen Songs jedoch eine akzeptable Auswahl für einen breiten Geschmack. Es lohnt sich durchaus diese Tracks anzuhören, bevor man eigene Musik hochlädt. Allerdings wäre hier eine breitere Palette unterschiedlicher Musikgenres wünschenswert gewesen. So bietet Riff Racer z.B. ein Achievement, wenn man einen Jazz/Funk/Soul-Song spielt. Ironischerweise bietet die enthaltene Trackliste jedoch keinen einzigen Song aus diesen Kategorien. Dafür gibt es haufenweise von Songs aus der Dance-Kategorie. Etwas mehr Ausgewogenheit bei den 25 enthaltenen Songs wäre sicherlich nicht verkehrt gewesen.

Leider gibt es noch zwei Stolpersteine anzusprechen, die einem den Langzeitspaß an Riff Racer verderben können. Der erste Punkt, sind die Strecken an sich, deren Inhalte sich mit der Zeit stark wiederholen. Die ganzen Kurven, Loopings und Rampen hat man halt irgendwann verinnerlicht. Und an diesem Punkt fällt einem dann auch auf, dass die ganzen unterschiedlichen Strecken, die man abspielt, sich nicht soo stark voneinander unterscheiden, wie sie vielleicht sollten. Außerdem macht es keinen Sinn einen ruhigen Song abzuspielen, da die Strecken, die auf solchen Tracks basieren oftmals stinklangweilig ausfallen. Wer einen lautstarken Musikgeschmack hat, bekommt eindeutig die interessanteren Rennstrecken geboten.
Wesentlich schwerer wiegt jedoch die Problematik mit den Highscore-Tabellen. Zumindest die Tabellen der 25 enthaltenen Songs sind doch offensichtlich von Cheatern verseucht. Gerade den Top-Platzierungen liegen oftmals unglaubwürdig hohe Punktzahlen zu Grunde, was die Motivation seine eigene Leistung zu verbessern freilich sehr stark beeinträchtigt.
Das sind Dinge, wo die Entwickler wirklich nachbessern sollten, wenn sie die Spieler länger an ihr Spiel fesseln möchten. Ich persönlich hatte dennoch rund 10 Stunden Spaß mit Riff Racer, bevor die Lust wieder zu schwinden begann.

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