Rare Replay REVIEW

Der Spieleentwickler Rare feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass schnürt das Studio in Kooperation mit Microsoft die umfangreiche Spielsammlung Rare Replay, mit ganzen 30 Rare-Klassikern der letzten 30 Jahre, neu aufgelegt für Xbox One. Ganz nach dem Motto -30 Games for 30 Euros- bekommt ihr hier eine Menge Unterhaltung für kleines Geld und obendrauf noch eine Zeitreise durch mehrere Epochen der Gaming-Geschichte. Natürlich konnte Rare nicht jedes Spiel in die Kollektion packen, jedoch wurde die Auswahl mehr als gut getroffen. Wir haben uns Rare Replay geschnappt und uns für euch auf eine digitale Zeitreise zu den Anfängen eines der erfolgreichsten Spieleentwickler der 80er und 90er begeben.

Beinahe in Vergessenheit geraten

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Im Jahre 1985 wurde Rare gegründet, doch veröffentlichte das Studio bereits zwei Jahre zuvor unter dem Namen Ultimate Play The Game einige Titel. Damit begann eine großartige Ära, Rare produzierte Spiele am laufenden Band, zu Zeiten des NES, SNES und N64 vorranging für Nintendo. Später wurde das Studio von Microsoft übernommen und entwickelt seither unter dessen Banner digitale Unterhaltung. Lange war es still um das englische Studio, doch ganz plötzlich während der diesjährigen E3 in Los Angeles wurde Rare Replay angekündigt. Die Vorfreude war groß und so packte Rare seine besten Stücke noch einmal auf eine Blu-ray, damit diese nicht in Vergessenheit geraten.

Der Inhalt von Rare Replay erstreckt sich vom Erstlingswerk JetPac, über klassische Adventures der Knight Lore Reihe bis hin zur dreiteiligen Banjo Kazooie-Reihe. Selbst Shooter-Fans bekommen mit Perfect Dark und Perfect Dark Zero Perlen aus vergangenen Tagen. Für all jene unter euch, die es etwas knackiger mögen, liegen außerdem noch Battletoads und dessen Arcadeableger bei. Leider fehlt die Donkey Kong-Reihe, da Nintendo derzeit die Rechte daran besitzt. Aufgebaut ist die Sammlung wie ein Theater, in dem die einstigen Toptitel zum letzten Mal auftreten. Jedes Spiel lässt sich über ein schön gestaltetes Gemälde anwählen und starten. Diese lassen sich bequem anwählen und nach Erscheinungsjahr oder Alphabet sortieren.

30 Jahre geballte Gaming-Geschichte

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Die 30 enthaltenen Titel lassen sich alle frei anwählen und in beliebiger Reihenfolge spielen. Wer nachverfolgen möchte, wie sich Rare’s Spiele weiterentwickelten, fängt natürlich ganz von vorne an. Unsere virtuelle Zeitreise beginnt mit Rare’s erstem Spiel JetPac, das bereits 1983 für den Sinclair ZX Sprectrum erschien. Darin übernehmt ihr die Kontrolle über einen Astronauten, der mithilfe seiner Rakete versucht, von einem Planeten zu fliehen. Doch die Rakete muss erst zusammengesetzt und vollgetankt werden. Während ihr alles so schnell wie möglich einsammelt, schwirren feindliche Raumschiffe und Meteoriten durchs Bild und wollen euch an der Flucht hindern. Ein einziger Kontakt mit einem dieser Objekte reicht aus, um den Astronauten ins Reich der Toten zu befördern. Insgesamt müsst ihr euch durch fünf Ebenen mit je fünf Levels kämpfen, bevor das Abenteuer von vorne beginnt. Ziel ist es, einen möglichst hohen High-Score zu erreichen.

Wir reisen einige Jahre in die Zukunft und kommen am Anfang der 1990er Jahre an. Einen der berühmtesten Vertreter dieser Zeit stellt Battletoads dar. Die beiden Kröten Rash und Zitz kämpfen für das Gute gegen eine böse Königin, die einige Freunde der grünen Hüpfer entführt hat. Ihr kämpft euch durch einen klassischen Side-Scroller, der mit fiesen Monstern und rasantem Gameplay begeistert. Einige Titel die Rare zu dieser Zeit entwickelte waren simpel aufgebaut, boten jedoch gleichzeitig einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad, so auch Battletoads. Jeder Schritt könnte der Letzte sein.

Wer an diesen Titeln scheitert und etwas leichtere Kost bevorzugt, für den ist Banjo Kazooie genau das Richtige. Eines der wohl bekanntesten Spiel des Entwicklerstudios für das N64 bietet eine fantastische Spielwelt mit einem liebevollen Soundtrack und einer Menge Humor. Der Bär Banjo und seine Schwester Tooty leben gemeinsam in einem idyllischen, kleinen Haus am See. Eines Tages entführt die böse Hexe Gruntilda Banjo’s Schwester, um ihre Schönheit zu stehlen. Banjo begibt sich daraufhin gemeinsam mit dem Vogel Kazooie, der in seinem Rucksack lebt, auf eine gefährliche Rettungsaktion. Während dieses Abenteuers begegnen euch lustige Charaktere, wie der verrückte Shamane Mumbo und sehr viele schlechte Wortwitze.

Noch mehr Klassiker

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Ist euch auch Banjo Kazooie zu actionreich, bietet Rare Replay mit der Fantasy-Gartensimulation Viva Pinata die beste Alternative. Darin müsst ihr einen glänzenden Garten renovieren und ihn mit bunten Pinatas besiedeln. Das klingt einfacher als es ist, denn die Pinatas haben gewisse Grundbedürfnisse, einige sind sogar sehr schwer zu stillen. Zudem wird der Garten von Zeit zu Zeit von wilden Inselbewohnern angegriffen, die eure Bewohner zum Fressen gern haben. Viva Pinata ist genau das Richtige für verregnete, trübe Herbstnachmittage.

Seid ihr auf der Suche nach einer besonderen Herausforderung, könnt ihr euch an sogenannten Schnappschüssen und Spiellisten wagen. Schnappschüsse sind Szenarien einzelner Klassiker, jedoch mit leicht veränderten Regeln oder. Zielen. So müsst ihr etwa in Lunar Jetman innerhalb eines Zeitlimits eine gewisse Anzahl an Feinden ausschalten oder in R.C. PRO-AM einige Rennen am Stück gewinnen. Spiellisten beinhalten einige Schnappschüsse, die am Stück absolviert werden müssen. Diese Herausforderungen bringen frischen Wind in das Spielgeschehen und bieten zusätzlichen Unterhaltungswert. Besteht ihr die teils sehr schwierigen Schnappschüsse, erhaltet ihr wertvolle Stempel.

Zudem verfügen einige Retro-Klassiker über lokale Multiplayer-Modi, die entweder mit einem oder zwei Controllern bestritten werden. Dadurch wird der Spielspaß zusätzlich angekurbelt, denn was macht mehr Spaß als auf dem Sofa zu sitzen und mit/gegen einen Freund zu spielen? In unserer Endwertung wird die Multiplayer-Punktezahl nicht angeführt, da nicht die gesamte Sammlung über Mehrspieler-Modi verfügt.

Rare Replay bietet ausreichend Abwechslung für Wochen oder sogar Monate und deckt dabei so gut wie jedes Genre ab, sodass wirklich jeder ein Lieblingspiel findet. Doch was wäre eine Spielesammlung ohne Extras? So bietet Rare Replay bei allen Titeln, die ursprünglich vor der Jahrtausendwende veröffentlicht wurden, ein Feature für alle frustrierten Spieler. Drückt ihr die RT-Taste, lässt sich das Geschehen, wie bei einer alten VHS-Kassette, einfach zurückspulen. Dadurch verhindert ihr den einen oder anderen Tod eurer Spielfigur und harte Brocken wie Battletoads sind somit für jedermann zu schaffen. Dieses Feature ist natürlich rein optional, wer die Herausforderung liebt, kann einfach darauf verzichten. Zudem lässt sich das Spiel jederzeit speichern bzw. laden.

Sammelspaß over 9000!

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Für Sammler ist Rare Replay das reinste Schlaraffenland, gesamt bietet die Kollektion an die 10.000 Gamerscore, verteilt auf das Hauptspiel und die Xbox 360-Titel. Das sorgt für eine erhebliche Steigerung der Spielzeit. Die sammelbaren Punkte stellen außerdem Meilensteine dar, mit denen ihr neues Entwicklermaterial freischaltet. Darin liegt auch der große Anreiz. Für jeden freigeschalteten Erfolg winken sogenannte Stempel, jeweils sechs dieser Stempel bescheren euch wiederum ein Extra aus der Entwicklerecke. Dahinter verbergen sich Making of’s erschienener/eingestampfter Titel und geheime Soundtracks.

Das Videomaterial ist für Retro-Fans mehr als interessant und bietet euch einen guten Einblick hinter die Kulissen von Rare. Die Videos wurden gut aufbereitet, sind nicht zu lang und wirken sehr hochwertig. Mit dem Anreiz, neues Bonusmaterial freizuschalten, erspielt man voller Vorfreude Stempel um Stempel. Das Beste dabei ist, für jeden Stempel bekommt man außerdem ein Achievement und treibt so seinen Gamerscore in die Höhe.

Technik

Rare Replay nutzt bereits vor dem offiziellen Erscheinungsdatum die Abwärtskompatibilität der Xbox One, denn neun der enthaltene Titel erschienen für Xbox 360. Die befinden sich leider nicht auf der Disk, müssen also separat heruntergeladen werden. Außerdem wird Rare Replay beim Start dieser Spiele geschlossen, somit entfallen auch Rückspul- und Speicherfunktion. Hier hätte Rare mit Sicherheit eine bessere Lösung gefunden.

Jedem sollte bewusst sein, dass Rare Replay keine großen grafischen Neuheiten bietet und auch kein technischer Meilenstein ist. Die enthaltenen Ableger wurden mit originalen Texturen für Xbox One umgesetzt, werden somit auf eine höhere Auflösung gerendert und verfügen über bessere Kantenglättung als in den Ur-Versionen. Ansonsten handelt es sich um Originalsoftware mit der dazugehörigen originalen Soundausgabe. Da das gängige Bildformat noch vor einigen Jahren 4:3 war, hat Rare dieses Problem recht einfach gelöst. Das Bild wird nicht gestreckt, sondern von einem ansprechenden Banner umrandet.

Da die Abwärtskompatibilität derzeit noch nicht vollständig optimiert ist, bricht auch die Performance der entsprechenden Spiele zeitweise ein. In den nächsten Monaten sollte dieses Problem sehr wahrscheinlich gelöst werden, da die Abwärtskompatibilität dann besser ausgereift sein sollte. Die restliche Sammlung läuft überraschend flüssig und ohne nennenswerte Komplikationen. Auch die Steuerung der einzelnen Titel wurde sehr gut umgesetzt, fast besser als in den Ur-Versionen. Größtenteils verfügt Rare Replay über deutsche Bildschirmtexte, allgemein erschließt sich der Kontext aus dem Gameplay, ist also leicht verständlich. Da Rare ein englisches Entwicklerstudio ist, sind die „Making of“-Videos ausschließlich in englischer Sprache verfügbar, wurden jedoch deutsch untertitelt.

Für alle Xbox 360 Veteranen, die bereits über eine riesige Spielebibliothek verfügen, könnte es zudem noch einen weiteren Kritikpunkt an Rare‘s Spielesammlung geben. Denn wer Banjo Kazooie, Perfect Dark und Co schon für die letzte Konsolengeneration besitzt, erhält hier im schlimmsten Fall nur zwei Drittel an neuer Spielerfahrung. Neun Spiele an der Zahl sind es, die eins zu eins aus dem Xbox 360 Store übernommen wurden. Besitzt ihr bereits einen dieser Titel, gibt es keine neuen Erfolge zu sammeln, aber ihr dürft zumindest euren bestehenden Spielstand aus der Cloud weiterverwenden. In unserem Test hat dieser Punkt keinen Einfluss auf die Endpunktezahl.

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