Legend of Hand REVIEW

Nachdem das in Großbritannien ansässige Indie-Entwicklerstudio Cloak and Dagger Games bereits zwei kostenfreie Adventures in Form von „Mudlarks“ und „A Date in the Park“ hervorbrachten, entschied man sich mit dem am 27. September 2017 veröffentlichten Legend of Hand erstmals ein kommerzielles Spiel zu veröffentlichen.

Das Spiel wird dieser Tage für 5,69 Euro angeboten und hat den Vorteil einer für Adventure-Games höchst ungewöhnlichen Thematik. Legend of Hand ist eine angenehm eigenwillige Hommage an asiatische und vor allem chinesische Martial Arts-Fantasy-Stories. Dementsprechend hat man dem Spiel auch einen eigenwilligen Grafikstil mit auf dem Weg gegeben, welcher auch der Grund war, warum ich mir das Spiel letztendlich zugelegt habe. Ob sich der Kauf für mich gelohnt hat und was Legend of Hand zu bieten hat, soll folgender Test klären.

Die Hand und ihre Finger

Wir übernehmen die Rolle eines hoch talentierten Martial Arts-Kampfkünstlers (den Namen kann man selbst eingeben). Im Auftrag seiner Meister gewann dieser vor Spielbeginn ein Kampfkunst-Turnier, und erwies sich somit einer großen Aufgabe würdig. Auf dem Festland droht nämlich ein verlustreicher Krieg auszubrechen. Grund hierfür ist das baldige Aussterben der führenden Dynastie und dem damit einhergehenden Machtvakuum. Jedoch gibt es da noch den legendären Großmeister Hand. Er war nicht nur der beste Martial Arts-Kämpfer, sondern verfügte auch über magische Hände, mit denen er Verletzte und Kranke heilen konnte. Darüber hinaus war er auch die geborene Führungsperson, extrem charismatisch und somit bei jedem beliebt. Hand wanderte auf die benachbarten Inselketten aus, auf denen seinerzeit Krieg tobte. Es gelang ihm diesen Krieg zu beenden und wurde zum alleinigen Herrscher der Inselketten ernannt.

Doch auch eine Legende wird alt und wunderlich. Mit fortschreitendem Alter zog sich Hand immer weiter zurück und verschwand eines Tages. Die Aufgabe des Protagonisten besteht nun darin den Aufenthaltsort von Hand auf den vier Inselketten zu ermitteln, diesen zur Rückkehr aufs Festland zu bewegen oder alternativ dessen Tod durch Altersschwäche zu bestätigen.

Der einzige Anhaltspunkt sind Hands vier Schüler, welche inzwischen die Herrschaft als Beschützer über die Inselketten übernommen haben. Sie sind die Einzigen, welche eventuell wissen könnten wo sich Hand aufhält oder was aus ihm geworden ist. Dummerweise gelten diese vier Finger als alles andere als kooperativ. Dem Protagonisten wird von vorneherein klar gemacht, dass die Vier nur dann reden werden, wenn man sie im Martial Arts-Duell schlägt.

Und so liegt es nun am Spieler den Protagonisten auf seiner Reise über die Inselketten zu begleiten, zu den vier Fingern vorzustoßen und letztendlich das Geheimnis von Hand zu lüften.

Die Story ist solide, dient aber eher als Anreiz um den Protagonisten auf die Reise zu schicken. Es ist eher eine „Der Weg ist das Ziel“-Handlung, da die Unterstories der Inselketten oftmals unterhaltsamer sind als die Hauptstory über einen drohenden, gesichtslosen Krieg und der Suche nach einem McGuffin(?)-NPC. Dementsprechend fällt auch das Ende … sagen wir mal „anders“ aus als erwartet. Generell ist die letzte Spielregion ziemlich überdreht und abgehoben. Zwar nimmt sich das Spiel nie vollends ernst und ist stellenweise sogar richtig humoristisch, aber es geht gegen Ende hin schon zur Sache und macht die Brisanz der Lage bewusst. Demgegenüber wirkt die Surrealität im letzten Abschnitt schon etwas aufgesetzt und das Ending geht dann sowieso einen komplett anderen Weg. Ansonsten bekommt man jedoch ein unterhaltsames Martial Arts-Fantasy-Märchen mit chinesischen Flair.

Point & Click, Minigames und rundenbasierte RNG-Duelle

Im Kern ist Legend of Hand ein Point & Click-Adventure. Man klappert die Screens nach Hotspots und Gegenständen ab, kombiniert die gefundenen Items und/oder nutzt sie um Problemstellungen zu lösen, quatscht mit schrulligen NPCs um Informationen zu erhalten und bewältigt hier und da eine Code-Gedächtnisaufgabe. Letztere tauchen ehrlich gesagt öfter auf als erwünscht und basieren im Endeffekt nur darauf stumpfe Text- oder Symbolanweisungen umzusetzen. Ebenfalls fragwürdig ist der Einsatz mehrerer Timing-Minigames. Einige Martial Arts Trainingspassagen oder das Angeln-Minigame zum Geldverdienen erfordern jedenfalls gut getimte Maustasten-Klicks. Netterweise sind diese Minigames jedoch optional und können augelassen oder übersprungen werden.

Legend of Hand ist jedoch kein reines Adventure, sondern jongliert auch mit RPG-Mechaniken. So gibt es ein Geldsystem. Einige NPC-Aufgaben oder optionale Minigames (das bereits erwähnte Angeln und ein Glücksspiel) locken mit klingender Münze, die sich bei Händlern für HP- und Technik-Upgrades oder sogar neue Spezialmanöver eintauschen lassen. Diese Dinge benötigt man, um seine Chancen in den Duell-Kämpfen zu verbessern. Ab und zu kommt es zum Kampf, der rein rundenbasiert abgehalten wird. Vor Kampfbeginn kann man zwischen 2-3 verschiedenen Kampfstilen wählen (der dritte Stil wird erst im späteren Spielverlauf freigeschaltet). Jeder Stil bietet eine Palette von Kampfmoves, welche mit einer grünen und roten Ziffer gekennzeichnet sind. Die grüne Zahl teilt den maximal möglichen Schaden beim Gegner mit. Die rote Zahl stellt den höchstmöglichsten Schaden mit, den man sich beim Einsatz der Technik selbst zufügen kann, also Vorsicht! Der Rest liegt dann beim Zufallsprinzip. Derselbe Angriff kann rein theoretisch dem Gegner maximalen Schaden zufügen, aber eben auch in die Hose gehen und stattdessen den Protagoisten statt des Gegners schaden. Oftmals werden auch einfach beide Kontrahenten verwundet. Das Kampfsystem ist leider eine reine RNG-Geschichte. Natürlich gibt es Techniken mit hoher Angriffs- und niedriger Verletzungsgefahr, die man dann bevorzugt einsetzen wird. Unabhängig davon kann man aber wenigstens noch acht Spezial-Techniken erlangen. Einige erhält man automatisch, andere sind optional. Nützlich sind sie aber alle, denn mit ihnen erzielt man immer den angegebenen Effekt – und zwar völlig ohne RNG!

Dennoch wird der Spaßfaktor der Kämpfe durch den hohen RNG-Anteil beträchtlich geschmälert. Im Zweifelsfall hilft natürlich Savescumming weiter (ist auch beim Glücksspiel eine gute Idee), wobei aber auch dazu gesagt werden muss, dass eine Niederlage im Kampf nie eine negative Konsequenz nach sich zieht. Bei wichtigen Storykämpfen darf man den Gegner einfach immer wieder herausfordern, bis es klappt. Bei unwichtigen Kämpfen verliert man halt und die Geschichte entwickelt sich trotzdem weiter. Trotz des ärgerlichen Zufallsfaktors stellen die Fights also keine Stolperfalle für Legend of Hand dar.

Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass Legend of Hand eines jener Adventures ist, die bewusst(?) altmodisch gehalten sind (siehe VirtuaVerse). Es gibt hier keine Hotspotanzeige (wird glücklicherweise auch kaum benötigt), keine Tastatur-Shortcuts (muss alles über die Maus und die obere Anzeigenleiste abgewickelt werden) und auch keine Autosaves. Das bedeutet aber auch, dass man endlich mal wieder ein umfangreicheres Indie-Adventure geboten bekommt. Die Entwickler bewerben eine Spieldauer von 10+ Stunden. Ich selbst habe ca. 11 Stunden für meinen Spieldurchlauf benötigt (inklusive Geld-Grinding und dem Wunsch jeden Kampf zu gewinnen) und kann diese Angabe daher bestätigen. Auch der Schwierigkeitsgrad ist eher niedrig gehalten, was es mir ermöglichte das Spiel ohne Komplettlösung zu knacken. Es gibt durchaus ein paar knifflige Stellen im Spiel. Der Unterwasser-Labyrinth-Abschnitt gegen Ende nervt z.B. mit einem nur sehr schwer erkennbaren Durchgang. Aber aufgrund der linearen Struktur des Spiels sollte hier ein durchschnittlicher Adventure-Spieler dennoch gut durchkommen.

Grafik und Sound

Das was bei diesem Spiel als erstes auffallen dürfte ist der eigenwillige Artstil. Legend of Hand wirkt wie eine bizarre Mischung aus kunstvollen Gu Kaizhi-Malereien und den bewusst krude gezeichneten Beavis and Butthead-Cartoons. Das Ergebnis ist natürlich reine Geschmackssache, aber eben mal etwas anderes und erinnerungswürdiges. Auffällig ist die Mühe, welche die Entwickler in die Animationen der Charaktere investiert haben. Diese wirken ebenfalls relativ krude, aber eben auch ambitioniert und teilweise sehr humoristisch. Ich erinnere an dieser Stelle auch gerne daran, dass sich viele Adventures sehr schwer tun die Spielfiguren überhaupt einigermaßen zu animieren. Interessant ist weiterhin, dass immer wieder Close Up-Sequenzen für die Charaktere eingebaut wurden, welche die Emotionen der jeweiligen Figur näherbringen sollen. Die Farbpalette ist sehr limitiert, vermutlich um ein eigenwilliges Retro-Feeling zu erzeugen. In dieselbe Schiene geht der seltsame Griselfilter, der einen durch das gesamte Spiel begleitet.

Der Soundtrack bietet einige richtig gelungene Stücke für unterschiedliche Situationen. Bezaubernd-friedliche Klänge für ruhige Szenen, fiese hämmernde Tracks für actionreiche Szenen und schräge Melodien für die Duell-Kämpfe. Der Soundtrack ist ähnlich charismatisch wie Großmeister Hand.^^
Ehrensache, dass die Kämpfe mit kräftigen Soundeffekten für die Schläge und Tritte begleitet werden. Eine Sprachausgabe gibt es leider nicht, aber dafür vereinzelte Sprachsamples, welche jedoch in chinesischer Sprache gehalten sind (zumindest vermute ich, dass es sich um chinesisch handelt).

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • angenehm eigenwillige audiovisuelle Präsentation (ist aber reine Geschmackssache)
  • sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis (ca. 10 Stunden Spielzeit für 5,69 €)
  • fairer Schwierigkeitsgrad, hier sollte ein Standard-Abenteurer relativ gut durchkommen
  • interessante Implementation von RPG-Mechaniken (kein Quest for Glory-Klon!)

thumbs-up-icon

Cons
  • der RNG-Anteil der rundenbasierten Kämpfe ist sehr, sehr hoch
  • keine Hotspotanzeige und Hotkeys
  • der letzte Spielabschnitt ist unerwartet abgedreht und das Ende wird nicht jedem gefallen
  • keine Sprachausgabe

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Spiel Bewertung
Singleplayer
75
75
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Legend of Hand mag zwar nicht das beste Indie-Adventure sein, welches sich auf Steam tummelt, aber dafür ist es eines der Originellsten. Ich mein, kennt ihr ein anderes Point & Click-Adventure welches sich mit chinesisch geprägter Martial Arts-Fantasy befasst? Ich jedenfalls nicht. Auch der eigenwillige Artstil kann bei mir dicke Pluspunkte einfahren, wobei ich aber auch einräumen muss, dass ich eine Schwäche für so etwas habe. Das Spiel an sich ist solide, wird jedoch von Krankheiten geplagt. Das Adventure-Gameplay nervt etwa mit plumpen Gedächtnisaufgaben, während die Rundenkämpfe unter einem viel zu starken RNG-Anteil leiden. Auch der Verzicht auf Komfort in Form von Tastatur-Hotkeys oder einer Hotspotanzeige sind selbst für ein auf Retro-getrimmtes Spiel nicht mehr akzeptabel. Angesichts des sehr löblichen Preis- Leistungsverhältnisses und dem hohen Anteil an Kreativität kann man aber gerne mal ein Auge zudrücken. Mir hat Legend of Hand trotz der Macken gefallen. Ich muss aber klar sagen, dass das Spiel reine Geschmackssache ist.

- Von  Volker

MS Windows

Legend of Hand REVIEW

USK 0 PEGI 3

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