Last Half of Darkness – Society of the Serpent Moon REVIEW

Bei „Last Half of Darkness“ handelt es sich um eine Horror-Adventure-Reihe, deren erster Teil bereits Anno 1989 für MS DOS erschien. Seitdem folgten sechs Fortsetzungen, ein Spin-off und ein Remake des ersten Teils. Die Serie kann also insgesamt neun Spiele vorweisen, und das ist äußerst bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass diese Adventures hauptsächlich von einem einzigen Indie-Entwickler stammen. William R. Fisher III zeichnet sich für die Reihe verantwortlich und produziert bis heute Computerspiele, auch wenn er inzwischen auf Action-RPGs umgestiegen ist.

Tatsächlich handelt es sich bei dem in diesem Test zugrunde liegenden Last Half of Darkness – Society of the Serpent Moon um den bis dato letzten Teil der Reihe. Das Spiel wurde erstmals am 10. Februar 2011 veröffentlicht und tauchte über vier Jahre später auch im Steam-Store auf. In die Steamversion wurden sogar die letzten drei Serienteile als Bonusgames in den Programmordner gepackt. Eine nette Geste des Entwicklers, auch wenn sich dieser Test ausschließlich um „Society of the Serpent Moon“ dreht.

Im Gegensatz zu den Vorgängern, bei denen es sich um First Person-Adventures im Stil von Myst handelt, schwenkt Serpent Moon in den 2.5D Point & Click-Stil über. Ob das Spiel was taugt oder nicht, erfahrt ihr im folgendem Test.

Mal wieder die gute alte Nummer von der Maid in Not

Um gleich die wichtigste Frage zu klären: Nein, Kenntnisse zu den Vorgängern sind nicht erforderlich um der Handlung von Serpent Moon folgen zu können. So weit ich erkennen kann, erzählt dieses Spiel eine eigene Geschichte, die unabhängig von denen der vorherigen Serienableger ist.

Ihr übernehmt die Rolle von Billy Black. Dessen Verlobte, Wendy Sothery, ging im europäischen Kaff Antibes verschollen, nachdem die Journalistin ihre Nachforschungen bezüglich gruseliger Vampir-Morde und entführter, junger Frauen zu weit getrieben hat. Wer hätte auch ahnen können, dass sie es mit einer mächtigen Hexe zu tun bekommt?

Glücklicherweise war Wendy clever genug zuvor ihr Tagebuch an ihren Verlobten zu senden, welcher sich natürlich sogleich in den Flieger setzte. Im Hotel von Antibes angekommen, macht sich Billy umgehend auf die Suche nach seiner Angebeteten, und bekommt es in der dubiosen, stark heruntergekommenen Ortschaft nicht nur mit zwielichtigen Gestalten, sondern auch mit übernatürlichen Wesen zu tun. Wird es Billy schaffen seine Liebste zu retten?

Tjoa, und mehr gibt es zur Handlung auch gar nicht zu sagen. Sie kommt eigentlich sehr geradlinig daher. Das Klischee die Maid in Not zu retten ist nun wirklich nichts besonderes, gibt einem jedoch ein konkretes Ziel vor Augen. Tiefgängige Charaktere sollte man auch nicht erwarten. Stattdessen erwarten euch Horror-Klischees wie gruselige Gestalten die aus dem Schatten herausspringen, Friedhöfe, Rituale usw.Positiv finde ich jedoch, dass nicht jedes übernatürliche Subjekt Billy feindlich gesonnen ist. Ein paar von denen stehen ihm auch unterstützend zur Seite, was die Sache meiner Meinung nach auch viel sympathischer und zumindest ein klein wenig interessanter macht. Dennoch erklärt es sich von selbst, das man hier keinen Shakespear erwarten sollte.

Ärgerlich ist hingegen der sehr abrupte Einstieg ins Spiel. Nach dem Renderintro, in dem Wendy auf die Hexe stößt, wird man plötzlich ins Spiel geworfen und verfolgt ein Telefonat zwischen Billy und einem seiner Kumpel mit. Zu diesem Zeitpunkt hat man noch keinen Plan was abgeht, wer der Typ mit der Sonnenbrille überhaupt ist, wo man sich befindet etc. Stattdessen erwartet das Spiel, dass man Wendys Tagebuch in der Inventarleiste durchliest (mehrere Seiten Text), und sich dann den Rest zusammenreimt. Sorry, aber das ist einer der unintuitivsten Einstiege, die ich jemals in einem Adventure erlebt habe. Ferner verstehe ich nicht, wieso man Billy das Aussehen des Arnold Schwarzenegger-Terminators verpasst hat. Das hätte vielleicht gepasst, wenn Billy ein professioneller Vampirjäger wie Blade wäre, was aber nicht der Fall ist. Man hat eindeutig versucht den Kerl so cool wie möglich zu gestalten. Das geht, meines Erachtens jedoch stark nach hinten los. Ich kann euch aber empfehlen euch nicht von diesem holprigen Einstieg abschrecken zu lassen, denn das eigentliche Spiel ist verdammt gut!

Mitreißender Spielfluss

Als 2.5D Point & Click-Adventure nutzt Serpent Moon die vom Genre gewohnten Genrebausteine. Ihr nutzt den Mauscursor, um den Screen nach Hotspots, Gegenständen, NPCs oder Ein- und Ausgängen abzusuchen und betätigt die linke Maustaste für die Interaktion. Gefundene Gegenstände werden in einer Inventarleiste am unteren Bildrand gesammelt. Die Leiste poppt erst auf, wenn man den Cursor zum unteren Rand bewegt. Bestimmte Gegenstände können näher untersucht und/oder miteinander kombiniert werden, um weitere Infos zu erhalten oder neue Tools zu kreiieren. Die Gegenstände sind dann an richtiger Stelle bzw. auf den richtigen Hotspot anzuwenden um Problemstellungen zu lösen und im Spiel voranzukommen.

Abgesehen von oben beschriebenen Inventarrätseln gibt es auch eine wohl dosierte Menge an Puzzles zur Auflockerung. Bei denen muss dann ein zerissener Zettel zusammengesetzt, an Schaltkreisen gedreht oder eine Rohrleitung gelegt werden. Als Bonus gibt es sogar ein kleines, simples Strategie-Minispielchen namens Ravens Hunt.

Besonders spannend ist jedoch die Struktur als Semi-Open-World. Im Gegensatz zu anderen 2.5D Point & Click-Adventures, die sich lieber linear halten, gestatted Serpent Moon gleich zu Beginn den Zugang zu ca. zwei Drittel der Spielwelt (zumindest sobald man das Hotel absolviert hat). Hierdurch ist der Erkundungsdrang des Spielers gefragt, was angesichts der Spielthematik und des Settings auch eine gute Spannung erzeugt. Zwar kann man durch diese Struktur auch mal ins Stocken geraten oder muss Backtracking betreiben, aber dies ist ein Preis, der es meines Erachtens wert ist.

Außerdem hält sich der Schwierigkeitsgrad von Serpent Moon dank der vorbildlich-logischen Rätsel ohnehin spürbar in Grenzen. Ein durchschnittlicher Adventure-Spieler sollte das Game ohne Komplettlösung knacken können. Mir ist das jedenfalls gelungen. Tatsächlich gehört Serpent Moon sogar zu den besseren Adventures, wenn es ums Thema Spielfluss geht. Ich bin nur selten hängen geblieben und wurde wunderbar vom Spielfluss mitgerissen.

Was den Komfort anbelangt, bekommt man im Verlauf des Spiels eine Stadtkarte, welche als Schnellreise-Funktion fungiert. Eine Hotspotanzeige gibt es auch, jedoch beschränkt sich diese leider nur auf Ein- und Ausgänge. Glücklicherweise hält sich das Pixelhunting jedoch stark in Grenzen, weswegen dieser Umstand nicht so tragisch ist. Außerdem bietet das Spiel einen optionalen „Easy Mode,“ den man im Startmenü aktivieren darf. Dieser gibt euch einen Notizblock ins Inventar, welcher Anweisungen gibt, was man als nächstes tun sollte um im Spiel voranzukommen. Leider hat Steam meine Spieldauer aus technischen Gründen nicht aufgezeichnet (dazu mehr im nächsten Testsegment). Anhand anderer Spieler kann sich diese jedoch zwischen 6 bis 10 Stunden einpendeln. Ich selbst hatte nach dem Abspann jedenfalls das Gefühl eines vollwertigen Abenteuers und habe bezüglich der Länge nichts vermisst.

Grafik und Sound

Für ein Spiel von 2011 wirkt Serpent Moon extrem veraltet. Und damit meine ich noch nicht einmal den zeitlos guten 2.5D-Grafikstil mit Renderbildern und 3D-Charaktermodellen, sondern viel eher die lachhaft niedrige Auflösung von 1024×768 Bildpunkten. Das ist beim besten Willen zu niedrig, und sorgt auf größeren Bildschirmen dafür, dass die Renderbilder nicht mehr ganz so schick wirken wie es hätte sein sollen. Dennoch schaffen sie es immer noch sehr viel Atmosphäre zu erzeugen. Das Kaff Antides wird als richtig schön finsteres Drecksloch präsentiert.^^

Die 3D-Charaktermodelle sind hingegen zu zweckmäßig geraten und können höchstens mit Adventures mithalten, die schon über 10 Jahre auf dem Buckel haben – wenn überhaupt. Tatsächlich hat der Entwickler getrickst und einige Charaktere als Bestandteil der Renderbild-Zeichnung integriert. Hierdurch konnte er sich und dem Spieler das ein oder andere 3D-Charaktermodell ersparen. 3D-Rendersequenzen gibt es ebenso, und diese werden sogar relativ zahlreich über das Spiel verwendet. Aber diese sind mindestens genauso veraltet wie die niedrige Auflösung und bereiten daher, trotz Jumpscare-Masche, eher unfreiwillige Komik als Grusel. Man bedenke nur, dass ein Final Fantasy XIII anderthalb Jahre vor Serpent Moon veröffentlicht wurde.

Bezüglich eines Soundtracks hält sich das Spiel sehr bedeckt. Meistens herrscht Stille oder eben Ambientgeräusche. Nenneswert ist nur der seichte Gothic Rock-Song, der im Tattoo-Shop abgespielt wird. Nervig ist der völlig überflüssige Grusel-Jingle, der ertönt, wenn man einen Gegenstand einsammelt. Und noch viel nerviger ist die Stimme des Protagonisten Billy Black. Da hat der Verantwortliche wirklich krampfhaft versucht den Typen so cool wie möglich klingen zu lassen und ist dabei gnadenlos gescheitert. Immerhin leisten die anderen Sprecher einen vernünftigen Job. Sowohl Text und Sprachausgabe sind übrigens ausschließlich auf englisch verfügbar.

In technischer Hinsicht gibt es einige Macken. So kann es passieren, dass der Soundtrack abbricht, und wenn ein Renderscreen mal mit Spielereien wie Rauch- und Nebelschwaden daherkommt, bricht die Framerate spürbar ein und Billy kann nur noch halb so schnell laufen (erinnert mich an den Regen in Black Mirror). Ferner passiert es, dass einige Rendersequenzen-Trigger respawnen. Vor allem wenn man das Spiel verlässt und später wieder startet.

Wer modernere Betriebssysteme wie Windows 10 nutzt, sollte ferner damit rechnen, dass er das Spiel nur im Kompatibilitätsmodus starten kann. Dies bedeutet, dass man nicht an die Sammelkarten herankommt, da im Kompatibilitätsmodus die Spielzeit von Steam nicht registriert wird. Screeshots über Steam lassen sich dann auch nicht knipsen. Da die Specs aber nur bis zu Windows 8 reichen, werde ich die Macken für moderne Betriebssysteme nicht negativ in die Wertung einfließen lassen.

Pro & Kontra

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Pros
  • starker Spielfluss
  • atmosphärische Location
  • sehr gutes Rätseldesign mit wirklich fairem Schwierigkeitsgrad
  • Semi-Open-World

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Cons
  • lächerliche Synchronstimme für den Protagonisten
  • zu abrupter Einstieg ins Spiel
  • wirkt für ein 2011er-Spiel sehr stark veraltet
  • die Semi-Open-World kann viel Backtracking und Sucherei provozieren

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