Final Fight REVIEW

Anno 1989 hat Capcom dem Beat’em Up/Brawler-Genre mit Final Fight auf ewig seinen Stempel aufgedrückt und somit sogar die Konkurrenz von Technos Japan (Renegade, Double Dragon), in die Schranken gewiesen. Dabei ist zu erwähnen, dass Technos Japan immerhin jene Leute waren, die das Genre erst so richtig ins rollen gebracht haben! Final Fight war ein derart gewaltiger Erfolg, dass es nicht nur zahlreiche Nachahmer sondern auch viele Portierungen nach sich zog. Dieser Tage ist man jedoch nicht mehr auf Portierungen angewiesen, sondern kann auch das Arcade-Original zocken, welches Teil des „Capcom Beat’em Up Bundle“ ist. Ob der Prügelklassiker auch heute noch eine Runde wert ist, soll folgender Test aufzeigen.

Die altbewährte Story von der Maid in Not

Die Story ist denkbar simpel: Die Großmetropole Metro City wird von Verbrechenswellen erschüttert, welche in erster Linie von der brutalen Mad Gears Gang ausgehen. Doch damit soll laut Mike Haggar, dem neu gewählten Bürgermeister der Stadt, endgültig Schluss sein. Er sagt der organisierten Kriminalität den Kampf an und bekommt prompt die Quittung präsentiert. Damn D, einer der zahlreichen Schläger der Gang, entführt Mikes Tochter Jessica, um den Bürgermeister zur Korruption zu zwingen. Doch was der Fiesling nicht weiß, ist, dass Haggar ein ehemaliger Straßenkämpfer und Wrestler ist, der sich so eine Aktion nicht gefallen lässt. Haggar ist obendrein clever genug ein wenig Verstärkung heranzuziehen. Er kontaktiert Jessicas Freund, den Martial Arts-Profi Cody, damit sich dieser seiner Befreiungsaktion anschließt. Cody wiederum befand sich gerade im Training mit seinem Kumpel Guy, einem aufstrebenden Ninja. Dieser will jetzt freilich auch mitmischen, und so finden sich die drei schlagkräftigen Engel für Jessica zusammen, um ordentlich Kloppe unter den Punks der Mad Gears zu verteilen.

Es handelt sich also um eine klischeehafte Maid in Not-Story, welche vor allem in den 80ern und 90ern sehr gerne und sehr oft breitgetreten wurde. Nennenswert sind hier nur zwei Dinge: Erstens findet Final Fight im Street Fighter-Universum statt, weswegen viele Charaktere in diesem Spiel auch in späteren Street Fighter-Ablegern auftauchen, und zweitens wurde die englischsprachige Version auch in der Arcade-Version leicht zensiert. Wer im Intro Jessica im BH sehen will, muss also die japanische Version anwählen, was im Capcom Beat’em Up Bundle aber auch problemlos möglich ist.

Eintönige aber unterhaltsame Straßenkämpfe

Spielt man das Spiel über das Capcom Beat’em Up Bundle bekommt man Zugriff auf zwei verschiedene Regler für Schwierigkeitsgrade. Den Ersten kann man in acht Stufen und den Zweiten in vier Stufen regulieren. Da es sich um die Arcade-Version handelt ist der Schwierigkeitsgrad jedoch selbst auf der niedrigsten Stufe sehr hoch angesetzt. Man sollte also schon damit rechnen mehrere Continues zu verballern. Andererseits stellt euch die „Bundle“-Version aber ohnehin unendlich viele Continues zur Verfügung, weswegen der Schwierigkeitsgrad nur schwer zu messen ist. Höhere Grade steigern aber immerhin die Anzahl der Gegner und könnten daher dennoch eine Runde wert sein. Weitere Einstellungsoptionen ist die Anzahl der Extraleben pro Continue (1-4) und ab welchen Punktzahlen es ein Extraleben gibt (auch hier gibt es vier Varianten). Auch das Buttonlayout für den Controller kann festgelegt werden.

Aber genug von derartigen Optionen: Vor Spielbeginn steht natürlich auch die Wahl der Spielfigur. Die Statistica von Guy, Cody und Haggar werden seltsamerweise nur in Form von deren Körpergrößen (Height) und Gewicht (Weight) angedeutet. Je größer und schwerer der Charakter, desto stärker und langsamer ist er. Ich persönlich bevorzuge auch hier den ausgewogenen Cody, wobei einige Bosse jedoch mit Mike am schnellsten abgewickelt werden können.

Das Spielprinzip eines Brawlers ist schnell erklärt. Ihr bewegt euch mit eurer Spielfigur gemächlich von links nach rechts und vermöbelt jeden Gegner, der es wagt sich euch in den Weg zu stellen. Am Ende einer Stage wartet natürlich ein Bossgegner, der wesentlich mehr Gegenwehr leistet als die Standard-Gegner, und dessen K.I.-Muster schleunigst erlernt werden sollte, um nicht zu viele Extraleben einzubüßen. Wobei jedoch klargestellt werden muss, dass auch die Standard-Gegner gefährlich werden können, da sie die lästige Angewohnheit haben in Überzahl aufzukreuzen, den Spieler gerne in die Zange nehmen und ihrerseits über teils extrem lästige K.I.-Muster verfügen. Anders als in den Portierungen könnt ihr hier übrigens mit bis zu 10 Gegnern gleichzeitig auf dem Screen rechnen, was natürlich auch mit ein Grund dafür ist, warum die Arcade-Version trotz unbegrenzter Continues deutlich schwerer wirkt als die Portierungen.

Um sich dieser Gegnerhorden zu erwehren verfügt man über reguläre Schläge, die sich automatisch zur Schlagkombo verketten, ein Sprungmanöver um Hindernissen am Boden auszuweichen oder welches in Kombination mit dem Schlagbutton einen Sprungkick offenbart und einen Spezialangriff, der alle Gegner in näheren Umkreis der Spielfigur trifft und wegschleudert, der Spielfigur dabei jedoch auch ein Minimum an Lebensenergie abzwackt. Ferner ist es auch möglich den Gegner zu packen und in hohen Bogen wegzuwerfen, um sich etwas mehr Luft zu verschaffen.

Einige Gegner und Fass-Behälter beherbergen auch Waffen, die man freilich selbst nutzen darf, um den verursachten Schaden zu erhöhen. Zur Verfügung stehen Messer, Katanas und Rohrstangen. Die Messer werden übigens geworfen, wenn man zu weit vom Gegner entfernt ist. Abgesehen von Waffen gibt es noch zwei weitere Item-Typen, die man aus den zerstörbaren Fass-Behältern erlangen kann. Nahrungsmittel fungieren zur Regeneration des Lebensenergie-Balkens und alle restlichen Krimskrams-Items erhöhen das Punktekonto.

Wie die meisten Beat’em Ups leidet auch Final Fight One unter einer gewissen Eintönigkeit, die sich früher oder später einstellt. Im Kern läuft man halt immer nur von links nach rechts und prügelt sich durch. Der Abwechslung zuliebe bietet das Spiel minimale Geschicklichkeitseinlagen wie die ätzenden Feuerflächen im Industrie-Level oder die zwei Bonusrunden, in denen man nach Stage 2 und 4 entweder ein Auto schrottet oder Glasscheiben zerdeppert, um Bonuspunkte zu kassieren. An dieser Stelle merkt man dann doch, dass man es bei Final Fight mit einem Spiel zu tun hat, welches bereits in den 80ern entstanden ist und nenneswerte Gimmicks wie Surfeinlagen, Reittiere oder spezielle Mode 7-Level vermissen lässt. Immerhin hat man über das Capcom Beat’em Up Bundle Zugriff auf Online-Coop-Multiplayer, welcher jedoch kaum genutzt wird und quasi tot ist.

Grafik und Sound

Die größte Stärke von Final Fight ist definitiv die Grafik. Es ist einfach unglaublich wie unverschämt gut dieses Spiel selbst heute noch aussieht. Die Charaktersprites sind sehr groß, detailliert und bieten sogar gute Animationen für damalige Verhältnisse. Es gibt Spielereien wie ein Kellerloch mir flackerndem Stromlicht, die Technik schafft es ca. 10 Gegner-Sprites auf einmal auf dem Screen darzustellen – und das auch noch flüssig! Zwar war das Setting rund um Großstadt-Gangs bereits damals nicht sonderlich kreativ, aber dafür setzte Capcom dieses Thema im bunten Comic-Look um, was dem Setting nicht nur einen neuen Touch gab, sondern obendrein das eigentlich äußerst brutale Geschehen erstaunlich stark abmilderte und somit wohl auch Barrikadengängen alter Leutchen vorbeugte. Und auch die Implementation von gescheiten Intro- und Outro-Sequenzen war eine Steigerung zu den spartanischen Sequenzen der Double Dragon-Vorläufer.

Der Soundtrack an sich ist gut gelungen und passt gut zum Spielgeschehen. Es gelingt ihm den Spieler in Prügellaune zu versetzen. Allerdings merkt man, dass Anno 1989 die Soundchip-Technologie noch nicht weit genug fortgeschritten war, um wirklich gute Klänge zu erzeugen. Aufgrund dessen klingen die Tracks relativ schwachbrüstig und kann im Arcade-Original nicht dieselbe Kraft entfalten wie in den späteren Ports, welche mit stärkeren Soundchips arbeiten konnten. Unabhängig davon ist es auch kein OST bei dem man das Verlangen verspürt ihn außerhalb des Spiels anzuhören, oder der gar einen Ohrwurm erzeugen könnte. Die Soundeffekte sind dafür auch in der Arcade-Version sehr gefällig. Die Schlag- und Trittlaute, als auch die Kampflaute und Sprachsamples der Prügelknaben fetzen richtig gut und tragen einen guten Teil zur Action bei.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pros
  • grafisch extrem hübsch für ein Spiel von 1989
  • simpler aber sehr gut spielbarer Brawler-Klassiker
  • hoher Wiederspielwert durch variable Schwierigkeitsgrade, 3 Spielfiguren und Online-Coop-Multiplayer (auf neueren Konsolen)

thumbs-up-icon

Cons
  • auf Dauer sehr eintönig. Sogar eintöniger als andere Brawler wie Double Dragon 1 und 2
  • die englische Version hat Jessica im BH zensiert – lächerlich
  • der Schwierigkeitsgrad wirkt, trotz unbegrenzter Continues, relativ hoch angesetzt

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Spiel Bewertung
Singleplayer
85
85
Gut
85
Multiplayer

FAZIT

Final Fight ist ein extrem wichtiges Spiel im Genre der Beat'em Ups, denn es hat viele zusätzliche Nuancen hinzugefügt. Sei es das bewusst schnörkellose Gameplay, welches die Move-Palette der Straßenkämpfer im Vergleich zu Double Dragon nochmals entschlackt, die herrlich riesigen Sprites, der charmant-bunte Comic-Look, welcher die Brutalität stark abmildert, die technisch beeindruckenden Gegnerhorden, welche gleichzzeitig auf dem Screen agieren … es gibt eine Menge was man am Spiel gern haben kann. Zwar war das Gameplay bereits damals dezent trocken (die Double Dragon-Konkurrenz bot da einfach mehr Abwechslung) und der Schwierigkeitsgrad ein wenig zu sehr aufs Groschenfressen ausgelegt, aber glücklicherweise tut dies dem Spielspaß nur wenig Abbruch. Wer Interesse am Genre hat, sollte diesen Klassiker wirklich mal gespielt haben, vorzugsweise in der schicken Arcade-Version.

- Von  Volker

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