F.I.S.T.: Forged In Shadow Torch REVIEW

Egal welche Kulturschaffende Branche man auch in Blick nimmt, China und seine Künstlerinnen und Künstler spielen eine immer größere Rolle in der jahrzehntelang von den USA geprägten Medienwelt. Videospiele sind da natürlich keine Ausnahme. Tencent und Netease, zwei der größten Technikfirmen Made in China, sind schon seit Jahren auf Einkaufstour und erwerben Minderheiten oder übernehmen gleich komplette Studios. Nicht zuletzt wittert natürlich auch der Weste seine große Chance in China und will den Markt und seine Konsumenten erschließen. Und auch Sony hat die wichtige Rolle erkannt, die China in den kommenden Jahren im Videospiel-Sektor spielen wird und daher das China Hero Project ins Leben gerufen, mit welchen man in China ansässige Indie-Studios fördert um ihre Projekte auf die Weltbühne zu heben. Mit F.I.S.T.: Forged In Shadow Torch ist nun das erste Spiel dieser Initiative für PC, PlayStation 4 und PlayStation 5 veröffentlicht worden. Sollte der Startschuss ein Indiz für die Qualität kommender Spiele des China Hero Project sein, dann darf man einiges erwarten.

Noch ein Metroidvania? Noch ein Metroidvania!


Hinter F.I.S.T.: Forged In Shadow Torch steht das in Shanghai ansässige Studio TI Games, die vor einigen Jahren mit Ancient Amuletor VR bereits ihr erstes Spiel (u.a. auch für PSVR) veröffentlicht haben. Das erste, „traditionelle“ Game des Entwicklers nimmt sich das Metroidvania zur Brust, was in vielerlei Hinsicht sinnig ist. Trotz der eigentlich anzunehmenden Übersättigung des Marktes mit Metroidvanias, steht das Genre gerade bei Indie-Fans noch immer hoch im Kurs. Gleichzeitig gibt es wohl wenige Spielarten, deren Mechaniken und Bausteine so häufig von der Praxis als funktional erwiesen wurden und von dem es so viele gelungene Beispiele gibt, wie die des Metroidvania. Spiele wie Hollow Knight oder auch Salt and Sanctuary beweisen gleichzeitig, wie viele frische Ideen man in dem Genre noch unterbringen kann.

Wer nun aber den nächsten Innovator der Metroidvanias sucht, ist hier falsch. TI Games begnügt sich nämlich mit einer relativ formelhaften Umsetzung und bringt zumindest in Hinblick auf das Gameplay keine komplett neuen Ansätze mit. Man steht vor verschlossenen Türen oder einer unüberwindbaren Laserschranke? Später wird es dafür sicherlich die entsprechende Fähigkeit bzw. das richtige Werkzeug geben. Man sieht ein Item über einer Plattform, die man nicht erreichen kann? Einfach erneut wiederkommen, wenn man den Doppelsprung hat. Ein Fähigkeitenbaum, der jede Menge coole Moves und Attacken verspricht? Klaro gibt es den!

Auch die sichere Bahn kann fantastisch sein


Bitte nicht falsch verstehen: obwohl F.I.S.T. alles andere als das Rad des Genres in neue Bahnen lenkt, so ist die Umsetzung all der bekannten Bausteine auf einem ziemlich hohen Niveau. Das Movement ist griffig, die Attacken brachial, die Fähigkeiten befriedigend, das Leveldesign angenehm verwinkelt und mit Geheimnissen und versteckten Arealen gespickt. Sich immer wieder abseits des Hauptweges aufzuhalten oder an bereits besuchte Orte zurückzukehren, um diese zu 100% zu klären hat mir großen Spaß bereitet.

Nicht zuletzt, da die Spielwelt ziemlich stimmig inszenierte Orte besitzt. Für ihr retrofuturistisches Setting haben sich die Entwickler an der Stilistik des Dieselpunks orientiert. Es gibt riesige Fabrikanlagen, in denen mächtige Waffen und Roboter hergestellt werden. Es gibt alte Kohleminen, in denen man sich mit kniffligen Fallen auseinandersetzen muss. Es gibt ein riesiges Unterwasserareal, in welchem man von einer mechanischen Tentakel verfolgt wird. Und es gibt eine von Neonreklame erhellte und von melancholischen Jazz akustisch begleitete Stadt, bei der ich sofort an die alten Hong Kong Filme von John Woo (u.a. The Killer, Hard Boiled) denken musste.

Ein Hase als Held


Die Bewohner der Welt sind aber der eigentliche Kniff, leben hier doch keine Menschen, sondern anthropomorphe Tiere. Protagonist ist Rayton, ein ziemlich grummeliger Hase. Dieser trägt auf seinem Rücken eine Apparatur, die es ihm erlaubt eine große Metallfaust zu schwingen. Mit dieser stürzt er sich in den Kampf gegen die Legion der Roboter, einer hauptsächlich aus metallischen Hunden bestehenden Armee, welche die pelzigen Bewohner der Welt vernichten will. Eine persönliche Note bekommt der Widerstand gegen die Legion nicht zuletzt durch Cicero, den ehemaligen Weggefährten von Rayton, der die metallische Revolution anführt. Die Handlung ist gespickt mit Motiven der chinesischen Folklore und durchaus auch der jüngeren Geschichte des Landes, was eine ziemlich spannende Mischung auf dem Papier ist. Leider kommt die Story selbst aber kaum über ein „ganz nett“ heraus, dafür funktionieren aber die vielen unterschiedlichen Figuren wesentlich besser. Eine Ratte als fieser Mafiaboss, eine Katze als mysteriöse Femme fatale und ein knuddeliger Bär als Sidekick sind schon ziemlich cool.

Und auch beim Design stimmt eigentlich alles. Obwohl die Setpieces eigentlich nichts neues bieten, sind sie dennoch sehr cool umgesetzt. Hier sorgt vor allem die Interpretation der Entwickler sowie der unverkennbar chinesisch gefärbte Einfluss beim Design und Ausarbeitung von Figuren und Umgebungen für einen frischen Touch. Gleichzeitig ist die Grafikqualität schlicht atemberaubend gut.

Fighting game in disguise


Vor allem aber beim Kerngameplay F.I.S.T. prahlt mit seinen Kompetenzen. Die mechanische Faust wird später durch einen Bohrer und eine elektrische Peitsche erweitert, wodurch man nicht nur neue Möglichkeiten in der Erkundung der Welt erhält, sondern auch im Kampf. Ähnlich wie in einem Fighting Game, kann man nicht nur normale Angriffe, sondern auch Spezialattacken ausführen und alle Aktionen sogar zu Komboketten aneinanderreihen. Selbst Air Juggles sind möglich, sodass man manche Gegner theoretisch in einem einzigen Angriffszug ohne Gegenwehr vernichten kann.

Die Gegner sind ebenfalls abwechslungsreich in Aussehen und Angriffen gestaltet. Das man hier vor allem japanische Stereotypen (Samurai, Ninja, Sumoringer etc.) als Gegner inszeniert, ist zwar mit der Geschichte zwischen China und Japan etwas fragwürdig. Rein spielmechanisch wird so aber viel Abwechslung in die Kämpfe gebracht. Und auch bei den Bossen hat man ein paar richtig gute Einfälle, allerdings war mir ein Großteil der Endgegner eine Spur zu einfach. Aber das mag eine sehr persönliche Wahrnehmung sein.

[textRunde Sache[/text]

Stellt sich die Frage: macht F.I.S.T. denn gar nichts falsch? Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Dinge, die ich wirklich bemängeln kann. Ein paar Trial & Error Momente beim Platforming gibt es, vor allem in dem Minenareal. Hin und wieder fällt auch der Bildausschnitt etwas zu klein aus, sodass man nicht genau erkennen kann ob über oder unter Rayton Gegner oder Fallen lauern bzw. ob man etwas wichtiges verpasst. Für letzteres Problem sorgt immerhin die übersichtliche Karte für Abhilfe, die teilweise sogar versteckte Gegenstände markiert, wenn man einigermaßen in ihrer Nähe war.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • Metroidvania par excellence
  • wuchtiges Kampfsystem mit drei sehr unterschiedlichen Waffen
  • viele Kombomöglichkeiten bei den Attacken
  • flotte Steuerung
  • grandiose audiovisuelle Darbietung

thumbs-up-icon

Contra
  • Geschichte nicht sonderlich spannend
  • manche Trial & Error Passagen
  • fügt dem Metroidvania-Genre keine neuen Ideen hinzu

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Spiel Bewertung
Singleplayer
84
84
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

Seit ich die ersten Spielszenen von F.I.S.T.: Forged In Shadow Torch gesehen habe, hat mich das Spiel interessiert. Dabei bin ich gar nicht mal der allergrößte Fan von Metroidvanias. Doch die Mischung aus anthropomorphen Tieren, der düsteren und mit klar erkennbaren chinesischen Einflüssen versehenen Cyberpunk-Ästhetik sowie der schicken Optik haben mich sofort angesprochen. Das ich am Ende eines meiner Spiele des Jahres erhalten würde, hätte ich allerdings nicht erwartet. Zugegeben: es mangelt dem Spiel an wirklich eigenen Ideen. Nahezu alle Aspekte, Elemente und Mechaniken habe selbst ich, der wirklich nur alle Jubeljahre ein Metroidvania spielt, bereits mehrfach gesehen. Allerdings fügt Entwickler TI Games alle Bausteine absolut stimmig zusammen und liefert ein nahezu rundes Gesamtpaket ab, welches aus der Masse an Spielen dieser Art durch sein Artdesign, seinen Bezügen zur chinesischen Folklore und Ideengeschichte sowie der grafisch ansprechenden Optik heraussticht.

- Von  Adrian

F.I.S.T.: Forged In Shadow Torch ist ein Metroidvania par excellence, welches zwar nicht das Rad des Genres neu erfindet, seine verschiedene nBausteine aber auf höchstem Niveau serviert.
Playstation 4
MS Windows
PlayStation 5

F.I.S.T.: Forged In Shadow Torch REVIEW

USK 6 PEGI 7

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