Dragon Quest Heroes REVIEW

„Dragon Quest“ – Pling, da stellen sich die Lauscher auf, und alle Aufmerksamkeit auf andere Dinge geht flöten. Man fokussiert sich auf das gehörte. „Ohhhhh… Dragon Quest!“. Seit jeher der Name einer Marke, die für Rollenspiele allererster Güteklasse steht. Dragon Quest war gerade in Japan der stärkste Konkurrent zu Final Fantasy, dort sogar etwas beliebter als hier. Es gibt sogar Mythen wie „schulfrei“, weil ein neuer Ableger erschien! Kurz gesagt: Eines DER Rollenspiele überhaupt. Doch da gibt es jetzt ein kleines, nennen wir es, „Problem“ mit dem Begriff „Rollenspiel“ bezüglich des neusten Ablegers…

Aufgrund des Aspektes der Konkurrenz zu Final Fantasy ist es einerseits erfreulich, dass wir dieses mal kein Dragon Quest-„Rollenspiel“ bekommen, sondern etwas gänzlich anderes, so dass auch ein Final Fantasy-Fanatiker getrost zugreifen kann. Andererseits ist das erwähnte Problem aber, dass manch ein Fan der Serie enttäuscht war, als er erfuhr, was das denn genau für ein Spiel sei: Dynasty Warrior meets Dragon Quest – fertig ist „Dragon Quest Heroes“. Der Name suggeriert ein normales Rollenspiel soweit erst einmal, weswegen der Titel besser lauten sollte „Dynasty Warrior mit Dragon Quest-Skin und einer Prise Rollenspiel“. Das ist aber nicht so einprägsam, von daher…

Warum es kein wirkliches Dragon Quest ist, aber trotzdem Spaß macht, lest ihr hier in diesem Test, welcher sich mit der PS4 Version beschäftigt.

Story

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Links und rechts die beiden Hauptakteure, mittig zwei weitere Charaktere aus der „Heroes-Welt“

Zur Story sei natürlich nicht viel verraten, doch kurz: Die zwei Hauptcharaktere von Heroes, die in ihrem eigenen (aber typischen) Dragon Quest-Universum leben, müssen natürlich das Böse besiegen, welches ihre Welt vernichten will. Unterstützung erhalten sie von Charakteren anderen Dragon Quest-Spiele, welche aus den anderen „Dimensionen“ (also Serienablegern) in die Welt der beiden sympathischen Hauptakteure gelangen, und fortan mithelfen das Böse zu besiegen.

Die Story ist äußerst einfach gehalten, dient aber dem ohnehin simplen Spielprinzip als passenden Aufhänger. Mit Humor, Wortwitz und vielen Anspielungen weiß das Spiel jedenfalls den Dragon Quest-RPG-Spieler zu unterhalten. Dies ist auch eigentlich die größte Stärke des Spiels: Fans bekommen viel Wiedererkennungswert geliefert! Es ist einfach schön, bekannte Charaktere aus der Serie wiederzutreffen, oder mit typischen Items wie „Heiligenasche“ oder auch Gegner wie dem „Schleim“ konfrontiert zu werden. Die Charaktere aus den Serienablegern mit ihren individuellen Eigenheiten, sogar Sprachstilen sind gut rübergebracht im Heroes-Ableger, und wissen einen einfach zu unterhalten! Auch die Zwiegespräche der Hauptcharaktere passen super, und sorgen für den einen oder anderen Schmunzler.

Spielprinzip und Mechaniken

Wie erwähnt haben wir es mit einem Crossover von Dynasty Warrior und Dragon Quest zu tun. Schlachtfelder, vollgepackt mit Gegnern (eher Opfern), ein sehr simpel steuerbarer Charakter und das alles im Look von Dragon Quest mit ein paar Bezügen/Anekdoten an die klassische Rollenspielreihe. Und es gilt das Prinzip: Hau alle Gegnermassen weg – so viel allgemein nochmals zum Spiel. Und genau das beschreibt auch, was eigentlich den Reiz solcher Spiele ausmacht, aber Leute die dem Spielprinzip nichts abgewinnen können langweilen: Einfach alles weghauen, Gegner im hohen Bogen über das Schlachtfeld pfeffern, und wie ein Berserker mit Schwert oder auch Bogen oder Axt, wie ein warmes Messer durch Butter, durch die Gegnermassen zu jäten.

In den Abschnitten steuert man einen von vier Charakteren, die man sich aus einer größeren Truppe zusammenstellt. Zwischen den Vieren kann während der Mission jederzeit gewechselt werden. Alle verfügen über Nahkampfangriffe, sowie Magiefähigkeiten und können springen. Dabei gibt es natürlich Charaktere, welche eher auf den Nahkampf ausgerichtet sind, andere mehr auf die Distanz, wieder andere lassen bevorzugt mächtige Zauber auf die Gegner wirken.

Zusammengefasst gilt es, in jedem Level wie z.B. Schloss, Höhle oder Wüstenstadt, die in verschiedene Abschnitte von 4-5 aufgeteilt sind, mehr oder weniger alles umzuhauen, was sich bewegt – Mission erledigt! Dann geht es in den nächsten Abschnitt, alles umhauen – Mission erledigt. Dann geht es in den nächsten Abschnitt… ihr merkt, es klingt repetitiv, und das ist es leider auch. Klar, zwischen den einzelnen Abschnitten eines Levels wird die „Story“ vorangetrieben, mal durch simple Texte, mal durch Sequenzen, und oft auch, durch tolle CGI-Filme. Es ändert aber nichts am recht ermüdenden Abklappern des nächsten Abschnittes.

Abwechslung entsteht durch kleine Aufgaben innerhalb einer „Herausforderung“  (so der allgemeine Name der nächsten Story-Mission). Als Beispiel wären da das Eskortieren von Personen, das Verwenden von Geschützen auf dem Schlachtfeld, oder auch das Beschützen von Burgtor oder anderen wichtigen Dingen im Spiel. Dies ändert aber nichts an der „Hauptaufgabe“: Alles weghauen!

Spielablauf

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Wenn es mal richtig knallen muss: Manche Level bieten stationäre Geschütze

Die Gegner sind entweder von Anfang an in den Levels gesetzt, oder tauchen durch Portale auf, die es in den meisten Herausforderungen zu schließen gilt, damit der Nachschub ausbleibt. Aber auch nach einer gewissen Spielzeit erfolgt die Ankündigung, dass nun die letzte Welle kommen würde – meist bestehend aus den stärksten Gegnertypen. Am Ende aller Abschnitte eines Levels wartet dann ein sehr starker Endgegner. Ist dieser besiegt, wird das nächste Level freigeschaltet, bzw. die Story führt zum nächsten Ort. Und dann das gleiche nochmals von vorne… Die Endgegner sind übrigens der einzige Grund, ab und zu mal den „Ausweichen-Knopf“ zu drücken, da diese oft hohen Schaden verursachen.

Da ja Dragon Quest ein Sinnbild für „Rollenspiel“ ist, dürfen auch einige Aspekte dieses Genres nicht fehlen. So gibt es für jeden Charakter einen Fähigkeiten-Baum, bei dem durch einen Level Up verdiente Talentpunkte investiert werden können. Man kann z.B. die Stärke des Charakters erhöhen, dessen physische oder magische Abwehr, aber auch neue Techniken und Zauber freischalten und verbessern. Dies ist zwar recht simpel gehalten, lässt einen aber doch einem Charakter einen individuellen Anstrich verpassen.

Nun ist man aber nicht unbedingt nur mit vier Charakteren den immensen Monsterhorden ausgesetzt, denn es gibt auch Hilfe durch die Konkurrenz: Recht früh im Spiel erhält man die Möglichkeit von Gegner verlorene Monstermedaillen einzusetzen, welche das Monster repräsentieren von dem diese fallen gelassen wurde. Bei deren Einsatz beschwört man nun besagtes Monster, welches fortan die gewählte Position verteidigt, oder einen mit Hilfszaubern heilt, Werte stärkt, oder auch einen starken Angriff gegen Gegner ausführt. Hilfszauber werden von „Hilfsmonster“ gewirkt, die Monster welche die Position halten, und die ankommenden Gegnerhorden bekämpfen werden „Wachposten“ genannt. Ein schönes Spielelement, welches zwar keinen riesigen Einfluss auf den Ausgang der Herausforderungen hat, aber doch oft sehr nützlich ist. Zudem ist es eine gelungene Abwechslung zu dem simplen Knöpfe-Drücken.

Spielmodi/Umfang

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Die Karte der Spielwelt

Kommen wir zum vielleicht größten Problem von Dragon Quest Heroes: Der Umfang/die Abwechslung. Man befindet sich zum Spielstart (außer im ersten Level) immer direkt auf einem Luftschiff, welches den Ausgangspunkt für sämtliche Abenteuer darstellt. Zudem ist es u.a. gleichzeitig der Handelsposten mit Waffenhändler, Kugelnhändlerin (die Rüstungen im Spiel), Kirche (zum Speichern und Heilitems) und Kneipe (Plaudereien mit Kameraden) in einem. Auf einer Landkarte wird die nächste Herausforderung der Story gewählt, oder bereits besuchte Abschnitte erneut ausgewählt, um sich den Monsterhorden in verschiedenen Schwierigkeitsstufen erneut zu stellen. Auf der Karte werden ebenfalls Missionen ausgewählt, welche man an einem speziellen Schalter annehmen kann. Aber auch diese sind meist nach dem Motto: „Hau alles weg“, oder „hau nicht alles weg, sondern 60 von dem und dem Gegnertyp“. Zudem kann man über gefundene Schatzkarten Dungeons freischalten, und sich in diesen mit den bereits besiegten Endgegnern erneut messen – je schneller man dabei ist, desto besser die Belohnung in der Schatzkiste, welche es zum Schluss gibt.

Das mag sich jetzt zwar nicht nach so wenig anhören: Story, Missionen, Sammelaufgaben, Bosskämpfe… aber es ist letztlich alles dasselbe, unter einem anderen Vorwand: Alles weghauen. Zudem sind die Abschnitte identisch zu denen aus der Story, so dass nicht mal dies ein zusätzlicher Motivator ist. Auch werden alle Aufgaben fernab der Story ziemlich lieblos präsentiert, und sind oft schlicht unlogisch. Zum Beispiel heißt es in einem Dungeon, man würde in einer Höhle Gegner XY finden. Warum kämpfe ich dann in einer Stadt gegen den Gegner? Häh?! Dies ist extrem oft der Fall, so dass es einem so vorkommt, als ob da wirklich nur irgendein Text zu irgendeinem Level geschrieben wurde, ohne jeglichen Zusammenhang. Alles macht 1-2 Std. Spaß, dann ist erstmal die Luft raus und man spielt am besten erst am nächsten Tag weiter, sonst wird es einfach zu öde. Abwechslung ist schlicht nicht genug vorhanden.

In der anfangs erwähnten Kneipe kann man seine Gruppe aus den „Heroes“ zusammenstellen, und Story-Missionen/Videos erneut abrufen, was ein paar Minuten unterhält, und es gibt auch die Möglichkeit, eine Liste von Gegner zu komplettieren, in der es gilt den Gegner XY so und so oft zu töten – als Belohnung gibt es Minimedaillien, die gegen Rezepte oder besonders starke Waffen eingetauscht werden können. Sammelwütige Spieler bekommen so etwas Mehrwert geboten, aber es ist doch ziemlich eintönig. Für die komplette Story, sowie ein paar Nebenmissionen kann man gute 20 Stunden beschäftigt sein. Wer alle Nebenmissionen macht, kommt sicherlich auf um die 25 Std, und wer absolut alles macht, inkl. jeden einzelnen Gegner umnieten, alle Items herstellen, bzw. die Materialien für diese sammeln, dürfte weit über 50 Std. beschäftigt sein.

Unverständlicherweise gibt es KEINEN Multiplayer, was zu einem großen Punktabzug führt. Es gibt Titel aus gleichem Entwicklerhaus, die genau so etwas sind wie DQ Heroes: Dynasty Warrior gemixt mit einem Spieleuniversum – und diese bieten einen Multiplayer. Es ist unverständlich, warum keiner beigefügt wurde – in Teil 2 soll er kommen. Na toll!

Technik

Zum Grafikstil des Spiels kann man sagen: Super! Perfekt die Vorlage getroffen. Alles wirkt in sich stimmig, bunt und fröhlich – typisch für Dragon Quest. Die Figuren aus der Fehde von Akira Toriyama haben den typischen Wiedererkennungswert, und sind zumindest was den Comic-Look anbelangt schön anzusehen. Klar, aufgrund des Grafikstils kommt das Spiel wenig realistisch rüber, so dass eine Argumentation bezüglich der Technik mit Worten wie „realistisch, plastisch, authentisch“ usw. nicht funktioniert. Der Comic-Look passt, und besonders toll ist, dass sich CGI-Filme und Filme in Spielgrafik nahezu gleichen – so ist der „Schnitt“ kaum bemerkbar, und alles wirkt in sich runde. Fakt ist aber auch, dass Texturen, Modelle oder auch Details in den Arealen, alles andere als up to Date sind. So sind einige Texturen unscharf, Bäume bewegen sich nicht, und sind grob modelliert, und Nebencharaktere wie Stadtbewohner o.ä. sehen eher aus wie eine Full HD-Version eines Charakters aus einem PS2-(ja 2!)Spiel. Dafür läuft es butterweich und ruckelt niemals, egal wie viele Gegner den Bildschirm füllen, und ist in 1080p aufgelöst. Die Gegnermengen sind ebenfalls teils recht beeindruckend, und wenn man einen Zauber in die Gegnergruppe wirkt, diese herumwirbelt, und alles einfach nur chaotisch drunter und drüber geht, ist es fast schon egal, dass die Grafikqualität an sich nicht so gut ist.

Der Sound geht in Ordnung, auch wenn die Auswahl der Musikstücke hätte größer sein können. Dafür werden die typischen Dragon Quest-Soundeffekte und typischen Klänge verwendet – den Fan freut es! Sei es nur das „Pling“ einer Münze, oder eine Siegeshymne – Fans erkennen es sofort!

Der Sinn bei Spielen a la Dragon Quest Heroes ist es, möglichst viele Gegner einfach wegzuhauen – das macht den Spielspaß aus. Dass da keine herausragende Gegnerintelligenz nötig ist, dürfte klar sein. Aber muss diese derart unterirdisch sein? Man kann sich oft einfach neben einen Gegner stellen, und nichts passiert, man wird schlicht nicht angegriffen. Auch kommen die Gegner nicht auf einen zu, und laufen einem dumm ins Messer – selbst den Gefallen tuen sie einem oft nicht, und stehen lieber wie Statuen rum, darauf wartend, dass man hingeht und sie weghaut. Auch die K.I. der Gefolgsleute ist schlicht nicht vorhanden. „Gegner neben mir? Egal, ich stehe einfach mal rum“. Jede Vogelscheuche hat mehr Grips.

Zur Bedienung kann man nur sagen: Simpel und gut! Einfache Tastenkombos wie Quadrat, Quadrat, Dreieck, oder Quadrat Quadrat, Quadrat, Dreieck führen zu verschiedenen Kombi. Dazu noch eine Block-Taste, eine zum Ausweichen und eine Taste für die Spezialfertigkeiten. Alles geht leicht von der Hand – zu leicht fast schon. Es reicht simples Knopf-Hämmern für den Sieg. Deckung braucht man kaum, Ausweichen kann mal hilfreich sein, aber dann auch nur bei Attacken die einem mal eben die halbe Lebenspunkt-Leiste abziehen – Dynasty Warrior eben, entschuldigt aber nicht für das doch eigentlich zu simple Spielprinzip, man muss es mögen. Es hat aber auch seinen Reiz, einfach sinnlos alles wegzukloppen – ganz klar ein zweischneidiges Schwert.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
74
74
-
Multiplayer

FAZIT

Die 74 % sind eher ein Kompromiss, welcher einen wichtigen Gesichtspunkt der Bewertung anspricht. Fans dürfen ein paar Prozent aufschlagen, nicht-Fans abziehen. Es kommt darauf an, was man von dem Spiel erwartet, und "woher man kommt". Will man ein Rollenspiel, wird man maßlos enttäuscht. Will man ein Dynasty Warrior, bekommt man genau das - nur eben mit einem anderen Look. Daher sind hier auch bewusst keine Abzüge für das simple Spielprinzip eingeflossen. Fakten sind aber z.B., dass es schlicht keine Abwechslung gibt, simples Spielprinzip hin oder her, und dass dadurch die Langzeitmotivation leidet. Auch die Technik könnte grafisch gesehen besser sein. Fakt ist aber auch, dass es in seiner Einfachheit Spaß macht und einen ein paar Stunden unterhalten kann. Macht man eine Pause, legt es am nächsten Tag wieder ein, macht es erneut Spaß. Nur eben nicht zu lange am Stück spielen!

- Von  Darius

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